Sonntag, 14. August 2011

Herrin wider Willen - Martha Sophie Marcus


Inmitten der Wirren des 30-jährigen Krieges treffen zwei wildfremde Menschen aufeinander und entschließen sich spontan zu einer Heirat. Die junge Witwe Ada möchte dadurch verhindern, von ihrem Vater in eine ungewollte Ehe gedrängt zu werden, der die Tochter für seine eigenen finanziellen Interessen benutzen möchte. Bei Lenz stehen Familienstreitigkeiten um das Erbe seines Vaters hinter dieser Entscheidung. Da der Grafensohn befürchtet, in der bevorstehenden Schlacht zu fallen, möchte er lieber sein Erbe in den Händen der fremden Angetrauten wissen als es dem verhassten, habgierigen Onkel zu hinterlassen.
In den leidenschaftlichen Stunden der Hochzeitsnacht kommt sich das frisch gebackene Ehepaar näher als gedacht, und als Lenz am Morgen darauf seine Braut verlässt, um in die Schlacht zu ziehen, spürt Ada ein leises Bedauern, über die Kürze dieser, für beide noch so neuen, Verbindung.
Wider Erwarten überlebt Lenz, wenn auch schwer verletzt. Ada pflegt ihren Gemahl hingebungsvoll, aber als dieser das Bewusstsein wieder erlangt, kann er sich an nichts mehr erinnern, was vor der Schlacht geschah. Das junge Paar zieht auf das Gut von Lenz’ inzwischen verstorbenem Vater. Es entstehen Zweifel und Missverständnisse, und obwohl sie sich insgeheim ineinander verliebt haben, möchte sich das keiner von beiden eingestehen, und sie entfernen sich immer weiter voneinander. Neid und Missgunst und immer neue Angriffe aus ihrem Umfeld machen die Situation nicht gerade einfacher. Eigentlich möchte Lenz das geerbte Gut und damit auch Ada zurücklassen, aber er zögert noch, in Anbetracht einiger seltsamer Vorfälle sowie der Gefahr durch feindliche Truppen und den intriganten Onkel.

Ausgefeilte, lebendig beschriebene Charaktere sowie ausführlich und intensiv geschilderte Situationen lassen ein anschauliches, farbiges Bild der betroffenen Schauplätze entstehen. Die wunderbar angepasste Sprache, mit zum Teil mundartlichen Dialogen, verstärkt diesen Eindruck bestens. Mit Ada hat der Roman eine sympathische, anfangs ein wenig unsichere Protagonistin, die in ihrer Art bestens in die Zeit passt, sich im Verlauf der Handlung positiv weiter entwickelt und an Stärke gewinnt.Lenz, ihr Ehemann, hat anfangs große Gedächtnislücken, die durch seine schweren Verletzungen im Kampfgetümmel verursacht wurden. Nach seiner Genesung wird er nicht nur mit einer fremden Ehefrau konfrontiert, an die er sich nicht erinnern kann, sondern auch mit dem Nachlass seines Vaters, der einige Probleme aufwirft. Seine Unsicherheit, auch Ada gegenüber, ist verständlich und glaubwürdig beschrieben. Er muss sich erst an den Gedanken gewöhnen, eine Ehefrau zu haben, für die er überraschenderweise starke Gefühle hegt, welche er sich jedoch nicht eingestehen möchte, er wird von Selbstzweifeln geplagt und muss erneut um sein Leben fürchten.
In der Handlung gibt es mehrere überraschende Wendungen, die dem Roman viel Dramatik verleihen und den Leser fesseln. Der Debütroman von Martha Sophie Marcus wirkt sehr authentisch, mit viel Zeitkolorit. Die ideale Mischung aus Spannung, Romantik und geschichtlichen Hintergründen sowie glaubhafte Charaktere und interessante Einblicke in das Leben der damaligen Zeit haben mich restlos überzeugt, und ich werde mich ganz sicher nach weiteren Werken der Autorin umsehen.


1 Kommentar:

  1. Hey,

    das Buch habe ich auch erst kürzlich gelesen und rezensiert ;) auf meinem Blog findest du auch ein Interview mit Martha S. Marcus, falls du mal reingucken möchtest

    Lg Rena

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