Freitag, 24. September 2010

Der Venuspakt - Jeanine Krock



Nuriya kommt in ihr Elternhaus zurück, um zusammen mit ihrer Schwester Selena einen Esoterik-Buchladen zu führen. In ihren Adern fließt Feenblut, aber das will sie, seit dem Tod ihrer Eltern, lieber vergessen. Als sie kurz darauf in Lebensgefahr gerät, wird sie von dem dunklen Vampirkrieger Kieran gerettet.&
In diesem zauberhaften Roman treffen unterschiedliche Gesellschaften aufeinander: die Vampire der Dunkelheit und die lichte Welt der Feen. Beide Völker sind in Aufruhr, denn es ist an der Zeit, das Friedensbündnis zu erneuern, den Venuspakt. Schnell wird klar, dass Nuriya die Auserwählte ist, aber wo findet sie ihren Seelengefährten? Dies herauszufinden, ist nicht einfach für die junge Fee, denn der attraktive Krieger, dem sie ihr Leben verdankt, verhält sich ihr gegenüber abweisend und kalt.

Dieses Buch scheint magische Kräfte zu haben, denn man legt es am liebsten gar nicht mehr aus der Hand. Märchenhaft, mit feinem Humor und zugleich sehr erotisch ist der Schreibstil, die Protagonisten sind präzise und liebevoll gezeichnet. Es ist faszinierend, das Zusammenspiel der verschiedenen Gattungen zu verfolgen, denn zwischen Feen, Elfen, Werwölfen und Vampiren gibt es nicht nur Feindschaft und Intrigen, sondern auch  echte Hilfsbereitschaft und Loyalität. Ob es Nuriya gelingt, die Liebe ihres Lebens zu finden, sollte jeder selbst herausfinden und diese schöne Geschichte lesen. Erwähnenswert ist auch die perfekte Verpackung, denn die Zeichnung von Agnieszka Szuba auf dem Einband macht das Buch zu etwas ganz Besonderem.

Samstag, 18. September 2010

Die Wundärztin - Heidi Rehn



Magdalena und Eric sind noch Kinder, als sie sich zum ersten Mal begegnen. Es ist Ende Mai 1631, und die Menschen befinden sich mitten im dreißigjährigen Krieg. Kaiserliche Truppen haben soeben Magdeburg erobert, und die kleine Söldnertochter Magdalena verirrt sich in der brennenden Stadt. Eric, ein etwas älterer Junge, rettet ihr das Leben.  Da er seine Familie verloren hat, begleitet er Magdalena zu ihren Angehörigen und schließt sich als Zimmermannslehrling dem Tross an.
Dreizehn Jahre später begegnen sich Eric und Magdalena erneut. Die junge Frau arbeitet mittlerweile als Wundärztin, gemeinsam mit ihrem Jugendfreund Ruppert, an der Seite des Feldschers, Meister Johann. Einer alten Feindschaft ihrer beider Väter zum Trotz werden Magdalena und Eric ein Liebespaar. Nur allzu schnell wird ihr heimliches Glück überschattet, von den Ereignissen des Krieges und auch von Neid und Missgunst. Als Eric plötzlich nach einer Schlacht spurlos verschwunden ist, beginnt für Magdalena eine Odyssee durch das Land, immer auf den Spuren ihrer verlorenen Liebe. Ihr einziger Trost und ihr Halt ist ein Bernstein, den ihr Eric geschenkt hat. In ihren Augen entwickelt dieser Stein magische Kräfte und wird immer wieder schicksalhaft für sie.

Mit viel Feingefühl sind die Charaktere beschrieben, ganz besonders die sympathische, warmherzige Magdalena. Sie ist eine starke Frauengestalt, die in den Wirren des Krieges unermüdlich um ihr persönliches Glück kämpft, ohne dabei das Wohlergehen ihrer Mitmenschen außer Acht zu lassen. Auch in ihrem Umfeld gibt es interessante Persönlichkeiten, die ihr jedoch nicht immer alle wohl gesonnen sind. Da ist ihre Cousine Elsbeth, eine schöne aber verbitterte junge Frau, mit der es das Leben nicht immer gut meinte und die durch fortwährende Intrigen versucht, sich Vorteile und Geltung zu verschaffen. Ruppert, der Kamerad seit Kinderzeiten, wird von Eifersucht geplagt, was zu manch unschöner Szene führt. Treue Verbündete findet Magdalena in ihrem väterlichen Freund und Mentor, Meister Johann und in der betagten, etwas kauzigen aber lebensklugen Hebamme Roswitha.
Heidi Rehn schildert nicht die großen historischen Ereignisse, sondern sie beschreibt das Leben und die Menschen in dieser schweren Zeit. Schonungslos werden medizinische Maßnahmen nach Kriegsverletzungen beschrieben, aber es gibt auch die schönen Momente im Roman, die von der Natur, der Landschaft und von Gefühlen erzählen. Die Protagonisten sind alle nicht unfehlbar, aber das macht es gerade so einfach, mit ihnen zu fühlen und sich in ihre Lage zu versetzen.
Das schöne Coverbild vermittelt Atmosphäre und ist sehr aussagekräftig. Es rundet das Buch, zusammen mit einer Landkarte, in perfekter Weise ab. „Die Wundärztin“ ist als erster Band einer Trilogie angelegt, und das Ende lässt viele Fragen offen, was die Leser neugierig macht und gespannt auf die Fortsetzung „Hexengold“ warten lässt.

Dienstag, 31. August 2010

Die Stadt der tausend Düfte - Daniel Horch



Kurzbeschreibung:
Das sagenhaft reiche Bagdad des 9. Jahrhunderts ist eine blühende orientalische Metropole, überall nur bekannt als die »Stadt des Friedens«. Und es ist die Heimat des wohlhabenden Parfumeurs und weisen Lehrers Abulhassan Ibn Thaher. Der geschätzte Freund des mächtigen Kalifen Harun al Rashid führt ein überaus angenehmes und erfülltes Leben. Doch eines Tages gerät Abulhassans Welt völlig aus den Fugen: Einer seiner Zöglinge, der junge Prinz von Persien, verliebt sich ausgerechnet in Shemselnehar, die wunderschöne Favoritin des Kalifen. Und Abulhassans Herz droht zu zerreißen – zwischen der Treue zu einem alten Freund und der Angst um seinen über alles geliebten Schüler...

Meine Meinung:
Bagdad im 9. Jahrhundert: Der Parfumeur und Alchimist Abulhassan Ibn Thaher erzählt die Geschichte des jungen Prinzen von Persien und der schönen Shemselnehar. Die beiden lernen sich kennen und verlieben sich ineinander. Daran ist Abulhassan nicht ganz unschuldig, aber diese Liebe bringt jede Menge Probleme. Sie darf eigentlich nicht sein, denn Shemselnehar ist die Lieblings-Konkubine des Kalifen. Abulhassan fühlt sich zerrissen, denn der Prinz von Persien ist fast wie ein Sohn für ihn, und mit dem Kalifen ist er freundschaftlich verbunden. Trotz seiner Skrupel beschließt der Ich-Erzähler, den jungen Liebenden zu helfen. Neben dieser Rahmenhandlung vermittelt Abulhassan den Lesern einige Rückblicke in die Vergangenheit und ausführliche Einblicke in seine aktuelle Lebenssituation, in die Kultur und die Gepflogenheiten der damaligen Zeit. Auch fließen viele historische Tatsachen in die Handlung ein. Der Sprachstil ist märchenhaft und erinnert an die Geschichten von 1001 Nacht. Dieses Buch verströmt die Atmosphäre des Orients in schillernden Farben und läßt die Mentalität der Menschen im Bagdad des neunten Jahrhunderts gut nachempfinden.

Samstag, 28. August 2010

Am Ende des Weges - Will North



Zum Inhalt:
Der fünfzigjährige Amerikaner Alec ist die Strecke von London nach Wales zu Fuß gegangen. Es ist eine Art Pilgerreise für ihn, um den letzten Wunsch seiner verstorbenen Ex-Frau zu erfüllen: ihre Asche auf dem Gipfel des Cadair Idris zu verstreuen. Als ihn ein Unwetter überrascht, findet er Unterkunft auf der Schaffarm der Edwards, wo Fiona, seit einer schweren Erkrankung ihres Mannes, eine Bed & Breakfast-Pension betreibt, um die Existenz zu sichern. Während Alec auf geeignetes Wetter zur ziemlich schwierigen und mühsamen Besteigung des Berges wartet, macht er sich auf der Farm nützlich. Zu Fiona fühlt er sich auf unerklärliche Weise vom ersten Augenblick an hingezogen, und das beruht auf Gegenseitigkeit. Im Anbetracht der Situation ist es indiskutabel, aber Fiona und Alec verlieben sich ineinander, und dann fordert ein Unfall folgenschwere Entscheidungen…

Meine Meinung:
Sehr behutsam und mit viel Fingerspitzengefühl beschreibt der Autor die Situation der Liebenden und ihrer Umgebung. Fiona und Alec wissen, dass ihre Beziehung wider alle Vernunft ist, und doch können sie nicht anders, denn vom ersten Moment an haben sie den Eindruck, vom Schicksal füreinander bestimmt zu sein. Beide fühlen sich David gegenüber schuldig, aber es ist für sie nicht nur eine kleine Affäre oder Abwechslung im Alltag, sondern es entwickelt sich schnell eine tiefe Zuneigung, auf der Basis von Vertrauen und gegenseitiger Fürsorge. Will North schildert die Situation nicht einfach schwarz-weiß, sondern betrachtet die miteinander verbundenen Schicksale sowie die Gedanken und Empfindungen der Protagonisten in all ihren Facetten. Alec ist ein besonnener und sehr sympathischer Mann, der mit seinen Gefühlen nicht leichtfertig umgeht. Fiona ist hin- und her gerissen zwischen der Liebe zu Alec und der Loyalität zu ihrem schwer kranken Mann, mit dem sie all die Jahre eher zweckmäßig und aus Vernunftgründen zusammen war. Ihr ist bewusst, dass sie Ehebruch begeht, aber ihre Beziehung zu Alec fühlt sich für sie trotz allem richtig an. Als Leser kann man ihre Empfindungen und Gedanken gut nachvollziehen und verstehen.
Vor der traumhaften Kulisse der walisischen Landschaft, die den wilden Cadair Idris umgibt, erleben die Protagonisten schöne und traurige Stunden. Sie sind glücklich und zugleich voller Wehmut. Der Autor ist mit diesem Roman ein wunderbares und sehr gefühlvolles Debüt gelungen, das zu keinem Moment seicht oder trivial wirkt, es könnte genau so passiert sein. Dass die Liebenden in der Geschichte bereits die Mitte des Lebens überschritten haben, ist ein weiterer interessanter Aspekt, der den Roman zu etwas Besonderem macht.

Donnerstag, 26. August 2010

Saugfest - Steffi von Wolff


Zur Handlung:
Taxifahrerin Helene ist schlecht gelaunt und das nicht nur ab und zu, sondern es handelt sich bei ihr um einen Dauerzustand. Mit hängenden Mundwinkeln und ewig schlechtem Benehmen verdirbt sie sogar ihrer besten Freundin die Hochzeit. Aber wenn man denkt, es könnte ihr leid tun, hat man sich gewaltig geirrt, denn Helene ist immer im Recht, schuld sind grundsätzlich die Anderen. Eines Tages bekommt sie einen Anruf ihres allzeit liebenswürdigen Kollegen Malte, sie soll um Mitternacht zu einem abgelegenen Gebäude kommen und dort Fahrgäste abholen. Missgelaunt macht sie sich auf den Weg und landet bei einer alten Ruine. Die blassen Gestalten, die sie dort antrifft, sind äußerst merkwürdig, außerdem wartet noch ein faszinierender Mann auf sie, Hubertus, mit einer Stimme wie Zedernholz. Auch er scheint nie zu lachen, was gerade auf Helene sehr anziehend wirkt.
Die seltsamen Leute machen ihr das Angebot, eine Liste mit ihren größten Feinden zu erstellen, diese aufzusuchen und mit ihnen abzurechnen. So ganz nebenbei outen sie sich als Vampire. Mit dem kaufsüchtigen Ali, der seine Mutter bei der französischen Revolution verloren hat, und einem ängstlichen, etwas moppeligen Wolf namens „Satan“ macht sich unsere Protagonistin auf die Suche nach den Personen auf ihrer Liste. Die Fahrt mit dem Taxi wird chaotisch, und unterwegs stellt sich heraus, dass Satan ein Weibchen ist und Junge bekommt. Helene findet ihre „Opfer“ und bringt sie zur Ruine, aber dann läuft alles ganz anders, als sie sich das vorgestellt hat. Zu allem Überfluss verliebt sie sich noch in Hubertus und muss ihr bisheriges Leben überdenken……

Meine Meinung: 
Es fällt mir nicht leicht, ein abschließendes Urteil über dieses Buch zu verfassen, da es so völlig anders ist als erwartet. Zwar wusste ich vorab, dass Steffi von Wolff Spezialistin für Comedy und schwarzen Humor ist, aber diese Geschichte war für meinen Geschmack doch reichlich verwirrend. Zwar kommen viele Szenen vor, über die ich schmunzeln musste, teilweise ist der Humor wirklich rabenschwarz, hintergründig und voller Zynismus. Hier werden viele Bereiche aus dem alltäglichen Leben auf die Schippe genommen. Beeindruckend und amüsant fand ich auch die Momente, wenn Helene mit ihrem enormen cineastischen Wissen brilliert.
Aber es gibt auch Passagen in der Geschichte, wo mir das tiefere Verständnis gefehlt hat. Vielleicht wäre das auch gar nicht erforderlich, aber ich hatte häufig das Gefühl, nicht zu wissen, was mir die Autorin eigentlich sagen will. Vielleicht habe ich mich fast zu sehr in die Story hineingedacht und bei manchen Szenen vergeblich auf eine Pointe gewartet, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Abschnitte völlig sinnfrei gedacht waren. Insgesamt ist die Handlung sehr temporeich, und viele Episoden sind stark überspitzt dargestellt. Das Ende ist völlig überraschend und ganz anders, als vermutet. Es gibt sogar eine „Moral von der Geschicht’“.
Auch wenn „Saugfest“ nicht gerade meinen Lesegeschmack getroffen hat, war es doch einmal interessant, in dieser turbulenten Mischung aus Satire, Comedy und Persiflage zu schmökern.