Donnerstag, 31. Oktober 2013

Rückblick auf den Oktober 2013



Tanja Heitmann: das Geheimnis des Walfischknochens *****
Michael Langoth: Mekong Food *****
M. L. Stedman: Das Licht zwischen den Meeren *****
Uwe Buß: Letzte Rettung für Gan *****
M. C. Beaton: Agatha Raisin und der tote Richter *****
Martina Frey: Die Tochter eines Arztes *****
Brüder Grimm, Maren Briswalter (Ill.): Der Rattenfänger von Hameln *****
Rebecca Michéle: Der Kürbismörder ****
Helen Douglas: Eden und Orion - Lichtjahre zu dir ***
Holly Black: Die Puppenkönigin ***
Monica Kristensen: In manchen Nächten ***
Aiko Onken: Marie und er und ich * (abgebrochen)

Mein Lesemonat Oktober 2013 war ziemlich durchwachsen, wie man an meiner Sterne-Vergabe sieht.
Diesmal war von einem absoluten Highlight bis zum totalen Flop alles dabei.
Ich habe insgesamt 3046 Seiten gelesen, das waren 10 Bücher und eine Kurzgeschichte als E-Book sowie ein  weiteres Buch, das ich aber nach 100 Seiten abgebrochen habe.

Das erwähnte abgebrochene Buch ist "Marie und er und ich", von Aiko Onken. Bei diesem Roman wundere ich mich sehr, wie er es zu der Auszeichnung mit dem Brigitte Romanpreis geschafft hat. Er ist mein Flop des Monats, und es gibt keine Rezension dazu, weil ich das Buch nicht zu Ende gelesen habe. M.E. gab es keinen "normalen" Charakter in der Story, alle Beteiligten hatten irgendwo einen riesigen Knacks weg, und die Handlung konnte mich auch nicht fesseln. Da man im Prolog quasi schon erfährt, wie die Geschichte ausgeht, war ich da schon völlig bedient.

Nun aber zu den erfreulichen Büchern: Auch zum Kürbismörder von Rebecca Michéle wird es keine Rezension geben, aber nicht, weil mir die Geschichte nicht gefallen hätte! Ich habe ihr vier Sterne gegeben. Da das ganze E-Book aber nur 21 Seiten hat, würde ich mit einer Rezension unweigerlich schon zu viel verraten, wie das auch leider bei einem großen Teil der Rezensionen dazu bei Amazon der Fall ist, was ich ärgerlich finde, denn dann braucht man ja die Story nicht mehr zu lesen.
Zu allen anderen Büchern habe ich die Rezensionen oben bei den Titeln verlinkt.
Weiterhin gibt es in meinem Lesemonat drei mittelprächtige sowie sieben sehr gute Bücher.
Eines dieser sieben war dann aber mit Abstand mein absolutes Highlight des Monats und rangiert ganz weit oben auf der Liste meiner Jahresfavoriten:
M. L. Stedman: Das Licht zwischen den Meeren
Ein ganz wunderbares Buch, wie ich finde. Hier stimmt einfach alles, angefangen von dem sehr schön gestalteten Cover, über eine logische, nachvollziehbare, sehr berührende und mitreißende Handlung bis hin zum bezaubernden Schreibstil, der einige "Perlen" in Form von Zitaten enthält.

* * * * *

Auch Neuzugänge gab es in den letzten Tagen noch, es sind zwei historische Romane und der zweite Band aus der "Tante Dimity Reihe" von Nancy Atherton.

Renate Habets: Die rote Lene

Tim Pieper: Mord im Tiergarten
Nancy Atherton: Tante Dimity und das geheimnisvolle Erbe


Die Überleitung vom Gelesenen zum Tee passt prima, denn vor einigen Tagen erhielt ich die zweite Ausgabe von Teecetera. Ich habe das Informationsblatt von TeeGschwendner abonniert und finde es sehr schön aufgemacht. Auf vier Seiten erfährt man Neues und Interessantes aus der Teewelt, dazu viele Tipps und Rezepte. Gut gefällt mir, dass auch immer eine Teeprobe mit im Brief liegt. Diesmal war es der Rooibos Vanille, ein sehr leckerer Tee, mit weichem und natürlichem Vanillearoma, gerade ideal für den Herbst.

In der kalten Jahreszeit trinke ich sehr gerne einen kräftigen Assam. Daher war es an der Zeit, meinen Vorrat ein wenig aufzufüllen, und ich habe mir beim Oasis-Versand einen Assam von der Plantage Gossainbarie bestellt. Der ist richtig lecker, hat einen ausgeprägt malzigen Geschmack, mit einem Hauch von frischem Brot. Assam ist der einzige Tee, den ich gerne mit ein wenig Kandis und einem kleinen Schuss Sahne genieße, dadurch wird das Aroma noch runder und voller.


Das war mein "relativ" kurzer Monatsrückblick zum Oktober 2013.
Ich wünsche euch allen einen gemütlichen November, ein kuscheliges Plätzchen zum Lesen und immer genügend gute Lektüre.

Montag, 28. Oktober 2013

Schmankerln aus dem Bauernjahr - Irmengard M. Hofmann, Abt em. Berthold Heigl OSB

Was Bauern und Mönche gerne essen
Es ein Kochbuch zu nennen wäre reichlich untertrieben. Ich würde „Schmankerln aus dem Bauernjahr“ vielmehr als kulinarisches Jahrbuch bezeichnen, denn es sind nicht nur jede Menge Rezepte enthalten, sondern daneben auch viele kleine Geschichten und Anekdoten sowie Erläuterungen von Gebräuchen, rund ums Bauern- und Kirchenjahr.
Alles ist schön übersichtlich nach Jahreszeiten geordnet, und die Rezepte orientieren sich an den kirchlichen Festen. Es finden sich für jede Saison die passenden Gerichte, abgestimmt mit den Zutaten, die zur jeweiligen Zeit gerade in Fülle vorhanden sind.
Die einzelnen Kapitel werden immer mit einem doppelseitigen, nostalgischen Gemälde eingeleitet und enthalten die Rezepte für einen oder zwei Monate. Natürlich sind auch Gerichte beschrieben, die man durchaus das ganze Jahr über zubereiten kann und die immer schmecken.
Bisher habe ich drei Spezialitäten aus dem Buch ausprobiert und war in jedem Fall begeistert.
So gab es kürzlich bei uns die „Wadschunken in würziger Rotweinsoße“, dazu ein fruchtig-würziges Rotkraut, welches ebenfalls mit Rotwein zubereitet wurde. Es passte ganz hervorragend zusammen und hat,  mit Semmelknödeln serviert, ausgezeichnet geschmeckt.
 
Auch mit dem warmen Apfel-Birnen-Kuchen, der im September-Kapitel empfohlen wird, habe ich meine Lieben verwöhnt und bin sehr angetan von diesem unkomplizierten und zugleich so leckeren Backrezept.
Beim Schmökern im Buch habe ich noch jede Menge feiner Sachen entdeckt, die ich in nächster Zeit ausprobieren möchte. Ob es etwas Deftiges, Warmes sein soll, wie die Kärntner Kassuppn, die Erdäpfelmaultaschen oder der Rollgerstltopf, oder ob man sich auf etwas Süßes freut, wie Topfennockerl auf Weichselspiegel, saftigen Mohngugelhupf oder die festliche Weihnachtstorte, hier hat man eine Vielfalt an traditionellen Gerichten, die zum großen Teil durchaus einfach nachzukochen sind, dabei jedoch durch gute und frische Zutaten zu einem kulinarischen Erlebnis werden. Für Feiertage und andere Festlichkeiten darf es dann durchaus ein wenig üppiger und komplizierter sein, wobei sich die meisten Gerichte auf wenige, leicht erhältliche Zutaten beschränken.
Da es sich um österreichische Schmankerl handelt, bin ich sehr froh, im Anhang ein Glossar zu haben, wo alle besonderen Begriffe erklärt sind. Dort habe ich dann erfahren, dass es sich bei den oben genannten „Wadschunken“ um Rinderwade handelt und dass man unter „Röster“ ein Kompott oder Mus versteht.
Glücklicherweise gibt es zu vielen Rezepten auch farbige Fotos, so dass man schon beim Betrachten Lust aufs Kochen oder Backen bekommt und auch vorab genau weiß, wie das fertige Gericht aussehen sollte und wie man es besonders hübsch anrichten kann. Leider sind nicht alle Speisen abgebildet. Bei Suppen oder Kohlgerichten ist das auch nicht unbedingt notwendig, denn das kann man sich auch so gut vorstellen. Vermisst habe ich ein Foto aber beispielsweise beim Allerheiligenstriezel, den ich gerne backen möchte. Im Rezept ist nur beschrieben, wie man in Etagen Zöpfe aus  mehreren Strängen zusammensetzt, aber um mir das Ergebnis vorstellen zu können, musste ich dann doch Google bemühen.
Das ist aber schon mein einziger Kritikpunkt, denn ansonsten bin ich von diesem Buch absolut begeistert und werde es sicher immer wieder zur Hand nehmen, wenn es darum geht, etwas Besonderes auf den Tisch zu bringen, das zur Jahreszeit passt, aus heimischen Zutaten bereitet wird und bodenständig-traditionell ist.

⭐⭐⭐⭐⭐

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Pichler Verlag und an Literaturtest.

Samstag, 26. Oktober 2013

In manchen Nächten - Monica Kristensen


Klappentext:
Zunächst sieht alles nach einem Unfall aus: In Barentsburg, der russischen Enklave auf Spitzbergen, wird eine männliche Leiche gefunden. Der 53jährige Ivan Makanin hatte einen Arbeitsunfall, war in einen großen Betonmischer gefallen. Reine Routine. Um die Formalitäten abzuwickeln, wird Kommissar Knut Fjeld vom Festland auf die ablegene Insel geschickt. Doch der wird schnell stutzig, denn die Hände des Toten wurden gebrochen. Beim Versuch, aus der Trommel zu steigen? Und das ist nicht die einzige Merkwürdigkeit, auf die der wachsam gewordene Kripobeamte stößt. Unversehens sieht er sich einer eingeschworenen Gemeinschaft gegenüber, die vor allem eines grandios beherrscht: das Schweigen …

Mein Eindruck:
Der Hauptteil des Krimis spielt sich in der russischen Polarstation und Bergarbeitersiedlung Barentsburg ab. Man merkt deutlich, dass die Autorin in dieser Welt zuhause ist, dass sie sich auskennt, denn sie ist eine der bekanntesten norwegischen Polarforscherinnen und war zudem einige Jahre selbst die Direktorin einer Kohlebergwerkgesellschaft auf Spitzbergen. Dementsprechend verfügt der Roman über einen sachlich fundierten und gut recherchierten Hintergrund; die Schauplätze wirken authentisch. Häufig lässt sich die Autorin jedoch dazu hinreißen, zu sehr ins Detail zu gehen. Lange Ausführungen, die nur am Rande mit der eigentlichen Handlung zu tun haben, lassen keine so rechte Spannung aufkommen. Besonders während der ersten Hälfte des Romans hatte ich den Eindruck, ständig auf der Stelle zu treten. Die ganze Atmosphäre in Barentsburg ist sehr frostig, nicht nur im Bezug auf das Wetter, sondern auch hinsichtlich der eisigen Mauer des Schweigens und der Nichtachtung, die sich dem Ermittler entgegenstellt.
Die Lebensgemeinschaft im Ort ist undurchsichtig, und man hat ständig den Eindruck, dass Knut Fjeld, der norwegische Kommissar vom Festland, bei der Bevölkerung unerwünscht ist. Darüber kann auch die beschriebene Gastlichkeit nicht hinwegtäuschen. Der Wodka fließt reichlich und benebelt Knuts Hirn, und dieser lässt sich zu einigen unbedachten Maßnahmen und Taten hinreißen, die gefährlich für ihn werden. Er schlittert von einem Schlamassel in den nächsten und bekleckert sich durch seine Handlungen nicht gerade mit Ruhm.
Nicht nur er, auch die anderen Charaktere blieben mir fremd. Gerade im Hinblick auf die beschriebene Denkweise und die gegenseitige Haltung der beteiligten Norweger und der Russen wird auch das eine oder andere Klischee bedient. Bereits ab der Hälfte konnte ich erahnen, wie sich die Geschichte zugetragen haben könnte. Die weiteren zweihundert Seiten sind dann dazu da, die Hintergründe erschöpfend zu klären und die Beweggründe aufzudecken. Manches, was vorher seitenweise beschrieben wurde, hat sich mir letztendlich jedoch nicht verständlich erschlossen.
Es ist eine verwirrende, schwarz-weiße Welt, zwischen Kohle und Eis, in die man von der Autorin mitgenommen wird. Leider ist bei mir der Funke nicht übergesprungen, dazu war es zu kalt auf Spitzbergen.


Dienstag, 22. Oktober 2013

Die Tochter eines Arztes - Martina Frey


Im April 1847: Die Arzttochter Eugenia Hentschel ist gar nicht begeistert, als ihre Familie Wiesbaden verlässt und nach Holzhausen zieht. Sie sehnt sich zurück in die Stadt und kann die Entscheidung ihres Vaters ganz und gar nicht nachvollziehen. Das Landleben erscheint ihr einsam und langweilig. Als sie Matthias Hollmann begegnet, treffen sie ihre eigenen Gefühle wie aus heiterem Himmel. Sie will es nicht wahrhaben, dass sie sich in den jungen Bauern verliebt hat, denn die Standesunterschiede machen diese Verbindung unmöglich.
Der einzige Mensch, der sie versteht und mit dem sie über ihre Sorgen sprechen kann, ist ihr Bruder Moritz, aber er ist oft abwesend, denn nach dem Willen seines Vaters studiert er Medizin in Gießen.

Die Geschichte um die liebenswerte Eugenia entführt den Leser in die Zeit des Biedermeier, bis hin zum Beginn der bürgerlichen Revolution im Jahr 1848. Man begleitet Eugenia und ihre Familie während dieser Zeit und erfährt von ihren Sorgen und Nöten. Das ganze Leben der jungen Frau ist vergleichbar mit dem starren  Korsett, das sie trägt. Man erfährt viel über die damalige Lebensart und die Menschen. Die künstliche Fassade des Biedermeier gaukelt Harmonie, Häuslichkeit und Ehrbarkeit vor. So romantisch, wie man sich diese Ära angesichts der rauschenden Bälle und eleganten Roben vorstellt, ist sie jedoch beileibe nicht. Die bessere Gesellschaft ist allzu sehr darauf bedacht, den guten Ruf und die öffentliche Ehre zu wahren. Auf Gefühle und Nöte des Einzelnen wird kaum Rücksicht genommen. Auch Mitgefühl mit den Ärmeren steht nicht zur Debatte. Aber es tut sich einiges im Land, denn immer mehr Menschen aus allen Gesellschaftsklassen sind nicht mehr mit dem herrschenden System und den Zuständen einverstanden. Eugenia gerät in einen starken Konflikt. Sie muss sich entscheiden, zwischen dem Gehorsam ihrem Vater gegenüber und der Liebe zu Matthias, der im Verdacht steht, in den Wäldern des Herzogs zu wildern. Auch wenn er dies aus blanker Not tut, gilt es als Verbrechen.  

Ich habe diesen Roman mit Faszination gelesen. Der herrschende Zeitgeist und der Umbruch sind authentisch dargestellt, so dass man sich ein klares Bild der Verhältnisse machen kann. Ich beneide die Protagonistin nicht, denn ihre ganze Erziehung und ihr bisheriges Leben waren nur darauf ausgerichtet, sie für eine standesgemäße Ehe vorzubereiten. Eine eigene Meinung oder gar eigenmächtige Entscheidungen waren bei Frauen nicht erwünscht. An Eugenias Beispiel wird sehr realitätsnah geschildert, was passieren konnte, wenn eine junge Frau die geebneten Bahnen verließ und ihren eigenen Weg gehen wollte.

Der angenehme und flüssige Schreibstil des Romans hat dafür gesorgt, dass ich das Buch fast in einem Rutsch gelesen habe. Leider war die Geschichte viel zu schnell zu Ende. Der Schluss ist recht knapp gefasst. So manches hätte ich gerne noch ausführlicher erfahren. Aber letztendlich war alles Wichtige gesagt, wurden alle Fragen schlüssig geklärt und alle Handlungsfäden zufriedenstellend beendet. Gut gefällt mir, dass im Anhang alle wichtigen Personen vorgestellt werden, sowohl die fiktiven Charaktere als auch historisch reale Figuren. Besonders der Erfinder August Nikolas Otto, der in Holzhausen geboren und aufgewachsen ist, hat im Roman eine sehr sympathische und wesentliche Rolle. Er fügt sich nahtlos in die Handlung ein, so als wäre dies seine reale Geschichte.

Ein besonderes Lob möchte ich auch noch für die sehr gelungene Covergestaltung anbringen. Motiv und farbliches Design sind ganz hervorragend gelungen, und beim Betrachten bekommt man gleich große Lust, das Buch zu lesen.


Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar 
Der Roman kann direkt beim Verlag bestellt werden: hier bestellbar


Sonntag, 20. Oktober 2013

Der Rattenfänger von Hameln - illustriert von Maren Briswalter


 Wer kennt sie nicht, die Sage der Brüder Grimm, von seltsam gewandeten Mann, der nicht nur Hameln von der Rattenplage befreite, sondern auch später, nachdem er den versprochenen Lohn nicht erhielt, alle Kinder aus der Stadt entführte und mit ihnen auf Nimmerwiedersehen im nahe gelegenen Koppenberg verschwand.

Maren Briswalter hat mit ihren lebendigen Illustrationen die uralte Geschichte neu zum Leben erweckt. Die Bilder bezaubern durch ihren großen Detailreichtum. Mensch und Tier, die Natur und auch die Bauwerke, alles ist sehr filigran  und authentisch dargestellt. Die Geschichte wurde von Frank Berger überarbeitet und behutsam für Kinder angepasst.
Der reduzierte Text und die stimmungsvollen Illustrationen, die mittelalterliche Atmosphäre aufkommen lassen und auch immer ein wenig geheimnisvoll wirken, machen dieses schöne Bilderbuch zu einem unvergesslichen Geschichtenerlebnis, nicht nur für die Jüngsten.




Das Buch ist meines Erachtens auch eine wunderschöne und ganz besondere Geschenkidee, gerade im Hinblick auf die nahende Weihnachtszeit.


Herzlichen Dank für die Überlassung des Rezensionsexemplars