Posts mit dem Label Ägypten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ägypten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 7. Oktober 2016

Im Land der goldenen Sonne - Wendy Wallace


Die 23-jährige Harriet Heron leidet unter schwerem Asthma. Das neblig-feuchte Londoner Klima mit dem Rauch der Fabriken ist Gift für die junge Frau. Um ihre Gesundheit wieder herzustellen, setzt sie bei ihrem Arzt und ihrer Familie durch, dass sie in den Süden reisen darf. Ihre Mutter Louisa und ihre Tante Yael sollen sie begleiten. Voller Hoffnung brechen sie zu einer langen Reise nach Ägypten auf.
Unterwegs haben die drei Frauen mehrere schicksalhafte Begegnungen. Jede von ihnen kommt nach Ägypten, in dieses fremde, geheimnisvolle Land, mit anderen Empfindungen und Erwartungen, von denen sich einige so ganz anders erfüllen als gedacht.

Es ist keine spezielle Jahreszahl angegeben, aber es geht aus diversen Bemerkungen hervor, dass der Roman im viktorianischen Zeitalter spielt. In dieser beginnenden Zeit der Industrialisierung war die Luft über London geschwängert von giftigen Dünsten der Fabriken.
Die Reise der drei Frauen, ihre Ankunft in Ägypten, ihre Erlebnisse und Gefühle sowie das Land selbst, das alles ist sehr bildhaft und ausdrucksstark geschildert. Harriet, Louisa und Yael sind drei grundverschiedene Charaktere, wobei jede der drei Frauen als interessante Persönlichkeit dargestellt wird.
Harriets Gesundheitszustand bessert sich, und die junge Frau findet in Ägypten neuen Lebensmut und ihre persönliche Erfüllung, als sie die Möglichkeit erhält, bei historischen Ausgrabungen assistieren zu können. Über Louisa erfährt man einiges aus ihrer Vergangenheit. Da gab es Erfahrungen, die sie zeitlebens geprägt haben. Ihr Hang zum Spiritismus bringt sie zu so mancher irrtümlichen Einschätzung, und sie begeht fast einen verhängnisvollen Fehler.
Yael findet ihre Berufung in diesem fremden Land. Sie ist erfüllt von dem Wunsch, den armen und kranken Kindern Ägyptens zu helfen.

Dieser Roman entführt seine Leser in das rätselhafte Ägypten der damaligen Zeit. Es ist fesselnd, die Protagonistinnen auf ihrem Weg zu begleiten. Während ich Louisas Hang zur Dramatik und ihre Handlungsweise zwar mit Faszination wahrgenommen habe, aber nicht immer nachvollziehen konnte, ging mir Harriets Schicksal sehr nahe. Die junge Frau kämpft nicht nur um ihre Gesundheit, sondern daneben auch um ihr Lebensglück und ihre persönliche Freiheit, denn dies alles war ihr in London verwehrt, da sie dort weitgehend ans Bett gefesselt war.
Für Yael, die ich anfangs ein wenig wegen ihrer betulichen Art belächelt habe, empfand ich im weiteren Verlauf der Geschichte Bewunderung.
Der Ausgang des Romans hat mich mit gemischten Gefühlen zurück gelassen. Im Nachhinein konnte ich für vieles, das sich mir nicht sofort erschlossen hatte, Verständnis gewinnen. Einige Begebenheiten waren dramatisch und haben mich sehr berührt, denn das Schicksal geht zum Teil seltsame Wege, und es meint es nicht mit allen Beteiligten gut.

Mich hat dieser faszinierende Roman mitgerissen und bis zuletzt in Atem gehalten.



Dienstag, 19. Mai 2015

Skarabäus und Schmetterling - Elisabeth Büchle


„Skarabäus und Schmetterling“ besteht aus zwei großen Abschnitten, die zu unterschiedlichen Zeiten spielen.

Der erste Teil der Geschichte ereignet sich Anfang der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Die junge Sarah reist zusammen mit ihrer Arbeitgeberin Lady Alison nach Ägypten. Die beiden Frauen treffen Howard Carter und sind fasziniert von den Ausgrabungsstätten, besonders als sich herausstellt, dass Carter anscheinend das Grab des Tutanchamun gefunden hat. Doch dann geschehen seltsame Dinge. Mehrmals gerät Sarah in große Gefahr und wird von einem Unbekannten verfolgt. Lange Zeit glaubt sie an einen Irrtum, denn sie kann sich nicht vorstellen, wer hinter den Anschlägen steckt. Doch die Fakten verdichten sich immer mehr und weisen darauf hin, dass die ahnungslose Sarah einen gefährlichen Feind hat.

Der zweite Teil führt nach Berlin in die Gegenwart. Rahel Höfling, eine junge Praktikantin, die im Berliner Neuen Museum alte Ausstellungsstücke katalogisiert und prüft, gerät unter Verdacht, als plötzlich Tutanchamun-Artefakte auf dem Schwarzmarkt auftauchen. Duke Taylor wird von Europol auf die junge Frau und ihre Großmutter Mary angesetzt, um zu klären, ob die Familie etwas mit der geschmuggelten Ware zu tun hat. In der folgenden Zeit sieht sich Rahel ständig irgendwelchen Gefahren ausgesetzt. Sie wird überfallen, ihr Apartment wird aufgebrochen und verwüstet, und auch bei ihrer Großmutter in England gibt es einen Einbruch. Die Fälle scheinen zusammenzuhängen. Rahel sucht Schutz bei Emma Ritter, ihrer früheren Lehrerin, und Duke steht plötzlich zwischen den Fronten, denn er hat sich in Rahel verliebt. Er sieht in ihr nicht mehr die Verdächtige, die es zu überwachen gilt, sondern hat nur den Wunsch, sie zu beschützen und ihr nahe zu sein. Der Zwiespalt führt zu Differenzen mit seiner vorgesetzten Stelle.

Eigentlich werden in diesem Buch zwei Romane erzählt, die jedoch zusammengehören, deren Handlungsstränge ineinander greifen und deren Charaktere verwandtschaftlich oder auch durch ihr Schicksal verbunden sind, denn Rahel beispielsweise ist Sarahs Urenkelin. Was Sarah 1922 in Ägypten erlebt hat, wiederholt sich nun in ganz ähnlicher Form, denn auch in Rahels Leben gibt es anscheinend unbekannte Feinde, die sie verfolgen und es auf ihr Leben abgesehen haben, und so beginnt eine atemberaubende Flucht für die bisher eher zurückgezogen lebende junge Frau. Zwischen ihrem Leben und Sarahs gibt es einige Parallelen. Zum einen ist da die Faszination für Ägypten und seine Artefakte. Diese Liebe hat sich über Generationen hinweg in der Familie Höfling weitervererbt. Und wie Sarah vor 90 Jahren, so hat auch Rahel einen Mann an ihrer Seite, der sie beschützen möchte und dem sie vertrauen soll. Trotz aller Unwägbarkeiten fühlt sich Rahel fast magisch zu Duke hingezogen, und in ihrem Bemühen, sich über ihre Gefühle klar zu werden und gleichzeitig die Kraft aufzubringen, die beängstigenden Erlebnisse mit den unbekannten Verfolgern durchzustehen, findet sie auch hier Parallelen zum Leben und Wirken ihrer Urgroßmutter.

Wenn Sarahs Geschichte endet und der Abschnitt mit Rahel beginnt, möchte man gleich weiterlesen, zumindest ist es mir so ergangen, wollte ich doch so bald wie möglich erfahren, wie sich alles weiterhin entwickelt. So habe ich den Zeitsprung von 90 Jahren sofort gewagt und mich gleich in die Situation der Handlung hineingefunden, die in der Gegenwart spielt. Hatte der erste Teil einen eher ernsten Grundton, so wird es in der Gegenwart schon öfter amüsant. Besonders Falk, Rahels Schulfreund, ist ein pfiffiger, sehr humorvoller und herzensguter Kerl, nie um eine Antwort verlegen und immer mit schlauen Ideen zur Hand. Er hat sich für mich schnell zu einem Lieblingscharakter entwickelt, und ich habe sein Geplänkel mit Duke und seine Dialoge mit Emma, Daniel und vor allem mit Grandmary sehr genossen. Er wirkt zwar manchmal überdreht, aber bei allem Übermut erweist er sich für Rahel als guter Freund in dieser kritischen Lage.

Beide Frauen, sowohl Sarah als auch ihre Urenkelin, sehen sich hilflos den dunklen, undurchsichtigen Machenschaften gegenüber und wissen nicht, wie sie aus der Sache heil herauskommen sollen. Aber beide wachsen an der Situation und verlieren nicht den Mut. Wenn es wirklich darauf ankommt, beweisen sie ungeahnte Stärke und finden Kraft in ihrem Glauben. Der christliche Glaube zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der Familie. In die Handlung wird das Thema stets sehr dezent eingebracht, ist aber immer präsent.

Brillant und zugleich sehr gefühlvoll gezeichnete Charaktere, ein faszinierender historischer Hintergrund und eine spannungsgeladene Handlung machen diesen Roman zu einem Pageturner, dessen Protagonisten mir sehr gefallen haben, der mich gefesselt hat und in dem es so mache überraschende Wendung gab. Daher bekommt Elisabeth Büchles Roman mit dem wunderschönen und ein wenig geheimnisvollen Titel „Skarabäus und Schmetterling“ eine absolute Leseempfehlung von mir.




Noch eine Anmerkung:
Dem Nachwort der Autorin habe ich entnommen, dass Rahel und Falk bereits in einem früheren Roman eine Rolle spielten, nämlich in dem 2010 erschienenen Buch „Das Mädchen aus Herrnhut“. Die erwähnte Verbindung zu diesem Roman, in dem es wohl hauptsächlich um Rahels Lehrerin Emma und ihren Mann Daniel geht, hat mich gleich neugierig gemacht, aber leider ist das Buch nicht mehr im Handel erhältlich. Vielleicht gibt es ja eine Chance, das Buch antiquarisch irgendwo zu erwerben; ich werde auf jeden Fall danach Ausschau halten. 

Donnerstag, 4. April 2013

Eine Liebe in Luxor - Kate Pullinger



England, im Jahr 1862
Lady Lucie Duff Gordon leidet unter einer schweren Tuberkulose. Der Arzt sieht nur eine Chance auf Linderung oder Heilung, wenn seine Patientin in ein trockenes, heißes Klima übersiedelt. So kommt es, dass sich Lady Duff Gordon, in Begleitung ihrer Zofe Sally Naldrett, auf eine sehr endgültige Reise nach Ägypten begibt. Sie beziehen das so genannte „French House“ in Luxor. Lady Duff Gordon leidet sehr darunter, von ihrer Familie getrennt zu sein, aber ihr Gesundheitszustand lässt ihr keine andere Wahl. Sally ist ihr absolut treu ergeben und tut alles, es ihrer Dienstherrin in der neuen Heimat so angenehm wie möglich zu machen.
Zur Unterstützung des Haushalts stellt die Lady den Dragoman Omar ein, der bei Gesprächen mit Einheimischen übersetzt und vermittelt und daneben über begnadete Kochkünste verfügt. Lady Duff Gordon nimmt regen und herzlichen Anteil am Schicksal der Bevölkerung des Landes und hält regelmäßig Salons, wo sie Kontakt mit Würdenträgern und Verantwortlichen knüpft und dabei oft die eigene Sicherheit außer Acht lässt, wenn sie unverblümt ihre Meinung sagt.
Ihr aufschlussreicher, kritischer Schriftwechsel mit der Familie wurde von ihrer Mutter, Sarah Austin, zu einem Buch zusammengefasst und unter dem Titel  „Letters from Egypt“ veröffentlicht.

Kate Pullingers Roman basiert auf wahren Begebenheiten, wobei die Autorin darauf hinweist, dass sie sich ein paar kleinere künstlerische Freiheiten erlaubt hat, wenn es die von ihr angelegte Handlung erforderte. Hier wird die Geschichte aus der Sicht der Zofe Sally Naldrett geschildert. Das relativ unkonventionelle Zusammenleben mit ihrer Lady und dem Dragoman Omar bringt viele Freiheiten für alle Beteiligten mit sich, aber es ergeben sich bald auch Probleme. Während Lady Duff Gordon gegen ihre Krankheit ankämpft und sich in Zeiten, wo ihr Gesundheitszustand es zulässt, mit Hilfe ihrer beiden Bediensteten, um die Einheimischen kümmert, verlieben sich Sally und Omar ineinander. Lange Zeit halten sie ihre Beziehung geheim, wissen nicht, wie sie es ihrer Lady sagen sollen.
Als Lucie Duff Gordon dann davon erfährt, verhält sie sich ganz anders als erwartet. Sally und Omar sind im Zwiespalt, hin und hergerissen, zwischen ihrer Liebe zueinander und der Loyalität ihrer Herrin gegenüber. Der Grund, wieso Lady Duff Gordon so brüsk reagiert und mit allen Mitteln versucht, das liebende Paar zu entzweien, wird nicht so ganz deutlich.
Die Ich-Erzählerin tut alles, um ihr Glück zu retten. Mit der Zeit legt sie sich ihre eigene Philosophie zurecht und hat nur einen Wunsch: ein selbstbestimmtes Leben in Ägypten, dem Land, das sie lieb gewonnen hat, zu führen und sich ihre Zukunft nicht zerstören zu lassen. Sie lehnt sich gegen die Ungerechtigkeiten auf und verweigert ihrer Lady gegenüber zuletzt den Gehorsam, da deren Anweisungen nicht mehr logisch nachvollziehbar sind. Sallys Verhalten ist äußerst mutig und stark und für mich sehr gut zu verstehen.
Der Roman wirft viele Fragen auf, besonders, weil ihm wahre Begebenheiten zugrunde liegen. Was veranlasst Lady Duff Gordon dazu, sich ihrer Zofe gegenüber derart streng und unerbittlich zu verhalten und mit aller Kraft zu versuchen, Sallys Lebensglück zu zerstören, wo sie sich andererseits für die Kranken und Schwachen einsetzt und viele Opfer für ihre Ideale bringt? Diese zwei so grundverschiedenen Seiten der Lady Duff Gordon haben mich nachhaltig bewegt und nachdenklich gemacht. Darum lese ich nun, zum besseren Verständnis, "Letters from Egypt", in der Hoffnung, dort weitere Einzelheiten zu den damaligen Schicksalen zu erfahren.

„Eine Liebe in Luxor“ ist weit mehr als eine Liebesgeschichte. Die Autorin vermittelt die Atmosphäre des Landes und die Lebenssituation im „French House“ wunderbar farbig und detailreich. Obwohl es eine bewegende Geschichte der großen Gefühle ist, bleibt der Schreibstil durchgehend eher ruhig und diskret. Zugleich ist dieser großartige Roman ein beeindruckendes Zeitzeugnis und lässt auch die politischen Probleme und Abhängigkeiten der ehemaligen Hochkultur Ägypten nicht außer Acht.