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Sonntag, 28. Juni 2020

Die Henkerstochter - Oliver Pötsch



Kurzbeschreibung:

Kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg wird in der bayerischen Stadt Schongau ein sterbender Junge aus dem Lech gezogen. Eine Tätowierung deutet auf Hexenwerk hin, und sofort beschuldigen die Schongauer die Hebamme des Ortes. Der Henker Jakob Kuisl soll ihr unter Folter ein Geständnis entlocken, doch er ist überzeugt: Die alte Frau ist unschuldig. Unterstützt von seiner Tochter Magdalena und dem jungen Stadtmedicus macht er sich auf die Suche nach dem Täter.



Mittwoch, 25. Oktober 2017

Der Duft des Teufels - Birgit Jasmund


Klappentext:
Die dunkle Seite des Kölnisch Wasser

Köln 1695: Ein Duftwasser versetzt die Stadt in Hysterie. Die enthemmende Wirkung seines Aromas wird dem Teufel zugeschrieben. Und die junge Witwe Kathrina gerät unter Verdacht, als dessen Handlangerin unschuldige Jungfrauen in seine Arme zu treiben. Um sie zu retten, ruft ihr Geliebter, der Kaufmannssohn Daniel, den Parfümeur Giovanni Paolo Feminis zu Hilfe. Aber gelingt es dem Erfinder des Aqua mirabilis, Kathrinas Unschuld zu beweisen und Köln von dem Fluch zu befreien?

Dienstag, 18. November 2014

Der Hexenschöffe - Petra Schier


Rheinbach im Jahr 1636: Fünf Jahre nach der ersten Welle von Hexenprozessen geht es nun wieder los. Der Hexenkommissar Jan Möden kommt in die Stadt und nimmt erste Verhaftungen vor. Unschuldige werden durch die Folter zu zweifelhaften Geständnissen gebracht, auf deren Basis sie dann öffentlich im Feuer sterben müssen. Die Prozesse mussten unter Anwesenheit der Schöffen Rheinbachs stattfinden, um ihnen einen offiziellen und rechtskräftigen Anstrich zu verleihen. Einer davon ist Hermann Löher. Obwohl er nicht mit Mödens Vorgehen einverstanden ist und ihn die Machenschaften mit Abscheu erfüllen, steht es nicht in seiner Macht, etwas dagegen zu unternehmen. Zu groß ist die Angst, dass durch seinen Widerstand die eigene Familie in den Brennpunkt von Mödens Interesse geraten könnte, wie es in der Vergangenheit schon einmal der Fall war. Löher hat längst durchschaut, dass bei den Prozessen nicht alles mit rechten Dingen zugeht, aber auch zusammen mit seinen Verbündeten gelingt es ihm nicht, dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Irgendwann jedoch kann er die Augen nicht mehr vor den Gräueltaten verschließen, die auf Mödens Anordnung hin stattfinden. Als er sich offen gegen den Hexenkommissar stellt, gerät nicht nur er selbst, sondern auch seine Familie in große Gefahr.

Mit ihrem neuen Roman beschreitet die Autorin Petra Schier neue Wege. Zwar habe ich schon viele historische Romane von ihr gelesen, aber im Vergleich war keiner vorher so düster wie "Der Hexenschöffe". Es ging auch in ihren vorherigen Werken um Aberglauben, Verbrechen und Krankheiten der Neuzeit, aber es waren bisher immer fiktive Geschichten mit glücklichem Ausgang.
Beim Hexenschöffen ist vieles anders. Das Wesentliche dabei ist, dass Hermann Löher wirklich gelebt und gewirkt hat. Die Autorin hat sich auf seine Spuren begeben und versucht, die damaligen Ereignisse so realistisch wie möglich wiederzugeben. Stellvertretend für alle damaligen Opfer begleiten wir im Roman die Angeklagte Marta Schmid, Ehefrau des Schöffen Neyß Schmid, von ihrer Verhaftung bis zur Hinrichtung. Was den Leser erwartet, ist ziemlich heftig, denn Petra Schier schildert die Prozeduren, welche die Angeklagte über sich ergehen lassen muss, ohne Weichzeichner. Ich musste häufig schlucken, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass sich ähnliche Ereignisse damals wirklich in dieser Art zuhauf zugetragen haben. Man kann nur ansatzweise erahnen, wie umfangreich die Recherchen vorab wohl gewesen sind, die zum Roman führten. Im Anhang erläutert die Autorin ihre Beweggründe, weshalb sie Hermann Löher diese Geschichte gewidmet hat. Dort erfährt man auch einiges über das Rheinbacher Brauchtum des Mailehens, welches im Verlauf des Romans eine große Rolle spielt, und man erhält einen Einblick in Hermann Löhers Klageschrift, die dem Roman in vielen Punkten als historische Quelle zugrunde liegt.
Petra Schier hat hier in eindrucksvoller Weise die wahren Begebenheiten mit fiktiven Elementen zu einem anschaulichen Gesamtbild abgerundet, wobei sie sich nach eigenen Angaben stets nah an der Realität bewegt hat. Ihre Geschichte zeigt, dass durchaus nicht alle Menschen der damaligen Zeit mit der Hexenverfolgung einverstanden waren oder überhaupt an Hexen und Zauberer geglaubt haben, aber angesichts der wütenden, aufgehetzten Menge und der Gefahr, selbst als „Hexenpatron“ verdächtigt zu werden, waren die wenigen Vernünftigen machtlos und mussten zusehen, wie reihenweise Unschuldige hingerichtet wurden, um die Macht- und Geldgier der korrupten Verantwortlichen zu befriedigen.

Der Roman liest sich nicht leicht, denn er enthält zum Teil recht grausame Szenen, aber er ist beeindruckend und sehr lesenswert, und wenn man sich für historische Romane und insbesondere für die Ereignisse dieser Zeit interessiert, kommt man an diesem Buch ganz sicher nicht vorbei.

Auf ihrem Blog bietet Petra Schier jede Menge Hintergrundwissen zu Hermann Löher, zur Hexenverfolgung und auch zur Entstehung ihres Romans: Blog Petra Schier



Freitag, 9. Dezember 2011

Die Kinderhexe - Roman Rausch



Im Jahr 1629 findet unter Julius Echter, dem Neffen von Philipp Ehrenberg, in Würzburg eine fanatische Jagd auf Hexen statt. Es gibt regelmäßige Brandtage, an denen die Verurteilten auf dem Scheiterhaufen sterben. Auch die alte Hebamme Babette wird verhaftet und angeklagt. Als sie stirbt, schwört ihr liebstes Pflegekind Kathi, Rache an den Verantwortlichen zu nehmen. Sie schmiedet einen finsteren Plan. Indem sie behauptet, auf dem Schalksberg beim Hexensabbat mehrere Würzburger Bürger gesehen zu haben, bringt sie diejenigen vor das Hexengericht, welche Babette verleumdet hatten. Plötzlich tauchen weitere Kinder auf, die angeblich am Hexensabbat teilgenommen haben, und ehe Kathi es verhindern kann, gerät die Situation außer Kontrolle. Die Zahl der Anklagen wegen Hexerei nimmt kein Ende, und viele unbescholtene Bürger müssen in diesen Zeiten im Feuer ihr Leben lassen, auch viele Kinder sind darunter.

Einen wahrhaft finsteren Abschnitt der Würzburger Geschichte hat sich Roman Rausch für seinen historischen Roman als Schauplatz ausgesucht. Nicht nur das Wetter ist fast durchgehend düster, auch in den Köpfen der Menschen gibt es zur Zeit des 30-jährigen Krieges viel Dunkelheit. Der Zeitgeist ist von Aberglauben geprägt, aber auch Habgier ist ein starkes Motiv für die zahlreichen Hexenprozesse, und es ist eben immer einfacher, ein persönliches Problem zu lösen, indem man es einem arglosen Mitmenschen in die Schuhe schiebt und diesen damit als Hexe oder vom Teufel besessen hinstellt. Da ich, zur Begleitung historischer Romane, immer gerne in anderen Quellen stöbere, weil mich interessiert, wie es damals wirklich war, habe ich hier zu meinem Entsetzen festgestellt, dass die Handlung mit den betroffenen Kindern erschreckend realitätsnah beschrieben ist. Bei den Brandtagen zur damaligen Zeit sind wirklich auch sehr viele Kinder dem Feuer zum Opfer gefallen.

Der Schreibstil ist insgesamt sehr packend und äußerst detailliert. So sind auch die Szenen über Verhöre und Bestrafungen sehr drastisch dargestellt und nicht unbedingt etwas für schwache Nerven.
Originell fand ich die Kapitel, die aus der Sicht des Raben Kolk geschildert sind. Das verändert den Blickwinkel auf die Geschichte und schafft ein wenig Abstand zu den dramatischen Ereignissen in der Stadt. Auch die wahren Beweggründe, die sich oft hinter einem Hexenurteil verbargen, werden anschaulich beschrieben, denn die Angeklagten hinterließen häufig ein stattliches Vermögen und durften quasi ihre eigene Hinrichtung bezahlen. Was noch übrig war, verschwand sicher nicht selten in irgendwelchen dunklen Kanälen. Zudem durfte natürlich auch die Glaubwürdigkeit der Hexenkommissare nicht in Frage gestellt werden, und so wurde auch schon mal eine Aussage manipuliert, bis alles für die Öffentlichkeit seine Richtigkeit hatte.
Auch das Cover finde ich sehr gelungen und aussagekräftig, und besonders gut gefällt mir der alte Stich von Würzburg, ganz vorne im Buch. Ich kann „Die Kinderhexe“ allen Liebhabern historischer Romane nur wärmstens empfehlen.



Dem Rowohlt Verlag danke ich ganz herzlich für das überlassene Rezensionsexemplar.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Die Seelen der Nacht - Deborah Harkness



Diana Bishop ist der jüngste Spross einer uralten Hexenfamilie. Eine ihrer Vorfahrinnen hat es wirklich gegeben: Bridget Bishop, wurde 1692 in Salem als Hexe verurteilt und hingerichtet.
Ihre Eltern hat Diana früh verloren, sie starben auf mysteriöse Weise, und seit dieser Zeit verleugnet sie ihre eigenen Hexenkräfte. Sie möchte ein möglichst normales Leben führen, frei von Zauberei. Aber das fällt ihr nicht immer leicht. Da sie ihre eigene Magie nicht unter Kontrolle hat, kommt es häufig zu  ungewollten Zwischenfällen.
Als Diana beruflich nach Oxford reist, dort in der Bodleian-Bibliothek, bei Nachforschungen, auf ein verhextes, altes Manuskript stößt, und dann auch noch einem faszinierend attraktiven Vampir begegnet, versucht sie dies mit aller Kraft zu ignorieren, gibt das Buch zurück und stürzt sich in die Arbeit, um zur Normalität zurück zu finden. Aber wieso sind plötzlich so viele magische Wesen in der Bibliothek unterwegs? Diana erkennt, dass alle hinter dem magischen Buch her sind und damit auch hinter Diana, denn andere Hexen und Vampire sind der Meinung, dass sie das alte Manuskript nach wie vor in ihrem Besitz hat.

Was machen eine junge Hexe, die eigentlich keine sein will, und ein ca. 1500 Jahre alter Vampir, wenn sie sich zu einem ersten Date treffen? Sie führen tiefsinnige Gespräche über den Ursprung allen Seins und trinken edlen Wein dabei. So in etwa lässt sich der Beginn einer tiefen Beziehung beschreiben, die eigentlich nicht sein dürfte. Hexen, Vampire und Dämonen leben unerkannt und einigermaßen friedlich in der menschlichen Welt, aber eine Liebesbeziehung zwischen den verschiedenartigen Wesen ist tabu. Es gibt sogar eine Interessengemeinschaft, die derartige Verbindungen verhindern soll. Auch wenn Diana ihre Hexenkräfte nicht bewusst einsetzt, ja sogar verleugnet, ist es ihr von der Kongregation nicht gestattet, einen Vampir zu lieben. Aber genau das geschieht, sie verliebt sich in Matthew Clairmont, und er erwidert ihre starken Gefühle ebenfalls.
Das ist jedoch nicht Dianas einziges Problem. Seit sie in der Bodleian-Bibliothek das alte, verzauberte Manuskript in Händen hatte, wird sie verfolgt. Sowohl Dämonen als auch Vampire sind hinter dem Buch her, und auch andere Hexen machen kein Hehl daraus, dass sie Interesse an dem alten Band haben.
Bei Matthew findet Diana nicht nur ihre große Liebe, sondern auch Hilfe und Unterstützung, gegen die Verfolgung dunkler Mächte.

Dieses Buch unterscheidet sich ganz erheblich von den meisten Vampirromanen, denn die Zielgruppe ist hier eine völlig andere. Wer Action und Spannung am laufenden Band erwartet, wird sicher enttäuscht, denn gemessen an der Stärke des Buches „passiert“ nicht wirklich viel. Besonders anfangs  hat sich die Autorin viel Zeit genommen, die verschiedenen Charaktere auszumalen, Stimmungen, Gerüche und Ambiente effektvoll und bis ins kleinste Detail wiederzugeben. Das Buch lebt von seinen Dialogen und von der Atmosphäre des Augenblicks. An der Art der Autorin die sinnliche Seite von diversen Getränken (Wein oder auch Tee) exakt zu beschreiben und dabei in Aromen zu schwelgen, erkennt man die Weinliebhaberin
Wenn man den Hintergrund von Deborah Harkness näher beleuchtet und dabei erfährt, dass sie auch ein Weinblog führt, ist das natürlich kein Wunder. Gerade an Szenen, wenn Diana und Matthew einen uralten Tropfen genießen, merkt man das Engagement der Kennerin.
Geschickt in die Handlung integriert sind auch die Namen historischer Größen, die sich in der Vergangenheit mit Magie oder Alchemie beschäftigt haben, wie beispielsweise Elias Ashmole oder Gerbert aus Aurilac, welcher Ende des ersten Jahrtausends als Papst Silvester II. amtierte.
Diana und Matthew wollen dem Geheimnis des alten, verzauberten Manuskripts auf den Grund gehen und versuchen zu begreifen, was dies eigentlich mit Diana und ihrer Vergangenheit zu tun hat. Dafür betreiben sie intensive Forschungen über D.N.A Analysen und Darwins Abstammungslehre.  Hier wird es manchmal ziemlich wissenschaftlich, und es erfordert viel Geduld und Konzentration des Lesers, diese geballten Informationen aufzunehmen.
Dafür wird man mit vielen Feinheiten und Besonderheiten entschädigt.
Da wäre beispielsweise die intensive Beschreibung der alten Bodleian Library. Am liebsten würde man sofort einen Besuch dort machen und durch die riesigen Räume voller alter Bücher spazieren.
Ganz besonders hat mich aber das alte Haus der Bishops fasziniert, welches ein Eigenleben entwickelt und seine Besucher spüren lässt, ob sie willkommen sind. Dabei ist es nicht immer leicht zu bewohnen, vermittelt aber doch meist ein Gefühl von geheimnisvoller Behaglichkeit.
Der Roman ist ein richtig guter Hexen-Schmöker, der mit einer großen Zahl an vielschichtigen, interessanten Charakteren aufwarten kann und den Leser in ein Wechselbad der Stimmungen katapultiert, immer schwankend zwischen heimelig, romantisch, fesselnd und manchmal ein wenig gruselig. Ich finde, es ist die ideale Lektüre für Herbst und Winter, besonders für die Zeit um Halloween.
Das Ende ist schlüssig, lässt aber durchaus auf eine Fortsetzung hoffen, denn laut Verlag sind weitere Bücher der Autorin in Vorbereitung.
Ein Blick auf die phantasievoll gestaltete Website zum Buch lohnt sich: http://www.deborah-harkness.de/

 Herzlichen Dank an den Blanvalet Verlag für das schöne Rezensionsexemplar und das dekorative Poster.