Montag, 4. Mai 2015

Dunkle Havel - Tim Pieper


Alles begann im Mai 1998. Toni und Sofie Sanftleben besuchen das Baumblütenfest in Werder. Das junge Paar möchte die laue Frühlingsnacht genießen, doch dann verschwindet Sofie spurlos. Keiner weiß etwas über ihren Verbleib. Wurde sie entführt, ermordet oder hat sie gar Suizid begangen? Ihr Schicksal bleibt ungewiss, und sie wird weder tot noch lebendig gefunden.
Sechzehn Jahre später begegnen wir Toni Sanftleben wieder. Aus dem lebensfrohen jungen Mann ist ein Rastloser geworden. Sein ganzes Leben hat er auf die Suche nach seiner vermissten Frau ausgerichtet. Das sie tot ist, kann er nicht glauben. Um alle gegebenen Möglichkeiten der Recherche ausschöpfen zu können, hat er sogar seinen ursprünglichen Berufswunsch abgelegt und ist Kriminal-Hauptkommissar geworden.
Als er eines Tages zu einem Mordfall in die Potsdamer Innenstadt gerufen wird, entdeckt er bei dem Toten ein altes Foto, das die Tragödie vom 2. Mai 1998 wieder aufleben lässt, denn es zeigt Tonis Frau. Toni sieht in diesem Zufall einen Wink des Schicksals, eine Chance, endlich zu erfahren, was mit Sofie damals geschah. Verbissen verfolgt er alle Spuren, die sich ergeben und ignoriert dabei völlig, dass er wegen Befangenheit in diesem mysteriösen Fall vom Dienst suspendiert ist.

Tim Pieper legt hier seinen ersten zeitgenössischen Krimi vor. Zu seinen historischen Kriminalromanen gibt es eine Verbindung, denn Toni ist ein Nachfahre von Dr. Otto Sanftleben, dem Protagonisten aus den beiden Krimis des Autors, die in Berlin zum Ende des 19. Jahrhunderts spielen.

Man kann Toni sehr gut verstehen, hat er doch das Liebste verloren. Er lebt nur noch für die Suche nach Sofie und für den gemeinsamen Sohn Aroon. In seiner Verzweiflung klammert er sich an jeden noch so dünnen Strohhalm und verfolgt jede kleinste Spur, auch wenn die Hoffnung auf Erfolg sehr gering ist. Dass der Tote in dem aktuellen Mordfall ausgerechnet ein Foto von Sofie bei sich trägt, wühlt den jungen Hauptkommissar auf, wie könnte es auch anders sein. Toni nimmt in diesem Fall gleich zwei Positionen ein: einerseits agiert er als Ermittler der Kriminalpolizei, ist aber andererseits emotional sehr betroffen. Diese Verbindung macht die Geschichte so besonders. Hier spielt viel Persönliches mit hinein, denn die Distanz zum Mordopfer ist nicht in dem Maß gegeben, wie man es von den meisten Krimis her kennt. Aus diesem Grund gestalten sich die Ermittlungen in dem Mordfall auch anders, als es von Tonis vorgesetzter Dienststelle vorgesehen ist bzw. erwartet wird. Neben der beruflichen Zwickmühle, die sich aus seiner persönlichen Befangenheit in diesem Fall ergibt, muss Toni auch in seinem Privatleben schwierige Entscheidungen treffen. In den vergangenen Jahren suchte er immer häufiger Trost im Alkohol. Aber nun muss er erkennen, dass es nicht so weitergehen kann und dass er etwas in seinem Leben ändern muss, wenn er seinen Sohn nicht verlieren möchte.

Toni nimmt den Leser mit auf eine atemberaubende, aufreibende Suche, die nicht nur einmal zur Zerreißprobe für die Nerven wird und immer wieder in ungeahnte Sackgassen führt. Ich habe gut daran getan, mir das vergangene Wochenende weitgehend freizuhalten. Das war auch sehr nötig, denn während der Stunden des Lesens war ich kaum ansprechbar, so stark hatte mich die Geschichte gepackt. Alles andere, was anstand, musste vorübergehend warten, bis ich von meinem geistigen Ausflug an die Havel zurückgekehrt war. 
Mein Fazit zu diesem Krimi, in wenige, prägnante Worte gefasst: absolut fesselnd, emotional berührend und sehr überraschend!



1 Kommentar:

  1. Leider hatte ich kein Glück bei der Leserunde....mir wurde schon sehr von diesem Krimi vorgeschwärmt und er wird definitv bei mir einziehen!
    Liebe Grüße
    Martina

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