Mittwoch, 30. Juli 2014

Karl der Große / der Kaiser, der Dom und die Krone - Iris Wiegandt


Das Karlsjahr 2014 wird nicht nur in Aachen gefeiert, sondern der 1200. Todestag Karls des Großen findet internationale Beachtung. Zu diesem Anlass hat der WDR eine interessante und lehrreiche Produktion geschaffen, die im Audiobuch Verlag erschienen ist.
Im Lauf von 53 Minuten erfährt man viel Neues über Karl den Großen. Nur weniges ist historisch belegt, vieles, was wir heute über ihn wissen, stützt sich auf Vermutungen und Überlieferungen. Iris Wiegandt lässt hier ganz unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen, es werden zum Teil Zeitgenossen von Karl zitiert, beispielsweise sein Biograph Einhard, aber es werden auch aktuelle Erkenntnisse von Kunsthistorikern und Lehrern dargelegt.  In kurzweiliger und leicht verständlicher Weise wird hier eine Vielfalt an Wissen dargelegt, und manches wird aus neuen Blickwinkeln betrachtet. Beispielsweise nimmt man als Hörer an einer Führung im Aachener Dom teil und erfährt bei dieser Gelegenheit außergewöhnliche Details. Es ist spannend, den Ausführungen zu lauschen und sich seine eigenen Gedanken zum Leben und Wirken dieses bedeutenden Herrschers in der deutschen Geschichte zu machen. Wer war er und was wollte er? Auf diese und noch viele weitere Fragen erhält man interessante und zum Teil überraschende Antworten, die einem den Mythos Karls des Großen  zwar nicht komplett, aber immerhin ein kleines Stückchen mehr erschließen.
Da es sich hier um eine Zusammenstellung von Sachtexten handelt und nicht um eine zusammenhängende Geschichte, erfordert diese CD die geballte Aufmerksamkeit des Hörers. Ich werde die CD sicher noch mehrmals anhören, denn bei einem Durchlauf kann man sich gar nicht all die neuen Fakten und Zusammenhänge merken.



Montag, 28. Juli 2014

Feuerprobe - Cordula Broicher


Carolina Dieckmann ist allein erziehende Mutter zweier reizender Kinder, hat ein Häuschen gekauft und ist in ihrem Beruf als KFZ-Mechatronikerin erfolgreich. Sie arbeitet hart, um sich und den Kindern einen guten Lebensstandard und so manche kleinere Wünsche erfüllen zu können. Auch wenn es noch viel zu tun gibt, bis sie das alte Haus nach ihren Vorstellungen renoviert hat, fühlt sie sich glücklich und ist mit sich und der Welt zufrieden.
Als sie den Cousin ihrer Nachbarin und Freundin kennenlernt, bringt dieser ihre Gefühlswelt ziemlich durcheinander. Nach ihrer Scheidung will sie sich eigentlich auf keinen neuen Mann einlassen. Aber dann passiert etwas, das ihre Pläne vollständig über den Haufen wirft…


Bereits im Mai dieses Jahres habe ich erste Bekanntschaft mit einem Roman der Autorin gemacht und war begeistert von Aufmachung, Handlung und Schreibstil, wie man an meiner Rezension dazu sehen kann. Hier habe ich auch einiges zum Konzept von „Quindie geschrieben: Cordula Broicher: Die Zeit danach

Auch Cordula Broichers zweiter Roman „Feuerprobe“ kann qualitativ absolut mit dem Vorgänger mithalten. Der gefällige Schreibstil sorgt dafür, dass schon nach wenigen Seiten der „Funke überspringt“, was in diesem Fall durchaus wörtlich zu nehmen wäre. Beim Lesen sind mir immer wieder Redensarten eingefallen, die hier absolut passen, und für mich gab es mehr als eine Verbindung zwischen Buchtitel und Handlung. Sieht man beispielsweise die Protagonisten an, so haben beide bereits in der Vergangenheit Schicksalsschläge hinnehmen müssen, die für manche ihrer spontanen Reaktionen verantwortlich sind. Carolina Dieckmann zögert nach einer gescheiterten Ehe,  sich wieder auf jemanden zu verlassen. Man sagt ja so schön: „Gebranntes Kind scheut das Feuer“. Die clevere Automechatronikerin möchte unabhängig sein und selbständig für ihre Kinder sorgen. Da kommt sie bei Nicholas Burton genau an den Richtigen. Nach einem folgenschweren Unglück muss sie seine Hilfe annehmen, und zu allem Überfluss hat sie sich auch noch in den attraktiven und feinfühligen Mann verliebt. Nicholas ist zwar gutmütig und liest Carolina jeden Wunsch von den Augen ab, aber er bietet ihr durchaus auch Paroli, wenn es darum geht, seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen. So lieb und nett die beiden Helden einerseits sein können, so sind es doch zwei richtige Sturköpfe, und es gibt Momente, wo gewaltig die Fetzen fliegen. Umso schöner ist es, wenn beide im richtigen Augenblick zur Besinnung kommen und sich dem Partner anvertrauen.
Neben dieser interessanten Beziehung gibt es noch jede Menge Nervenkitzel im Roman. Einige rätselhafte, zum Teil beängstigende Ereignisse bringen die Protagonisten stark ins Grübeln, und man rätselt und fiebert beim Lesen kräftig mit, wo die Ursache für die ganzen unglücklichen Vorfälle liegen könnte.
Die Autorin schreibt auch hier wieder sehr realitätsnah und menschlich, so richtig wie aus dem wahren Leben heraus. Dass sie auch diesmal wieder einige Szenen des Romans in der Kulisse der aktuell stattfindenden Landesgartenschau angesiedelt hat, macht das Ganze noch realistischer. Gut gefällt mir auch, dass man einige Charaktere aus dem vorherigen Roman wieder „trifft“ und aus einem neuen Blickwinkel betrachten kann.
„Feuerprobe“ ist rundum eine gelungene und sehr unterhaltsame Mischung, mit spannender Handlung, tollen Charakteren und viel Atmosphäre. 


Freitag, 25. Juli 2014

Vermächtnis der Engel - Carolyn Lucas


Die Söhne und Töchter der Engel leben in ewigem Clinch miteinander. Unversehens gerät die 25-jährige Sarah in den Brennpunkt des Geschehens, denn sie soll „die Eine“ sein, die das Orakel angekündigt hat und mit deren Hilfe beide Fronten hoffen, den Sieg im Krieg der Engel zu erringen. Ausgerechnet Rafael wird vom Orden der Engelssöhne ausgesandt, um Sarah zu verführen und für seine Seite zu gewinnen. Rafael ist ein Bücherwurm, der die Ordensregeln gewissenhaft befolgte und sich bisher kaum für das andere Geschlecht interessiert hat, aber gerade deshalb scheint er ideal für diese Aufgabe geeignet zu sein, denn er sollte nicht so leicht den Versuchungen erliegen, die von einer Frau ausgehen.
Er hat jedoch nicht mit den Gefühlen gerechnet, die sich in sein Herz schleichen, als er Sarah kennen lernt. Wer hätte ahnen können, dass er sich in die junge Frau verliebt? Damit sind jedoch die Probleme vorprogrammiert, und Rafael ist ratlos. Wie soll er sich entscheiden, für Sarah oder für den Orden? Außerdem ist die Liebe zwischen Menschen und Engeln bei Strafe verboten. Letztendlich liegt so ein folgenschwerer Entschluss jedoch nicht bei ihm allein, und es gibt in erster Linie einige große Probleme aus der Welt zu schaffen.

Sarah ist ein Gewohnheitsmensch. Darum kommt es ihr gar nicht gelegen, als ihr Mitbewohner Dominik die Dreier-Wohngemeinschaft verlassen möchte, denn nun müssen sie und ihre Freundin Fabienne einen Nachmieter suchen. Der Bewerber, mit dem sie einig werden, hat etwas gefährlich Beunruhigendes an sich. Der attraktive Rafael stürzt  Sarah in ein Gefühlschaos, so dass sie kaum weiß, wie ihr geschieht.

Mit „Vermächtnis der Engel“ bringt die Autorin frischen Wind in die Heldenreihe der Fantasyromane, denn nach Scharen von Vampiren, anderen Untoten und Gestaltwandlern tut es gut, hier einmal über die noch eher selten vertretene Gattung der Engel zu lesen.
Sowohl bei den von ihr beschriebenen Menschen als auch bei den Engeln gibt es interessante Charaktere. Sarah, die Heldin der Geschichte, ist sympathisch, tierlieb und eher der bodenständige Typ. Neidlos gesteht sie sich ein, dass ihre Freundin Fabienne die Attraktivere von ihnen beiden ist. Sie ist durchaus selbstkritisch, weiß aber auch genau, was sie will und lässt sich nicht so schnell den Schneid abkaufen. Dass sie Rafael ihr Herz öffnet, ist wohl nicht zuletzt der gemeinsamen Tierliebe zu verdanken. Im Zusammentreffen mit dem geheimnisvollen Geliebten und einigen anderen himmlischen Geschöpfen ergeben sich immer wieder reizvolle und zum Teil auch sehr vergnügliche Situationen und Dialoge.

Entstanden ist hier eine spannende, kurzweilige, romantische und auch ein wenig mysteriöse Kombination aus Urban Fantasy und lustigem Frauenroman, auf der Grundlage der Legenden aus dem Buch Henoch, welches in den verborgenen Büchern der Bibel, in den Apokryphen, zu finden ist. Gerade dieser mythische Bezug gibt dem Roman zusätzlich Würze und regt (zumindest mich) dazu an, sich näher mit dem ursprünglichen Thema zu befassen.
Der Schluss schreit förmlich nach einer Fortsetzung, denn da hat die Autorin einen ganz „gemeinen“ Cliffhanger angebracht, der einen  ratlos und ungeduldig zurücklässt.

Da bleibt mir nur, die Zeit bis zum hoffentlichen Erscheinen einer Fortsetzung zu überbrücken, indem ich mich ausgiebiger in das Buch Henoch einlese, denn dort kann man einiges über die Engel erfahren.