Dienstag, 12. Juni 2018

Der Duft der Wälder - Patricia Gaffney

Der Duft der Wälder
Patricia Gaffney
Heyne (2003)
ISBN: 978-3453864160

Heute stelle ich euch einen etwas älteren Roman vor, den ich für die Challenge "18für2018" aus meinem SuB gekramt habe. Das Buch ist offiziell nicht mehr im Handel, aber es lohnt sich meiner Meinung nach durchaus, es gebraucht zu suchen, denn ich finde, die Geschichte hat einen ganz eigenen Charme.


Kurzbeschreibung:
Chicago, 1893: Nach dem Tod ihres Ehemanns zieht die junge Sydney zu ihrem Vater, einem berühmten Anthropologen. Schon bald steht die junge Witwe zwischen zwei Männern: Charles, der ehrgeizige Mitarbeiter ihres Vaters, der bereits um ihre Hand angehalten hat, und Michael, ein ebenso geheimnisvoller wie faszinierender Fremder, der in der Wildnis gefunden wurde und der offenbar mit den Wölfen gelebt hat. Er kann zwar nicht sprechen, doch mit seinen hellen Augen und seinem sanften Wesen erobert er Sydneys Herz im Nu.

Mein Eindruck:
Die Situation in diesem Roman ist außergewöhnlich, denn der Protagonist ist ein so genanntes „Wolfskind“. Der junge Mann wuchs in der Wildnis auf, und keiner weiß, wie es dazu kam. Sydneys Vater hat den Auftrag, das Wesen des „Wilden“ zu erforschen. Der Anthropologe Dr. Winter ist ein recht zerstreuter Professor, der selten bei der Sache ist, wenn es um etwas anderes als seine Forschungen geht. Er und sein Mitarbeiter sehen in dem „verlorenen Mann“ weniger den Menschen, sondern hauptsächlich ein Forschungsobjekt.
Nur die drei Kinder des Professors, Sydney und ihre Brüder Sam und Philip, sind hier feinfühliger und merken schnell, dass der Wilde kultivierter ist als angenommen. Michael, so heißt er, wie ihm irgendwann einfällt, fasst hauptsächlich zu Sydney Zutrauen. Ihr gegenüber benimmt er sich anders, und mit ihr spricht er eines Tages auch. Sie wiederum spürt, dass der verlorene Mann nicht gefährlich ist, wie viele vermuten. Sie beginnt, vieles mit seinen Augen zu sehen. Michaels Entwicklung, wie er nach und nach vieles wieder lernen muss, was er in der Wildnis vergessen hatte, wie so langsam seine Erinnerung zurückkehrt, das alles ist faszinierend und sehr einfühlsam geschildert. Auch der damalige Zeitgeist, alles Fremde „auszustellen“ und vorzuführen, kommt im Roman gut heraus.
Die verschiedenen Charaktere, ihre Einstellung und ihre Beweggründe lernt man ausführlich kennen. Es ist 1893, das Jahr der Weltausstellung in Chicago. Auch die Familie Winter besucht die Ausstellung, und ihre Eindrücke sind sehr intensiv wiedergegeben.
Sehr berührend fand ich einen gemeinsamen Besuch im Zoo und seine Folgen. Man versetze sich in Michael, der bei Wölfen aufgewachsen ist, als er nun diese stolzen Tiere hinter Gittern findet...

Die Handlung ist insgesamt sehr kurzweilig und fesselnd. Michaels Entwicklung ist ausführlich und interessant beschrieben und gut nachvollziehbar. Auch eine zarte Liebesgeschichte kommt im Roman nicht zu kurz. Einzig das Ende empfand ich als sehr konstruiert, denn die Ereignisse, die minutengenau zur richtigen Zeit eintreffen, das war mir denn doch des Zufalls ein bisschen zu viel. Obwohl ich mit dem Schluss nicht zu 100 % zufrieden bin, hatte ich schöne und interessante Lesestunden mit diesem Roman.


⭐⭐⭐⭐

1 Kommentar:

  1. Ach wie lustig... Und was hat gerade den Weg auf meinen Tisch gefunden? "Das Wissen der Engel" von Jill Paton Walsh, in dem auch ein Wolfskind vorkommt. Ich könnte mir vorstellen, dass du es interessant findest, nachdem du "Der Duft der Wälder" gelesen hast.
    Liebe Grüße, Jürgen

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