Samstag, 19. November 2011

Traumsplitter - Tanja Heitmann


Zur Handlung:
Ella konnte sich mit Australien, der Wahlheimat ihrer Eltern, nie so ganz anfreunden. Sie wurde nicht heimisch in dem großen Land, und so zieht es sie nach Jahren zurück nach Sandfern, wo sie ihre Kindheit verlebt hat. In der kleinen Hafenstadt möchte sie das Haus ihrer verstorbenen Tante beziehen und in ihrem Beruf als Fotografin Fuß fassen. Leider stellt sich die alte Villa als ziemlich marode heraus, und Ella weiß nicht, wie sie die umfangreichen Renovierungsarbeiten bewältigen soll. Dazu kommt, dass sich ihr Neffe Kimi bei ihr einquartiert. Der Junge macht gerade eine schwierige Phase der Pubertät durch und versteht sich nicht mit seinen Eltern, da beide viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind, um zu merken, dass sich ihr Sohn immer weiter von ihnen entfernt. Bei Ella findet er Verständnis und eine sinnvolle Aufgabe. Als der attraktive Gabriel Interesse daran hat, als Untermieter in die Villa einzuziehen und zustimmt sich an den Sanierungsarbeiten zu beteiligen, willigt Ella erleichtert ein. Einerseits ist sie fasziniert von der Ausstrahlung des jungen Mannes und fühlt sich stark zu ihm hingezogen, zudem kann sie jede Hilfe im Haus gebrauchen. Als sie eines Nachts von Gabriel träumt, stellt sie überrascht fest, dass er die besondere Gabe hat, in die Träume anderer einzudringen. Diese Fähigkeit wird ihm fast zum Verhängnis, denn er hat sich dafür mit einer unberechenbaren, dämonischen Macht eingelassen, die ihn nun nicht mehr freigeben will und auf der Erfüllung seines Teils der Absprache besteht. Auch befürchtet Ella, dass er sie mit einer anderen Frau betrügt. Kann sie ihre Liebe retten?

Meine Meinung:
Die äußere Aufmachung des Buches, silbern schimmernd, mit pinkfarbenem Aufdruck, ist wunderschön. Es handelt sich aber definitiv um kein Jugendbuch, auch wenn das Design durchaus verlockend auf jüngere Leser wirken mag.
Die Rahmengeschichte hat mir sehr gut gefallen. Wie Ella mit ihrem Neffen Kimi umgeht, ist sehr einfühlsam beschrieben, und man spürt die beiderseitige Zuneigung sowie jede Menge Verständnis. Ella ist eine sympathische und tatkräftige junge Frau. Wie sie sich mit Energie in die Renovierungsarbeiten stürzt und dabei so manche, nicht immer angenehme Überraschung erlebt, ist locker und humorvoll erzählt. Ellas erster Job als Fotografin beginnt mit einem witzigen Missverständnis, welches Pfiff in die Geschichte bringt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Atmosphäre noch sehr gelöst und harmonisch. Ella kann die Verbindung zu ihrer früheren Freundin Nora auffrischen und fühlt sich schnell wieder heimisch in Sandfern. Besonders gelungen finde ich die lebendigen Beschreibungen der alten Villa und des verwilderten Gartens. Auch der Charme des Küstenstädtchens kommt gut zur Geltung, und man kann sich, anhand der fast poetischen Schilderungen, die malerischen Orte gut vorstellen. Schön gezeichnet sind die ersten Annäherungen zwischen den beiden Hauptpersonen. Ella merkt sehr schnell, dass sie sich in Gabriel verliebt hat, und auch er erwidert ihre Gefühle. Er wird ihr Traummann, und das im wahren Sinn des Wortes. Aber er ist in eine finstere Angelegenheit verstrickt, die zu einer harten Prüfung für diese erste, zarte Liebe wird. Als Ella merkt, dass Gabriel in ihre Träume eindringen kann, wird die Sache kompliziert.
Man verliert zeitweise den Überblick, auf welcher Ebene die Begegnungen zwischen den Protagonisten gerade stattfinden. Gabriel kann die Grenze zwischen den Welten durchbrechen und in fremde Träume eindringen. Der Übergang zwischen den Abschnitten ist oft fließend, so dass man mit der Zeit die Übersicht verliert, wo sich die Protagonisten gerade befinden, ob sie eine Sache real erleben, oder ob es sich um eine Illusion der Traumwelt handelt. Auch die Beweggründe haben sich mir nicht restlos erschlossen. Für mein Empfinden gehen sowohl Gabriel als auch Ella mit dem Problem des Traumdämons etwas zu sorglos und naiv um.
Gerade in der zweiten Hälfte wurde mir die Handlung teilweise zu phantastisch, sie driftete immer mehr auf eine surreale Ebene ab, die sich meiner persönlichen Vorstellungskraft entzog. Vieles war für mich einfach nicht nachvollziehbar. Ich hätte gerne mehr über Gabriels Entscheidungen und seine Beweggründe erfahren, wie ist er in diese Lage gekommen, und warum hat er sich überhaupt mit Bernadette eingelassen? Das wird alles eher kurz abgehandelt, und Gabriels Erklärungen Ella gegenüber waren für mich nicht zufrieden stellend.  Er wird als sehr liebenswert und auch vernünftig beschrieben, so dass man sich fragt, wieso er sich das alles angetan hat. Auch am Ende der Geschichte waren für mich Ellas und Gabriels Handlungen nicht klar ersichtlich, und ich weiß nicht so recht, was ich von dem Schluss halten soll.
Das finde ich ein wenig schade, denn der Schreibstil und die Atmosphäre haben mir insgesamt gut gefallen.

Für das Rezensionsexemplar bedanke ich mich ganz herzlich beim Heyne-Verlag.

  

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