Mittwoch, 4. Januar 2012

Die Eifelgräfin - Petra Schier



September 1348 in der Eifel: Als es zu Erbstreitigkeiten zwischen ihrem Onkel und den Eltern kommt, weil der Halbbruder ihres Vaters Anspruch auf die väterliche Burg erhebt, wird Elisabeth von Küneburg zu Freuden auf die Burg Kempenich geschickt. Dort soll sie in Sicherheit ihren Bräutigam erwarten, der vor längerer zu einer Reise nach Italien aufgebrochen ist.
Auf Kempenich lernt sie auch den ungehobelten Ritter Johann von Manten kennen. Er verhält sich Elisabeth gegenüber nicht gerade freundlich und lässt es auch oft an guten Manieren fehlen. Was die junge Edelfrau nicht weiß: Nachdem der Ritter Frau und Kind bei der Geburt verloren hat, schwor er sich, keine Liebesbeziehung mehr einzugehen. In Elisabeths Gegenwart fällt ihm dieses Gelöbnis immer schwerer, denn er fühlt sich sehr zu ihr hingezogen. Aber nicht nur seine Gefühle machen ihm einen Strich durch die Rechnung, sondern die Lage ändert sich total, als die Pest auch Kempenich erreicht und ihre Opfer fordert. Elisabeths habgieriger Onkel nutzt die allgemeine Verwirrung, um  die Küneburg einzunehmen. Für seine finsteren Pläne möchte er seinen Sohn Albrecht möglichst schnell mit Elisabeth vermählen. Die junge Frau findet sich in einer trostlosen Lage wieder und hat jede Hoffnung auf Glück aufgegeben.

Die Basis zu dieser Geschichte wird bereits zweihundert Jahre zuvor gelegt. Im Jahr 1148, am Ende des zweiten Kreuzzugs, teilen drei Männer in Jerusalem ihre Beute. Dazu gehört auch ein magisches Kruzifix. Auf das Kreuz schwören sich die drei Männer ewige Freundschaft, sowie gegenseitige Hilfe und Schutz für ihre Familien, auch für kommenden Generationen.
Im 14. Jahrhundert ist Elisabeth von Küneburg im Besitz eines Teils der geheimnisvollen Reliquie. Luzia, ihre neue Magd, die ihr auf Burg Kempenich zugeteilt wird,  scheint ebenfalls eine starke Verbindung zu dem Kruzifix zu haben. Bald verbindet die beiden Frauen nicht nur das Wissen um die Reliquie, sondern auch eine innige Freundschaft.

Mit Elisabeth von Küneburg und Johann von Manten hat dieser Roman zwei starke, eigenwillige Hauptcharaktere, die sich jedoch das Leben gegenseitig  recht schwer machen. Ich konnte beide Seiten gut verstehen, auch wenn es ab und zu schwer fiel, da sowohl Elisabeth als auch Johann ihre festen, unumstößlichen Grundsätze haben und sich dabei gegenseitig an Sturheit überbieten. Daran kann auch die drohende Pest kaum etwas ändern.

Der Roman beginnt eher ruhig, und man erfährt sehr viel über das Leben, die Sitten und Regeln auf der Burg. Ein Grundriss am Ende des Buches macht es dem Leser leicht, sich die Räumlichkeiten vorzustellen. Der Alltag auf Burg Kempenich wird sehr ausführlich dargestellt, und man lernt die Protagonisten intensiv kennen.  Es dauert jedoch nicht lange, bis sich die Ereignisse überstürzen und für viel Spannung in der Handlung sorgen. Die Kombination aus anschaulichen Beschreibungen, authentischer Atmosphäre und historischen Einzelheiten, gewürzt mit einer Prise Magie und einer guten Portion Romantik,  liest sich wunderbar flüssig und packend. Sehr gut gefällt mir, dass die Helden der Geschichte nicht allesamt schön und makellos sind, sondern durchaus ihre Fehler und Schwächen haben, wie es eben im realen Leben auch der Fall ist. Mich hat dieser historische Roman gefesselt und begeistert, und ich habe mich nun gleich auf die Fortsetzung „Die Gewürzhändlerin“ gestürzt.


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