Posts mit dem Label Science Fiction werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Science Fiction werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 6. April 2015

Blätterrauschen - Holly-Jane Rahlens

Blätterrauschen
Holly-Jane Rahlens
ISBN: 9783499216862
Rowohlt Rotfuchs
320 Seiten

Oliver, Iris und Rosa treffen sich regelmäßig im Hinterzimmer der Buchhandlung „Blätterrauschen“. Die Kinder gehören einem Leseclub an. Als sie sich gerade einmal wieder versammelt haben und auf Cornelia, die Inhaberin der Buchhandlung, warten, zieht draußen ein starkes Gewitter mit Sturm auf. Auch im Raum, wo die Kinder sich aufhalten, verändert sich plötzlich die Atmosphäre. Etwas Rätselhaftes geht vor, und plötzlich klopft es an der Hintertüre. Dort wartet ein Junge. Wie sich wenig später herausstellt, glaubt er, sich in einem Spiel zu befinden, aber dann begreift er und erzählt seine Geschichte. Er kommt aus der Zukunft, genauer gesagt aus dem Jahr 2273, und er wurde ohne sein Wissen auf eine Zeitreise ins frühe 21. Jahrhundert geschickt. Ehe die Kinder recht erfasst haben, was vorgefallen ist, werden sie von mysteriösen Männern verfolgt und flüchten in den alten Geräteschuppen, nicht ahnend, dass sie bereits mitten in einem gefährlichen Abenteuer stecken, das sie in eine fremde Welt und eine andere Zeit führt.

Nachdem ich vor drei Jahren bereits den Roman „Everlasting“ von der Autorin gelesen habe und absolut begeistert war, habe ich mich sehr gespannt in dieses neue Lese-Abenteuer gestürzt. Beim Lesen hatte ich mehrmals das Gefühl eines Déjà-vu, denn auch diesmal geht es um eine Zeitreise, nur das das Ziel noch neun Jahre weiter in der Zukunft liegt. Viele geschilderte Eigenheiten dieser Zeit waren bereits in „Everlasting“ beschrieben, beispielsweise dass die Menschen in dieser fernen Zukunft nicht mehr gewohnt sind, von sich selbst in der 1. Person zu sprechen. Zudem gibt es im Jahr 2273 einen großen Unterschied zwischen der Stadtbevölkerung, die das Fühlen und Lieben verlernt hat und den so genannten Foresters, die alte Traditionen und Gefühle pflegen, ein eher konservatives Leben führen und sich mit den Kulturen und Bräuchen früherer Jahrhunderte beschäftigen.
Die Protagonisten sind auch in diesem neuen Roman von Holly-Jane Rahlens alle sehr detailliert beschrieben und lebendig dargestellt. Besonders für die vier jugendlichen Helden der Geschichte trifft das zu. Jede(r) ist auf seine Art besonders, und auch die emotionale Entwicklung der jungen Helden ist sehr schön ausgeführt.
Das Buch wird für die Altersgruppe 10 – 12 Jahre empfohlen, wobei ich starke Zweifel hege, ob ein Zehnjähriger mit der Handlung wirklich zurecht kommt. Zwar ist die Schreibweise insgesamt durchaus für dieses Alter zugeschnitten, und schwierige Begriffe werden zum Teil sehr geschickt in die Handlung eingeflochten und ganz nebenbei erklärt. Aber die Kinder erleben nicht nur eine Zeitreise in die Zukunft, sondern sie erfahren auch etwas über existierende Parallelwelten, und obwohl ich sehr gerne Zeitreisegeschichten lese und von dieser Vorstellung fasziniert bin, war mir dies hier zum Teil etwas zu verwirrend, denn ich konnte nicht alle Überlegungen und Gegebenheiten der Handlung hundertprozentig nachvollziehen. Für mein Gefühl war hier etwas viel in die Geschichte gepackt, und so manche Idee wurde angerissen, führte aber für mein Empfinden letztendlich ins Leere. Zwar fand ich den Roman insgesamt spannend und unterhaltsam, besonders der Ausgangspunkt, die Buchhandlung „Blätterrauschen“ hat mir sehr gefallen, aber ab und zu hat meine Vorstellungskraft nicht mehr mitgespielt, sondern einfach blockiert.
Das Buch ist schön und lesenswert, keine Frage! Aber ich würde es frühestens ab 12 Jahren empfehlen. Auch kommt es für mich nicht ganz an den Vorgänger heran.



Freitag, 9. März 2012

Everlasting: Der Mann der aus der Zeit fiel - Holly-Jane Rahlens


Der junge Historiker und Fachmann für alte Sprachen, Finn Nordstrom, lebt im Jahr 2264. Es ist ein Zeitalter, in dem Liebe fast unbekannt ist und die Erste Person Singular im Sprachgebrauch der Menschen nicht mehr vorkommt. Als Archäologen bei Ausgrabungen im Greifswalder Bodden ein wasserdichtes Köfferchen mit alten Tagebüchern finden, wird Finn damit beauftragt, sie zu übersetzen, denn er ist auch Spezialist für die Entschlüsselung handschriftlicher Texte, und die Aufzeichnungen stammen aus den Jahren zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Für die Wissenschaftler in Finns Zeit, wo die Geschäftsberichte der Deutschen Bank oder ein alter Versandhauskatalog aus dem Jahre 1992 zum Weltkulturerbe zählen, sind die Tagebücher eine äußerst wichtige Informationsquelle, da durch eine große Katastrophe im Jahr 2018 viele Dokumente, Bücher und Zeitzeugen vernichtet wurden.
Zuerst ist Finn enttäuscht, denn das Tagebuch entpuppt sich als die kindlich-romantische Erinnerung eines weiblichen Teenagers, kitschig verpackt in pinkfarbenes Vinyl. Je mehr Finn jedoch von der Schreiberin Eliana erfährt, umso stärker fühlt er sich ihr und ihrer Zeit verbunden. Sogar ein feiner Duft aus der Vergangenheit haftet dem Tagebuch noch an. Finn ist bezaubert von den Gedanken, den Gefühlen und dem feinen Humor der jungen Frau und fühlt sich immer stärker zu ihr hingezogen. Als er das Angebot bekommt, an der Entwicklung eines Reality-Spiels „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ teilzunehmen, das in die Jahre 2000 bis 2018 führt und dort spielen soll, wo Eliana damals gelebt hat, willigt er spontan ein. Was er in dem Spiel erlebt, kommt ihm beängstigend realistisch vor, und dann begegnet er in einer großen Berliner Buchhandlung seiner Tagebuchschreiberin. Er erkennt, dass es sich bei dem wissenschaftlichen Projekt, an dem er teilnimmt, nicht nur um ein Spiel handelt, sondern dass er wirklich durch die Zeit gereist ist. Von nun an ändert sich für Finn alles, was er bisher für richtig und wahr gehalten hat. Er fühlt sich zwischen den Zeiten gefangen und fragt sich, wie er die Kluft von 250 Jahren, die zwischen ihm und Eliana liegt, überbrücken kann.

Der Roman zeigt ein faszinierendes Szenario, wie die Welt in ca. 250 Jahren aussehen könnte. Vieles hat sich verändert, aber manches ist auch über die Jahre hinweg erhalten geblieben und wird zum Teil als wertvoller Kulturschatz gehütet. Die deutsche Sprache ist ausgestorben, kaum jemand kann noch Briefe in Handschrift verfassen, und Bücher werden fast nur noch als antike Schätze im Museum ausgestellt. Interessant ist auch der Blickwinkel, aus dem ein Mann dieser neuen Zeit unsere gegenwärtige Welt betrachtet. Es ergeben sich kuriose Momente, wenn Finn beispielsweise das erste Mal einen Hubba Bubba zu Gesicht bekommt oder sich wundert, was denn „DSDS“ sein könnte.
Seine Übersetzungstätigkeit und die Erfahrungen in dem Zeitreiseprojekt, an dem er teilnimmt, wirken sich stärker auf ihn aus, als er zu Beginn erahnen konnte. Er gewinnt Erkenntnisse, die nicht nur seine wissenschaftliche Arbeit beeinflussen, sondern die seine persönliche Sicht der Dinge und sein weiteres Leben bestimmen. Die Menschen seiner Zeit denken rationell und vermeiden Gefühle. Sie sehen sich in erster Linie als Gemeinschaft und haben in ihrer Sprache die 1. Person Singular abgeschafft. Finn beginnt nun zaghaft, von sich selbst wieder als „Ich“ zu denken.
Besonders hat mich an ihm begeistert, dass er in seiner hoch technisierten Zeit Bücher über alles liebt und von den gebundenen Werken alter Klassiker fasziniert ist. Sinnigerweise trifft er das Mädchen aus dem Tagebuch auch das erste Mal in einer Buchhandlung.
Mit ihm und Eliana, den Menschen aus unterschiedlichen Jahrhunderten, hat dieser Roman zwei Protagonisten, die man sehr schnell lieb gewinnt. Die Dialoge der beiden haben mich zum Schmunzeln gebracht. Sie sind geprägt von amüsanten Wortspielereien und einem feinen, versteckten Humor, der manchmal auch ein wenig ironisch wirkt. Auch hat mir die Handlung einen starken Eindruck vermittelt, der für einen Science Fiction-Roman sehr außergewöhnlich erscheint, sie ist warmherzig und gefühlvoll.
Die Geschichte entwickelt sich bis zuletzt rätselhaft und voller Geheimnisse. Manche Zusammenhänge kann man nur erahnen und selbst in der eigenen Phantasie weiterspinnen.
„Everlasting“ ist ein Roman, der bezaubert, mitreißt, mitfühlen lässt und zum Träumen bringt.
Vieles ist ungewiss, aber die Zeichen stehen auf „Hoffnung“.
Um mit den Worten der Menschen des 23. Jahrhunderts zu sprechen: „Dieser Leserin hat das Buch sehr gut gefallen!“

Herzlichen Dank an den Rowohlt-Verlag für das Leseexemplar.