Donnerstag, 15. Januar 2015

Die Heilerin und der Feuertod - Christiane Lind

Braunschweig 1374:
Die junge, schöne Aleke, die bei den Beginen lebt, staunt nicht schlecht, als plötzlich der Stadtrat Acchem van dem Broke, ihr Vater, bei ihr auftaucht und sie um Hilfe bittet. Bisher hat er sie nie beachtet, denn sie wurde als uneheliches Kind der Magd Herrade Ledinkhusen geboren. Aber nun ist sein einziger Sohn des Mordes angeklagt, und er fleht Aleke an, ihm zu helfen. Kersten hat keinerlei Erinnerung an die Mordnacht, und die kräuterkundige Aleke soll herausfinden, ob er vielleicht betäubt wurde.
Zugleich taucht ein rätselhafter junger Mann in Braunschweig auf, der unerkannt bleiben möchte, denn er sucht den Mörder seiner Eltern und seiner kleinen Schwester, die Jahre zuvor bei einem großen Brand ums Leben kamen. Righert van Anhalt, wie sich der junge Kaufmann jetzt nennt, hat einen schwerwiegenden Verdacht, denn er vermutet, dass Alekes Vater hinter dem damaligen Brandanschlag steckte. Als sich seine Wege mit denen Alekes kreuzen, fühlt er sich gleich sehr zu der schönen und eigenwilligen Frau hingezogen, was durchaus auf Gegenseitigkeit beruht, aber Righert hält Distanz, denn zu tief sitzt der Hass auf den Mörder seiner Familie und übermächtig ist sein Wunsch, Rache zu nehmen. Für Gefühle hat er keine Zeit.

Es ist keine leichte Aufgabe, die sich Aleke gestellt hat, denn ihr Halbbruder sitzt bereits im Kerker, und ihre Nachforschungen werden von unbekannter Seite behindert. Die Geschichte liest sich sehr fesselnd, und man folgt im Geiste der Protagonistin durch die Gassen Braunschweigs, gespannt, ob sie Kerstens Unschuld beweisen kann. Man begleitet die junge Frau auch in den Kerker, zu ihrem Halbbruder. Glücklicherweise muss man der peinlichen Befragung, der er ausgesetzt wurde, nicht direkt beiwohnen, denn es geht schon an die Nieren, wenn man im Nachhinein liest, was ihm alles angetan wurde. Aleke geht ein ziemliches Risiko ein, denn nicht nur sie selbst wird bedroht und eingeschüchtert, auch alle, die sie um Hilfe bittet, bringt sie damit in Gefahr. Aber sie ist mutig und hat das Herz auf dem rechten Fleck, und im Lauf ihrer Ermittlungen findet sie einiges Wichtige über sich selbst und ihre Familie heraus. Zu Righert hat sie ein sehr gespaltenes Verhältnis, denn er ist ihr sowohl Gegner als auch Partner. Sie wird nicht so recht klug aus ihm, denn einerseits findet sie ihn sehr sympathisch und attraktiv, aber es gibt immer wieder Situationen, wo sie erkennt, wie wenig sie von ihm weiß. Und es gibt auch Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Mord, den Kersten von dem Broke begangen haben soll und dem Brand, der Jahre zuvor Righerts Elternhaus zerstörte und seiner Familie den Tod brachte.

Neben der fiktiven Handlung erfährt man sehr viel Wissenswertes über das historische Braunschweig. Für mich ist es immer interessant, eine Geschichte nachvollziehen zu können, mir die Protagonisten in ihrem Handlungsumfeld vorzustellen. Das ist hier ausgezeichnet gelungen. Da ich noch nie in Braunschweig war und nur wenig über die Stadt wusste, habe ich mir, begleitend zum Roman, immer wieder Fotos von historischen Orten der Stadt angesehen. Im Anhang des Buches gibt es, neben einem umfangreichen Glossar, auch viele Informationen über die historischen Hintergründe, beispielsweise über die „große Schicht“, wie die Unruhen genannt wurden, die am Ende des Romans zur Sprache kommen. Interessant ist für mich auch, mehr über die Lebensgemeinschaft der Beginen zu erfahren. Diese und viele weitere geschichtliche Details, zusammen mit der fesselnden Handlung, den facettenreichen Charakteren, dem perfekt angepassten Schreibstil und der zeitgemäßen Sprache machen den Roman für mich richtig schön „rund“.
Das Ende ist schlüssig, auch wenn es durchaus einige Handlungsfäden gibt, die sich weiterspinnen lassen, und genau das hat die Autorin gemacht! Schon heuer im Juni wird es eine Fortsetzung und somit ein Wiedersehen mit Aleke und Righert geben, auf das ich mich jetzt schon sehr freue.


Kommentare:

  1. Ja, ein sehr schönes, interessantes und spannendes Buch! Ich freue mich und bin stolz darauf, dass ich bei der Autorin in die "Schreib-Schule" gehe. Ausserdem soll es einen Folgeroman für die Heilerin geben. Ich bin gespannt...

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    1. Hallo anonymer Gast, lies' mal den letzten Satz meiner Rezension :-) Du hast recht, es dauert gar nicht mehr lange, denn die Fortsetzung kommt schon im Juni. Ich freue mich auch schon sehr.
      Viel Freude bei der Schreibschule wünscht dir
      Susanne

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