Mittwoch, 31. Dezember 2014

Monatsrückblick Dezember 2014

Im letzten Monat des Jahres 2014 habe ich 8 Bücher gelesen, das waren 2855 Seiten. So gesehen war der Dezember ein eher schwacher Lesemonat für mich, aber die Adventszeit und die darauf folgenden Feiertage waren wieder mal recht turbulent, so dass mir leider oft die Muse zum Lesen fehlte. Aber meine Auswahl war wieder überdurchschnittlich gut, denn ich konnte 5 Bücher mit jeweils 5 Sternen und 3 Bücher mit 4 Sternen beurteilen. Es war weder ein mittelmäßiges noch ein Flop für mich dabei.

Jo Baker: Im Hause Longbourn *****
Titus Müller: Der Schneekristallforscher *****
Karin Seemayer: Die Sehnsucht der Albatrosse *****
Charlotte Lyne: Kinder des Meeres *****
Mila Roth: O du fröhliche, o du tödliche *****
Cordula Broicher: Wind von Westen ****
Linnea Holmström: Weihnachten am Siljansee ****

Die Wahl meines Favoriten hat sich nicht so leicht gestaltet, denn es kamen gleich drei Bücher in die engere Wahl. Die Rangfolge war diesmal sehr eng, aber letztendlich habe ich mich für folgenden Monatsfavoriten entschieden:
"Im Hause Longbourn"
dicht gefolgt von "Der Schneekristallforscher" und "Die Sehnsucht der Albatrosse".


Neuzugänge gab es viele, so dass ich bereits zwei Beiträge im Dezember dazu gepostet habe:
http://klusiliest.blogspot.de/2014/12/neuzugange-dezember-2014.html
http://klusiliest.blogspot.de/2014/12/wichteln-und-bucher-weihnachtsgeschenke.html

Nun kamen in der letzten Woche nur noch zwei Nachzügler dazu:




Und hier ist eine kleine Auswahl an Tees, die ich in der Adventszeit entdeckt und genossen habe.
Den Zitronentee mit Ingwer hat mein Mann von einem Einkauf im Bio-Markt mitgebracht, da wir beide sehr gerne Ingwer mögen. Der Tee schmeckt toll, so richtig frisch zitronig, mit der leichten Ingwer-Schärfe. Der Cupper Tee ist der leckerste Ingwer-Zitronentee, den ich bisher getrunken habe, und er tut in vielerlei Hinsicht gut. Einmal ist er eine gute Vorbeugung gegen Erkältungen, und nach einem reichhaltigen Essen an den Feiertagen ist eine Tasse davon viel hilfreicher als jeder alkoholische "Niederdrücker".

Im Grüntee Walnuss von Teewicht sind richtige Nüsse enthalten, was man auch schmeckt. Der Tee ist ausgewogen und überraschend gut, nachdem ich mir diese Kombination anfangs so gar nicht vorstellen konnte, aber sie hat mich überzeugt.

Im Dezember durfte ich täglich ein Tütchen aus dem Tee-Adventskalender mit den süßen Winter-Eulen von Tee Maass entnehmen. Die enthaltene Mischung war kunterbunt, und es gab für jeden in der Familie etwas Passendes.
 

Der Rooibos "Holunderperle" ist an mich gegangen, und an diesem Tag habe ich noch ein weiteres allerliebstes kleines Teepäckchen erhalten, denn die kleine Schachtel mit Jasmintee war im Adventskalender, den meine Tochter für mich zusammengestellt hat. 
 

Noch zwei Stunden, dann gehört das Jahr 2014 der Vergangenheit an. Ich wünsche allen meinen Blogbesuchern einen guten Start ins neue Jahr. Tschüß dann - bis 2015

O du fröhliche, o du tödliche - Mila Roth

Der 8. Teil um Janna Berg und Markus Neumann, aus Mila Roths literarischer Vorabendserie "Spionin wider Willen"


Es ist Heiligabend. Janna Berg feiert im Kreis ihrer Familie Weihnachten. Im Verlauf des Abends kommt ihr in den Sinn, sich bei Markus Neumann für das Weihnachtsgeschenk zu bedanken. Sie weiß, dass der Agent den Abend allein in dem Irish Pub HellHole verbringt. Schnell ist ihr Entschluss gefasst und in die Tat umgesetzt. Sie fährt nach Bonn, um ihrem Partner ein wenig Gesellschaft zu leisten. Aber sie ist mit dieser Idee nicht die Einzige, denn auch Kollegin Alexa Baumgartz hat die Absicht, den Abend mit Markus verbringen. Als die beiden Frauen im HellHole zusammentreffen, ist die Stimmung nicht gerade entspannt. Wenig später beobachtet Janna, wie Alexa von mehreren Leuten, die sich als Weihnachtsmänner getarnt haben, entführt wird.
Im Institut des Geheimdienstes ist nur eine Notbesetzung anzutreffen, und so nehmen Markus und Janna allein die Verfolgung auf. Bei den Entführern scheint es sich um eine Gruppe Neo-Nazis zu handeln, gegen die Alexa vor einiger Zeit undercover ermittelt hat. Vermutlich beabsichtigt diese Organisation, die Agentin gegen ihren inhaftierten Anführer auszutauschen. Als Markus und Janna beim geheimen Versteck der Gruppe ankommen, überschlagen sich die Ereignisse. Markus wird entdeckt, und plötzlich steht Janna mutterseelenallein im Wald, ohne Aussicht auf Hilfe.

So hat sich Janna ihren Heiligabend sicher nicht vorgestellt. Statt gemütlich im Kreis ihrer Familie zu feiern, gerät sie in eine geradezu ausweglose Situation. Diese neue Episode mit Janna und Markus hat es wirklich in sich, und Mila Roth hat das weihnachtliche Kontrastprogramm sehr spannend in Szene gesetzt. Da erlebt man einerseits die friedliche Stimmung im Haus der Familie Berg, und auch im HellHole geht es gemütlich zu. Aber es gibt auch terroristische Kräfte, die sich nicht scheuen, den Weihnachtsfrieden zu stören und die allgemeine Ruhe dieses Abends für ihre kriminalistischen Zwecke zu nutzen. Und wieder einmal muss Janna beweisen, was in ihr steckt, denn auch wenn sie Zivilistin ist, die eigentlich derartige Konfrontationen mit Gewalt scheut, so fühlt sie sich doch Markus gegenüber verbunden, denn zwischen ihr und dem Agenten ist inzwischen so etwas wie eine gute Freundschaft, ja sogar eine Vertrauensbasis, entstanden. Die Art, wie sich die beiden Helden der Serie in jeder Folge ein wenig weiter aufeinander zu entwickeln, gefällt mir richtig gut, denn obwohl es immer mal ein wenig zwischen den beiden knistert, so besteht trotzdem eine gewisse Distanz, die schon durch die sehr unterschiedlichen Wesensarten und die verschiedenen Lebenssituationen bedingt ist. Es ist immer wieder fesselnd und unterhaltsam, das ungleiche Agentenpaar in Aktion zu erleben und die amüsanten Dialoge der beiden zu verfolgen. Für mich hat die Serie auch mit der 
8. Folge noch nichts von ihrer Attraktivität und Kurzweil eingebüßt, ganz im Gegenteil!


Weitere Informationen zur Serie und auch speziell zu dieser Folge findet ihr auf der Website der Autorin: Mila Roth

Weihnachten am Siljansee - Linnea Holmström


Nach dem Tod ihrer Freundin und Vertrauten Augusta weiß Inger nicht, wie es weitergehen soll, denn Augusta hat ihrem Neffen unter anderem das Haus hinterlassen, in dem Inger, zusammen mit ihrer Schwester Malena, ein Kinderheim leitet. Die Finanzen stehen schlecht, und Inger ist mit den Mietzahlungen im Rückstand. Augustas Neffe Per zeigt sich nicht besonders zugänglich, sondern ist nur daran interessiert, das Haus so schnell wie möglich zu verkaufen, um wieder in die Großstadt aufbrechen zu können. Anfangs scheint es ihn absolut nicht zu interessieren, was aus den Kindern wird, die im Heim leben. Es muss so einiges passieren, um ihn zur Besinnung zu bringen. Dem Hund Lasse, Liebling der Heimkinder und der kleinen, schüchternen Lotta gelingt es dann, sein Herz zu erweichen.

Bei diesem Buch hat mich sofort das Coverbild fasziniert und den Wunsch in mir geweckt, den Roman zu lesen. Der Klappentext verspricht: "Die ideale Lektüre für die Festtage - voller Wärme und zum Träumen schön". Die Autorin bringt auch durchaus jede Menge schwedisches Flair in ihren Roman, so dass man sich glatt in das kleine Dorf am malerischen Siljansee wünscht. Die Geschichte ist kurzweilig geschrieben und liest sich flott weg. Eigentlich ist alles in bester Ordnung: der Roman bietet gute Unterhaltung, die so richtig schön in die Weihnachtszeit passt. Nicht so ganz überzeugen konnten mich aber zum Teil die Charaktere, denn einige haben im Verlauf der Adventszeit einer wundersamen Wandlung erfahren. Da ging mir dann doch vieles etwas zu glatt und zu schnell. Besonders mit Per bin ich nicht klar gekommen, denn er fällt von einem Extrem ins andere. Aber wann, wenn nicht an Weihnachten, können noch Wunder geschehen? Und so drücke ich alle Augen zu, was die Glaubhaftigkeit diverser Entscheidungen angeht, denn schließlich ist Weihnachtszeit, und da sollen doch Wünsche wahr werden.


Fest der Herzen - Linda Lael Miller

Dieser Band enthält zwei Geschichten, hier die Kurzbeschreibungen.
  1. Geständnis unterm Weihnachtsbaum:
    Ob verirrtes Rentier, depressives Pony oder der ältere Herr, der sich für den Weihnachtsmann hält: Nichts davon kann die hilfsbereite Tierärztin Olivia O´Ballivan erschüttern. Das schafft nur ihr neuer Nachbar Tanner Quinn mit seinem Charme. Doch der gefragte Architekt bleibt nie lange an einem Ort. Für ihn ist das Projekt im verschlafenen Stone Creek bloß ein Zwischenspiel. Auch seine Nacht mit Olivia?
  2. Schicksalstage – Liebesnächte:
    Ashley O´Ballivan ist hübsch, liebenswert und erfolgreich - aber immer noch Single. Und gar nicht glücklich darüber. Besonders in der besinnlichen Weihnachtszeit träumt sie davon, romantische Stunden mit dem Mann ihres Lebens zu verbringen. Allerdings sieht es nicht so aus, als ob dieser Traum sich bald erfüllen würde - oder? Denn überraschend kehrt ihre große Liebe Jack McCall nach Stone Creek zurück ...

Mein Eindruck:
Die beiden Geschichten sind jeweils in sich abgeschlossen, gehören aber doch in gewisser Weise zusammen, denn jede handelt von einer O'Ballivan Schwester. Es tauchen die meisten Charaktere in beiden Storys auf.
Obwohl auch die Umgebung größtenteils gleich ist, so sind die Geschichten doch recht unterschiedlich. Die erste, in der es hauptsächlich um die Tierärztin Olivia geht, hat etwas Irreales, denn Olivia ist fast so etwas wie ein weiblicher Dr. Dolittle; sie kann mit den Tieren kommunizieren, was in ihrer Umgebung häufig zu irritierten Blicken oder offener Belustigung führt. Im Verlauf der Handlung begegnet sie nicht nur ihrem anziehenden neuen Nachbarn Tanner Quinn, sondern sie findet in der Nähe ihres Hauses auch ein waschechtes Rentier, und als sie dessen Besitzer, einen Weihnachtsbaumverkäufer, findet, stellt sich dieser als Kris Kringle vor. Naja, das war dann doch ein wenig dick aufgetragen.
In der zweiten Geschichte, in der Olivias Schwester Ashley die Hauptrolle spielt und die ein Jahr später, wieder um die Weihnachtszeit, spielt, entwickelt sich die Handlung alles andere als romantisch, denn Jack McCall, Ashleys alte Liebe, taucht plötzlich wieder bei ihr auf. Jack ist eine Art Geheimagent, und er ist schwer krank. Diesmal entwickelt sich die Handlung nicht märchenhaft-romantisch, sondern eher bedrohlich, schon fast in Richtung Agententhriller.

Die beiden Romane haben nicht nur Protagonisten und Hintergrund gemeinsam, sondern sie wirkten auf mich beide nicht unbedingt realistisch, so unterschiedlich sie sich auch entwickeln. Der Schreibstil der Autorin ist zwar sehr kurzweilig, und ich habe das Buch auch mit Vergnügen gelesen, aber völlig überzeugen konnte es mich nicht, denn manches wirkte doch ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Trotzdem war die Lektüre insgesamt recht vergnüglich und gerade richtig für die Weihnachtszeit.

 bis 


Sonntag, 28. Dezember 2014

Die Sehnsucht der Albatrosse - Karin Seemeyer

Eine Frau, die nur für die Musik lebt. 
Ein Mann, der für die See auf alles verzichtet. 
Eine Reise, auf der beide an ihre Grenzen kommen.



San Francisco 1905: Die Sängerin Sarah Tanner, die unter dem Namen Emilia Rossi als Operndiva gefeiert wird,  bangt aus gesundheitlichen Gründen um ihre Stimme. Um sich zu erholen und Abstand zu gewinnen, begibt sie sich auf eine Seereise nach Hawaii. Unterwegs gerät das Passagierschiff, an dessen Bord sie reist, durch einen schweren Taifun in Seenot, und Sarah wird von einem Robbenschoner gerettet. Ihre anfängliche Erleichterung über die Bergung der Schiffbrüchigen schlägt schnell in Entsetzen und Empörung um, als ihr der Kapitän klar macht, dass er sie nicht so schnell an Land bringen kann,da ihn dieses Manöver zu viel Zeit kosten würde. So ist Sarah gezwungen, auf dem Schiff zu bleiben und die Robbenfänger auf ihrer Reise ins Beringmeer zu begleiten. Bald erkennt Sarah in John Brandon, dem Kapitän der Victory, ihre alte Jugendliebe wieder. Sein ganzes Verhalten lässt sie befürchten, dass er sie absichtlich an Bord behalten hat. Resigniert muss sie sich in ihre neue Situation fügen. In dem Matrosen Peer Svensson findet sie einen Vertrauten, der ihr mit Verständnis begegnet und ihr die Vorgänge auf dem Schiff erklärt, denn vieles in dieser rauen Männerdomäne ist Sarah völlig fremd. Doch schon bald gibt es Probleme, denn als es zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen Svensson und dem Kapitän kommt, gerät Sarah zwischen die Fronten. Da die Mannschaft der Victory zudem nicht das erhoffte Jagdglück hat, spitzen sich die Ereignisse zu.

Das Szenario, in dem sich Sarah nach dem Taifun wiederfindet, ist der reine Alptraum und wurde von der Autorin sehr realistisch wiedergegeben. Gezwungen, für die nächsten Monate, als einzige Frau, zusammen mit einer Horde raubeiniger Seeleute, unterwegs zu sein, beginnt Sarah, sich selbst und das Leben an sich mit anderen Augen zu betrachten. Die Prioritäten verschieben sich, und es werden Dinge wichtig, an die sie bisher keine Gedanken verschwendet hatte. Dieses Leben, das so ganz anders ist als alles, was sie bisher kennengelernt hat, hält Erkenntnisse und Erfahrungen für sie bereit, die nicht immer einfach zu verkraften sind. Sarah beginnt, vieles zu hinterfragen und in einem neuen Licht zu sehen, und sie erkennt ihre Ohnmacht, wenn es darum geht, sich für Gerechtigkeit und Fairness an Bord einzusetzen, denn auf dem Schiff herrschen andere Gesetze. Ohne Widerspruch wird hier gemacht, was der Kapitän anordnet, der auch nicht zögert, seine Entscheidungen mit roher Gewalt durchzusetzen.

Zwar findet man dieses Buch oft unter der Kategorie "Liebesroman" eingeordnet, aber meiner Meinung nach wird diese Klassifizierung der Handlung ganz und gar nicht gerecht.  Hauptsächlich geht es  im Roman um das raue, abenteuerliche Leben auf See, um die Problematik, dass plötzlich  eine Frau an Bord ist, was viele der Seeleute mit Aberglauben und Argwohn betrachteten, und es werden die widersprüchlichen Probleme bei der Robbenjagd aufgezeigt. Diese war schon zur damaligen Zeit in vielen Ländern verboten, und durch Sarahs Augen erlebt der Leser auf sehr eindringliche Weise, wie brutal dabei vorgegangen wurde und andererseits, wie dringend es war, bei der Jagd erfolgreich zu sein, denn es hingen viele Existenzen davon ab.

Aber natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte, die sich in diesem Fall sehr besonders und ungewöhnlich entwickelt, bedingt durch die Umgebung und die Tatsache, dass die Liebenden ganz unterschiedlichen Gesellschaftsschichten angehören. Hier kommt auch der Titel des Romans ins Spiel, denn unterwegs auf See kommt es wirklich zu einer Begegnung mit einem Albatros, dessen Schicksal Sarah mit Wehmut und Traurigkeit erfüllt, ihr aber letztendlich auch eine tiefe Erkenntnis bezüglich ihres eigenen Lebens vermittelt.

Ich empfand diesen Roman als außergewöhnlich und beeindruckend, denn hier wird eine abenteuerliche Geschichte erzählt, die authentisch wirkt und sich jenseits von Kitsch und übertriebener Romantik bewegt. Ich setze eine sehr intensive Recherche voraus und bewundere das Geschick der Autorin, wie sie sehr spezielles nautisches Fachwissen ganz selbstverständlich in die Handlung einfließen lässt.