Samstag, 30. August 2014

Wolgatöchter - Ines Thorn


Frankfurt, Mitte des 18. Jahrhunderts:
Der erfolglose Maler Georg Reiche hält sich und seine Familie mit Fälschungen und kleinen Diebstählen über Wasser. Als er einem russischen Werber begegnet und erfährt, dass Katharina II. deutsche Familien sucht, die gewillt sind, sich in Russland eine neue Existenz aufzubauen, sieht Georg darin seine große Chance. Zusammen mit seiner geliebten Frau und den drei Töchtern macht er sich auf die lange, beschwerliche Reise an die Wolga. Nach ihrer Ankunft in dem fremden Land kommt die Ernüchterung, denn es ist alles nicht so einfach, wie es am Beginn der Reise ausgesehen hat. Viele Auswanderer sind schon unterwegs zurück geblieben und haben ihr Ziel nie erreicht.
Die Familie Reiche wird in einem verlassenen, aber komplett möblierten Haus untergebracht. Schon bald erfahren sie, dass die vorherigen Bewohner von Kalmücken überfallen und umgebracht wurden. Annmarie Reiche fühlt sich der Tochter der ermordeten Familie verbunden und entdeckt immer mehr Gemeinsamkeiten zwischen der Toten und sich selbst. Auroras größter Wunsch ist, reich zu sein, und um das zu erreichen, lässt sie sich auf ein gefährliches Spiel ein. Lydia, die älteste Tochter der Reiches, fühlt sich hin und hergerissen, zwischen der Pflicht ihrer Familie gegenüber und ihren Träumen. Georg und Ilse Reiche versuchen, sich so gut wie möglich in ihrer neuen Heimat einzurichten, mit den Gegebenheiten zu arrangieren und ihren drei Töchtern eine gute Zukunft zu ermöglichen.

Das wunderbar gestaltete Cover hat mich gleich verlockt, den neuen Roman von Ines Thorn zu lesen. Ich liebe den schönen Schreibstil der Autorin und wurde auch diesmal nicht enttäuscht. Sie hat eine ganz besondere Art, Schicksale und Begebenheiten zu schildern.
Ich muss gestehen, dass ich über die damalige Zeit in Russland sehr wenig weiß und mit den historischen Daten nicht vertraut bin. Daher kann ich mir auch kein Urteil erlauben, was die Zeitangaben betrifft. Aber es geht hier auch mehr um eine Familiengeschichte im historischen Rahmen. Geschichtliche Details werden nur angerissen und bleiben eher im Hintergrund. Die meisten Charaktere und ihre Schicksale sind fiktiv, und es kommen kaum historische Persönlichkeiten im Roman vor. Für mich war es hier auch hauptsächlich interessant, wie die Lebensumstände damals in Russland waren und wie sich die Protagonisten in dem neuen Umfeld behaupten konnten, und das ist sehr lebendig und eindringlich geschildert.
Nun weiß ich auch, wie es zu dem Begriff „Russlanddeutsche“ gekommen ist.
Die einzelnen Charaktere und ihre Beweggründe sind sehr ausführlich und detailliert dargestellt, und man kann sich gut in die beschriebenen Situationen versetzen. Hauptsächlich dreht sich der Roman um die drei Reiche-Schwestern, die so völlig unterschiedlich sind und sich anfangs sehr fremd und verloren in der neuen Heimat fühlen. Letztendlich müssen sie ihren Weg finden, und jede von ihnen tut das auf ganz eigene Weise.
Der Roman hat mich von Anfang an fasziniert und bis zuletzt nicht mehr losgelassen. Das weite Land, die Kälte, die Probleme und Ängste, dies alles kann man sich sehr gut und plastisch vorstellen, so wie es die Autorin darstellt. Mir hat diese Geschichte einen faszinierenden Blick in die damalige Zeit und in ein Land eröffnet, das mir bisher völlig fremd war.



1 Kommentar:

  1. Ich mag Ines Thorn ebenfalls sehr und dieses Buch ist auf meiner Wunschliste! Danke für die schöne Rezi!
    LG Martina

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