Sonntag, 28. September 2014

Die Stimme des Vergessens - Sabine Kornbichler


Knapp ein Jahr nach dem Auftakt-Roman „Das Verstummen der Krähe“ konnte ich mich nun endlich auf den zweiten Fall von Kristina Mahlo stürzen. Kris ist eine sympathische junge Frau und hat sich vor einiger Zeit als Nachlassverwalterin selbständig gemacht. Diesmal bearbeitet sie den Fall des verstorbenen Albert Schettler, der sich zu Lebzeiten in seinem Haus regelrecht verbarrikadiert hatte. Kristina erfährt, dass der alleinstehende Mann an Verfolgungswahn gelitten hat. Aus diesem Grund nimmt sie auch seinen hinterlassenen Brief nicht ernst genug, in dem er von einem Bankschließfach erzählt, das er gemietet hatte und wo sich Dokumente über ein längst verjährtes Verbrechen, aber auch über aktuelle Morde, befinden sollen. Er warnt davor, die Unterlagen könnten für jemanden von so großem Interesse sein, dass dieser sie entwendet. Als Kristina die entsprechenden Schriftstücke, kurz nachdem sie die Bank damit verlassen hat, wirklich gestohlen werden, beginnt sie, sich ausführlicher mit dem Fall Schettler zu befassen. Sollten die Ängste des Mannes doch nicht alle krankhaft und unbegründet sein? Mit Feuereifer betreibt Kristina nun ausführliche Recherchen zum Sachverhalt, was in diesem Umfang eigentlich gar nicht zu ihrem Aufgabenbereich gehört, aber ihre Neugierde ist geweckt, außerdem plagt sie das schlechte Gewissen, weil sie Albert Schettlers Warnung nicht ernst genug genommen hat. Immer tiefer steigt sie in die Vergangenheit ein und fördert unglaubliche, brisante Informationen zutage.

Es war richtig schön, endlich wieder etwas über die sympathischen Protagonisten zu lesen, die mir schon im ersten Band „Das Verstummen der Krähe“ ans Herz gewachsen sind. Da sind Kristinas Eltern, denen der Hof gehört, wo Kris sich auch ihr Büro eingerichtet hat. Dann gibt es da noch ihren Geliebten Simon, der in einem Nebengebäude einen Weinhandel betreibt. Auch Henrike und Arne, ein befreundetes Paar, sind wieder mit dabei, nicht zuletzt, Funda, die gute Seele, die Kris bei ihrer Arbeit tatkräftig unterstützt, und auch Simons Hündin Rosa und die zahme Krähe Alfred haben diesmal wieder ihren festen Platz in der Geschichte. Wer den ersten Roman noch nicht gelesen hat, wird sich trotzdem gut zurechtfinden, denn alles Wesentliche, was man über Kris und ihr Umfeld wissen sollte, wird im Lauf der Handlung gut erklärt. Aber ich empfehle, trotzdem den ersten Band zu lesen, denn diese spannende Story sollte man einfach nicht versäumen!
In unnachahmlich genialer Weise verbindet Sabine Kornbichler bei ihren Romanen ein behagliches Umfeld und malerische Landschaften mit einer mitreißenden Handlung. Der Hof und die ländliche Umgebung in der Nähe des Starnberger Sees, wo Kristina mit ihrer Familie lebt, wirken heimelig und harmonisch, aber der erste Eindruck ist trügerisch, denn auch in diesem Bereich ist nicht alles so idyllisch, wie es oberflächlich betrachtet erscheint.

Kristina geht sehr wissbegierig und engagiert ans Werk. Gerade die Tatsache, dass sie nicht zur Polizei gehört, aber ihre Nase gerne tief in düstere Geheimnisse steckt, macht ihre Fälle so außergewöhnlich. Für sie sind es nicht einfach seelenlose Akten, die sie bearbeitet, sondern es stecken Schicksale dahinter, und auch wenn ihre Klienten tot sind, so fühlt sie sich ihnen doch in hohem Maße verpflichtet. Auch diesmal gibt sie nicht gleich auf, sondern verfolgt hartnäckig die Spuren, die sie einmal entdeckt hat. Sie lässt sich nicht abwimmeln, auch wenn die Menschen, die sie für ihre Recherchen befragt, nicht alle sehr auskunftsfreudig sind. Dabei geht ihr noch so viel anderes durch den Sinn, denn auch in ihrem Privatleben läuft nicht alles rund. Aber wie es ihre Art ist, versucht sie, ihre persönlichen Probleme mit viel Arbeit zu überspielen.

Die Autorin kreiert fesselnde Handlungen und starke, vielschichtige Charaktere. Bei ihren Krimis fließt kaum Blut, und es gibt keine brutalen Szenen, sondern das wirklich Interessante spielt sich in den Köpfen der betroffenen Menschen ab. Die subtile Art der Aufbereitung macht diesen Krimi zu einem wahren Leckerbissen für alle, die sich gerne in diffizile, verschlungene Geschichten vertiefen, wo so manche, längst vergessene Schuld, wieder ans Tageslicht kommt. Dabei wird der Leser immer wieder auf falsche Fährten geführt und erlebt am Ende einige Überraschungen.
Die Protagonisten sind alle so menschlich und natürlich dargestellt, dass man sie sich gut als Bekannte aus der Nachbarschaft vorstellen könnte, und die Handlung wirkt sehr realistisch. Gerade das macht die Kornbichler-Romane so besonders. Auch „Die Stimme des Vergessens“ ist hier keine Ausnahme, sondern führt die gewohnte Qualität der bisherigen Bücher ganz vortrefflich und in bester Tradition fort.


Die bisher erschienenen Kristina-Mahlo-Bände:
  

Kommentare:

  1. Da habe ich gleich ein schlechtes Gewissen, denn das erste Buch habe ich gewonnen und nun liegt es noch immer auf meinen SuB! Dabei wollte ich es gleich lesen....seufz!
    LG Martina

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    1. Das kann ich dir wirklich wärmstens ans Herz legen, denn ich könnte mir vorstellen, dass es dir ebenfalls gefällt. Hast du schon etwas von Sabine Kornbichlers früheren Romanen oder Krimis gelesen? Mir sagt der Schreibstil der Autorin sehr zu, und ich freue mich schon immer auf Neues von ihr.
      Liebe Grüße
      Susanne

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