Montag, 29. Juni 2015

Dieses Buch bleibt im Regal #4


Schon wieder sind zwei Wochen um, und es ist an der Zeit, den nächsten Stammgast in meinem Regal zu zeigen. Das folgende Buch ist mir aus traurigem, aktuellem Anlass heute in die Hände gefallen, denn Chris Squire, der Bassist der Rockband "Yes", einer meiner Lieblingsband aus Jugendtagen, ist gestorben. Wenn ich solche Nachrichten lese, denke ich wehmütig an schöne Zeiten zurück, in diesem Fall an Livekonzerte, die ich mit diesem genialen Musiker erlebt habe.
Aber nun zum Grund, wieso ich das erzähle. Die Schallplattencover, die es damals ja noch gab (tja, da merkt man, dass man alt wird *ggg*) waren zum Teil sehr kunstvoll gestaltet. Für die Gruppe Yes arbeitete ein Künstler, der sehr fantasievolle und bizarre Bilder geschaffen hat. Nicht nur für Yes, auch für andere bekannte Gruppen, beispielsweise Uriah Heep, Rare Earth, Alexis Corner, Gentle Giant und viele mehr, malte Roger Dean die Coverbilder. Sogar die Bühnenbilder für die Konzerte wurden in Anlehnung an Roger Deans Werke designt.


Da mich die Bilder und Entwürfe dieses Künstlers damals wie heute faszinieren, darf der Bildband "Roger Dean Views" in meiner Sammlung natürlich nicht fehlen. Das Buch stammt aus den Siebziger Jahren, und man sieht es ihm auch an, denn der Einband hat im Lauf der Jahre viele Schrammen davongetragen, aber ich würde dieses Buch nicht hergeben. Zu viele tolle Erlebnisse verbinde ich damit, zu viele schöne Erinnerungen kommen beim Betrachten der Bilder zum Vorschein.


Nicht nur die fertigen Werke von Roger Dean kann man im Buch bestaunen, sondern es gibt auch viele Entwürfe, so dass man die Entstehung (und mehrfache Veränderung) mancher Bilder sehr detailgenau verfolgen kann. Natürlich erfährt man auch sehr viel über den Künstler selbst.
Es ist ein englisches Buch, und ich kann mich noch gut erinnern, dass ich (damals war ich Schülerin) mit Lektüre dieser Art begeistert die englische Sprache erlernt habe. Schulbücher waren langweilig, aber Bücher wie dieses haben mich fasziniert und das Lernen zum Kinderspiel gemacht.


Liebe Blogger, dies ist eine Mitmachaktion von Damaris liest. Du möchtest ebenfalls ein besonderes Buch, das niemals aus deinem Regal auszieht, auf deinem Blog vorstellen und es damit deinen Lesern empfehlen? Dann ...

SEI DABEI!
(die Aktion findet, bis auf Weiteres, jeden zweiten Montag statt)

  • Verwende das Dieses Buch bleibt im Regal-Banner, und verweise damit auf den Ursprungsblog, damit die Aktion Wiedererkennungswert hat.
  • Wenn du magst, hinterlasse bei Damaris liest oder auch hier deinen Beitragslink als Kommentar, dann können interessierte Leser und ich zum Stöbern kommen.
  • Mach mit, oder auch mal nicht. Am Aktionstag oder später - ganz egal. Die Aktion ist jedes Mal freiwillig. Sie soll gemeinsam Spaß machen und ggf. den Austausch anregen.

Der Gast im Garten - Takashi Hiraide

Takashi Hiraide: Der Gast im Garten
mit Bildern von Quint Buchholz
aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
Insel Verlag, 135 Seiten
ISBN: 3458176268
Hier geht es zur Verlaggseite mit weiteren Details zum Buch: Klick

Klappentext:
„Ein idyllischer Garten, wie aus der Zeit gefallen. Ein Paar, dem die Freude abhandengekommen ist. Und eine scheue Katze, die ihnen die Freude zurückbringt. Ein poetisches und ergreifendes Buch über das flüchtige Glück des Daseins.

Mein Eindruck:
Dieses kleine Büchlein hat mich auf wundersame Weise überrascht und berührt. In erster Linie geht es in der Geschichte um die Katze Chibi, die sich immer wieder vorübergehend bei einem jungen Ehepaar einquartiert, das in einem Vorort von Tokio ein Gartenhaus bewohnt, welches zu einem alten Anwesen gehört. Chibi gehört ihnen nicht, aber die Katze schleicht sich mit ihrem Charme schnell in die Herzen des Ich-Erzählers und seiner Frau, so dass diese sich an das Tier gewöhnen und nach einiger Zeit schon täglich darauf warten, dass ihr kleiner Gast wieder vorbeikommt. Das Ehepaar, bisher ganz in der Gleichförmigkeit des Alltags gefangen, erlebt nun, zusammen mit der Katze, ganz besondere Glücksmomente. Als der kleine Besucher eines Tages ausbleibt, ist dies ein schmerzlicher und folgenreicher Verlust für die beiden Wartenden.

Es ist ein ruhiges Buch, in dem nichts Spektakuläres passiert, das gerade durch seine besondere, sanfte Ausstrahlung bezaubert. Die Katze genießt die Gesellschaft des Paares, wird aber nie völlig zutraulich, sondern behält immer ihre Eigenständigkeit. Durch sie findet das japanische Ehepaar aus seiner Lethargie und entdeckt die kleinen, spontanen Freuden, beispielsweise beim gemeinsamen Streifen durch den idyllischen Garten oder beim Spiel mit dem Tier. Chibi lenkt den Blick auf die Schönheiten des Lebens und der Natur, aber durch sie lernen sie auch die Vergänglichkeit kennen. Ein Tag ohne sie ist nicht mehr denkbar. Lebten sie in letzter Zeit eher nebeneinander her, so finden sie über Chibi eine neue Gemeinsamkeit, über die sie sich nun austauschen.
Die schönen, sensiblen Beschreibungen lassen den Leser einen Eindruck japanischer Lebensart gewinnen. Sie strahlen eine große Ruhe aus und ergeben, zusammen mit den stimmungsvollen und liebenswerten Illustrationen von Quint Buchholz, ein wahres Kleinod, nicht nur für Katzenfreunde, sondern für alle, die einen Sinn für die kleinen Dinge und Freuden des Lebens haben, die einfach einmal entschleunigen und diese gedankenvollen Zeilen genießen möchten. Es ist ein kleines, feines Werk, voller Poesie und Lebensweisheit.
Das Büchlein besticht durch seine klare und zugleich exquisite Aufmachung und eignet sich auch wunderbar als Geschenk für liebe Freunde.



Donnerstag, 25. Juni 2015

Das Licht der Welt - Daniel Wolf


Dies ist die Fortsetzung des Romans „Das Salz der Erde“.
Auf 1150 Seiten geht es im Großen und Ganzen um Wohl und Wehe der fiktiven Stadt Varennes-Saint-Jacques. Einige Einwohner der kleinen Stadt treten stärker in den Vordergrund, und so hat auch diesmal wieder Michel de Fleury eine wichtige Rolle, denn man könnte sagen, Varennes-Saint-Jacques ist sein Lebenswerk. Schon immer lagen ihm die Belange der Stadt am Herzen, und mittlerweile ist er der hoch geachtete Bürgermeister. Im Lauf der Handlung, die sich von 1214 bis 1248, über 34 Jahre erstreckt und deren hauptsächlicher Schauplatz die Stadt Varennes-Saint-Jacques ist, gewinnt auch immer mehr Michels Sohn Remy an Bedeutung. Der meisterliche Buchmaler hat große Träume für seine Heimatstadt. Er möchte eine Schule gründen, die nicht der Kirche untersteht und in der auch die Kinder einfacher Leute lernen können, um bessere Chancen für die Zukunft zu haben. Je stärker die Stadt an Bedeutung gewinnt, umso mehr Gegner finden sich im ihrem Dunstkreis. Die Kaufleute der Stadt Metz fürchten die starke Konkurrenz von Michel und seiner Gilde, und dem Vorsteher der Abtei Longchamp sind Remys Pläne ein Dorn im Auge. Die Stadtväter haben alle Hände voll zu tun, um ihren Stand in Oberlothringen zu behaupten, zudem haben sie einen gefährlichen Gegner in den eigenen Reihen, denn Anseau Lefévre, der Wucherer, stellt sich nicht nur quer, wenn es um interne Beschlüsse geht, sondern er hat auch ein dunkles, böses Geheimnis, und er hegt einen tödlichen Hass gegen die Familie Fleury.
Als eines Tages die junge Adlige Philippine in Remys Werkstatt auftaucht, spüren beide, dass sie eine gewisse Seelenverwandtschaft verbindet, denn Philippine liebt Bücher über alles und ist fasziniert von Remys Handwerk und seinen Plänen. Aber Remy spürt, dass sie etwas vor ihm verbirgt, ein Geheimnis, das ihrer innigen Liebe im Weg steht.
Das Leben und Sterben, Freud und Leid in Varennes-Saint-Jacques sind so anschaulich geschildert, die Menschen so lebendig beschrieben, dass es eine wahre Freude ist, diesen Roman zu lesen. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß in dieser Geschichte, sondern sie hat vielerlei Facetten und Nuancen zu bieten. So sind eben auch die Fleurys keine Heiligen, sondern Menschen mit Schwächen und Fehlern, und auch die negativen Charaktere sind nicht abgrundtief böse, zumindest nicht alle.

Mit diesem gigantischen historischen Roman ging es mir wie mit seinem Vorgänger, ich konnte völlig in der Handlung versinken und war gefesselt vom Schicksal dieser mittelalterlichen Stadt und ihrer Bürger. Man merkt beim Lesen gar nicht, wie die Zeit vergeht. Die Handlung fliegt nur so dahin, und ehe man sich versieht, ist man schon am Ende angelangt, was man in Anbetracht der Seitenzahl gar nicht so schnell erwartet hatte.
Historisch Interessierte werden ihre Freude an den Anmerkungen zum geschichtlichen Hintergrund des Romans und am umfangreichen Glossar haben, denn hier erfährt man sehr viel Wissenswertes über die wahren Verhältnisse damals in Oberlothringen, und es werden viele spezielle Begriffe der beschriebenen Zeit erklärt. Ein Roman dieser Art wäre schwer denkbar bzw. sicher nicht so gut ohne reale Zusammenhänge und historische Personen, die es wirklich gegeben hat, und so „trifft“ man auch hier einige bekannte Charaktere, über die man schon in den Geschichtsbüchern gelesen hat.

Auf Daniel Wolfs Blog habe ich entdeckt, dass ein dritter Band um die Fleurys in Planung ist, und ich freue mich jetzt schon sehr darauf, denn ich hoffe, dass es ein Roman in ähnlichem Umfang wird und genauso grandios wie seine beiden Vorgänger.








Diese beiden Bände um Varennes-Saint-Jacques sind bisher erschienen: