Montag, 27. Juni 2016

Glück ist, wenn man trotzdem liebt - Petra Hülsmann


Isabelle ist ein richtiges Gewohnheitstier. Sie hat ihr festes Wochenprogramm, von dem sie möglichst selten abweichen möchte. Sie liebt ihre Arbeit als Floristin in dem kleinen Blumenladen. Ihre Mittagspausen verbrachte sie bisher immer bei ihrem Stamm-Vietnamesen, Mr. Lee, gleich gegenüber, aber an dieser Stelle hat nun vor wenigen Tagen ein neues Restaurant eröffnet. Äußerst skeptisch und nach langem Zögern beschließt Isabelle, das „Thiels“ doch einmal auszuprobieren. Aber Jens, der neue Inhaber und Koch, tischt ihr alles mögliche auf, wo sie doch nur ihre geliebte und gewohnte vietnamesische Nudelsuppe haben möchte.
Dies ist nicht die einzige Veränderung in Isas kleiner Welt, wo bisher alles seine gewohnte Zeit und seinen festen Platz hatte. Zu ihrer Entrüstung wird auch noch ihre Lieblings-Soap „Liebe, Liebe, Liebe“ abgesetzt. Von der Liebe hat die 27-jährige Isa ihre ganz eigene Vorstellung. Sie glaubt fest daran und ist der Meinung, es muss „BÄMM“ machen, wenn ihr eines Tages der richtige Mann begegnet.
Und dann überschlagen sich die Ereignisse, denn es treten gleich mehrere Männer in ihr Leben und wirbeln es kräftig durcheinander. Neben Jens, der sie letztendlich doch mit seinen Kochkünsten überzeugt, gibt es da auch noch den starken Friedhofsgärtner Tom und den smarten Alex, der ihrer Idealvorstellung vom Traummann schon gewaltig nahe kommt.

So Isa, nun musst du dich entscheiden, wer soll denn dein Herzblatt sein?
  • Tom, der Kraftmeier, der nicht nur deinem Rhododendron auf die Sprünge hilft, sondern sich selbst gerne in Szene setzt,
  • Jens, der Anti-Romantiker, der nichts von Kuschelrock und Duftkerzen hält, deinen Gaumen aber mit Schokoladen-Malheur verwöhnt
  • oder der perfekte Alex, der dir die Türe aufhält und dir bei Kerzenschein im Aquarium eine Scheibe Leberwurst kredenzt?


Dies ist ein schöner Sommerroman, bei dem man auch an heißen Tagen beim Lesen nicht ins Schwitzen kommt, denn er ist luftig leicht geschrieben.
Hamburg im Hochsommer – die Atmosphäre ist wunderbar dargestellt, und man kann sich sehr gut in die Geschichte hineinversetzen. Man lernt Isas Lieblingsplätze kennen und kann nur allzu gut verstehen, was ihr daran so gut gefällt. So waren beispielsweise die Szenen in der Nähe der Startbahn des Flughafens ein richtiges Highlight für mich. Welche Bewandtnis es damit hat, muss man einfach selbst lesen.
Der Roman kann mit tollen Charakteren aufwarten, die fast alle sehr sympathisch wirken. Auch Isa, die Hauptperson, ist äußerst liebenswert, allerdings war für mich ihre Persönlichkeit nicht immer glaubwürdig, denn einerseits ist sie eine ganz normale junge Frau, die viele gute Freunde hat, mit denen sie sich regelmäßig zu Unternehmungen trifft, die ein gutes Händchen für Design hat und auch mit modernen Kommunikationsmedien bestens zurecht kommt. Dazu wollen einige ihrer sonstigen Charaktereigenschaften so gar nicht passen, denn manchmal wirkt Isa regelrecht schrullig.
Wenn es ums Essen geht, ist sie so richtig mäkelig, und man kann ihr kaum etwas recht machen. Die Story, dass sie elf Jahre lang jeden Tag die Nudelsuppe von Mr. Lee gegessen haben soll, war für mich doch sehr skurril. Auch wirkten manche ihrer Reaktionen so naiv, dass sie kaum zu einer jungen Frau passen wollen, die inmitten Hamburgs lebt und mit beiden Beinen im Leben steht.
Auch Isabelles Wandlung, die sich innerhalb weniger Wochen in diesem heißen Sommer vollzieht, kam für mich etwas zu plötzlich. Hier wurde doch so einiges zurecht gebogen, damit es eine amüsante Geschichte ergeben hat. Diese kleinen Unstimmigkeiten haben aber das Lesevergnügen keineswegs geschmälert. Der Roman hat mich gut unterhalten und mich des öfteren zum Schmunzeln gebracht. Es ist die perfekte Sommer- und Ferienlektüre und lässt sich besonders gut an einem schattigen Plätzchen bei einem erfrischenden Getränk genießen. Das im Buch enthaltene Rezept für Schokoladen-Malheur sollte man sich nicht entgehen lassen, sondern unbedingt einmal ausprobieren, aber Vorsicht, hoher Suchtfaktor!!!




Sonntag, 19. Juni 2016

Neuzugänge im Juni 2016


Heute möchte ich euch meine Neuzugänge aus der ersten Junihälfte zeigen. Es ist wieder einiges zusammengekommen.
Die liegenden Bücher links sind alles Rezensionsexemplare. Bei den meisten der hier vertretenen Autoren bin ich "Wiederholungstäter". Von Petra Schier sind gleich zwei neue Bücher dabei. Von Robert C. Marley habe ich schon die vorherigen Bände mit Inspector Swanson gelesen, so dass es gar nicht anders ging, als auch den neuen historischen Krimi wieder in meinen Leseplan aufzunehmen. "Die Honigtöchter" sind Christina Cabonis zweiter Roman, und ihr Debüt "Die Rosenfrauen" war ein absolutes Highlight für mich. Nun bin ich gespannt, ob mich auch ihr neuer Roman wieder überzeugen kann. Von Axel S. Meyer habe ich bereits "Das Lied des Todes" gelesen und bin neugierig auf seinen eben erschienenen Roman. Teresa Simon mit ihren Holunderschwestern fällt aus dem Rahmen, denn von ihr habe ich bisher noch nichts gelesen.

Außerdem wurden mir zwei eBooks zur Verfügung gestellt, die nun auf dem Reader darauf warten, gelesen zu werden.
Es sind "Geliebter Geist" von Sabine Tetzner und
"Die Eroberung des Normannen" von Lisa McAbbey.

Die vier rechts daneben stehenden Bücher sind gekauft oder ertauscht bzw. mit dem Roman von Antje Babendererde wurde ich in meiner Facebook-Gruppe, von der ich schon öfter berichtet habe, überrascht. 

Angesichts der vielen tollen Bücher, die auf mich warten, werde ich mich gleich wieder in meine Leseecke verziehen und den Sonntag mit angenehmer Lektüre ausklingen lassen. Habt einen schönen Start in die neue Woche.

Samstag, 18. Juni 2016

Das Eisrosenkind - Michael E. Vieten


Eigentlich hat Kommissarin Christine Bernard frei und genießt gerade eine Aufführung des Sinfonie-Orchesters aus dem Saarland in der Europahalle Trier, als sie direkt aus dem Konzertsaal geholt und zu einem Fall gerufen wird. Die achtjährige Rosalia Lemke wird vermisst, und Christine muss die verzweifelte, allein erziehende Mutter befragen.
Am nächsten Morgen wird am Moselufer die gefrorene Leiche eines kleinen Mädchens gefunden. Der Gedanke liegt nahe, dass es sich um die vermisste Rosalia handelt. Auf Kommissarin Bernard und ihre Kollegen wartet ein schwieriger Fall, der mit aufwändigen Ermittlungen einher geht und dabei fast aussichtslos scheint, denn die Beweislage ist dünn.

Dies ist schon der zweite Fall für Kommissarin Christine Bernard, denn bereits vor einem Jahr wurde Michael E. Vietens erster Band mit dem Titel „Der Fall Siebenschön“ veröffentlicht. Für mich war es ein erstes Kennenlernen der Romane dieses Autors.
Michael E. Vieten beschreibt alle Charaktere sehr plastisch und ausführlich, so dass man sich schnell ein gutes Bild machen kann. Die Hauptperson, Christine Bernard, war mir von Anfang an sehr sympathisch, denn sie vereint in sich die ideale Mischung aus Scharfsinn, Hartnäckigkeit, wenn sie eine Spur verfolgt und Sensibilität. Die junge Kommissarin muss einiges aushalten. Der Krimi gibt gute Einblicke in die Polizeiarbeit und die kriminalistischen Ermittlungen, und die Schilderungen erscheinen dabei alle sehr realistisch. Die Handlung wirkte auf mich glaubwürdig, nicht reißerisch, obwohl manche Ereignisse und Situationen durchaus etwas Bizarres haben. Aber derartige Erfahrungen gehören wohl auch wirklich zum realen Alltag der Kriminalpolizei.
Für das, was sie hier erlebt und zu sehen bekommt, braucht Kommissarin Bernard starke Nerven. Die hat sie auch, und doch ist sie nicht abgebrüht, sondern fühlt sehr stark mit den Opfern und ihren Hinterbliebenen mit und schämt sich auch ihrer Tränen nicht. Gerade dieses Menschliche in so einem harten Beruf macht die junge Frau so liebenswert.
Auch wenn Christine Bernard sehr schnell einen Verdacht hat und sich mit einer gewissen Sturheit in die Ermittlungen verbeißt, war für mich nicht absehbar, wie die Geschichte endet. Zwar gab es auch Momente, wo ich die Kommissarin gerne mal aufgerüttelt hätte, weil sie sich, für den Leser offensichtlich, in eine Sache verrannt hatte und nicht sah, nicht sehen WOLLTE, dass dies unweigerlich in eine Sackgasse führt.

Faszinierend fand ich auch das im Buch erwähnte Schicksal der kleinen Rosalia Lombardo aus dem Jahr 1920, von dem die Kommissarin erfährt. Den Namen „Rosalia“ für das vermisste Mädchen hat der Autor sicher nicht zufällig, sondern ganz bewusst und in Anlehnung an diese Geschichte gewählt. Mir ging dieser Krimi ganz besonders unter die Haut, nicht zuletzt, weil es hier um Kinder geht. Da mich dieses Buch von Michael E. Vieten absolut mitgerissen und überzeugt hat, werde ich mir auf jeden Fall auch den ersten Band besorgen.