Sonntag, 18. August 2013

Warte auf mich - Philipp Andersen, Miriam Bach


Philipp Andersen und Miriam Bach treffen sich bei der Feier zu einem Verlagsjubiläum. Er ist ein erfolgreicher Autor, dessen historische Romane in den Bestsellerlisten zu finden sind, sie ist hoffnungsvolle Nachwuchsautorin. Sie kannten sich vorher nicht, verbringen nach der Feier jedoch die Nacht miteinander. Das klingt auf den ersten Blick nach einer flüchtigen Affäre, aber eigentlich passiert in dieser Nacht nicht viel, außer dass beide im gleichen Bett übernachten. Sie tauschen ihre Adressen und gehen auseinander, als wäre nichts geschehen. Wieder in ihrem Alltag angekommen, schicken sie sich gegenseitig ihre Bücher und stellen fest, dass sie nicht mehr ohneeinander sein können. Das wirft beträchtliche Probleme auf, denn da ist zum einen der große Altersunterschied, und außerdem ist Philipp glücklich verheiratet, wie er immer wieder betont. Trotz aller Zweifel und Probleme nutzen die Liebenden jede sich bietende Gelegenheit für ein Wiedersehen, obwohl sie wissen, dass ihre Verbindung keine Zukunft hat, nicht haben darf, weil so vieles dagegen spricht.

In gewisser Weise konnte ich beide Protagonisten gut verstehen, dann aber auch wieder nicht. Mit Miriam habe ich gelitten, denn sie ist schon so oft in der Vergangenheit als Verlierer aus Beziehungen hervorgegangen und hat Angst, wieder verletzt zu werden. Ihre ohnmächtige Wut konnte ich gut nachvollziehen, und trotz aller Prinzipien lässt sie sich mit Haut und Haaren auf dieses Verhältnis ein, das eigentlich gar nicht sein dürfte. Philipp möchte alles haben, denn er will sich weder gegen seine Ehe noch gegen Miriam entscheiden. Das wirkt, oberflächlich betrachtet, ziemlich egoistisch, ist es aber aus seiner Perspektive sicher nicht. Was die beiden verbindet, kann ich nur schwer nachvollziehen, und auch Miriam hat immer wieder Zweifel, ob sie den so viel älteren Mann wirklich liebt. Philipp beteuert, er würde sowohl seine Ehefrau als auch Miriam lieben und brauchen. Seelische Verletzungen auf allen Seiten sind damit vorprogrammiert. Kann man wirklich zwei Menschen gleich stark lieben, immer in dem Bewusstsein, beiden damit weh zu tun?  Diese Frage stelle ich mir unwillkürlich. Ich denke, man kann sie nur beantworten, wenn man sich selbst bereits irgendwann in einer ähnlichen Lage  befunden hat. Auf diese fehlende Erfahrung und das damit einhergehende Verständnis verzichte ich jedoch gerne!
Das Buch zeigt zwei unterschiedliche Blickwinkel. Philipps Sichtweise ist in der ersten Person geschrieben, und Miriams Teil in der dritten Person. Kurioserweise heißen die beiden Autoren genau wie ihre Protagonisten. Dass es sich bei den Autorennamen um Pseudonyme handelt, ist klar und auch verständlich, denn es entsteht bei dieser Geschichte der Eindruck, dass hier viel Persönliches mit eingeflossen ist. Was an dem Buch nun fiktiv und was real ist, darüber kann man spekulieren, aber letztendlich ist dies das Geheimnis der Autoren und sollte auch deren Angelegenheit bleiben.

Die Geschichte polarisiert und löst zum Teil heftige Diskussionen aus. Auch wenn ich die Gedanken und Gefühle der Protagonisten nicht immer nachvollziehen oder verstehen konnte, so hat mir die Story jede Menge Stoff zum Nachdenken beschert und mich auch nachhaltig beschäftigt. Der Schreibstil ist schön und ausdrucksvoll, jedoch muss ich gestehen, dass ich keinen Moment zu Tränen gerührt war. Die vorsichtshalber bereit gelegten Taschentücher habe ich also nicht gebraucht. Diese sachliche Betrachtungsweise lag sicher an meinem mangelnden Einfühlungsvermögen in diese besondere Situation.



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