Freitag, 30. Januar 2015

Reise nach Edinburgh - Lisa McAbbey

Kurzweiliges literarisches „Roadmovie“ im 18. Jahrhundert


London 1754:
Samantha Fairfox besteigt eine Kutsche nach Edinburgh. Sam ist als junger Mann verkleidet, denn sie möchte unerkannt bleiben. Die junge Frau ist vor ihren Verwandten auf der Flucht, bei denen sie seit dem Tod ihrer Eltern gelebt hat. Durch Zufall belauschte sie ein Gespräch zwischen Onkel und Tante, durch das sie erfuhr, dass sie um ihr Erbe betrogen worden war. Ihre Verwandten wollten sie schnellstmöglich loswerden und an einen ungeliebten Mann verheiraten.
Die Reise mit der Kutsche dauert zehn Tage, und so nach und nach lernt man Sams Reisegefährten in der Kutsche kennen. Auf den ersten Blick könnte man die kleine Gesellschaft in der Kutsche für harmlose Reisende halten, aber mit der Zeit erfährt man, dass kaum einer das ist, was er zu sein vorgibt. Sam macht ja in dieser Hinsicht auch keine Ausnahme.
Man begleitet die junge verkleidete Frau und die anderen Fahrgäste auf ihrer beschwerlichen und abenteuerlichen Reise, denn sie lernen unterwegs nicht nur denkwürdige Schauplätze und historische Persönlichkeiten kennen, es geschehen gleich mehrere Überfälle und ein Mord. Fast jeder macht sich verdächtig, und der muffelige Landschaftsarchitekt Mr. James, der ebenfalls inkognito reist und eigentlich ein Geheimagent des Königs ist, beschuldigt Sam sogar, eine jakobitische Spionin zu sein. Und dann wird Sam auch noch von den Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt und findet sich in einem ihrer Albträume wieder.

Der Roman ist ähnlich wie ein Tagebuch aufgebaut. Man begleitet Samantha und ihre Reisegefährten auf ihrem Weg nach Norden. Alle wollen nach Edinburgh, doch es ist fraglich, wer von ihnen letztendlich ankommt. Die Geschichte erzählt die Erlebnisse in den elf Tagen ab dem Zeitpunkt der Abreise. Es lässt sich alles sehr geheimnisvoll an, denn Sams Mitreisende sind nicht durchschaubar. Jeder von ihnen scheint etwas zu verbergen. So nach und nach werden einige Geheimnisse gelüftet, und die Insassen der Kutsche machen unterwegs sogar die Bekanntschaft eines berüchtigten Räubers, den es übrigens wirklich gegeben hat, nur die Episode im Roman ist natürlich erfunden.
Dick Turpin ist nicht die einzige historische Figur, die in der Geschichte auftaucht. Man lernt mit der Zeit einige reale damalige Zeitgenossen kennen und begegnet sogar Mitgliedern des derzeit berüchtigten Hellfire Clubs.
Der Roman ist kurzweilig und amüsant, dabei aber auch sehr spannend, und ab und zu wird es richtig dramatisch. Sam ist eine sehr liebenswerte Heldin, wenn auch manchmal ein wenig arg begriffsstutzig. Aus dem Landschaftsarchitekten Henry James wird sie nicht so recht schlau. Der Mann provoziert sie, hilft ihr andererseits aber auch aus so mancher Patsche. Besonders die Dialoge zwischen Sam und Henry haben mir großes Vergnügen bereitet. Zum Schluss wird der Roman dann auch noch richtig romantisch. Lisa McAbbeys Geschichte hat alles, was man sich von einem historischen Roman an guter Unterhaltung wünscht: Spannung, Action, Zeitkolorit und Romantik. Es ist ihr ein wirklich gutes Debüt gelungen, das Lust auf mehr macht. Ich hoffe auf weitere spannende Stories aus der Feder der Autorin.


Wer sich für die politischen Hintergründe dieser Zeit interessiert, sollte auf der Website der Autorin vorbei schauen, denn da gibt es viele weitere interessante Informationen zum Buch.

 bis 


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