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Montag, 20. Februar 2017

Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen - Clara Maria Bagus


Es ist Winter, und draußen ist es grau und eisig kalt, die Natur ist tief verschneit. Ein Mann sitzt am Fenster und blickt nach draußen, als ein wunderschöner, bunter Vogel angeflogen kommt. Als dieser sich auf einem Ast niederlässt, sprießen dort plötzlich frische Frühlingstriebe. Der Vogel erhebt sich wieder in die Lüfte, und schon ist das zarte Grün verschwunden, aber überall, wo der Vogel landet, grünt und blüht es, und die Luft in der Nähe erwärmt sich. Der Mann ist hingerissen und beschließt, dem gefiederten Frühlingsboten zu folgen. Er macht sich auf eine lange Reise, stets auf der Suche nach dem Vogel. Oft verliert er diesen aus den Augen, aber immer wieder entdeckt er ihn, und überall wo der Vogel auftaucht, wird Frühling. Auf seiner Reise begegnet der Mann vielen unterschiedlichen Menschen. Er führt zahlreiche Gespräche und lernt die verschiedensten Sichtweisen und Lebenseinstellungen kennen. Dabei erkennt er, was wirklich wichtig ist im Leben und findet zu sich selbst.

Die Schreibweise dieses wunderschön aufgemachten Büchleins ist märchenhaft. Die Sätze sind einfach und gut verständlich gehalten, und doch entbehren sie nicht einer gewissen Poesie. In den Gesprächen mit Anderen erfährt der Mann, der durchgehend namenlos bleibt, viel über das Leben und auch über sich selbst. Die Menschen, die mit ihm sprechen, haben alle ihre Lebensweisheiten parat. Die geschilderten Situationen wirken irreal, denn alle Begegnungen laufen anonym ab, der Mann erfährt von seinen Gesprächspartnern keine Namen. Auch die Orte sind namenlos und machen einen unwirklichen Eindruck, eben märchenhaft. Viele Elemente der Handlung können so überhaupt nicht ablaufen, und in einem Roman würde man sie als unglaubwürdig abtun. Nicht so jedoch in dieser magischen Geschichte, denn die beschränkt sich auf das Wesentliche, und das braucht in diesem Fall keine Namen und Ortsbezeichnungen.
So manches an dieser Erzählung hat Erinnerungen an andere Bücher in mir geweckt, so gibt es durchaus Ähnlichkeiten zu Klassikern wie „Der kleine Prinz“, und letztendlich hat mich die Geschichte auch ein wenig an das zauberhafte Bilderbuch „O wie schön ist Panama“ erinnert. Gemeinsam ist den hier erwähnten Büchern der philosophische Anstrich und auch die Suche der Protagonisten nach der Essenz, nach dem wahren Sinn des Lebens und nach ihrem eigenen Platz darin.
Untertitel dieses Buches ist „Eine Reise zur Leichtigkeit“, und eben diese Leichtigkeit wird schon durch den Umschlag vermittelt, denn dieser zeigt filigrane Äste und ein ausgestanztes Vögelchen auf dem farblich eher trist gehaltenen Schutzumschlag. Durch die Ausstanzung leuchtet der kleine Vogel jedoch wunderschön, denn der eigentliche Buch-Einband schimmert irisierend durch. So blitzt bereits hier ein wenig vom Zauber der Geschichte hervor.
Neben der traumhaft anmutenden Handlung hat dieses Büchlein auch noch einen wahren Schatz an schönen Zitaten und Lebensweisheiten zu bieten, aus denen man durchaus in diversen Lebenslagen Kraft schöpfen kann.

Als Beispiel füge ich zum Schluss hier mein persönliches Lieblings-Zitat an: „Dein Leben ist das Einzige, das du hast. Sei lieber das Meisterstück deiner selbst statt das Imitat eines anderen“.

👍👍👍👍👍


Freitag, 20. April 2012

Spionin wider Willen - Mila Roth


Eigentlich wollte Janna Berg nur ihre Schwester vom Flughafen abholen, aber plötzlich steht ein attraktiver Mann im Arbeitsoverall des Reinigungspersonals vor ihr und drückt ihr einen Umschlag in die Hand. Er nennt ihr einen Namen und sagt, die Adresse dazu würde sie im Telefonbuch finden, und sie solle den Umschlag wirklich nur an den genannten Empfänger aushändigen. Janna spürt, dass die Sache sehr wichtig ist, auch beobachtet sie, wie der Fremde kurz darauf von einigen Männern bedrängt wird. Spontan entschließt sie sich, den Auftrag auszuführen, doch als sie bei der Wohnung des Empfängers eintrifft, sieht es dort ziemlich chaotisch aus, und sie begegnet einem Paar mit arabischem Akzent, das ihr irgendwie nicht ganz geheuer ist. Ratlos nimmt sie das Päckchen wieder mit nach Hause. Wenig später meldet sich der Unbekannte vom Flughafen erneut bei ihr. Sie erfährt, dass es sich um den Geheimagenten Markus Neumann handelt und muss feststellen, dass sie völlig unbedarft in eine gefährliche Geschichte hineingeschlittert ist.

Mit diesem Beginn einer Reihe wendet sich die Autorin Petra Schier, hier unter dem Pseudonym Mila Roth, einem völlig neuen Genre zu. Bisher habe ich ihre historischen Romane und ihre romantischen Weihnachtsgeschichten kennen und lieben gelernt, aber ich bin auch aufgeschlossen für Neues, und so war ich sehr neugierig auf diese Story. Es gibt keine lange Einleitung, sondern man ist sofort mitten im Geschehen. Die mitwirkenden Charaktere und auch Jannas Lebenssituation lernt man erst nach und nach kennen, wenn es für die Geschichte relevant ist. Janna Berg ist die Pflegemutter von 8-jährigen Zwillingen und wird als ganz normale junge Frau beschrieben. Sie könnte durchaus die sympathische Nachbarin sein, mit der man sich gerne auf einen Kaffee trifft. Sie wohnt recht idyllisch, in ländlicher Gegend, auf einem ehemaligen Gutshof. Eine Verkettung unglücklicher Zufälle führt sie am Flughafen ausgerechnet in die Nähe des Geheimagenten Markus Neumann, und schon wird ihr bisher eher geruhsames Leben völlig auf den Kopf gestellt. Sie macht sich auch Sorgen, dass ihre Familie gefährdet werden könnte, denn sie entdeckt nun häufiger verdächtige Personen im Umkreis ihres Grundstücks.
Der rasante Handlungsverlauf lässt einem kaum Zeit zum Luftholen, und es wird zum Teil ganz schön brenzlig für Janna und Markus. Dieser scheint ein ziemlicher Macho zu sein, für den Frauen zwar eine nette Gesellschaft in der Freizeit darstellen, mit denen er sich aber eine Zusammenarbeit gar nicht gut vorstellen kann. Auch für ihn entwickelt sich die Lage ungewohnt, denn ehe er sich versieht, muss er Verantwortung für Jannas Sicherheit übernehmen. Wie es schließlich Janna ist, die in einer gefährlichen Situation eine zündende, rettende Idee hat, ist mit viel Humor und sehr lebhaft geschildert. Nach diesem spannenden Auftakt bin ich schon sehr neugierig, wie es weitergeht und freue mich auf weitere Abenteuer von Janna und Markus.