Sonntag, 24. Juli 2011

Der Ruf des weißen Raben - Sanna Seven Deers

Bei der Journalistin Myra Morgenstern läuft es gerade privat und beruflich nicht so toll, und sie beschließt, der Großstadt für eine Weile den Rücken zu kehren, um die Heimat ihrer Kindheit zu besuchen. Auf dem Weg nach Boulder Landing hat sie ein sonderbares Erlebnis, als sie in einem größeren Gebäude in der Nähe des Highways einen Getränkestand und die Toilette sucht. Sie hört Trommeln, folgt ihrem Klang und gerät ganz plötzlich mitten in eine indianische Zeremonie. Erschrocken und aufgewühlt ergreift sie die Flucht.

Eine Indianerin hatte die Ältesten um Hilfe gebeten, weil ihre Tochter spurlos verschwunden ist. Da von Seiten der Polizei keine Hilfe kam, beschloss der Rat, die Ahnen um ihre Unterstützung anzurufen. Einer der Tänzer des Rituals ist der junge Indianer Chad Blue Knife.

Kurze Zeit später begegnen sich Myra und Chad erneut unter dramatischen Umständen. Beide haben auf Anhieb das Gefühl, auf geheimnisvolle Weise sehr stark miteinander verbunden zu sein. Für Myra beginnt mit dieser Begegnung die Suche nach einem alten Talisman, der starke Kräfte besitzt, aber nun in Gefahr ist, denn ein seltsamer, widerwärtiger Mann ist zweifellos hinter dem Amulett her, um es für dunkle Machenschaften zu benutzen:

Schon die stimmungsvolle und wunderschöne Einbandgestaltung sowie der Titel vermitteln einen kleinen Eindruck der Atmosphäre, die in dem Buch vorherrscht.
Myra Morgenstern wird von den Geistern gerufen und reist durch die Zeit, in die Welt der Ahnen, um Näheres über den Verbleib des geheimnisvollen Talismanns zu erfahren.
Sie ist die Schlüsselfigur des Romans und kann, mit Hilfe der Geistwesen, sowohl in die Vergangenheit als auch in ihre eigene Zukunft eintauchen. In dem Indianer Chad findet sie Beistand für ihre schwierige Aufgabe, aber sie spürt, dass sie mehr mit dem sympathischen Mann verbindet.
Die Handlung des Romans spielt sich auf drei verschiedenen Zeitebenen ab. Ausgangspunkt ist die Gegenwart, als Myra in die Zeremonie gerät und Chad zum ersten Mal begegnet. Myra spiritueller Weg führt sie in die Vergangenheit zu Runa, einer weisen Kräuterfrau im urzeitlichen Europa, deren Schicksal durch den Talismann gelenkt wird und die eine lange, beschwerliche und abenteuerliche Reise antritt, die sie quer durch Asien und über die Aleuten nach Kanada führt, um eine Botschaft zu übermitteln.
Aber auch in ihre eigene, unbestimmte Zukunft kann Myra mit Hilfe der Ahnen blicken, und sie erkennt durch ihr zwanzig Jahre älteres Ich, dass die in der Gegenwart bestehenden Probleme ihre Ursprünge und Auswirkungen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft haben.

Die klare, schnörkellose Sprache passt sehr gut zu der ursprünglichen, sehr mystischen Handlung und trägt dazu bei, dass man auch den komplizierten zeitlichen Wechseln und Verbindungen jederzeit gut folgen kann.
Auf diese Geschichte muss man sich voll und ganz einlassen. Wer ein starkes Interesse an den indianischen Mythen und Ritualen hat, dem wird sich die Botschaft erschließen, die hinter allem steckt. Der Autorin ist es gelungen, mich absolut zu fesseln. Man spürt ihre starke Verbundenheit mit der alten indianischen Kultur und mit der wunderbaren Natur, die sie beschreibt.
Stark berührt hat mich auch die in der Handlung erwähnte Skulptur „Das Lachen der Kinder“, die wirklich existiert. Die Autorin hat hier ein Werk ihres Mannes perfekt in die Geschichte integriert und sehr eindrucksvoll beschrieben. Auf der Internetpräsenz des Bildhauers David Seven Deers kann man „Children’s Laughter“ betrachten.



Vielen dank an Vorablesen und den Ullstein-Verlag
für die Überlassung des Rezensionsexemplars.


Kommentare:

  1. Das hört sich gut an, wandert direkt auf meinen WZ.

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  2. Schließe mich an: hört sich super interessant an!

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