Sonntag, 22. Februar 2015

Das unwahrscheinlich geheime Tagebuch vom kleinen Schwein - Emer Stamp



Das kleine Schwein lebt glücklich auf einem Bauernhof. Neben ihm gibt es da auch noch eine ganze Schar gemeiner Hühner, eine Kuh und nicht zuletzt Ente, Schweins besten Freund. Vom Bauern und seiner Frau fühlt das kleine Schwein sich sehr geliebt, denn die beiden haben immer ganz viel leckeres Futter dabei, wenn sie es besuchen. Auch krault der Bauer ihm immer so schön den Rücken, und das kleine Schwein glaubt, sein ganz besonderer Liebling zu sein. Aber Ente ist skeptisch und befürchtet, dass der Bauer es nicht gut mit dem kleinen Schwein meint, sondern es schlachten will, wenn es genügend Speck angesetzt hat.

Mein erster Eindruck nach dem Lesen der Kurzbeschreibung war positiv, auch die einfachen Illustrationen fand ich passend, da Schwein sie ja anscheinend selbst in sein Tagebuch gemalt hat. Davon zeugen auch die unterschiedlichen Schriftarten und -größen, die im Text verwendet wurden und die den Anschein eines handgeschriebenen Tagebuchs verstärken, ebenso wie die vielfach eingefügten „Schmutzabdrücke“. Auch kann es nicht schaden, schon Kinder dazu zu animieren, sich auch einmal in die Situation der Tiere zu versetzen, deren Einzelteile meist gedankenlos verarbeitet, serviert und verzehrt werden, damit nicht der Eindruck entsteht, dass Schweinebraten oder Würste im Supermarkt wachsen, sonder dass dafür ein Tier geschlachtet werden muss.

So weit, so gut, aber als ich anfing, das Buch zu lesen, bekam ich schon nach wenigen Seiten Zweifel, ob diese Geschichte der Zielgruppe gerecht werden könnte. Der Schreibstil ist sehr einfach, wie man das von einem kleinen Schwein auch gar nicht anders erwarten würde, aber er ist auch grammatikalisch ziemlich daneben. Ich weiß nicht, ob dies so extrem im Sinn der Autorin war, oder ob es an der Übersetzung liegt, aber wenn ich bedenke, dass sich das Buch hauptsächlich an Grundschüler der Altersgruppe 8 – 10 wendet, habe ich starke Zweifel, ob diese Geschichte hierfür geeignet ist. Wortspielereien wie beispielsweise „Trakete“, was für eine Rakete steht, die aus einem Traktor gebaut wurde, finde ich ja noch ganz amüsant. Mag es auch noch angehen, dass die Rechtschreibung der Gartenzwerge nicht korrekt ist, sondern das Wort hier mehrfach geschrieben wird wie gesprochen, nämlich „gatenswerge“, aber immer wieder bin ich über Redewendungen folgender Art gestolpert: „Ente, der wo mein Freund ist...“ oder „mein bestester Freund...“ und ähnliche.
Wenn man bedenkt, dass es nicht gerade wenige Grundschulkinder gibt, die noch massive Probleme mit der deutschen Sprache und ihren (Grund)Regeln haben, so finde ich es problematisch, ihnen einen derartigen Text vorzusetzen, denn ich befürchte, der würde dazu beitragen, Fehler noch zu verstärken oder sogar erst entstehen zu lassen. Klar, man kann argumentieren, ein kleines Schwein weiß es halt nicht besser, und es soll eben gerade durch diese Schreibweise möglichst identisch wirken, aber der gleiche Effekt würde sich auch mit einem einfachen aber grammatikalisch richtigen Text erzielen lassen. Auch gibt es in der Geschichte eine sehr unrealistische Kluft zwischen dem kleinen Tagebuchschreiber und den Hühnern, die allesamt überdurchschnittlich intelligent sind und aus diesem Grund auf das dumme kleine Schwein herabsehen, das immer zu viel frisst und als Ergebnis jede Menge heiße Luft von sich gibt. Die Handlung entwickelt sich zunehmend skurril und bedient sich vieler Klischees, beispielsweise das vom langhaarigen, vegetarischen Bauern, der natürlich auch keine Stiefel, sondern Sandalen trägt.
Wenn ich versuche, mich in Kinder hinein zu versetzen, die dieses Buch lesen, gibt es meines Erachtens zwei Möglichkeiten:
  1. Wenn Kinder so weit sind, zu erkennen, dass diese Geschichte vor Grammatikfehlern und Schreibfehlern nur so wimmelt, werden sie mit der Handlung unterfordert sein, denn die ist recht simpel gestrickt und teilweise an den Haaren herbeigezogen.
  2. Erkennen Kinder die sprachlichen Fehler (noch) nicht, besteht zu befürchten, dass sie die falschen Redewendungen und Schreibweisen übernehmen und verinnerlichen, was ja ganz sicher nicht Sinn der Sache sein kann.


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