Samstag, 26. August 2017

Ein Garten voller Sommerkräuter - Julie Leuze

Werde, der du bist.


Klappentext:
Miriam steht mit Anfang vierzig vor den Trümmern ihres Lebens: Ihr Mann hat eine andere, ihre erwachsene Tochter braucht sie nicht mehr, und ihr Haus wurde bei der Scheidung verkauft. Wie soll es jetzt weitergehen? Da Miriam nichts mehr zu verlieren hat, fasst sie endlich den Mut, einen alten Traum zu verwirklichen. Sie lässt alles hinter sich, um im südenglischen Devon einen Neuanfang zu wagen. Im hübschen Reedcombe mit seinen weißen reetgedeckten Häusern spürt Miriam sofort: Hier will sie bleiben. Ihr Weg in ein neues Leben ist voller Hindernisse – aber auch voller Chancen auf ein neues Glück ...


Mein Eindruck:
Mit Miriam hat dieser Roman eine sehr sympathische Heldin. Nicht nur durch die Trennung, sondern schon vorher, während ihrer Ehe, hat ihr Selbstwertgefühl stark gelitten, wie man im Verlauf der Geschichte erfährt. Es ist gut für sie, dass sie nicht den Kopf in den Sand steckt, sondern zu einer Reise nach Devon aufbricht, auch wenn man anfangs gar nicht den Eindruck hat, denn sie kommt bei strömendem Regen und richtiggehend mutlos an ihrem Reiseziel an. Als sie dann ein altes Cottage entdeckt und daraufhin eine Idee in ihrem Kopf Formen annimmt, davon erzählt die Autorin in einem angenehmen, kurzweiligen Schreibstil. Rund um Miriam hat sie interessante, facettenreiche Charaktere entworfen, die sich im Lauf der Handlung zum Teil überraschend entwickeln und wesentlich dazu beitragen, dass Miriam sich neu orientiert und ihr altes Leben sowie ihre vergangene Ehe endgültig hinter sich lässt. Sie setzt nun andere Prioritäten und kann endlich wieder sie selbst sein. In ihrem neuen Umfeld spielen gleich mehrere männliche Wesen eine wichtige Rolle. Da ist zum Beispiel ihr Nachbar Lucian, dessen anfängliche Unfreundlichkeit sich letztendlich als Schutzpanzer herausstellt, den er, nach einer herben Enttäuschung, um sich aufgebaut hat. Mit der Zeit wird er jedoch zugänglicher, und seine Korrespondenz mit Miriam, die sich über die Mauer zwischen den beiden Grundstücken entwickelt, ist geprägt von seiner Leidenschaft für die alten Dichter und Philosophen. Gleich nach ihrer Ankunft lernt Miriam den um einiges jüngeren Dylan kennen, der unverkennbar eine Schwäche für sie entwickelt. Meine besondere Sympathie gehört jedoch Percy, einem betagten Mischlingshund, der sich auf Anhieb zu Miriam hingezogen fühlt und ihr Herz quasi im Sturm erobert.
Zwar sind Miriam nicht alle Bewohner Reedcombes gewogen, aber sie sammelt mit der Zeit genügend Kraft, sich durchzusetzen und ihre Ideen zu verwirklichen. Dies ist kein einfacher Weg, denn sie muss immer wieder aufs Neue Rückschläge einstecken.
Für mich war einer der interessantesten Aspekte dieses Romans, dass Miriam eine besondere Beziehung zu den Kräutern im Garten des alten Cottages spürt. Mir gefällt diese magische Komponente sehr, die eine Verbindung zu einer früheren Zeit schafft, als noch die Kräuterkundige Phyllis dort lebte.
Der Roman ist nach Monaten gegliedert, und zwischen den Kapiteln, die von März bis Oktober gehen, finden sich Tagebucheinträge der alten Phyllis, die dabei helfen, das Bild abzurunden und die Zusammenhänge zu verstehen.
Insgesamt gesehen ist dies ein wunderbarer Wohlfühl- und Mutmach-Roman, den man am besten bei einer Tasse Kräutertee genießen sollte.
Am Ende des Buches schließt sich ein Kapitel mit Reedcomber Kräuterrezepten an, die zum Ausprobieren anregen.

⭐⭐⭐⭐⭐


Während ich das Buch las, habe ich zufällig auf einem Handwerkermarkt eine biologische Kräuterteemischung entdeckt, die ganz hervorragend zum Buch passt, denn sie könnte glatt aus Miriams und Kates Kräuterküche stammen. Dieser Tee mit dem sinnigen Namen „SeitenReise“ musste natürlich mit und ist inzwischen mein Lieblingsgetränk beim Schmökern geworden. Da mich die Beschreibung des Tees auf der Rückseite der Packung so fasziniert hat und ich sie so treffend finde, als wäre sie speziell für diesen Roman gemacht, möchte ich sie euch nicht vorenthalten.


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