Dienstag, 31. März 2015

Monatsrückblick März 2015

Der März war für mich der bisher schwächste Lesemonat des Jahres. Es waren 8 Bücher mit insgesamt 2460 Seiten. Noch weniger gelesen habe ich nur im April vergangenen Jahres. Aber es ist ja nicht unbedingt Sinn der Sache, möglichst viel zu “schaffen”, sondern ausschlaggebend ist die Qualität der Bücher, die man liest, und ich kann sagen, dass ich wieder einmal mit meiner Auswahl sehr zufrieden bin.

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Wie man unschwer an meinen Sternebewertungen sehen kann, haben mir 6 von den 8 Büchern sehr gut gefallen, ein weiteres gut und eines fand ich durchschnittlich. Ich habe aber diesmal keinen eindeutigen Favoriten, denn jedes der sehr guten Bücher hatte seine Vorzüge, aber sie waren für mich alle ungefähr auf dem gleichen Level.
“Der Mann im Heuhaufen” hat zwar die Bewertung mit den wenigsten Sternen, aber als Flop würde ich den Roman deswegen nicht beurteilen, denn er war durchaus ok und unterhaltsam. Es gibt also diesmal weder Top noch Flopp. Zwinkerndes Smiley

Nicht so zügig voran geht es mit meinen Challenges, denn im März konnte ich nur ein einziges Buch bei der Goldmann-Challenge eintragen.

Was es jedoch gibt, sind wieder einige Neuzugänge. Das sind die Bücher, die momentan ganz oben auf der To-do-Liste stehen, eine bunte Mischung, wie ihr seht:

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Ich lasse momentan nur die Bilder für sich sprechen, da ja in nächster Zeit dann die Rezensionen folgen werden, wo ich euch die einzelnen Bücher genauer vorstelle.

Auch in der Bücherüberraschungs-Gruppe bei Facebook konnte ich zwei mal ablösen und wurde daraufhin auch jeweils wieder mit einem Buch von meiner Wunschliste und zahlreichen Zugaben (Leseproben, Lesezeichen und Tee) überrascht:

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In meinem Teeschrank ist zurzeit Aufbrauchen angesagt, da es fast aus allen Nähten platzt. So müssen nach und nach ein paar Tees weichen, um neuen Sorten Platz zu machen.

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Zeit der Engel vom Oasis-Versand

Ein Lieblingstee von mir, den ich in   jedem Herbst nachkaufe. Er schmeckt sehr lecker nach Schokolade, Sahne und Brombeeren, eine tolle Mischung, die man nur schwer beschreiben kann. Das Gute daran ist, dass der Tee völlig natürlich aromatisiert ist, wobei das Schokoladenaroma von den enthaltenen Kakaoschalen kommt.

 

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Ein weiterer Grüntee, der nun langsam zur Neige geht: TE Luxury Loose Passion

Er ist ebenfalls sehr gut, erinnert ein klein wenig an einen sanften Earl Grey, ergänzt von dem zarten Aroma der Rosenblüten, Sonnenblumen- und Kornblumenblüten. Auch dieser Tee wird sicher wieder nachbestellt.

 

 

Morgen startet der neue Monat, das Aprilwetter haben wir ja schon seit einigen Tagen. Zwinkerndes Smiley Eigentlich wäre es jetzt die ideale Lesezeit, wenn es draußen stürmt und abwechselnd regnet und schneit, aber irgendwie ist gerade lesetechnisch “der Wurm drin”, denn es stehen dauernd andere Sachen an, die erledigt werden müssen. Ich wünsche euch einen guten Start in den April, viele tolle Bücher zu Ostern, natürlich auch ein frohes Osterfest und immer genügend Zeit zum Lesen.

Leah Eine Liebe in Hamburg - Karsten Flohr


Im April 1928, zu seinem 6. Geburtstag, erhält Johannes Bluhm von seinem Großvater ein gebundenes Tagebuch. Darin notiert er von diesem Zeitpunkt an alles, was ihn bewegt und was er erlebt. An der Art, wie das Tagebuch geschrieben ist und wie sich der Schreibstil langsam aber stetig verändert und reifer wird, kann man Johannes' Entwicklung vom Kind zum jungen Mann mitverfolgen. In seinem Tagebuch schildert er die Ereignisse der damaligen Zeit, schreibt über den immer stärker werdenden Einfluss und die Machtergreifung der Nationalsozialisten und über die verheerenden Folgen für die jüdische Bevölkerung. Besonders häufig und gerne aber schreibt er über seine große Liebe Leah. Die Beiden kennen sich von Geburt an und sind unzertrennlich. Aber Leahs Abstammung macht es nicht leicht, diese tiefe und unerschütterliche Liebe zu leben, denn Leah ist Jüdin. In seinem Tagebuch berichtet Johannes von schönen und von schrecklichen Zeiten, die sie gemeinsam erleben, bis Leah eines Tages spurlos verschwindet und Johannes verzweifelt zurück lässt.

Die Tagebucheinträge nehmen einen großen Teil des Romans ein und werden umrahmt von der Geschichte der Gegenwart, wo Bernhard Bluhm jeden Freitag seinen Großvater Johannes besucht und dieser eines Tages beginnt, ihm die alten Tagebücher zu zeigen und von seiner großen Liebe zu erzählen. Je mehr Bernhard über die Vergangenheit seines Großvaters erfährt, umso stärker ist er berührt davon, gefangen in dieser schrecklichen und zugleich schönen Geschichte.
Johannes' Tagebuch ist sehr realistisch und glaubwürdig geschrieben. Er und Leah sind ein ganz besonderes, sehr sympathisches Paar. Sie verbringen so viel Zeit wie irgend möglich zusammen und lassen sich selbst von den Maßnahmen und Sanktionen des Regimes nicht schrecken, auch wenn Leah im Lauf der Zeit fast alles verliert, was ihr am Herzen lag. Sie ist ein liebenswerter und zugleich starker Charakter und passt somit perfekt zu ihrem Johannes. Bis zuletzt arbeitet sie in der Fürsorge und betreut die Menschen, denen es noch schlechter ergeht als ihr selbst. Das Ende dieser innigen Beziehung ist abzusehen, und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ist es so unwahrscheinlich berührend.
Das Besondere an diesem Roman ist, dass er beginnt, als noch Normalität im Land herrschte und dass er die damalige Entwicklung im Lauf der Jahre mitverfolgt, als der Wahnsinn dieser Zeit immer mehr Raum des Alltags einnahm und als sich die politische Ideologie der Nationalsozialisten schleichend immer weiter ausbreitete, wie ein giftiges Gespinst.
Die Schrecken des Krieges bleiben Kulisse, aber umso verstörender ist es, zu erfahren, wie es den Juden damals im täglichen Leben erging. Für uns heute, die wir in einem freien Land leben und selbst entscheiden können, wo wir in der Gesellschaft stehen, ist es nur schwer zu verstehen, wie sehr sich damals der Staat in alles mögliche hinein drängte und wie stark er die Menschen beeinflusste, denn auch wenn die Protagonisten fiktiv sind, so ist alles andere nicht erfunden, sondern leider nur allzu real. Das Ende des Romans wiederum ist überraschend, versöhnlich und sehr berührend.
Ich kann den Roman von Herzen empfehlen, denn auf seine Art ist dieses kleine Buch, das nur ca. 220 Seiten dick ist, ein wichtiges Zeitzeugnis deutscher Vergangenheit und eine Ermahnung gegen das Vergessen.


Freitag, 27. März 2015

Couchsurfing im Iran–Stephan Orth

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Stephan Orth war im Iran unterwegs. Seine Erlebnisse als   Couchsurfer hat er in diesem Buch sehr eindrucksvoll geschildert. Es handelt sich um einen chronologischen Reisebericht in ein Land, das die wenigsten von uns näher kennen. Mir geht es zumindest so, dass ich eigentlich nur ab und zu durch negative Pressemeldungen etwas über den Iran erfahren habe. Auch der Autor trat diese Reise mit teilweise recht gemischten Gefühlen an. Er berichtet,  dass die Angst auf Reisen eigentlich immer dabei ist, denn als Ausländer macht man sich schnell verdächtig, wird sogar schnell der Spionage bezichtigt, wenn man zu viel oder die falschen Objekte fotografiert. Der offizielle Eindruck ist wohl der eines States, wo Menschenrechte sehr klein geschrieben werden.

Durch diese spezielle Reiseform, (die, wie könnte es auch anders sein, im Iran verboten ist) hat der Autor jedoch ganz eigene, besondere Einblicke gewonnen. Als Couchsurfer übernachtet man nicht im Hotel, sondern bezieht über eine zentrale Plattform die Adressen von Privatleuten, die dem Reisenden ein Zimmer, Bett, Sofa oder manchmal auch nur einen Teppich zur Verfügung stellen und im Gegenzug, wenn sie selbst auf Reisen sind, ebenfalls von Couchsurfern für eine oder mehrere Übernachtungen aufgenommen werden. Das läuft alles recht spontan und unkonventionell ab, und dadurch ergeben sich natürlich ganz andere Möglichkeiten für Kontakte oder intensive Gespräche. Stephan Orth hat hinter verhängten Fenstern eine Freiheit entdeckt, welche sich die Iraner einfach selbst schaffen. Was offiziell verboten ist, wird im privaten Rahmen intensiv gelebt. So gibt es ein sehr lebendiges Netz an Couchsurfern im ganzen Land, obwohl bei Entdeckung Gefängnisstrafen drohen, weil der Besuch vieler verschiedener Ausländer schon wieder Verdacht erregt. Hinter verhängten Fenstern feiern die jungen Leute genauso wie in anderen Ländern. So vieles ist nicht erlaubt in diesem Land, das andererseits so viel Sehenswertes, landschaftliche Schönheit und überall herzliche, sehr gastfreundliche Menschen zu bieten hat. Das Buch ist in einzelne Abschnitte gegliedert, die Stephan Orths verschiedene Reisestationen dokumentieren. Eingangs gibt es jeweils eine kleine Skizze und Informationen zur genauen Lage und Einwohnerzahl der jeweiligen Stadt. Ein umfangreicher Fototeil, zusammen mit der lebendigen Erzählweise, lassen ein ganz neues Bild dieses Landes entstehen. Der Autor hat ein gutes Gleichgewicht gefunden, zwischen humorvollen und ernsten Tönen, zwischen der Beschreibung des Landes und seiner Menschen. Er hat erstaunlich viel Schönes und Amüsantes zu berichten, sieht aber gleichzeitig nicht über das Negative und die Kritikpunkte hinweg, die es in diesem Land leider ebenfalls reichlich gibt.

Da der Autor kaum länger als zwei Tage an einem Ort geblieben ist, sondern ständig auf Reisen quer durchs ganze Land war, konnten sich keine wirklich intensiven Freundschaften mit den Einheimischen entwickeln, wie er selbst schreibt. Aber er hat viele sympathische Menschen kennengelernt, interessante Gespräche geführt und oft erfahren, dass es eine tiefe Kluft gibt, zwischen dem, was die Regierung bestimmt oder als das einzig Wahre festlegt und dem, was die Menschen im Land wollen. Letztendlich ist es ein objektives, informatives und kritisches, aber auch ein optimistisches Buch. Trotz aller Untersagungen, Gesetze und Gebote gibt es glücklicherweise die Freiheit des Geistes, denn Wünsche, Hoffnungen und Träume kann man nicht verbieten.

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