Montag, 12. Dezember 2016

Die Glasbläserin - Petra Durst-Benning



Lauscha im Jahr 1890: Nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters sind die drei Steinmann-Schwestern von einem Tag auf den anderen auf sich gestellt. Bisher hatte der verwitwete Joost Steinmann für alles gesorgt, und seine Töchter führten ein sehr behütetes, sicheres Leben. Nun müssen Johanna, Marie und Ruth selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Ein anderer Glasbläser im Ort stellt sie als Arbeitsmädchen an, während Joost Steinmanns Werkstatt still liegt. In Wilhelm Heimers Glasbläserei verdienen die drei jungen Frauen kaum das Salz an die Suppe. Jede von ihnen muss neue Wege beschreiten, um die Zukunft zu sichern. Während Johanna ihr Glück bei einem Verleger in Sonneberg sucht und Ruth einen Sohn Heimers heiratet, wagt die künstlerisch begabte Marie etwas Außergewöhnliches. Bisher war die Glasbläserei eine reine Männerdomäne, aber nun entwirft Marie heimlich kunstvollen Christbaumschmuck und fertigt ihn in der Werkstatt ihres Vaters.
Wagt sie es anfangs nur verstohlen, die Kugeln zu blasen, so kann sie es bald nicht mehr verheimlichen. Eine glückliche Begegnung hat zur Folge, dass ein amerikanischer Geschäftsmann von dem schönen Christbaumschmuck aus Lauscha erfährt, und schon bald erhält Marie einen Großauftrag. Nun gilt es, zu zeigen, was in den Steinmann-Schwestern steckt. Für diesen Auftrag müssen sie perfekt zusammenarbeiten, denn hier geht es um ihre Existenz, und es darf nichts dazwischen kommen, damit sie den Liefertermin einhalten können.

Dies ist der erste Teil einer Trilogie, in der es um die Glasbläser-Familie Steinmann geht. Das Umfeld für die Handlung stellt größtenteils der kleine Glasbläserort Lauscha in Thüringen dar, wobei Teile der Geschichte auch im nahen Sonneberg spielen.
Man kann sich von Anfang an sehr gut in die Steinmann-Schwestern hinein versetzen, für die sich alles von einem Moment auf den anderen wandelt. Ihre Ängste und Sorgen hat die Autorin sehr einfühlsam zum Ausdruck gebracht. In einer plastisch und sehr realitätsnah geschilderten Umgebung, die unter anderem auch mit starken Landschaftsbeschreibungen aufwarten kann, spielt sich eine äußerst beeindruckende Geschichte ab. Die ärmliche, von schwerer Arbeit geprägte Stimmung in dem kleinen Glasbläserort, die Bemühungen der Schwestern, sich über Wasser zu halten, die fein ausgearbeiteten Charaktere, das alles zusammen ergibt ein stimmiges und realitätsnahes Bild vom Umfeld und von der damaligen Zeit, in der die Geschichte spielt.
Die Ereignisse sind fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite. Dabei hat mir sehr gut gefallen, wie die Entwicklung der drei Schwestern dargestellt ist. Es ist eine Zeit der Gegensätze, denn es gibt Höhen und Tiefen, Fortschritte und Rückschläge, Hoffnung und Mutlosigkeit, Schönes und Hässliches in diesem wundervollen Roman, der einen mit in eine andere Welt und eine andere Zeit nimmt.

Der Roman ist bereits im Jahr 2000 erschienen und wurde bisher mehrfach neu aufgelegt. Aus aktuellem Anlass, pünktlich zur Ausstrahlung der Verfilmung, wurde „Die Glasbläserin“ im November mit einem neuen, wunderschönen Cover ausgestattet.
Nachdem ich den Roman nun gelesen hatte, war ich neugierig auf die Umsetzung im Film. Er lief am vergangenen Freitag bereits auf Arte und wird heute Abend im ZDF ausgestrahlt.
Ich kann ihn nicht nur Fans von Petra Durst-Bennings Romanen ans Herz legen, sondern eine allgemeine Empfehlung aussprechen. Zwar wurde für die Film-Fassung einiges geändert, denn immerhin müssen knapp 500 Buchseiten auf eine Filmlänge von 90 Minuten reduziert werden, aber insgesamt erfolgte die Anpassung sehr achtsam und feinfühlig und ohne die Aussage der Geschichte zu verfälschen. Viele Szenen sind fast wortwörtlich wiedergegeben.
Das Ende ist schlüssig, sowohl im Buch als auch im Film, aber die Trilogie geht weiter, und ich freue mich jetzt schon darauf, die „Steinmänner“ im zweiten Band wieder zu treffen und sie ein Stück weit zu begleiten.  

👍👍👍👍👍

Kommentare:

  1. Liebe Susanne,
    ich habe die Trilogie schon vor langer Zeit gelesen, aber heute werde ich ZDF einschalten und mir die Verfilmung ansehen. Hoffentlich ist sie okay, denn meistens bin ich entt#uscht von Buchverfilmungen...
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Liebe Martina, ich bin gespannt, wie dir die Verfilmung gefällt. Wie schon oben erwähnt, musste viel gekürzt werden. Der gravierende Unterschied ist wohl, dass für die Filmversion aus den drei Steinmann-Schwestern zwei gemacht wurden. Da war ich auch anfangs skeptisch, aber es macht schon Sinn, sich hier auf die wesentlichen Handlungszüge zu konzentrieren, auch in Hinblick auf die Fortsetzungen, die ja vermutlich auch irgendwann verfilmt werden. Ich wünsche dir viel Spaß beim Schauen heute. Vielleicht schalte ich ja sogar auch nochmal ein. ;-)

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  2. Häufig ist die Film-Version sogar besser, als das Buch, auch wenn man immer das Gegenteil behauptet. Auch bei der Glasbläserin?

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    1. Hallo Mageia,

      besser würde ich nicht sagen, aber auf ihre Art ist die Verfilmung meines Erachtens wirklich sehr gelungen. Die Atmosphäre ist toll eingefangen, aber du wirst dir sicher selbst ein Bild machen. Ich würde mich freuen, anschließend deine Meinung zum Film zu erfahren.
      Liebe Grüße
      Susanne

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  3. Die Atmodphöare fand ich auch gut eingefangen. Dass es plötzlich nur zwei statt drei Schwestern sind, hat mich irritiert. Und der Schluss kam mir viel zu abrupt. So begeistert war ich ehrlich gesagt nicht...das Buch ist shcon viel besser.
    Liebe Grüße
    Martina

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