Montag, 28. Dezember 2015

Das Haus der grauen Mönche / Das Mündel - Jan Zweyer


„Das Mündel“ ist der erste Teil einer Mittelaltersaga in drei Bänden. Die Geschichte spielt Ende des 15. Jahrhunderts in Hattingen und Umgebung. Habgier und falsche Besitzansprüche kosten dem Bauern Linhardt von Linden und seiner Frau Ursell das Leben. Zurück bleibt der neugeborene Sohn des Ehepaars. Bruder Bernardo aus dem „Haus der grauen Mönche“ nimmt sich des kleinen Jorge an, und obwohl selbst unter seinen Glaubensbrüdern Uneinigkeit herrscht, was das Schicksal des Waisenjungen angeht, wächst Jorge zunächst bei Pflegeeltern und später unter Bernardos Obhut auf. Aber viele der Hattinger Bürger wollen die Bettelmönche lieber heute als morgen aus der Stadt vertreiben und Jorge gleich mit. Ist es ihnen doch ein Dorn im Auge, dass ein Junge aus einfachen Verhältnissen und Waisenkind dazu bei den Mönchen Unterricht erhält. Eine derartige Bildung steht ihm nicht zu, darin sind sich die Bürger einig.
Auch Jorges Freundschaften zu der Patriziertochter Marlein van Enghusen und dem jüdischen Jungen Aron werden nicht gerne gesehen. Jorge hat es schwer im Leben und muss um jegliche Anerkennung kämpfen. Neben aller Unbill, die der Junge im täglichen Leben erfährt, ist da immer auch noch sein Wunsch nach Gerechtigkeit im Hinterkopf, denn er möchte eines Tages den Tod seiner Eltern rächen.

In diesem ersten Band der Mittelaltersaga erfährt man in der Hauptsache, wie Jorge bei den Mönchen aufwächst und welche Erlebnisse er dabei hat. Daneben gibt es aber im näheren und weiteren Umfeld von Hattingen jede Menge an Lügen, Ungerechtigkeiten, Intrigen und Verbrechen, die in ihrer Raffinesse ganz sicher nicht hinter kriminalistischen Dramen der Gegenwart zurückstehen. Leben und Geschehen im Spätmittelalter in und um Hattingen werden hier sehr lebendig und glaubhaft geschildert, und alle Ausführungen wirken hervorragend recherchiert.
Die Liste der Charaktere, die im Buch in Erscheinung treten, ist recht umfangreich, so dass ich für die Personenaufstellung am Anfang des Buches dankbar war, denn so fiel mir der Überblick leichter.
Mit Jorge hat der Roman einen sehr sympathischen Helden, den man einfach gern haben muss, nicht nur aus Mitleid, sondern weil er das Herz auf dem rechten Fleck hat. Man nimmt Anteil an seinem Schicksal, und man leidet mit ihm. Dass der Schluss dieses ersten Bandes offen ist und viele Fragen ungeklärt lässt bzw. noch neue Fragen aufwirft, ist klar, denn Jorges Geschichte geht ja weiter. Erst einmal muss man den Jungen schweren Herzens ins Ungewisse entlassen. Aber Band 2 „Freund und Feind“ ist vor wenigen Wochen erschienen, so dass man sich nicht auf eine lange Wartezeit einlassen muss, um zu erfahren, welche Abenteuer und Erlebnisse die Saga weiterhin bereit hält.  



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