Mittwoch, 27. Dezember 2017

Der Jahrhundertwinter - Richard Dübell


Klappentext:
Heiligabend 1845: Gut Briest ist tief verschneit, ein Schneesturm hält die Region in Atem. Alvin von Briest, seine Frau Louise und sein kleiner Sohn Moritz erwarten ungeduldig die Ankunft von Paul Baermann, einem Freund des Hauses. Doch Paul kommt nicht. Sein Zug ist nie in Genthin angekommen. Alvin ist beunruhigt – bei diesem Wetter kann ein Zugunglück den Tod bedeuten. Gemeinsam mit seinem Freund Otto von Bismarck wagt er sich hinaus in den Sturm, um Paul zu suchen. Louise bleibt mit Moritz auf Gut Briest zurück. Um ihrem Sohn die Angst zu nehmen, erzählt Louise ihm die mittelalterliche Geschichte vom »Hirten«. Auch sie kann nur auf ein Weihnachtswunder hoffen. Wird Alvin Paul noch rechtzeitig finden?


Mein Eindruck:
Eigentlich beinhaltet dieses Buch gleich zwei Geschichten. Da ist einmal die Rahmenhandlung, die den Leser auf Gut Briest führt, wo Alvin Briest und seine Frau Louise wohnen. Das Paar und auch die anderen Protagonisten sind bereits aus dem ersten Band der Jahrhundert-Trilogie „Jahrhundertsturm“ bekannt. Hier begegnet man den bereits vertrauten Charakteren am Heiligabend des Jahres 1845, wo ein starker Schneesturm über das Land tobt. Alvin und seine Frau warten auf Paul Baermann, einen guten Freund der Familie. Als der Zug Stunden nach der erwarteten Ankunft immer noch nicht in Genthin angekommen ist, macht sich Alvin zusammen mit seinem Freund Otto von Bismarck auf, Paul zu suchen. Sie befürchten ein Zugunglück, das bei der herrschenden Kälte für die Passagiere tödlich sein könnte.
Louise bleibt mit ihrem kleinen Sohn Moritz zurück. Um die Wartezeit zu überbrücken und ihre eigene aufkommende Sorge zu unterdrücken, erzählt Louise eine mittelalterliche Geschichte. Auch diese spielt am Heiligabend im Jahr 1197. Ritter Rainald von Mandach ist, zusammen mit seinen beiden Kindern Johannes und Blanka, auf dem Weg zur Burg eines Verbündeten. Es ist bitterkalt, und das Land ist tief verschneit. Unterwegs werden sie von Wölfen angegriffen und Rainalds Pferd wird dabei getötet. Sie treffen die junge Nonne Venia, die sich ihrer kleinen Reisegruppe anschließt. Gemeinsam müssen die vier Menschen einen Kampf ausfechten, den sie kaum gewinnen können. Venia versucht, Rainald zu überreden, in der Stadt Trier Schutz zu suchen, aber der Ritter weigert sich. Es gibt da so einiges in seiner Vergangenheit, das ihn daran hindert, in die Nähe dieser Stadt und ihrer Bewohner zu kommen. Als die Wölfe, deren Anführer ein verwilderter Schäferhund ist, sich immer näher heranwagen und die vier Reisenden arg bedrängen, entwickelt Rainald ungeahnte Kräfte, und auch seine beiden Kinder sowie Venia wachsen über sich selbst hinaus. Die gemeinsamen Erlebnisse berühren etwas in dem verbitterten Ritter, und er beginnt, so manches mit anderen Augen zu sehen und über sein Schicksal nachzudenken.
„Der Hirte“, die Geschichte in der Geschichte, ist bereits früher als eBook erschienen. Ich hatte sie auf meinem Reader, aber noch nicht gelesen. Erst jetzt, beim Lesen von „Jahrhundertwinter“, ist mir bewusst geworden, dass es sich hierbei um die gleiche Geschichte handelt. Man könnte sie durchaus auch alleine lesen, aber nun wurde sie in die Ereignisse im Umkreis von Gut Briest eingebettet. Man erfährt immer abwechselnd, in kurzen Kapiteln, einerseits über Pauls Schicksal und wieso der Zug nicht in Genthin angekommen ist, und dazwischen sind die Kapitel vom Hirten eingebunden. Beide Geschichten haben mich nachhaltig beeindruckt. Man erlebt hier keine heile Welt, und bis die Protagonisten so etwas wie Weihnachtsfrieden erleben, passiert sehr viel. Die Ereignisse sind so eindrucksvoll geschildert, dass man sich gut in die Lage der Menschen versetzen kann, die der eisigen Kälte und dem Schneesturm trotzen müssen. Wieso sich die Wölfe im Teil der mittelalterlichen Geschichte so unnatürlich und außergewöhnlich angriffslustig verhalten, versucht der Autor, im Nachwort zu erläutern. Er schreibt, dass er Wölfe eigentlich mag. Wieso er sie für seine Geschichte zu wilden, hasserfüllten Bestien werden lässt, ist vermutlich aus dramaturgischen Gründen. Mich hat es aber doch gestört, denn die beschriebenen Verhaltensmuster entsprechen nicht dem wahren Wesen der Tiere.

In beiden Erzählungen gibt es auch mystische Elemente, die der dunklen, kalten Winternacht noch zusätzlich etwas Geheimnisvolles verleihen. Für mich war dies einmal ein ganz anderes, außergewöhnliches Weihnachtsbuch, fernab von Rührseligkeit und heiler Welt. Aber ich kann so viel verraten, dass es letztendlich ein Weihnachtswunder gibt. Wie das zu verstehen ist, dazu möchte ich nichts weiter erzählen, um die Magie des Romans zu wahren.  

⭐⭐⭐⭐

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1 Kommentar:

  1. Hallo Klusi,

    deine Rezi liest sich gut, das Buch könnte auch was für mich sein. Wobei mir mystische Elemente meistens nicht so gut gefallen. Es käme auf einen Versuch an, danke für diesen Tipp.

    Ich wünsche dir einen guten Rutsch ins Neue Jahr,

    liebe Grüße Barbara!

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