Sonntag, 30. November 2014

Monatsrückblick November 2014

Heute ist schon der erste Advent, und das letzte Zwölftel des Jahres 2014 bricht an. Es ist erschreckend, wie die Zeit rennt. Dafür, dass ich an manchen Tagen überhaupt nicht zum Lesen gekommen bin, habe ich doch einiges geschafft.
Ich habe im November insgesamt 11 Bücher gelesen, das waren 3088 Seiten.

Hier nochmal die ausführliche Übersicht:
Wow, ich sehe, es waren im November durchwegs Vier- und Fünf-Sternebücher. Mit so einem Lesemonat kann man wirklich zufrieden sein! Obwohl ich einigen Büchern die volle Sternezahl gegeben habe, ist eines dabei, das mein absolutes Monatshighlight war und das sich daher den Siegerkranz verdient hat. Es ist - TUSCH....: Brigitte Jansons "Winterapfelgarten"


Neuzugänge gab es auch ein paar, aber sie haben sich einigermaßen im Rahmen gehalten. 
"Kinder des Meeres" von Charlotte Lyne lese ich gerade im Rahmen einer Leserunde bei Leserunden.de und bin sozusagen bereits mittendrin in der Geschichte.

"In einem weiten Land" von Johanna Nicholls habe ich als Rezensionsexemplar erhalten. Mit 736 Seiten ist es ein ziemlicher Wälzer, der lt. Inhaltsangabe zu großen Teilen in Australien im 19. Jahrhundert spielt.
"Die Tuchhändlerin" von Ivonne Hübner habe ich ertauscht, da mir von der Autorin  schon "Im Land der Sümpfe" so gut gefallen hat.

"Im Jahr des Skorpions" von Isabell Pfeiffer stand lange auf meiner Wunschliste. Nun habe ich es durch einen Tausch in der Bücher-Überraschungsgruppe bei Facebook erhalten.

Zwei Highlander-Romane wurden mir von der Autorin zugeschickt, und ich bin schon gespannt darauf. Allerdings werde ich wohl erst im neuen Jahr dazu kommen, sie zu lesen.

"Tochter der Elbe" von Ricarda Jordan habe ich bereits im Oktober gelesen. Es gab dazu eine Leserunde bei Lübbe.de, und mir wurde die Druckfahne zur Verfügung gestellt, um den Roman vorab zu lesen. Nun habe ich auch das fertige Buch für meine Sammlung erhalten, zusammen mit einer signierten Karte der Autorin.
Tee trinke ich zwar das ganze Jahr über, aber im Winter natürlich verstärkt, und die Auswahl ändert sich auch passend zu den jeweiligen Jahreszeiten. Wenn im Herbst neue Sorten in den Teeläden einziehen, kann ich immer nicht widerstehen, was man an der winterlichen Auswahl sehen kann, die ich euch im November vorstellen möchte.
Den Anfang mache ich mit zwei Sorten vom Teewicht:
Bambustee "Orangengarten", natürlich aromatisiert. Ein wunderbarer Tee, den man gut auch abends genießen kann, wenn man Probleme mit Coffein hat. Man sieht schon an der Mischung, dass richtige Orangenstücke im Tee enthalten sind. Außerdem sind auch Sonnenblumenblüten und kandierte Papayastücke enthalten, die den Geschmack sehr schön abrunden.

Schwarzer Tee "Gewürzkuchen". Der Tee schmeckt wirklich ein wenig wie Gebäck, sehr würzig, fast weihnachtlich, dabei aber auch mit fruchtigen Komponenten, denn auch hier sind kandierte Papayastücke und Mangostücke enthalten. Die Basis ein ein kräftiger Assam, und neben Zimt, Ingwer und Cardamom erhält der Tee sein Aroma auch durch Orangenschale. Als kleine Besonderheit sind Schokoladensternchen enthalten, die beim Aufgießen schmelzen und dem Tee etwas Weiches verleihen.

Mit dem Herbst ist auch Herbert wieder eingezogen und hat es sich in meinem Teeschrank gemütlich gemacht. Er kommt aus dem Teeladen, in dem ich gerne einkaufe und ist quasi der kleine Bruder von Karlheinz. Ich mag sie beide und kann mir den Herbst ohne sie nicht vorstellen, denn das Aroma ist einfach unvergleichlich und lässt sich nur schwer in Worte fassen, die dem Tee gerecht werden. Mein Tipp: auch wenn man normalerweise Anis und Fenchel nicht mag, sollte man diese Mischung probieren, denn der Geschmack ist sehr ausgewogen, und keines der Gewürze schmeckt zu stark hervor. 

Meine vierte Empfehlung habe ich selbst gemischt, was ganz einfach ist und interessante Ergebnisse bringt. Ich hatte einen grünen Bio-Rooibos pur, also völlig ohne Aroma. Dazu gegeben habe ich ein paar Tropfen Orangen-Würzessenz, die es von Primavera direkt für die Aromaküche gibt. Ich habe das ätherische Orangenöl einfach auf den Tee geträufelt, die Dose verschlossen, leicht durchgeschüttelt und ein paar Tage durchziehen lassen. Dann hat man einen leckeren Orangen-Rooibos, bei dem man die Intensität des Aromas selbst bestimmen kann. Ich empfehle, mit wenigen Tropfen anzufangen und bei Bedarf lieber noch ein wenig Öl nachzuträufeln, wenn man das Aroma kräftiger mag.

Seit einigen Tagen duftet es auch wieder richtig gut und würzig. 
Ich habe bereits im letzten Advent ein tolles Überraschungspäckchen bei Letters from Juliets Adventsverlosung gewonnen. Unter anderem waren auch zwei schöne Kerzen von Bartek Candles im Dekoglas im Paket, eine davon brennt nun seit einigen Tagen und verbreitet ihren feinen Duft "Ginger Bread", und außerdem sieht sie auch noch wunderschön aus, wenn die Motive von innen beleuchtet sind. Wenn die Kerze leer gebrannt ist, werde ich das hübsche Glas mit Teelichtern weiter verwenden.


Nun wünsche ich euch einen schönen Start in den letzten Monat des Jahres und eine wunderbare Adventszeit. Es liegen so viele tolle Bücher auf meinem SuB, die ich im Dezember lesen möchte, auch weihnachtliche Lektüre ist dabei.
Wie geht es euch, lest ihr im Dezember gerne speziell winterliche oder weihnachtliche Bücher? 







Canterbury Requiem - Gitta Edelmann


Die junge Autorin Ella Martin lebt erst seit ein paar Wochen in Canterbury. Ihr Verlag hat sie zur ausgiebigen Recherche dorthin geschickt, um Eindrücke für ihren neuen Liebesroman zu sammeln. Bei einer Chorprobe, die Ella besucht, um Anschluss zu finden, lernt sie auch Aileen kennen. Als letzte verlassen die beiden Frauen das Gebäude und machen sich getrennt auf den Heimweg. Am nächsten Tag erfährt Ella, dass Aileen tot ist; sie wurde überfahren. Was zuerst nach einem tragischen Unfall mit Fahrerflucht aussieht, erweist sich als viel komplizierter, denn Aileen stand zum Zeitpunkt des Unfalls unter starken Beruhigungsmitteln. Nachdem die Polizei auch Ella als Verdächtige verhört hat, beschließt diese, dass es nicht schaden kann, selbst ein wenig nachzuforschen, denn es ist ein Rätsel, wieso Aileen eine derart hohe Dosis des Beruhigungsmittels genommen hat. Wollte sie vielleicht ihrem Leben selbst ein Ende setzen, oder steckt gar noch jemand anderes dahinter? Ella hört sich in Aileens Familie und Bekanntenkreis um. Sie freundet sich mit allen möglichen Leuten an und trifft sich mit zwei alten Damen zum Häkelkränzchen. Dabei macht sie einige überraschende Entdeckungen, aber auch schmerzhafte Erfahrungen...

Schon die äußere Aufmachung dieses Krimis ist sehr ansprechend. Das dunkle Cover wirkt geheimnisvoll und ein wenig alt. Jedes Kapitel wird von einem kleinen Bild eingeleitet, das die Silhouette Canterburys zeigt, wie auch schon der Einband. Ella ist eine sympathische junge Frau, die sich schon nach kurzer Zeit gut in der Stadt eingelebt hat. Sie findet leicht neue Kontakte. Sie freundet sich mit Agatha, der ehrenamtlichen Mitarbeiterin eines Charity-Shops, an und besucht regelmäßig die Chorproben. Eigentlich soll sie ja einen Liebesroman schreiben, aber nach Aileens Tod sind eher ihre kriminalistischen Fähigkeiten gefragt, und die sind gar nicht mal so schlecht. Das Umfeld, in dem sich die Protagonistin bewegt, ist typisch englisch, was mir sehr gefallen hat. Dem liebevollen Begriff „Häkelkrimi“ macht dieser Roman alle Ehre, denn hier wird wirklich ausgiebig gehäkelt! Was sich nach und nach ergibt und wie sich ein Puzzleteilchen in diesem Fall zum anderen fügt, ist spannend und kurzweilig erzählt. Ella hat das Glück, immer die richtigen Leute zu treffen und wichtige Situationen abzupassen. Allerdings kommt nebenbei auch eine Sache zutage, die Ellas Vergangenheit betrifft und bei der mir die Zufälle dann doch ein wenig zu viel sind. Diese zweifelhafte Sache, über die ich jedoch nicht mehr verraten möchte, um künftigen Lesern die Spannung nicht zu nehmen, hat meines Erachtens dem Roman etwas von seiner Glaubwürdigkeit genommen. Aber das werden manche Leser vielleicht ganz anders empfinden oder sich nicht davon stören lassen. Insgesamt hat mir der Krimi gut gefallen, schon allein der traumhaften Kulisse wegen, in der sich die Handlung abspielt. Lesenswert ist er auf jeden Fall!




Samstag, 29. November 2014

Die Liebesbotin der Königin - Bettina Pecha


Norfolk, 1533: Die dreizehnjährige Elizabeth Ruscot soll auf dem Landsitz von Lady Agnes, der Witwe des 2. Dukes of Norfolk, eine angemessene Erziehung erhalten. In Chesworth House trifft sie viele junge Adlige, unter anderem auch Catherine Howard, die Enkelin von Lady Agnes. Die beiden Mädchen werden Freundinnen und verlieben sich gleichzeitig in den attraktiven Francis Dereham, der als Lady Agnes' Sekretär ebenfalls zum Haushalt gehört. Francis hat nur Augen für Catherine, und Elizabeth bleibt enttäuscht zurück. Sechs Jahre später, kurz nach ihrer Heimkehr, erfährt sie, dass sie gegen ihren Willen Lord Philip Hamilton heiraten soll. Der ernste und schweigsame Mann schüchtert sie ein. Nur widerstrebend fügt sie sich in dieses Arrangement, und es dauert lange, bis die jungen Eheleute erkennen, dass sie sich lieben. Ihr neu gefundenes Glück ist nur von kurzer Dauer, denn Henry VIII. hat mittlerweile Catherine Howard zu seiner fünften Frau gemacht, und die junge Königin beruft Elizabeth als Hofdame zu sich. Kurze Zeit nach ihrer Ankunft erfährt Elizabeth den wahren Grund, wieso Catherine sie bei sich haben möchte. Sie braucht ihre alte Vertraute und Freundin als Vermittlerin, um Thomas Culpeper, ihrem Geliebten, heimlich Nachrichten zukommen zu lassen. Aber der König erfährt, dass seine junge Frau ihm Hörner aufgesetzt hat. Als Catherines heimliche Machenschaften auffliegen, gerät auch Elizabeth in höchste Gefahr. Francis Dereham ist ebenfalls in Catherines Dienste getreten, eine Entscheidung, die sich als verhängnisvoll für ihn erweist.

Kurzweilig und lebhaft beschreibt Bettina Pecha das damalige Leben und das Treiben am Hof des Königs Henry VIII, so dass man sich in diese Zeit versetzt fühlt und den Eindruck hat, den Hofklatsch aus erster Hand zu erfahren. Im krampfhaften Bemühen um einen Thronfolger geht der König mehrere Ehen hintereinander ein und entledigt sich seiner vorherigen Frauen auf unterschiedliche Weise, wenn sie ihm nicht den Wunsch nach einem Sohn erfüllen können. Das alles erfährt man aus Elizabeths Sicht. Auch deren Entwicklung erlebt man hautnah mit, von der unerfahrenen und stürmischen Jugendlichen, die den Zauber der ersten Liebe erlebt, bis zur gereiften Frau, die nun ihren Scharfsinn einsetzt und mit Weitblick handelt. Aber trotz aller Vernunft gerät sie in den Sog der Gefahr, denn sie kann sich den Intrigen und dem Willen Catherines nicht entziehen. Wenn ich das schreibe, verrate ich nicht zu viel, denn auf diese Gegebenheit weist eigentlich schon der Titel des Romans hin. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, denn die damalige Zeit und alles, was mit Henry VIII. Und seinen Frauen zu tun hat, finde ich sehr interessant, und es ist im Roman auch schön ausführlich und informativ beschrieben. Alle Persönlichkeiten hat die Autorin plastisch und lebendig gezeichnet. Neben Elizabeth und Philip fand ich besonders Catherine Howard und Anna von Kleve sehr fein charakterisiert.

Leider ist das Ende der Geschichte etwas abrupt, und man entlässt die Protagonisten ins Ungewisse. Wie es mit Elizabeth und Philip weitergeht und was aus ihren Plänen wird, das hätte ich sehr gerne noch erfahren, beispielsweise in einem abschließenden Kapitel, das einen Blick in die Zukunft gewährt. Aber vielleicht besteht ja Hoffnung auf eine Fortsetzung, was ich sehr begrüßen würde.

Diesen Roman habe ich im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks gelesen und bedanke mich ganz herzlich für die Überlassung des eBooks. Wer sich für Henry VIII. und seine sechs Frauen interessiert und gerne die Schauplätze des Romans sehen möchte, dem möchte ich empfehlen, die Website der Autorin zu besuchen, denn dort hat sie jede Menge an Hintergrundwissen bereitgestellt: Zur Website vonBettina Pecha



Freitag, 28. November 2014

Ben der Schneemann...können wir nicht teilen? - Guido van Genechten


Gerade vor Weihnachten machen sich die meisten von uns Gedanken, was man seinen Lieben schenken könnte. Daher ist es mir nun schon zur schönen Tradition geworden, meine Rubriken "Geschenkidee" bzw. "Die schönsten Bilderbücher für die Weihnachtszeit" zu erweitern. 
Heute möchte ich euch in diesem Sinn ein Bilderbuch vorstellen, denn es gibt Neues vom kleinen Schneemann Ben. Vielleicht können sich einige noch an meinen Beitrag im letzten Jahr erinnern, denn damals ist der erste Band um den kleinen niedlichen Kerl erschienen. Ausführliche Informationen dazu habe ich hier gepostet: Ben der Schneemann

Darum geht es im Buch:
Ben lebt, mit vielen anderen Schneemännern zusammen, im Eisland, wo es immer schön kalt ist und der Schnee nicht schmilzt. Er ist glücklich und zufrieden und hat schon viele Freunde gefunden. Alle Schneemänner, ob groß oder klein, dick oder dünn, tragen etwas auf dem Kopf: einen Hut, eine Mütze oder auch einfach nur eine leere Dose. Schneemänner haben eben immer etwas auf dem Kopf. Eines Tages taucht der Schneemann Dimitri auf. Er kommt aus dem Norden und trägt keinen Hut und keine Mütze. Als Ben ihn danach fragt, wird Dimitri ganz traurig, denn er hat seinen Hut unterwegs in einem Schneesturm verloren. Ben erklärt sich großzügig bereit, Dimitri seine eigene Mütze für ein paar Tage zu leihen, aber als er sie zurück haben möchte, ist Dimitri nicht bereit, sie wieder herzugeben. Ben ist enttäuscht, aber zusammen mit seinem Freund Alfred, einem weisen, alten Schneemann, überlegt er sich eine Lösung für das Problem. Wenn alle teilen, ist auch keiner unglücklich, und so wechseln seitdem im Eisland ständig die Kopfbedeckungen der Schneemänner reihum. Auch Dimitri teilt nun mit den anderen, und jeder ist zufrieden. Zwar ist immer ein Schneemann ohne Kopfbedeckung, aber der fühlt sich gut dabei, denn er weiß, bald bekommt er wieder einen Hut oder eine Mütze von einem seiner Freunde geliehen.

Mein Eindruck:
Auf spielerische Weise hat sich Guido van Genechten diesmal eines Themas angenommen, das gerade für die Kleinen oft mit Schwierigkeiten verbunden ist. Die kluge Art, wie Ben und seine Freunde das Problem lösen, ist schon für Dreijährige gut verständlich dargestellt.  Die Kinder lernen, sich in andere hinein zu versetzen und erfahren, was Empathie ist. Der kurze Text und die liebevollen Bilder vereinen sich hier zu einer zauberhaften Geschichte, die unterhaltsam und spannend ist, den Jüngsten aber ganz nebenbei sehr wichtige Erkenntnisse und Einsichten vermittelt. Kinder werden das Buch lieben und immer wieder gerne betrachten, und die Geschichte lässt sich auch prima, zusammen mit Freunden, in einem kleinen Rollenspiel umsetzen. Egal ob an Nikolaus oder zum Weihnachtsfest, vielleicht auch einfach als Mitbringsel zum Adventskaffee, mit diesem schönen und einfühlsam geschriebenen Buch wird man den kleinen Empfängern viel Freude bereiten.

Donnerstag, 20. November 2014

Lesekochbuch Bayreuth - Birgit Ringlein & Reiner Benker

Rezepte und Geschichten rund um den Gleeßtopf Auch wenn es mich in Sachen Kochen und Backen häufig in die Ferne zieht und ich vor allem der Mittelmeerküche sehr zugetan bin, so gibt es doch immer wieder Zeiten in denen ich mich gerne auf traditionelle Gerichte meiner Heimat besinne. Gerade im Herbst, wo in vielen oberfränkischen Orten Kirchweih gefeiert wird, finde ich es besonders schön und heimelig, nach alten Rezepten meiner Großeltern zu kochen. Da geht es mir wie Birgit Ringlein und Reiner Benker, den Autoren des Lesekochbuchs Bayreuth, denn auch bei mir werden Kindheitserinnerungen wach, wenn Bratendüfte durch die Küche ziehen und das Wasser im “Gleeßtopf” kocht. Zur Erläuterung für alle Nicht-Oberfranken: “Gleeßtopf” ist der Topf, in dem die Klöße gekocht werden.

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Das eben erwähnte Lesekochbuch ist etwas ganz Besonderes. Zum einen gibt es mir die Möglichkeit, die traditionelle Küche Bayreuths mit meinen Hofer Rezepten zu vergleichen, denn in beiden Städten ist die oberfränkische Küche zuhause, es ist vieles ähnlich, aber man findet doch immer wieder regionale Unterschiede. Die Gleeß (Klöße) werden in Bayreuth eigentlich genauso zubereitet, wie ich es kenne, vielleicht mit kleinen Abweichungen bei den Mengenangaben. So gab es kürzlich Klöße nach dem Bayreuther Rezept, und was soll ich sagen, es passt!

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Neugierig war ich auch auf die “Kerbassubbm” (Kürbissuppe), denn ich habe sie bisher ein klein wenig anders gemacht. Auch hier konnte mich das Ergebnis aus dem Bayreuther Lesekochbuch überzeugen, und ich werde demnächst öfter mal regional ein wenig “fremdgehen”

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Es gibt vieles, was ich ebenso zubereite, wie es die Autoren beschreiben, sei es die “Grießgleeßlasubbm” (Grießklößchensuppe), die “Pfannakungsubbm” (Pfannkuchensuppe oder Flädlesuppe), “Saura Zipfl” (saure Bratwürste aus dem Sud) oder “Sauerbrodn” (Sauerbraten), der auch bei uns mit “Reibkung” (Soßenkuchen) gemacht wird und einfach traumhaft schmeckt. Manche Gerichte kenne ich ähnlich, wie beispielsweise “Schnitzla” (Gemüsesuppe) ist ein Pendant zu unseren “Hofer Schnitz” (reichhaltiger Gemüseeintopf), die bei uns mit “Baggala” (Kartoffelpuffer) auf den Tisch kommen. Auch für diese Puffer gibt es ein Bayreuther Rezept, im Buch unter “Gabaggna Gleeß” zu finden. Beim Blättern durch das schöne Buch kamen Erinnerungen hoch, und es wurden Sehnsüchte wach. Der “Kaapfm blau” (Karpfen blau) entspricht dem, was bei uns traditionell an Silvester früher gegessen wurde, und ein ähnliches Gericht, wie den “Wegglasbudding” (Brötchenpudding) hat meine Großmama früher oft zubereitet. Auch mir völlig Neues konnte ich im Buch entdecken, und ich werde ganz sicher den Bierbraten ausprobieren, ebenso wie die Bratwurstpfanne. Interessant klingt auch der “Graudsbrodn” (Krautsbraten), den ich auf jeden Fall nachkochen möchte. Es wird nicht nur die Alltagsküche gezeigt, sondern auch viele Festtagsgerichte werden in diesem Buch vorgestellt, so dass für das leibliche Wohl in allen Lebenslagen das Passende dabei ist. Aber wieso “Lesekochbuch”? Zwischen den über 90 Rezepten findet man reichlich Lesestoff, in Form von kleinen Anekdoten, Gedichten, Erinnerungen und Geschichten rund um die schöne Stadt Bayreuth und ihre Bewohner, damals und heute. Wie heißt es so schön: “Das Auge isst mit”, und bei diesem Buch hat es auch reichlich Gelegenheit dazu, denn viele Rezepte sind mit ansprechenden Fotos ergänzt, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Auch ein paar kulturelle Eindrücke bietet das Lesekochbuch, beispielsweise ist das Bayreuther Festspielhaus, in dem die berühmten Wagner-Festspiele stattfinden, auf dem Vorsatzpapier zu sehen. Das Umschlagbild zeigt den Sonnentempel und einen kleinen Ausschnitt der Orangerie aus der Bayreuther Eremitage. Bayreuth ist eine Bierstadt, und so kann man auch eine Außenansicht des Maisel’s Brauerei- und Büttnereimuseums im Buch betrachten. Es gäbe noch viel über das Buch zu erzählen, aber noch besser ist natürlich, es sich selbst anzusehen, denn für alle, die regionale Kochbücher lieben und vielleicht sammeln, ist dieses ein Schatzkästlein. Nicht nur Oberfranken, sondern auch Auswärtige können sich ruhig trauen, denn für alles Mundartliche  ist immer eine Übersetzung dabei. Ein besonderes Schmankerl ist nämlich das “Bareitha Wörterbuch” (Bayreuther Wörterbuch), ein Mundart-Wörterbuch, das sich an die Rezepte anschließt. Hier werden mundartliche Begriffe von “Aach” (Auge) bis “Zwaawos” (Zweierlei) erklärt. Vieles kennt man auch als Einheimischer nur noch von früher, und wenn man es in dieser originellen Zusammenstellung liest, muss man unwillkürlich schmunzeln, ganz besonders beim Abschnitt “Schimpfwörterbuch”. Nur Eingeweihte wissen, was beispielsweise ein “Drudscherla” (langsames, naives Wesen) ist. oder was man unter einem “Grischbala” (dürrer, hagerer Mensch) versteht. Der November neigt sich dem Ende zu, und Weihnachten rückt langsam aber stetig näher, und so wäre es naheliegend, das Lesekochbuch Bayreuth als hübsche und originelle Geschenkidee in Betracht zu ziehen, vielleicht für junge Oberfranken, damit sie die Traditionen ihrer Heimat in Küche und Sprache nicht ganz aus dem Gedächtnis verlieren oder für Kochbuchsammler, vielleicht auch für gebürtige Oberfranken, die mittlerweile anderswo leben, als schöne und schmackhafte Erinnerung an die alte Heimat. Ideen gibt es viele, und das Lesekochbuch Bayreuth ist für jede Küche und jedes Bücherregal eine vielfältige Bereicherung. 

Nachtrag am 23.11.2014: Heute war es mir spontan nach einem schnellen und unkomplizierten Sonntagskuchen. Da ich die Zutaten alle im Haus hatte, habe ich mich für den Nusskuchen aus dem Bayreuther Lesekochbuch entschieden. Das Tolle ist, dass man nur drei verschiedene Zutaten benötigt: Puderzucker, Eier und gemahlene Nüsse. Das Ergebnis ist phänomenal. Es ist ein richtig schön lockerer und saftiger Kuchen geworden. Mein Mann meinte, das sei der leckerste Nusskuchen, den er je gegessen hat!




Herzlichen Dank an den Sutton Verlag und an Birgit Ringlein für das schöne Rezensionsexemplar.