Samstag, 10. März 2012

Teufelsmond - Ines Thorn



Man schreibt das Jahr 1536. Pater Fürchtegott wird von seiner Obrigkeit nach Nordhessen geschickt, um dort als Exorzist für Ordnung zu sorgen, denn angeblich sollen im Knüllwald unheimliche Dinge geschehen. Auf seiner Wanderschaft trifft der Mönch das Mädchen Karla. Sie schließt sich ihm an, denn sie möchte unbedingt weg aus ihrem Heimatdorf, um einer ungewollten Heirat mit dem gewalttätigen Sohn des Schmieds zu entgehen, zu der sie ihre Stiefmutter unbedingt drängen möchte. Unterwegs werden die Reisegefährten von einem schweren Sturm überrascht, und sie suchen Zuflucht in dem kleinen Dorf Alwerode. Bald merken sie, dass die Einwohner dort nicht nur mit den Folgen und der Verwüstung des Unwetters zu kämpfen haben. Der Pfarrer des Ortes wurde von einem herunterfallenden Ast verletzt und ist außer Gefecht. Der Unwillen der Dorfgemeinschaft richtet sich geballt gegen die Michelsmühle und ihre Bewohner. Dort sehen die Dörfler das Böse und die Ursache für all ihre Probleme. Dabei haben die Michelsmüller selbst genug Kummer, denn zwei Familienmitglieder sind schwer krank und liegen im Sterben. Der Pater und Karla bleiben im Dorf, um herauszufinden, was hier wirklich vor sich geht.

Düster und unheimlich wirkt bei diesem Roman schon das Cover, und damit passt es bestens zur ganzen Geschichte.
Die beiden Helden sind zwei sehr ausgeprägte und ganz unterschiedliche Charaktere. Pater Fürchtegott, ein etwas weltfremder Mönch, mit einem guten Herzen und scharfen Verstand, hatte während seines Klosterlebens nur wenig Kontakt mit dem weiblichen Geschlecht und einen völlig falschen Eindruck von den Frauen. Seine Meinung muss er sehr schnell revidieren als er Karla kennen lernt. Die junge Frau weiß sehr genau, was sie will. Es widerstrebt ihr, einen ungeliebten Mann zu heiraten, und darum verlässt sie ihren Heimatweiler, denn sie möchte ein selbstbestimmtes Leben führen. Karla ist aufgeweckt, vielseitig interessiert und für ihr Alter erstaunlich lebensklug. Dabei verfügt sie über viel praktische Intelligenz, und so ergänzen sie und der Pater sich prächtig. Das merkt auch Fürchtegott, und bald möchte er ihre Gesellschaft nicht mehr missen. Es entwickelt sich eine große Sympathie und ein tiefes Einverständnis zwischen dein beiden, wie bei einem guten Vater-Tochter-Verhältnis. Sehr gefallen haben mir ihre tiefschürfenden, manchmal fast philosophischen Gespräche.
Die Aufgabe, die in dem Dorf Alwerode auf sie wartet, ist alles andere als einfach. Die Dorfgemeinschaft verschanzt sich hinter einer Wut gegen die Mühlenbewohner, die weit über abergläubische Regungen hinaus geht. Fürchtegott und Karla müssen herausfinden was hinter diesem abgrundtiefen Hass steckt. Dies zu ermitteln, ist schwierig, denn sie treffen überall auf eine geschlossene Mauer des Schweigens.
Ines Thorn bringt die Szenerie sehr wortgewandt und bildreich zum Ausdruck. Wenn sie die verschiedenen Dorfbewohner, ihre Gewohnheiten und Handlungen beschreibt, wirkt das sehr lebendig und manchmal fast ein wenig karikiert. Liest man ihre Schilderungen von den schauerlichen Geschehnissen auf dem Friedhof, ist sehr schnell eine kräftige Gänsehaut zur Stelle. Da die Handlung in den Raunächten spielt, erfährt man so einiges über Aberglauben und Bräuche, die in dieser Zeit sehr präsent waren. Die Autorin hat mit „Teufelsmond“ einen hervorragenden Roman vorgelegt, bei dem man mit den Protagonisten mitfiebern und sich ganz wunderbar gruseln kann. Dabei gewinnt man wieder einmal die Erkenntnis, dass das Böse nicht immer dort ist, wo man es erwartet. Um nun zu erfahren, was im Dorf wirklich vorgeht und ob Fürchtegott und Karla etwas bewirken können, muss man das Buch schon selbst lesen. ;-)


Herzlichen Dank für die Überlassung des Rezensionsexemplars an den Wunderlich-Verlag

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