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Mittwoch, 4. Januar 2023

Früher war ich auch mal jung - Bettina Tietjen (Hörbuch, von der Autorin selbst gesprochen)

 

Früher war ich auch mal jung
Bettina Tietjen
Hörbuch, gelesen von der Autorin
Osterwold Audio
ISBN: 978-3869525365




Kurzbeschreibung:

>>Vom Leben und anderen Komplikationen<<

Als Bettina Tietjen im Keller ihre alten Tagebücher wiederfindet, beginnt für sie eine aufwühlende Zeitreise. Sie begegnet ihrem 14-jährigen Ich wieder, das sich leidenschaftlich politisch positioniert, taucht ein in die ersten, manchmal auch nur heiß ersehnten Liebschaften, die Jahre der Abnabelung vom streng gläubigen Elternhaus und die große Suche nach dem Lebensglück. Konfrontiert mit den Träumen, den Idealen und Ängsten ihres jüngeren Ichs, begibt sich die heute einundsechzigjährige Moderatorin, Autorin und Talkmasterin auf eine höchst unterhaltsame, aber auch nachdenkliche Selbsterkundung und stellt fest: auch wenn wir Jahrzehnte später ganz anders auf das Leben blicken, können wir einiges von unserem jüngeren Ich lernen!

Freitag, 5. Oktober 2018

Hanna / Kriegsjahre einer Krankenschwester - Sandra Jungen



Klappentext:

Das Deutsche Reich 1942: Kurz nach ihrem Examen wird Hanna in die Krankenpflege der Wehrmacht eingegliedert. Obwohl sie lieber bei ihrer Familie in der Eifel wäre, beugt sie sich dem Befehl und kämpft fortan als Frontschwester um das Leben der Verwundeten – ebenso wie um das eigene. Nur mit knapper Not gelangt sie zurück nach Deutschland, wo sie in München den Luftkrieg in all seinen grausamen Facetten durchlebt und schließlich die harte Hand des Regimes am eigenen Leib erfahren muss. Basierend auf den Erinnerungen ihrer Großmutter, Jahrgang 1922, die den Zweiten Weltkrieg als Krankenschwester erlebte, schildert Sandra Jungen die Geschichte einer jungen Frau, die ihre Zweifel an der NS-Ideologie viel zu lange verdrängt. Wie so viele in dieser Zeit.

Montag, 11. September 2017

Marlenes Geheimnis - Brigitte Riebe

Drei Frauen, drei Generationen und ein Geflecht aus Lügen

Klappentext:
Marlene hat die Vertreibung aus der Heimat nach dem Krieg längst hinter sich gelassen. Vor mehr als siebzig Jahren begann sie mit ihrer Mutter Eva am Bodensee ein neues Leben. Eine florierende Schnapsbrennerei, die die Früchte der Region verarbeitet, ist ihr ganzer Stolz. Erst als ihre Nichte Nane kurz nach Evas Beerdigung die Aufzeichnungen der Großmutter liest, bricht die Vergangenheit ohne Vorwarnung herein. Und ein lang gehütetes Geheimnis kommt zutage …

Freitag, 18. März 2016

Das glücklichste Jahr - Petra Oelker

Das Leben der Eva Lessing




Dies ist kein Roman, sondern hier nimmt Petra Oelker ihre Leser mit auf eine Zeitreise ins 18. Jahrhundert. Wir wandeln auf den Spuren von Eva Lessing, im März 1736 als Eva Catharina Hahn in Heidelberg geboren. Zwölf Jahre war sie mit dem Hamburger Kaufmann Engelbert König verheiratet. Gotthold Ephraim Lessing war dem Ehepaar König freundschaftlich verbunden, und als Engelbert im Jahr 1768 starb, kümmerte sich Lessing um die Witwe, wie er es dem Freund versprochen hatte.

Schon bald merkt man, dass seine Zuneigung für Eva tiefer geht. Gotthold Ephraim Lessing hatte sich in die junge Witwe verliebt. Dieses Gefühl war ganz sicher nicht einseitig, und 1771 verlobten sich die Beiden. Aber es sollte noch acht Jahre dauern, bis sie endgültig ein Paar wurden, denn es warteten anderweitige Verpflichtungen auf sie. Während Lessing in Wolfenbüttel die Stelle als Bibliothekar in der Herzog-August-Bibliothek antrat, musste sich Eva erst einmal um den Nachlass ihres verstorbenen Mannes kümmern und reiste für längere Zeit nach Wien, um die König'schen Fabriken weiterzuführen und später zu veräußern. Dies alles nahm mehr Zeit in Anspruch als sie anfangs vermutete.

Erst im Oktober 1776 heirateten sie und zogen nach Wolfenbüttel. Leider war dem Ehepaar Lessing nur ein kurzes gemeinsames Glück beschieden, denn schon im Januar 1776 starb Eva, wenige Tage nach ihrem neu geborenen Sohn Traugott, am Kindbettfieber. Der frühe Tod seiner großen Liebe und seines einzigen, neu geborenen Kindes war ein Schicksalsschlag, von dem sich Lessing wohl nie ganz erholte. Er selbst starb nur drei Jahre später.

In feinfühliger und sehr sympathischer Weise spürt die Autorin den damaligen Ereignissen und Gegebenheiten nach und fügt sie zu einem stimmigen Bild zusammen. Anhand ihrer lebendigen Schilderungen kann man sich bestens in die Geschichte hinein versetzen, denn sie stellt diesen Zeitabschnitt, das soziale, gesellschaftliche, kulturelle und auch wirtschaftliche Leben, mit all seinen Facetten, sehr bildhaft und ausführlich dar, so dass sich der damalige Zeitgeist (wir befinden uns in der Epoche der Aufklärung) sehr deutlich nachempfinden lässt. Vieles von damals lässt sich anhand von schriftlichen Überlieferungen nachvollziehen, anderes ist ungewiss. Die Autorin hat ein sehr feines Gespür für Stimmungen und Situationen. Eva Lessings Lebensweg ist liebevoll und sehr gründlich recherchiert und dargelegt. Die Lücken zwischen den bekannten Fakten füllt Petra Oelker mit realistischen und sehr pragmatisch angestellten Vermutungen. Anhand der Tatsachen stellt sie sich die Fragen, wie könnte es wirklich gewesen sein, wie hätten die Betroffenen in bestimmten Fällen reagiert. Als Quelle für Informationen standen unter anderem hier besonders die so genannten „Brautbriefe“ zur Verfügung. Dieser rege Schriftwechsel zwischen Eva und Lessing gibt sehr persönliche und authentische Einblicke in das Denken und Fühlen dieses außergewöhnlichen Liebespaars.

Bisher kannte ich nur die Romane der Autorin, habe aber nun entdeckt, dass sich Petra Oelker daneben auch gerne außergewöhnlichen Frauenschicksalen widmet und diese nachzeichnet. „Das glücklichste Jahr“ hat mich sehr berührt und beeindruckt, denn das Buch zeigt, dass die faszinierendsten und berührendsten Geschichten doch das Leben selbst schreibt.



Mittwoch, 2. März 2016

Ich heiße nicht Miriam - Majgull Axelsson




Zu ihrem 85. Geburtstag bekommt Miriam Guldberg einen silbernen Armreif von ihrer Familie geschenkt, wo ihr Name eingraviert ist. Als sie dies sieht, bemerkt sie spontan „Ich heiße nicht Miriam“ und stürzt damit ihre Lieben in Verwirrung.
Als junge Frau kam die Jüdin zum Ende des Krieges nach Schweden, aber bisher wurde auch in der Familie nie über ihre schlimme Vergangenheit und ihre schreckliche Zeit während der Gefangenschaft im KZ gesprochen.
Als sie nun behauptet, sie sei nicht Miriam, befürchtet ihre Enkelin sogar, sie könne womöglich unter beginnender Demenz leiden. Aber dem ist ganz und gar nicht so, denn Miriam hat ein gutes Gedächtnis, fast zu gut. Dabei fällt es ihr schwer, die Erinnerungen an die furchtbare Zeit, die sie damals erlebt hat, zuzulassen. Im Lauf der Jahre ist sie eine Meisterin der Verdrängung geworden. In der Gegenwart hat sich Miriam eine Art Zuflucht in ihre eigene Gedankenwelt geschaffen. Ihr geistiger Rückzugsort gibt ihr Schutz und Halt, wenn die schrecklichen Erinnerungen zu übermächtig werden, an damals, als Miriam noch Malika war, ein Roma-Kind, zu einer Zeit, als es vor dem Regime schon als Verbrechen galt, anders zu sein.

An ihrem 85. Geburtstag muss es heraus. Zu lange hat sie all das Schreckliche in ihrem Innern verschlossen. Nun bricht sie ihr Schweigen und offenbart sich ihrer Enkeltochter. Die Verleugnung und Aufgabe ihrer Identität damals hat ihr das Leben gerettet und ihr eine sichere Zukunft ermöglicht. Nun, da die Wahrheit ans Licht will und sie sich Camilla anvertraut, wird sie zugleich von der Angst beherrscht, ihre eigene Familie könnte sie verurteilen und ablehnen. Als Jüdin konnte sie nach der Befreiung auf Mitleid und Hilfe hoffen. Aber viele, die sie als Miriam mitfühlend unterstützten, hätten Malika, die Romni, entsetzt fallen gelassen.

Es gibt viele Zeitsprünge im Handlungsablauf, die zu ganz unterschiedlichen Ereignissen und Situationen führen. Diese sind nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern erfolgen auf Grund von Gedankenblitzen der Protagonistin. Sie erinnert sich an eine Person oder eine Szene von damals, und schon ist ihr die ganze Dramatik der Geschichte wieder im Gedächtnis. Immer noch stehen ihr die brutalen Bilder deutlich vor Augen, nur die Zeitabläufe verwischen. Die Gedankensprünge zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten und die häufig wechselnden Orte versinnbildlichen für mich die innere Zerrissenheit und Aufgewühltheit der alten Dame. Auch nach all den Jahren lastet immer noch das Bewusstsein auf ihr, dass sie mit einer Lüge lebt.

Der Erzählstil dieses Romans wirkt manchmal fast spielerisch leicht, besonders in den Szenen, wenn Miriam vor sich selbst und ihrem Schicksal auf der Flucht ist und sich innerlich in ihre Traumwelt zurückzieht. Sie versuchte, die schrecklichen Dinge, die um sie herum geschehen sind, möglichst auszublenden und das Leid, den Hunger, das Elend und die verstörenden Bilder der Leichenberge, mit denen sie täglich im KZ konfrontiert wurde, so gut wie möglich zu ignorieren, denn nur so hatte sie die Kraft, durchzuhalten und weiterzuleben.

Die Autorin malt mit Worten ein erschütterndes Bild, und sie tut es so berührend dass einen diese Lebensgeschichte nicht mehr loslässt. Obwohl Miriams Schicksal fiktiv ist, so ändert das nichts an der Tatsache, dass es sich in der Realität oft so oder in ähnlicher Weise abgespielt hat. Zwar sind die Romanfiguren weitgehend erfunden, nicht jedoch die Schauplätze, und die Handlung orientiert sich sehr eng an historischen Tatsachen.
Die Autorin setzt sich gerne und häufig für Randgruppen der Gesellschaft ein, was sie in diesem Roman in besonders eindringlicher Weise tut.
Majgull Axelsson bricht hier eine Lanze für eine Minderheit, für ein ganzes Volk, das sich immer wieder Pauschalurteile, Ablehnung und Verachtung gefallen lassen musste und zum Teil immer noch muss.
Der inhaltsschwere, sehr gründlich recherchierte und meisterlich geschriebene Roman wühlt auf. Er hinterlässt ein beklemmendes Gefühl, einen schalen Nachgeschmack, besonders wenn man die aktuelle Lage, den Fremdenhass und die Not der Flüchtlinge bedenkt. Brutale Übergriffe in neuester Zeit zeigen, dass dieses düstere Kapitel deutscher Geschichte immer noch Nachhall findet und das Problem der fremdenfeindlichen Gesinnung zum Teil auch heute noch nicht ausgestorben ist.

Ein sehr wichtiger und lesenswerter Roman!



Mittwoch, 10. Dezember 2014

Der Schneekristallforscher - Titus Müller


1887: Wilson Bentley hat eine außergewöhnliche Leidenschaft: er sammelt Schneeflocken.
Die meisten Einwohner des kleinen Ortes Jericho, nahe der Green Mountains, leben von der Landwirtschaft und haben kein Verständnis für derartige „Spinnereien“, wie sie es nennen. Sie betrachten Wilson als Sonderling, denn von Schneeflocken und deren Betrachtung kann man nicht leben. Auch seine eigene Familie, besonders sein Vater und sein Bruder, reagieren mit Unmut auf seine Forschungen. Nur bei der jungen Lehrerin Mina aus New York findet er Verständnis. Sie zeigt Interesse an seiner Arbeit und den Fotografien, die er, mit Hilfe eines Mikroskops, von den filigranen Schneekristallen macht, und sie ist fasziniert von seiner Art, die Dinge zu betrachten. Langsam entwickelt sich eine tiefe Zuneigung zwischen Wilson und der jungen Lehrerin. Sie führen tiefsinnige Gespräche über Gott und die Welt. Wilson findet Gott nicht in der Kirche, sondern er begegnet ihm in der Natur, was Mina auch gut nachvollziehen kann.
Aber dann muss die junge Frau plötzlich zurück nach New York und hinterlässt Wilson einen liebevollen Abschiedsbrief. Wilson kann sich nicht damit abfinden, dass Mina für immer aus seinem Leben verschwunden sein soll. Bei der nächsten Gelegenheit, die sich ihm bietet, beschließt er, sie in New York zu suchen, ein schwieriges Unterfangen, wie er schnell feststellen muss, aber er kämpft beharrlich um sein Glück.

Mit Wilson und Mina hat diese wundervolle Erzählung ein äußerst sympathisches Protagonistenpaar. Beide Charaktere sind sehr liebevoll beschrieben.
Wilson Bentley ist keine Erfindung des Autors, sonder er hat wirklich gelebt und die Schneekristalle erforscht. Auch Mina hat es gegeben. Ob sie die große Liebe seines Lebens war und wie sich die Beziehung entwickelt hat, ist nicht sicher, aber man hätte den Beiden alles Glück der Welt gewünscht. Als Mina aus Jericho abreist, hinterlässt sie eine Lücke in seinem Leben, mit der er sich nicht abfinden möchte. Unbeirrt kämpft Wilson für seine Liebe. Minas Beweggründe, warum sie auf ihr Lebensglück verzichtet, kann man sehr gut nachvollziehen, und sie sind bewundernswert.

Die Erzählung ist zauberhaft und hat etwas Magisches, wenn sie beschreibt, wie Wilson die Wunder der Schöpfung in der Natur, in den allerkleinsten und so vergänglichen Dingen findet. Es ist eine Geschichte der leisen Töne und doch von ungeheurer Kraft, eine Erzählung zum Genießen, Staunen und Träumen. Nicht zuletzt die wundervolle Gestaltung des Buches, der samtig überzogene Einband, geschmückt mit geprägten Schneekristallen und silberfarbenem Druck, macht dieses Büchlein zu einem wertvollen Geschenk für einen lieben Menschen, gerade jetzt, zum nahenden Weihnachtsfest.

 

Sonntag, 15. Juni 2014

Zum Tee in Kaschmir - Nazneen Sheikh

Zum Tee in Kaschmir
Nazneen Sheikh
Blanvalet, 220 Seiten
ISBN: 9783442366620

Eine Familiengeschichte mit Rezepten

Die in Kaschmir geborene und in Pakistan aufgewachsene Autorin blickt auf ihre Kindheit zurück. Die Episoden, die sie erzählt, haben meist etwas mit gutem Essen zu tun.
Der Leser wird mit den Feinheiten der kaschmirischen Küche vertraut gemacht, die das Erbe der Moguln in sich trägt. Nazneen Sheikh stammt aus einer großen, weit verzweigten Familie, und sie erinnert sich an viele kleine Begebenheiten. Meist geht es auch im Zusammenhang mit ihrer Verwandtschaft um raffinierte Rezepte und die Zubereitung exotischer Speisen.
Wenn die Autorin von den Kochkünsten ihrer Mutter schwärmt oder über Küchengeheimnisse ihrer Großmutter plaudert, tut sie das voller Stolz und Liebe.
Es ist keine große, phantasiereiche oder spannende Story, die hier erzählt wird, sondern es sind die kleinen Momente, die sinnlich und detailreich dargestellt werden. Gerüche und Aromen der Speisen sind so ausgiebig beschrieben, dass man neugierig wird und schon fast den Geschmack erahnen kann.
Nazneen Sheikh gibt auch viele Rezepte ihrer Familie im Buch preis. Es klingt alles sehr appetitlich und interessant, aber man erkennt auch schnell, dass die Zubereitung meist aufwändig ist. Auch werden Zutaten benötigt, die in meiner Umgebung nur schwer oder gar nicht erhältlich sind.
Ich zitiere aus dem Klappentext: „Mit vielen exotischen Rezepten, zum einfachen Nachkochen!“ Wobei ich das „einfache“ Nachkochen hier leider in Frage stellen muss.

Das Lesen dieser Familiengeschichte fand ich appetitanregend und sehr vergnüglich, und auch wenn ich wohl keines der beschriebenen Gerichte je nachkochen werde, hat es Spaß gemacht, die Zutatenlisten zu studieren. Die eine oder andere Anregung für raffiniertes Würzen kann man auf jeden Fall mitnehmen.




Montag, 9. Juni 2014

Wo meine Seele wohnt - Isabel Stadnick

Wo meine Seele wohnt
Isabel Stadnick
blanvalet, 217 Seiten
ISBN: 3442377226

Als die Schweizerin Isabel Hartmann im Sommer 1989 nach Süd-Dakota ins Pine-Ridge-Reservat reist, tut sie das in dem Bewusstsein, drei Wochen dort bei den Einheimischen zu leben, um die Kultur und die Lebensbedingungen der Oglala-Lakota vor Ort kennenzulernen. Im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern ihrer Reisegruppe, die nach wenigen Wochen den Heimflug antreten, bleibt sie, denn in dem Lakota Bob Stadnick hat Isabel ihre große Liebe gefunden.
Das Reservat wird ihr zur neuen Heimat, und sie hat das Gefühl, am Ziel ihres Lebenstraums angekommen zu sein. Zusammen mit Bob baut sie sich hier eine Existenz auf. Als acht Jahre später ihr Mann stirbt, bricht für sie eine Welt zusammen. Nun völlig auf sich gestellt, allein mit ihren drei kleinen Kindern, entschließt sie sich schweren Herzens, zurück in die Schweiz zu gehen.
Aber die Sehnsucht treibt sie und ihre Kinder 2008 wieder ins Land der Lakota, und diesmal bleiben sie. Isabel hat sich zur Aufgabe gemacht, ein Kindergarten- und Schulprojekt im Reservat zu unterstützen, um den jungen Einwohnern dort eine bessere Zukunftsperspektive zu bieten.

Die Autorin schildert ihre ersten Eindrücke und Gefühle, als sie im Reservat ankommt. Sie erzählt aber auch die berührende Geschichte ihrer großen Liebe und ihres Schicksals, das sie vor Jahren an die Seite von Bob Stadnick geführt hat. Im Reservat fühlt sie sich zuhause. Sie lernt die Kultur und die Menschen so gut kennen, wie es keinem Außenstehenden oder Gast möglich wäre. Von den Einwohnern wird sie akzeptiert und freundlich aufgenommen. Ihr Bericht lässt sehr genaue Einblicke in die Situation der Lakota zu, denn Isabel Stadnick beschönigt nichts, sondern spricht auch Klartext, wenn es um die im Reservat herrschenden Missstände geht.Viele Menschen dort sind haltlos, weil sie ihrer ursprünglichen Kultur beraubt wurden, und besonders stark berührt mich das, wenn es Jugendliche und Kinder betrifft. Ihnen sind oft die Bräuche und die Sprache ihrer eigenen Vorfahren fremd. Aber es gibt auch eine andere Bewegung. Viele Einwohner besinnen sich auf die alten Rituale und Werte und beleben sie neu, um sie für die Nachkommen zu erhalten.

In der eigenen Familie hat es Isabel nicht immer leicht, denn Bobs vier Kinder aus seiner ersten Ehe sind nicht sofort bereit, der neuen Frau im Leben ihres Vaters Zuneigung und Vertrauen zu schenken. Das muss sich die Autorin erst hart erkämpfen.
Acht Jahre später zieht der schmerzliche Verlust ihres geliebten Mannes ihr den Boden unter den Füßen weg. Aber sie gibt nicht auf. Zwar geht sie für eine längere Zeit zurück in die Schweiz, aber sie vergisst das Land ihrer Träume und die lieb gewonnenen Menschen nicht, sondern kehrt dahin zurück, wo Bobs Grab liegt und wo sie sich zuhause fühlt.

Isabel Stadnicks offener und realistischer Bericht, fern von jeglicher verklärter Indianer-Romantik, hat mich sehr beeindruckt und berührt. Wie sie allen Luxus hinter sich lässt, zu Bob und seinen Kindern in das kleine Erdhaus zieht und sich dort einbringt, ist nicht nur ein Zeichen ihrer Liebe, sondern zeugt von großer Verbundenheit mit den Menschen, von der Kraft und dem mutigen Einsatz, für das Volk der Lakota etwas zum Besseren zu ändern.  




Dienstag, 16. April 2013

In meinem kleinen Land - Jan Weiler


Während seiner Lesereise 2005/2006, die ihn quer durch ganz Deutschland geführt hat, schrieb Jan Weiler eine Art Reise-Tagebuch. In seiner Veröffentlichung „In meinem kleinen Land“ berichtet er über alle Städte, die er in dieser Zeit für Lesungen besucht hat. Das ist manchmal Lustiges, Typisches aber auch oft Belangloses zu lesen. Bei manchen Orten hatte ich den Eindruck, dass ihm nicht gerade viel eingefallen ist, denn die entsprechenden Tagesberichte haben nicht wirklich etwas mit der besuchten Stadt zu tun, sondern wirkten auf mich eher zusammenhangslos. Die Beschreibungen des jeweiligen Hotelzimmers, die Hinweise, was der Autor gerade gegessen hat, fand ich nicht übermäßig spannend. Natürlich muss man auch berücksichtigen, dass die Zeit an jedem Ort sehr begrenzt war und meist nicht für eine Stadtbesichtigung gereicht hat.  Ich habe bei diesem Buch den lockeren Humor vermisst, den ich sonst an den Büchern des Autors so schätze. Viele seiner Scherze wirken hier eher gezwungen. Meinen Humor trifft es leider nicht. Ich weiß nicht so recht, was mir dieses Buch sagen möchte, denn weder habe ich besonders viel Neues über Deutschland gelernt, noch habe ich mich sonderlich prächtig unterhalten. Die Gelegenheiten zum Schmunzeln ergaben sich für mich leider nur an wenigen Stellen. Am Stück konnte ich dieses Buch nicht lesen, aber es eignet sich ganz gut als Pausenfüller, da die einzelnen Kapitel (jeweils zu einer Stadt) recht kurz sind.


Samstag, 26. Januar 2013

Mama, das hast du schon 5 mal erzählt! - Ann-Kathrin Eckardt (Hg.)


Geschichten über das Älterwerden der Eltern

Sieben Autor(inne)n im Alter zwischen 46 und 26 Jahren erzählen in diesem Buch über sich und ihre Eltern, über das Verhältnis zwischen den Generationen und über Besonderheiten in ihrer eigenen Familie.
Zwischen Eltern und Kindern gibt es eine feste Größe: Der zeitliche Altersabstand bleibt zwangsläufig ein Leben lang gleich, egal ob man junge oder alte Eltern hat. Diese sieben Geschichten zeigen, wie unterschiedlich und vielfältig sich das Eltern-Kind-Verhältnis darüber hinaus gestalten kann. Ganz verschieden sind auch die Intensität der familiären Bindung und das Verständnis, das sich die Generationen in den einzelnen Episoden entgegenbringen. Man erfährt von sehr jungen Eltern, die ihren Kindern eher kameradschaftlich zur Seite stehen und von älteren, konservativen Eltern, die ihre eigenen Jugendträume gerne bei ihrem Nachwuchs verwirklichen würden. Da gibt es die pflegebedürftigen Eltern, bei denen sich das Verhältnis in Sachen Sorge und Obhut langsam aber sicher immer weiter umkehrt, aber man erfährt auch von lebenslustigen Eltern, die zwar mit der modernen Technik auf Kriegsfuß stehen, jedoch im Alter noch einmal so richtig durchstarten.
So unterschiedlich wie die Autor(inne)n selbst, so verschieden sind auch ihre Lebenswege und das, was sie davon erzählen. Manche Schilderungen sind verständnisvoll und sehr individuell, andere sehen das Thema eher humorvoll und mit einem Augenzwinkern, ab und zu fehlt auch das Feingefühl der anderen Generation gegenüber.  Insgesamt liest sich das Buch schnell und kurzweilig, allerdings bin ich auch ab und zu über Klischees und Verallgemeinerungen gestolpert, denn häufig wird die Elterngeneration als völlig hilflos und unbegabt im Umgang mit modernen Medien dargestellt. Das mag vielleicht zum Teil zutreffen, aber längst nicht für alle Menschen, die bereits in der zweiten Lebenshälfte stehen.
Das Buch bietet nicht nur Unterhaltungswert, sondern regt auch zum Nachdenken an, denn ganz sicher wird sich jeder in irgendeiner der geschilderten Szenen wieder finden, sei es aus Sicht der Eltern, aber auf jeden Fall aus Sicht des Kindes, das wir ja alle einmal waren.

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar.


Donnerstag, 13. September 2012

Die Botschaft der Baumfrau - Julia Butterfly Hill

Das zwölfte und letzte Buch, das ich für die 2. Chance-Challenge gelesen habe, ist der Erfahrungsbericht einer außergewöhnlichen Frau. Julia Butterfly Hill schildert ihre Erlebnisse, während der zwei Jahre, die sie auf einem  Baum lebte. Es handelt sich dabei um einen 1000 Jahre alten kalifornischen Mammutbaum, auch als „Redwood“ bezeichnet, den Umweltaktivisten besetzt hatten, um ihn und seine Umgebung vor dem Abholzen zu schützen. Ein Jahr zuvor wurde der kleine Ort Stafford, der am Fuß einer gerodeten Fläche steht, zum Teil unter einer Schlamm- und Geröll-Lawine begraben, und ein Teil der Einwohner wurde obdachlos. Für den Erdrutsch war die radikale Abholzung verantwortlich.
Im Dezember 1997 schloss sich Julia den Umweltschützern an und stieg auf den Baum, der von der Gruppe „Luna“ genannt wurde. Nachdem sie das Ausmaß und die Folgen des Kahlschlags erfahren hatte, schwor sich die damals 22-Jährige, die Erde erst wieder zu betreten, wenn sie alles getan hätte, der Zerstörung  Einhalt zu gebieten.
Julia verbrachte durchgehend 738 Tage auf dem Baum.
Während dieser Zeit musste sie nicht nur unter primitivsten Bedingungen leben und den Angriffen und der Zermürbungstaktik der Holzfirma Maxxam widerstehen, sondern auch den Naturgewalten trotzen. In großer Kälte, Hagel, Schnee und Sturm harrte sie auf dem Baum aus, und was sie alles erlebt hat und ertragen musste, ist unvorstellbar.
Aber ihr Einsatz, der zum Teil lebensgefährlich war, hat sich gelohnt. Sie hat erreicht, dass Luna nicht gefällt wurde und auch die Bäume der Umgebung gerettet werden konnten.
Julias Geschichte liest sich packend wie ein Krimi und ist zugleich tief beeindruckend. Sie wurde durch ihre Aktion in aller Welt als die „Baumfrau“ bekannt. Auch heute noch setzt sie sich aktiv für den Umweltschutz ein. Ihre Geschichte ist einzigartig und faszinierend. Sie zeigt, was ein einzelner Mensch, mit viel Zivilcourage, bewirken kann.
Im Buch enthalten sind viele Fotos, Zeichnungen und Gedichte der Autorin. Zugleich lernt man einiges über die biologischen Zusammenhänge und Auswirkungen, wenn der Mensch derart brutal in die Natur eingreift. Auch wenn die beschriebene Aktion schon 15 Jahre her ist, hat dieses Thema leider immer noch aktuelle Gültigkeit, denn auch in unserer Zeit werden uralte Wälder gerodet, wird täglich so viel Natur zerstört und ist unwiederbringlich verloren. 

Dienstag, 3. Juli 2012

Wir Halbgötter: Bekenntnisse einer Chirurgin - Gabriel Weston



Klappentext:
Im OP geht es um Leben und Tod – und alles andere, was zum Menschsein gehört: Wie ist es, als Chirurgin für das Leben eines anderen Menschen verantwortlich zu sein? Wie fühlt es sich an, einen Körper aufzuschneiden? Wie sagt man einem gut aussehenden jungen Mann, dass er nur noch ein paar Tage zu leben hat? Gabriel Weston erzählt scharf beobachtete Episoden aus ihren ersten Berufsjahren als Chirurgin in einem Krankenhaus. Eine starke Frauenstimme und ein berührendes Buch über das Kranksein, die Schönheit und die Flüchtigkeit des Lebens.

Mein Eindruck:
Gabriel Weston schreibt über ihre eigenen Erfahrungen als Chirurgin. Das Buch ist kein Roman, nicht chronologisch aufgebaut, sondern es ist in verschiedene Themen eingeteilt.
Wie sie selbst im Vorwort erklärt, sind ihre Figuren fiktiv, aber alles, was sie erzählt, enthält auch ein Körnchen Wahrheit. Sie beschreibt es so, dass ihre Schilderung eine Mischung aus Dingen ist, die wirklich geschehen sind und Dingen, die hätten geschehen können.
Die Autorin lässt die Leser hinter die Kulissen der Kliniken schauen, sie gewährt Einblick in ihre Arbeit als Chirurgin und die damit verbundenen Empfindungen. Sie definiert ihr Verhältnis zu den Patienten, zu Krankheit und Tod. Der Schreibstil ist sehr schön, klar und offen, manchmal auch nachdenklich. Trotzdem habe ich persönlich mir mit dem Lesen schwer getan, denn man wird mit einer geballten Ladung an Krankheit, Blut und Tod konfrontiert. Das sind Themen, mit denen ich mir schwer tue, über die ich nicht in diesem Maße nachdenken möchte. Wenn die Autorin über die „Schönheit der Chirurgie“ schwärmt oder bekennt, dass ihr der Beruf wichtiger ist als ihre Familie, dann kann ich das so gar nicht nachvollziehen.
Aus diesen Gründen habe ich hier auf eine Sterne-Bewertung verzichtet, denn die würde unweigerlich subjektiv und in meinem Fall nicht gerade bestens ausfallen, was aber absolut nicht am Schreibstil liegt, sondern einfach daran, dass mir das Thema widerstrebt.

Dienstag, 15. November 2011

Geboren im KZ: Sieben Mütter, sieben Kinder und das Wunder von Kaufering I


Im April 1945 geht das wohl dunkelste Kapitel in der deutschen Geschichte zu Ende. Der Krieg ist aus, und als am 27. April die amerikanische Armee das Konzentrationslager Kaufering I befreit, finden die Männer dort zu ihrer großen Überraschung sieben jüdische Frauen mit ihren Babys vor. In einer Zeit, als das Grauen in Deutschland regierte, schien es noch Wunder zu geben. Als stünden sie unter einem besonderen Segen, hatten diese Mütter und ihre Babys überlebt, trotz der schwierigen Situation und der unmenschlichen Zustände. Angesichts der Massenmorde, die bis zuletzt noch stattfanden, fragt man sich, was die Verantwortlichen dazu bewogen hat, diese kleine Gruppe Frauen und Kinder zu schonen. War es reines Glück oder etwa die „persönliche gute Tat“ eines Lageraufsehers, um das eigene Gewissen rein zu waschen? Genau werden wir es wohl nie erfahren.

Die Autoren Eva Gruberová und Helmut Zeller haben mit Zeitzeugen und noch lebenden Angehörigen gesprochen und die erschütternde Geschichte zweier der damals betroffenen Mütter aufgeschrieben. Eva und Miriam lebten zu Beginn der 40er Jahre in Ungarn. Die beiden jungen Frauen waren dabei, ihre Zukunft zu gestalten, erlebten die erste Liebe und waren voller Zuversicht, und beide waren schwanger - als sich für sie plötzlich alles änderte und sie nach Auschwitz deportiert wurden. Damals kannten sie sich noch nicht. Geschildert wird das Martyrium, das jede von ihnen in den verschiedenen Lagern erlebte, in fortwährender Angst vor Entdeckung. Wie durch ein Wunder haben sie die Zeit der Gefangenschaft und der Quälerei, die Schwangerschaft und die Geburt überstanden, trotz unmenschlich schwerer Arbeit und quälenden Hungers.
Ihre Geschichte ist jedoch nicht mit dem Zeitpunkt der Befreiung zu Ende. Das Autorenpaar berichtet auch über spätere Probleme und Anfeindungen, denen die wenigen Überlebenden ausgesetzt waren. Sie haben den Holocaust nur knapp überstanden und mussten sich dafür rechtfertigen, sie wurden um positive Zeugenaussagen für angeklagte Kriegsverbrecher gebeten, und sie mussten weiterhin mit dem Schrecken, der Trauer und der Angst leben, denn die Erinnerung an so etwas Furchtbares, wie die Zeit im KZ, kann man nie vollständig bewältigen.

Schon das Lesen über dieses unendliche Leid, das vielen Menschen damals angetan wurde, ist schwer zu ertragen. Nur die Hoffnung und das Wissen, dass diese sieben Frauen mit ihren Babys überlebt haben, hat mich weiterlesen lassen. Da hier Zeitzeugen über die Gräuel berichten, die damals begangen wurden, geht diese Dokumentation besonders unter die Haut.
Das Buch wühlt auf und erschüttert zutiefst, aber es ist sehr wichtig. Lange Zeit ist seit damals vergangen, und die meisten Menschen heute kennen die Umstände und die Geschehnisse nur unzureichend, vom Hörensagen oder aus dem Geschichtsbuch. Aber all das Schreckliche, das damals passiert ist, darf nie in Vergessenheit geraten!

Für das Rezensionsexemplar bedanke ich mich ganz herzlich beim Verlag C.H.Beck.

Freitag, 1. April 2011

Rauhe Sonnseite: Eine Kindheit am Bergbauernhof - Franz Josef Kofler


Franz Josef Kogler ist, als ältester von 8 Söhnen, in einer Osttiroler Bergbauernfamilie aufgewachsen. Es ist eine ganz eigene Welt, die er in „Rauhe Sonnseite beschreibt.
Das Tagewerk war hart und die vorhanden Gerätschaften nicht sehr zahlreich, sondern häufig nur behelfsmäßig. Oft musste ein Werkzeug geliehen werden. Nachbarschaftshilfe war zur damaligen Zeit ganz selbstverständlich, und wenn es darum ging, das Feld zu bestellen oder die Ernte einzubringen, oft im Wettlauf gegen das Wetter, arbeiteten alle zusammen, so gut es eben möglich war. Auch die Kinder hatten bereits ihre Pflichten, denen sie manchmal mehr, manchmal weniger engagiert nachkamen.
Mit der gelassenen Distanziertheit des Erwachsenen blickt der Autor auf seine Kinderzeit zurück. Ein wenig wehmütig, manchmal fast schwärmerisch, doch durchaus auch mit kritischen Tönen schildert er Begebenheiten aus dem bäuerlichen Alltag. Verwöhnt wurden die Kinder ganz sicher nicht. Der Schulweg zog sich beschwerlich und lang und war besonders im Winter eine Herausforderung. Die Kleidung war unbequem und musste aufgetragen werden, bis es nicht mehr ging. Das Essen war einfach und versprach nicht gerade große kulinarische Erlebnisse. Wenn zu speziellen Gelegenheiten oder Feiertagen besondere Leckerbissen gebacken wurden, lauerten die Kinder schon darauf, eventuell das eine oder andere missglückte Teilchen zu erhaschen. So recht zufrieden waren sie wohl selten mit ihrem Anteil, wie der Erzähler mit einem Augenzwinkern versichert.
In vielen kleinen, wohl geordneten Kapiteln hat der Autor seine Kindheitserinnerungen liebevoll zusammengetragen.
Da geht es um die Menschen in seiner Umgebung, ein großer Abschnitt beschäftigt sich mit den anfallenden Arbeiten, die zu den unterschiedlichen Jahreszeiten im Haus und auf dem Feld getan werden mussten.
Die Naturverbundenheit, das innige Verhältnis zum Land, zu den Tieren und Pflanzen, ist sehr eindrucksvoll wiedergegeben. Hier ein Zitat, das mich besonders berührt hat: „Ich kostete die selbstverständliche Vertrautheit der Landschaft aus, die um mich war, seit ich wusste. Sie sank in meine junge Seele hinein und rührte sie an, ich wurde verwandelt von ihr und hätte nicht sagen können, auf welche Weise es geschah.“
Einen großen Raum nahm das religiöse Leben ein. Die Menschen erlebten den kirchlichen Jahreskreis mit seinen großen und kleinen Festen sehr intensiv.  Die Selbstverständlichkeit des Glaubens, tief verwurzelt und ganz natürlich in den Alltag integriert, ist so ganz anders, als wir es heutzutage kennen. Darüber hat der Autor Nachdenkliches und auch Humorvolles zu berichten. Seine Schilderungen bringen uns heute noch den Zauber der alten Zeit nahe.
Sehr gewünscht hätte ich mir eine Begriffserklärung im Anhang, denn es kommen immer wieder Ausdrücke im Text vor, unter denen ich mir nicht gleich etwas vorstellen konnte. Noch nie zuvor hatte ich beispielsweise etwas von „Niegelen“ oder „Einem Stock Strauben“ gehört. Dank Wikipedia bin ich jetzt klüger, denn es hat mich gleich gereizt, die Wörter nachzuschlagen. Bei beiden  Bezeichnungen handelt es sich um Fettgebackenes. Während Niegelen kleine frittierte Teigkugeln sind, sieht ein Stock Strauben fast ein wenig wie ein gebackenes Nest aus.
Dieses Buch war eine ganz besondere Lektüre, die mich fasziniert und beeindruckt hat, da sie von einem Zeitzeugen verfasst wurde. So könne wir uns auch heute, über hundert Jahre später, noch ein vielfältiges und deutliches Bild vom damaligen Leben machen.