Dienstag, 16. September 2014

One Night in Bangkok - Elke Becker



Kurz nach ihrer Scheidung reist Caro mit zwei guten Freundinnen nach Thailand, um ihre Flitterwochen nachzuholen. Zu diesem ungewöhnlichen Vorhaben ist es gekommen, weil ihr Ex-Mann damals, nach der Hochzeit, nicht bereit war, eine derartige Reise mit ihr zu unternehmen.
Nun, wo sie frei und unabhängig ist, möchte sie fremde Länder bereisen und viel von der Welt sehen. In Bangkok begegnen die drei Frauen dem attraktiven George, der ihnen jedoch ein wenig suspekt ist. Als sie sich näher kennenlernen, bemerkt besonders Caro, dass George nicht nur gut aussieht, sondern auch noch ausgesprochen sympathisch ist, und er interessiert sich für Caro. Einerseits findet sie ihn ebenfalls interessant, aber sie weiß nicht so recht, ob sie ihm trauen soll, denn allein reisende Männer sind immer auch ein wenig verdächtig, ganz besonders in Thailand. Soll sie den Rat ihrer Freundinnen befolgen, ihre Vorbehalte über Bord werfen und sich in ein Liebes-Abenteuer stürzen?

Diesmal entführt Elke Becker ihre Leser(innen) nach Thailand.
Caro, Romana und Sonja sind drei ganz normale Frauen im besten Alter, jede mit Fehlern und Schwächen, aber auch mit guten Seiten. Die drei Freundinnen haben viel Spaß und interessante Erlebnisse, und sie besuchen wundervolle, exotische Orte.
Man spürt bei Elke Beckers Romanen, dass sie die Schauplätze kennt und liebt, über die sie schreibt. Auf der Homepage der Autorin sollte man auf jeden Fall vorbei schauen, denn dort gibt es eine umfangreiche Fotogalerie mit zahlreichen, faszinierend schönen Aufnahmen. Die bezaubernden Bilder unterstreichen das Gelesene in eindrucksvoller Weise.
Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es gibt, neben vielen illustrativen und farbenprächtigen Beschreibungen der Schönheiten Thailands, auch viel Humor und Romantik in dieser Geschichte.
Der heiter-beschwingte, lockere Schreibstil vermittelt von der ersten Seite an gute Laune und Urlaubsstimmung. Aber es bleibt nicht durchgehend so unbeschwert, denn Caro muss auch schwierige Entscheidungen treffen, was ihre Zukunft angeht. Die Spannung, die sich während der ersten Hälfte der Geschichte kontinuierlich aufbaut, bleibt bis zur letzten Seite erhalten. Als Caro beschließt, Schicksal zu spielen, ergeben sich sehr berührende Momente und auch einiges an Dramatik. Einerseits ist das Ende absehbar, aber ich konnte mir doch bis zuletzt nicht vorstellen, wie sich alles fügen soll und wie der Roman ausgehen wird, und die Art, wie sich die Story entwickelt, hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Schön finde ich, dass man auch von Eva und David, den Protagonisten aus „Der Mann in Nachbars Garten“ in diesem Roman wieder hört. Ich mag derartige Verknüpfungen, welche die Autorin zwischen ihren Romanen häufig zieht.

Die Autorin hat's einfach drauf, denn auch ihr neuester Roman ist wieder sehr gelungen und unterhaltsam. Man kann sich beim Schmökern an exotische Orte träumen, mit Caro und ihren Freundinnen lachen und auch weinen, und man kann sich so manches, was Caro widerfährt, zu Herzen nehmen, denn Liebe ist nicht planbar!



Sonntag, 14. September 2014

Schwert und Lilie - Marion Henneberg



Im Jahr 1265 führt die langjährige Fehde zwischen Heinrich von Wartenberg und dem Abt von Fulda dazu, dass Burg Wartenberg geschleift wird. Heinrichs Tochter Lukardis muss sich in eine arrangierte Ehe mit dem Ritter Hermann von Ebersberg fügen. Für die junge Frau beginnt damit ein jahrelanges Martyrium, denn ihr Ehemann ist rücksichtslos und gewalttätig. Als Lukardis die Kaufmannswitwe Hilda kennenlernt, spürt sie ihre eigene Stärke und erkennt, dass ihr Ehemann sie zwar unterdrückt hat, ihren Willen jedoch nicht brechen konnte. Nun merkt sie erst deutlich, was sie an der Seite Hermanns für ein freud- und rechtloses Leben geführt hat. Umso mehr wird ihr bewusst, dass sie etwas ändern muss, als sie Hildas Bruder, dem Gelehrten Raban von Elfershausen, begegnet. Er öffnet ihr die Augen für Zusammenhänge, die sie schon lange insgeheim erahnt hat. Nun ist es an ihr, eine Entscheidung für die Zukunft zu treffen. Wird Lukardis letztendlich das Richtige tun und Zufriedenheit und Glück in ihrem Leben finden?

Von der ersten Seite an hat mich der Roman über das Schicksal der schönen Lukardis fasziniert. Wie ich das von der Autorin kenne, ist auch diesmal der Schreibstil sehr gefällig, leicht lesbar und zugleich der Zeit angepasst, in der sich die Geschichte abspielt. Das ausführliche Personenregister, gleich am Anfang des Buches, war mir eine große Hilfe, denn gerade zu Beginn, wenn viele neue Namen zu verarbeiten sind, von denen manche auch mehrfach auftreten, finde ich es gut, wenn ich mich gelegentlich vergewissern kann, dass ich alle Personen richtig einordne.
Lukardis, die Protagonistin des Romans, ist sehr sympathisch dargestellt, und ich mochte sie auf Anhieb. Die bitteren Erfahrungen, die sie während ihrer Ehe machen muss, können die junge Frau nicht brechen, sondern machen sie stärker. Lukardis wächst im Lauf der Geschichte über sich hinaus. Doch es kommt auch zum Ausdruck, dass so eine Persönlichkeitsentwicklung kein geradliniger Weg ist, sondern dass es immer auch Rückschläge zu überwinden gilt.
Das fiktive Frauenschicksal der Lukardis von Wartenberg ist eingebettet in eine sehr realistische historische Szenerie. Einen Großteil der Personen hat es wirklich gegeben, und viele Ereignisse haben in ähnlicher Weise stattgefunden, wie sie beschrieben sind. Diese Nähe zur historischen Realität ist immer eine Herausforderung, welche die Autorin wieder brillant gemeistert hat. Hier wird man mit Episoden und Ereignissen deutscher Geschichte konfrontiert, die man so detailliert und unterhaltsam in keinem Geschichtsunterricht erfahren könnte. Einige kleine Veränderungen, die Marion Henneberg an der wahren Geschichte vorgenommen hat, um die Gegebenheiten ihrem Roman anzupassen, sind im Nachwort explizit erwähnt.

„Schwert und Lilie“ ist ein historischer Roman, der nicht nur hervorragend unterhält und jede Menge Spannung sowie Gefühl vermittelt, sondern auch noch historisches Interesse weckt und lehrreich ist. Was könnte man sich mehr von einem guten Buch wünschen?




Samstag, 6. September 2014

Onkel Humbert guckt so komisch - Brigitte Kanitz


Nach einem üblen Sturz an ihrem dreißigsten Geburtstag kommt Maja Glück im Krankenhaus zu sich. Nur komisch, dass sie nun überall Stimmen hört. Die Erklärung des Phänomens erhält sie von ihrem Onkel Humbert, der ihr eröffnet, dass sie, wie auch er selbst, den Familienfluch geerbt hat. Sie kann plötzlich die Gedanken ihrer Mitmenschen lesen bzw. hören. Das ist einerseits recht angenehm, wenn sie zum Beispiel auf diese Weise erfährt, was der nette und attraktive Arzt Carlo Friedenslieb von ihr hält. Andere Meinungen sind weniger erfreulich, und sie möchte das eigentlich alles gar nicht wissen. Aber immerhin erfährt sie durch ihre neue Gabe, dass die schöne alte Schaunbecker Innenstadt in Gefahr ist, und sie hat das Zeug dazu, dies zu verhindern. Zusammen mit Onkel Humbert, den sie mittlerweile nur allzu gut verstehen kann und auch begreift, warum er sich oft so seltsam verhält, schmiedet Maja nun einen Plan. Aber es verläuft alles nicht so geradlinig wie gedacht.

Im neuesten Roman von Brigitte Kanitz lernt man die Familie Glück kennen. In Majas Fall hat sie den Namen nicht unbedingt mit der Tat, denn sie könnte nicht gerade behaupten, dass sie übermäßig glücklich ist. Die Entwicklung der Geschichte ist sehr amüsant und kurzweilig dargestellt. Durch ihre neue Fähigkeit kommt Maja plötzlich in völlig skurrile Situationen, und obwohl sie nun Gedanken lesen kann, versteht sie nicht immer richtig, was alles auf sie einströmt. In ihrer liebenswert-schusseligen Art stolpert sie von einem Fettnäpfchen ins nächste. Um dem geistigen Wirrwarr zu entgehen, der sich ihr ständig offenbart, unternimmt sie lange Waldspaziergänge, die sich langfristig gesehen positiv auf ihr Äußeres auswirken. Maja gewinnt an Selbstbewusstsein und sonnt sich in den wohlwollenden Gedanken, die ihr nun plötzlich entgegengebracht werden. Nur wenn es um die Liebe geht, traut sie sich selbst nicht über den Weg. Gut, dass es auch noch den alten Onkel Humbert gibt, der ihr ein wenig den Kopf zurecht rückt. Wenn man wissen möchte, ob Maja nicht nur „Glück“ heißt, sondern auch ihr persönliches Glück findet, dann sollte man unbedingt diese witzige, sehr turbulente und herzerfrischende Geschichte lesen. Der Autorin und ihrer neuen Heldin ist es gelungen, mich wunderbar zu unterhalten, meinen Tag zu erheitern und mich zum Lachen zu bringen. Der Roman entbehrt auch nicht einer gewissen „Tragik“, so dass ich ein paar Tränchen vergossen habe, aber es waren samt und sonders Lachtränen!