Sonntag, 27. November 2016

Herbstmagie - Nora Roberts


Dies ist der dritte Band aus Nora Roberts' Jahreszeitenzyklus. Es geht in den insgesamt vier Bänden (Frühlingsträume, Sommersehnsucht, Herbstmagie und Winterwunder) um vier Freundinnen, die gemeinsam sehr erfolgreich eine Hochzeitsagentur führen. Laurel, um die es in diesem dritten Roman geht, ist eine der Teilhaberinnen und Konditorin der Agentur Vows. Vielen Paaren hat das erfolgreiche Frauenquartett schon zu einer wunderschönen Hochzeitsfeier verholfen, sie sehen täglich viele glückliche Gesichter,nur das eigene Liebesleben der Freundinnen kommt immer zu kurz. Zwei von ihnen haben inzwischen schon den Partner fürs Leben gefunden. Diesmal geht es um Laurel. Die Zuckerbäckerin ist schon lange in den älteren Bruder ihrer Freundin Parker verliebt, und im Verlauf der Geschichte wird aus ihr und Dell, dem erfolgreichen Anwalt und heiß begehrten Junggesellen, ein Paar. Dabei erlebt Laurel ein Auf und Ab der Gefühle, ist hin und her gerissen zwischen Verliebtheit, Freudentaumel und Zweifel.
Ich habe die ersten beiden Bände gelesen und muss leider sagen, dass ich von Anfang an nicht 100%ig überzeugt war. Band 1 hat mir noch recht gut gefallen, während Band 2 meine Erwartungen nur noch mittelmäßig erfüllt hat. Beim vorliegenden Roman hatte ich irgendwie das Gefühl, dass die Luft 'raus ist. Einerseits war es nett, die Protagonisten der ersten beiden Bücher wieder zu „treffen“, und auch Laurel und Dell waren mir bereits aus den vorherigen Bänden bekannt. Nora Roberts schreibt flüssig und gefällig, aber mich konnte sie diesmal nicht mitreißen. Vielleicht liegt es auch gar nicht nur an der Geschichte, sondern ich habe das Gefühl, dass ich Ermüdungserscheinungen im Genre „Liebesromane“ zeige. Irgendwie läuft das ganze Hin und Her sowieso auf das hinaus, was bereits von der ersten Seite an klar war. Aber trotzdem gibt es Romane, die mich fesseln können, obwohl ich eigentlich weiß bzw. mir denken kann, wie sie ausgehen. Hier habe ich mich aber einfach nur durch das Buch gequält. Erneut zu lesen, wie viele Hochzeiten das Frauenquartett ausrichtet, fand ich mittlerweile recht eintönig und ermüdend. Viele Dialoge gestalteten sich zudem sehr oberflächlich. Vielleicht hat mich das Buch auch gerade auf dem falschen Fuß erwischt, aber im Moment kann ich mir nicht vorstellen, in die Stimmung zu kommen, bei der mir dieser Roman gefallen könnte.
Meine Sterne-Bewertung ging bisher von Band zu Band abwärts. Habe ich „Frühlingsträume“ noch mit vier Sternen bewertet, konnte ich „Sommersehnsucht“ nur noch drei Sterne geben. Bei der „Herbstmagie“ kann ich mich gerade noch zu zwei Sternen durchringen. Ich denke, es ist besser, diese Tetralogie nicht zu Ende zu lesen, denn die Aussichten für Band 4 sind nicht besonders gut, wie ich finde.
Ich habe schon Romane von Nora Roberts gelesen, die mich begeistern konnten. So hat mir beispielsweise die Insel-Trilogie sehr gut gefallen. Da gab es geheimnisvolle Elemente, da war Magie im Spiel. „Herbstmagie“ dagegen konnte für mich seinem Titel so gar nicht gerecht werden, leider!

😑😑



Freitag, 25. November 2016

Traumschnee - Eric Carle


Ein alter Bauer lebt mit seinen fünf Tieren auf einem kleinen Bauernhof. Hinter der Scheune steht ein kleiner Baum. Der Bauer sorgt sehr gut für die ihm anvertrauten Tiere. Eines Abends, es ist kurz vor Weihnachten, sitzt der Bauer gemütlich bei Pfefferminztee und Honigbrot in seinem Lieblingssessel. Er überlegt, dass es noch gar nicht geschneit hat. Während er noch so darüber nachsinnt, schläft er ein. Er träumt von sacht fallenden Schneeflocken, die ihn sanft zudecken. Auch seine Tiere werden mit einer weißen Decke zugedeckt. Als der Bauer aufwacht, merkt er, dass sein Traum Wirklichkeit geworden ist, denn es liegt Schnee, wirklicher Schnee! Die Tiere schlafen friedlich im Stall, und der Mond und die Sterne strahlen hell in dieser klaren Winternacht. Plötzlich bekommt es der Bauer eilig und murmelt vor sich hin, er hätte beinahe etwas vergessen! Er zieht sich warm an, nimmt einen Sack und eine Schachtel und eilt hinaus, vorbei an den neugierig blickenden Tieren, bis zum Baum hinter der Scheune. Der Bauer schmückt den Baum und stellt Geschenkpäckchen für seine fünf Tiere darunter. Dann ruft er ihnen zu „Frohe Weihnachten euch allen!“

Das kleine Büchlein lässt einem ganz warm ums Herz werden. Die Geschichte vermittelt das achtsame Verhältnis des alten Bauern zu seinen Tieren. Auch den Baum weiß der alte Mann zu schätzen und bezieht ihn in die Lebensgemeinschaft mit ein. Wie eine kleine Familie leben Mensch, Tier und Pflanze hier zusammen, und der Bauer kümmert sich gut um seine Schutzbefohlenen. Wenn man ihn abends in seinem Lieblingssessel sitzen sieht, strahlt dieses Bild Gemütlichkeit, Wärme und Geborgenheit aus. Schon kleinen Kindern wird hier ein harmonisches Bild vermittelt, von dem herzlichen Verhältnis eines Menschen zu seinen Tieren und zur Natur überhaupt. So hält das Büchlein eine ganz besondere Weihnachtsbotschaft bereit. Das verstehen schon die ganz Kleinen, aber auch größere Kinder und selbst Erwachsene lassen sich gerne von der kleine Geschichte verzaubern. Wenn die Kleinsten die verschiedenen Klappen im Buch öffnen dürfen und entdecken, was sich dahinter versteckt, ist das ein besonderes Erlebnis, das sie am liebsten immerzu wiederholen möchten, denn es ist ein klein wenig wie Verstecken spielen. Etwas verschwinden und wieder auftauchen lassen zu können, macht viel Spaß, und die Entdeckung, dass das Geheimnis hinter den Klappen immer gleich bleibt, egal wie oft man das Buch anschaut, gibt Sicherheit. Ein weiterer Aspekt ist das Zählen bis fünf, denn fünf Tiere hat der Bauer. Die Namensgebung hat er sehr übersichtlich gehalten, denn seine Tiere heißen Eins, Zwei, Drei, Vier und Fünf. So werden diese Zahlen schon den ganz Kleinen bei jedem Betrachten und gemeinsamen Lesen des Bilderbuchs immer wieder neu und in spielerischer Weise gezeigt. Insofern ist das Buch in mehrfacher Hinsicht interessant für kleine Kinder. Die liebevollen Illustrationen von Eric Carle haben einen ganz eigenen Charme und machen seine Bücher unverkennbar und zu etwas Besonderem. Das trifft auch auf „Traumschnee“ zu. Dass der Schnee auf dem Einband geheimnisvoll glitzert und dass der Baum auf der letzten Seite mit glänzenden Bändern geschmückt wird, erhöht die Attraktivität des Bilderbuchs zusätzlich und gibt ihm etwas Festliches.

Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit sind wir ja alle auf der Suche nach besonderen Geschenken für unsere Lieben. Wer kleine Kinder hat, dem kann ich dieses wunderschöne und liebevolle kleine Buch ans Herz legen. Für mich gehören gute Bücher zur Adventszeit einfach dazu, und ein Weihnachtsfest ohne Bücher kann ich mir nicht vorstellen. Auch schon den Allerkleinsten kann man diese Einstellung weitergeben. Dieses kleine aber feine Buch ist eine wunderschöne Geschenkidee, entweder für den Nikolaussack, als kleines Mitbringsel während der Weihnachtszeit oder an Heiligabend auf dem Gabentisch.

😍😍😍😍😍


Montag, 21. November 2016

Herbstleuchten - Debbie Macomber


Dies ist der vierte Band der Rose Harbor Serie. Ich möchte gleich zu Beginn die Empfehlung aussprechen, die Bände in chronologischer Reihenfolge zu lesen, da dies zum allgemeinen Verständnis hilfreich ist. Nur wenn man die Geschichte von Anfang an verfolgt hat, kann man manche Verhaltensweisen der Protagonisten nachvollziehen. Jo Marie Rose ist Witwe und hat sich mit dem Rose Harbor Inn eine neue Existenz in Cedar Cove aufgebaut. Bei den Renovierungsarbeiten ihres Bed & Breakfast half ihr Mark Taylor sehr viel. Der Einzelgänger hat handwerkliches Geschick und wurde ihr empfohlen. Im Lauf der Zeit ist er zu einem guten Freund geworden. Aber der verschlossene Mark hat ein Geheimnis, das er Jo Marie nicht offenbart. Eines Tages stellt er sie vor die Tatsache, dass er Cedar Cove verlassen wird. Jo Marie ist enttäuscht, denn wieder einmal verschwindet ein Mann, der ihr wichtig ist, dem ihr Herz gehört, aus ihrem Leben.
Aber trotz ihres Kummers muss sie für ihre Übernachtungsgäste da sein, und das tut sie auch gerne, denn es lenkt sie ein wenig von den eigenen Sorgen ab, sich deren Probleme anzuhören.
Diesmal hat sie ihre Zimmer an ein verliebtes Paar in den Flitterwochen und an zwei junge Frauen vermietet. Während sich die frisch Vermählten selbst genug sind, haben die Freundinnen Coco und Katie starke Vorbehalte, was ihren Aufenthalt in Cedar Cove betrifft. Sie sind zum zehnjährigen Highschool-Jubiläum angereist, und beide haben vor, endlich mit der Vergangenheit aufzuräumen und abzuschließen. Jede der beiden jungen Frauen hat andere Hoffnungen und Vorstellungen, was das Treffen ihres Abschlussjahrgangs betrifft, und für beide läuft es völlig anders als geplant.
Jo Marie hat ihre Zweifel, ob die heilende Kraft des Rose Harbor Inn auch diesmal zur Wirkung kommten wird.

Wie schon in den vorherigen Bänden, gibt es auch diesmal einen Erzählstrang aus Sicht von Jo Marie Rose und weitere Abschnitte, in denen es um die Gäste des Rose Harbor Inn geht.
Die Flitterwöchner, die eines der Zimmer gebucht haben, treten nur in kurzen Episoden in Erscheinung, während sich das Hauptaugenmerk auf die Freundinnen Coco und Katie richtet. Außerdem wird diesmal den privaten Sorgen von Jo Marie mehr Raum gegeben.
Hier geht es um die Meinungsverschiedenheiten zwischen ihr und Mark, der sich klammheimlich aus ihrem Leben schleichen will. Jo Marie sieht keinen Sinn darin, hat er ihr doch erst kürzlich seine Gefühle offenbart. Die beiden sind so grundverschieden, denn Mark ist ein verschlossener Mensch, der niemanden an sich heranlassen will, während Jo Marie eher mitteilsam ist und ihr Herz auf der Zunge trägt. Die Abschnitte, in denen es um das Verhältnis und die Ereignisse rund um die beiden Hauptpersonen geht, haben mir ausgesprochen gut gefallen.
Die Abschnitte um die beiden Freundinnen, die zum Highschool-Jubiläum anreisen, habe ich mit eher gemischten Gefühlen gelesen, denn wie gesagt, die Highschoolzeit ist zehn Jahre her, und ich frage mich, wieso die beiden Frauen so lange gewartet haben, bis sie endlich ihre Probleme angehen und aus der Welt schaffen wollen. So vieles kann sich in diesem Zeitraum ändern, so dass ich die Erwartungen, mit denen sie zum Jubiläum erscheinen, als ziemlich blauäugig empfand. Coco, die auf mich etwas oberflächlich wirkte, macht dann auch einen Gesinnungswandel durch, den ich so schnell nicht nachvollziehen konnte. Hier fehlte es mir doch etwas an Glaubwürdigkeit, denn die Freundinnen benehmen sich stellenweise noch wie Pennälerinnen und nicht wie Frauen, die ihre Schulzeit bereits vor zehn Jahren beendet haben und mitten im Leben stehen.

Der Schreibstil ist in gewohnter Weise flüssig und kurzweilig, und so bietet das Buch mit dem schönen, herbstlichen Cover durchaus einige angenehme Lesestunden, wenn auch für mich mit kleinen Abstrichen bei der Handlung. Das Ende hat mich erst einmal verblüfft, denn bisher bin ich davon ausgegangen, dass es sich bei den Rose Harbor Romanen um eine Tetralogie handelt. Nun habe ich erfahren, dass es einen weiteren Band geben wird, der den Abschluss der Serie bildet. Vermutlich werden dann alle noch offenen Fragen geklärt. Mit dieser Aussicht kann ich das Ende des vorliegenden Romans annehmen, und es macht dann auch Sinn. Meine bisherigen Erkenntnissen versprechen eine spannende Fortsetzung. „Rosenstunden“ erscheint im kommenden Juli, und ich freue mich schon darauf.

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Sonntag, 20. November 2016

Inspektor Jury und die Frau in Rot - Martha Grimes

Frank Arnold liest: Martha Grimes - Inspektor Jury und die Frau in Rot




Eigentlich hat Inspektor Jury Urlaub. Als er von Tom Williamson um ein Gespräch gebeten wird, weil dieser ihm die Geschichte seiner Frau erzählen möchte, die vor siebzehn Jahren auf dem Landgut des Ehepaars eine steile Treppe hinunter gestürzt war, kommt ihm die Sachlage nicht so eindeutig vor, wie es die Polizei damals vermutet hatte. Angeblich sei es ein Unfall gewesen, denn Tess Williamson litt unter Schwindelanfällen, und so wurde angenommen, sie hätte während eines solchen Anfalls den Halt verloren und sich zu Tode gestürzt. Tom kann nicht daran glauben, darum bittet er Jury um Hilfe, und dieser verspricht, den Fall noch einmal aufzurollen und der Sache nachzugehen. Unterwegs zum Schauplatz des damaligen Geschehens besucht Jury seinen Freund Melrose Plant. Wie der Zufall so spielt, wird er auch dort mit einer Leiche konfrontiert. Eine schöne junge Frau in einem eleganten roten Kleid soll sich von einem alten Turm in der Nähe gestürzt haben. Jury glaubt auch hier nicht an einen Unfall, zu zweifelhaft sind die Umstände.
Kann es ein Zufall sein, dass Jury innerhalb kürzester Zeit mit zwei Todesfällen zu tun hat, die durch einen Sturz ausgelöst wurden? Es stellt sich bald heraus, dass es nicht bei den zwei Toten bleibt...

Inspector Jury war mir zwar vom Hörensagen ein Begriff, aber gelesen hatte ich bisher noch keinen der Krimis von Martha Grimes. Entsprechend verwirrend war der Anfang des Hörbuchs für mich, denn ich wusste vorher noch nichts über Jurys Lebensumstände, seinen Bekanntenkreis und seine bisherige Arbeit. Ich musste nicht nur die aktuell Verdächtigen, sondern auch Jurys Kollegen, Freunde und Bekannte neu kennenlernen. Dazu kommt, dass sich die Handlung ziemlich verzweigt entwickelt. Es gibt so viele Stellen, an denen Jury und sein Team mit den Ermittlungen ansetzen muss, denn da kommen auch noch einige Kinder ins Spiel, die damals häufiger bei Tess Williamson zu Gast waren und inzwischen längst erwachsen sind und befragt werden sollten.

Martha Grimes hat hier eine vielschichtige und facettenreiche Geschichte erdacht, die lang schlummernde Geheimnisse aufdeckt und Hintergründiges ans Tageslicht bringt. Außerdem ist die Autorin eine Meisterin darin, typisch englisches Flair zu verbreiten. Der Sprecher des Hörbuchs, Frank Arnold, setzt dies sprachlich auch sehr gekonnt um. Sein insgesamt ruhiger Erzählstil ist angenehm. Man hört ihm gerne zu. Durch markante Änderungen der Stimmlage verleiht er den verschiedenen Beteiligten Charakter. Obwohl ich anfangs ein paar Probleme hatte, die vielen Personen zuzuordnen und auseinander zu halten, konnte ich letztendlich der Handlung gut folgen. Ich habe gleich zu Beginn erst ein wenig nachgeforscht und mir grundsätzliches Wissen über diese Krimiserie angeeignet. Dabei habe ich erfahren, dass dies bereits Jurys 23. Fall ist. Im Nachhinein finde ich es schade, dass ich so völlig „unwissend“ in den Krimi eingestiegen bin. Für einen Jury-Fan, der die Reihe von Anfang an kennt, wird es sicher ein Leichtes sein, in diese aktuelle Geschichte hinein zu finden und sie umso mehr zu genießen. Als „Anfänger“ wäre es für mich vermutlich klüger gewesen, erst einmal zu einem gedruckten Buch zu greifen und mich dann erst an das Hörbuch heran zu tasten. Aber letztendlich bin ich nun doch gut in der Geschichte angekommen und konnte den Krimi mit seiner besonderen, sehr britischen Ausstrahlung genießen, selbstverständlich immer bei einer guten Tasse Tee!

 👍👍👍👍


Hier kann das Hörbuch bestellt werden: Audiobuch


Freitag, 18. November 2016

Die Honigtöchter - Cristina Caboni


Angelica Senes ist eine reisende Imkerin. Sie liebt das ungebundene Leben und ihren Beruf, und sie fährt mit ihrem Campingbus überall dorthin, wo es darum geht, Imkern bei auftauchenden Problemen mit ihren Bienenstöcken zu helfen, die Bienen zu erhalten und zu betreuen. Eines Tages erfährt sie, dass sie von ihrer Patentante als Alleinerbin eingesetzt wurde. Margherita hat ihr das Anwesen auf Sardinien vermacht, wo sie ihre Kindheit verbrachte und wo ihr die Patin das Wissen über die Imkerei und die Sprache der Bienen gelehrt hat.
Die Nachricht von der Erbschaft stürzt die junge Frau in Verwirrung, denn sie lebte in der Überzeugung, Margherita wäre schon vor langer Zeit gestorben. Erst mit der Nachricht von der Erbschaft und durch einen Brief, den ihr Margherita hinterlassen hat, erfährt sie, dass die geliebte Patentante noch bis vor wenigen Wochen gelebt hat.
Mit einer ungeheuren Wut auf ihre Mutter, die sie damals mit einer Lüge abgespeist hatte, macht sich Angelica auf den Weg nach Sardinien. Dabei ist sie unsicher, wie sie sich verhalten soll, ob sie wirklich in der Lage ist, das Erbe anzunehmen.
Als sie bei Margheritas Cottage ankommt und dort deren Notizbuch findet, wo die alte Frau all ihr Wissen rund um die Bienen, über Heilweisen, Rezepte und alte Bräuche Sardiniens aufgezeichnet hat, wird Angelica bewusst, wo ihr Platz ist. Sie möchte in Margheritas Fußstapfen treten und deren Wissen und Werte an die Frauen Sardiniens weitergeben.
Aber nicht alle hier sind ihr freundlich gesinnt. Da gibt es einen Cousin, der ihr das Erbe streitig machen möchte, und ein Unternehmer hat es auf den alten Besitz abgesehen und versucht mit allen Mitteln, Angelica zu bewegen, das Cottage samt Grundstück zu verkaufen.
Dann trifft sie ihre Jugendliebe wieder. Einerseits spürt sie erneut die Verbindung zu Nicola, fühlt sich zu ihm hingezogen, aber sie weiß nicht, ob sie ihm noch vertrauen kann oder ob er inzwischen die Seiten gewechselt hat. Angelica muss sich auf einen zermürbenden und kräftezehrenden Kampf um Margheritas Erbe einlassen. Hier geht es um viel mehr als um das alte Cottage, denn wenn sie aufgibt, werden einige Schätze der Natur unwiederbringlich verloren gehen.

Christina Caboni schreibt über ihre Leidenschaften. Sie liebt Rosen und Bienen, und waren die Blumen und Düfte in ihrem ersten Roman das große Thema, so stehen diesmal die Bienen und ihre vielfältigen und wunderbaren Produkte im Vordergrund. Die beiden Bücher der Autorin folgen von der äußeren Aufmachung her den gleichen Konzept. Jedes Kapitel wird mit einem kleinen Kommentar eingeleitet. Drehten sich diese kurzen Beschreibungen im ersten Buch „Die Rosenfrauen“ um Blumen und Kräuter mit ihren vielfältigen Aromen und Duftstoffen, so erfährt man diesmal beim Lesen alles über die verschiedenen Honigsorten, ihre Eigenschaften und die Unterschiede in Farbe, Konsistenz und Aroma. Da ich mich sehr für diese Schätze interessiere, welche die Natur uns bietet, gefällt mir die Aufmachung schon sehr gut.
Am Ende des Buches findet man die Beschreibungen auch noch einmal in alphabetischer Form aufgelistet, als Honigtagebuch.
Angelicas Geschichte ist sehr berührend. Das Verhältnis zu ihrer Mutter, die ihr so einiges verschwiegen hat, ist kompliziert, und all die Jahre war die junge Imkerin rastlos, ständig auf der Flucht vor sich selbst, vor ihrer Vergangenheit und vor festen Bindungen. Erst die Erbschaft öffnet ihr die Augen für das Wesentliche. Sie erkennt, was ihr wirklich wichtig ist und wie sie ihr Leben künftig gestalten möchte. Ihre Patentante hat ihr so viel hinterlassen, nicht nur das Anwesen, sondern es sind die ideellen Werte, die wirklich zählen.
Angelicas innere Zerrissenheit, ihre Zweifel und Ängste, das alles wird hier tiefgründig zum Ausdruck gebracht. Ihr Verhältnis zu Nicola ist gespannt, was nicht wundert, wenn man erfährt, wie abrupt die Trennung der jungen Liebenden vor vielen Jahren vonstatten ging. Dementsprechend schleichen die Protagonisten lange Zeit vorsichtig umeinander herum, denn beide haben Angst, sich selbst oder den Anderen mit Worten oder durch ihr Verhalten zu verletzen.

Wenn es um die Natur Sardiniens und ihren Schutz geht, findet die Autorin wunderschöne, poetische Worte, um all das auszudrücken, was die Welt der Pflanzen und Tiere dieser Insel zu bieten hat. Der schöne Schreibstil, der so leicht anmutet, dabei aber ganz und gar nicht oberflächlich ist, hat mich das Buch so richtig genießen lassen. Außerdem habe ich viel Neues über die Bienen und ihr goldenes Produkt erfahren. Honig ist für mich schon immer nicht nur lecker, sondern faszinierend, und ich bin beim Lesen richtig auf den Geschmack gekommen, all die wundervollen Sorten zu probieren, die hier beschrieben sind. Für alle, die sich für die nützlichen kleinen Insekten interessieren und von ihrem süßen Produkt fasziniert sind, bietet sich hier nicht nur eine spannende, kurzweilige Geschichte, sondern auch noch jede Menge an Hintergrundinformationen. Auf alle Fälle bekommt man durch die detaillierten und farbigen Schilderungen Lust, nach Sardinien zu reisen und Land und Leute kennenzulernen.

😍😍😍😍😍