Donnerstag, 10. Mai 2012

Der verbotene Duft - Brigitte Janson


Nach einem heftigen Streit, bei dem ihr Vater, einstmals ein angesehener Kaufmann, sie sogar schlägt, flieht Clara Vogt Hals über Kopf aus ihrem Elternhaus. Nun steht sie vor dem Problem, wie ihr Leben weitergehen soll. Sie denkt über sich selbst, dass sie eigentlich nichts richtig gut kann, dabei hat sie zwei bemerkenswerte Eigenschaften: Sie hat eine besonders feine Nase und ein gutes Herz!  Bei einer früheren Freundin ihrer verstorbenen Mutter findet sie ein neues Zuhause. Von Elisabeth Bardenstein erfährt sie vieles über ihre Vergangenheit und ihre Herkunft. Mit der Unterstützung der wohlhabenden Reederin, die seit dem Tod ihres Vaters das Familienunternehmen leitet, kann sich Clara eine neue Existenz aufbauen. Mit Hilfe ihres ausgeprägten Geruchssinns kreiert sie ein Parfum, welches bei den vornehmen Hamburgerinnen schnell zum sensationellen Verkaufsschlager wird.
Bei allem Erfolg vergisst sie nie die Menschen, die ihr geholfen haben. Aber es gibt einen dunklen Punkt in ihrem Leben. Sie trägt schwer an einer alten Schuld, kann sich aber nicht erinnern, was damals wirklich vorgefallen ist. Und sie vermisst ihr Jugendliebe Paul. Ohne ihn kann sie nicht wirklich glücklich sein, aber er ist vor Jahren plötzlich aus ihrem Leben verschwunden.

Als begeisterte Leserin historischer Romane, mit großem Interesse am Thema Düfte und Parfumherstellung, kam ich an diesem Buch nicht vorbei. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Clara Vogt, eine sympathische junge Frau, die jedoch häufig als etwas seltsam bezeichnet wird und vielen ihrer Mitmenschen sogar unheimlich ist, weil sie manches vorhersieht und sogar Gefühle riechen kann.
Man kann ihr bei der Arbeit über die Schulter sehen und bekommt einen Eindruck davon, wie langwierig und aufwändig es ist, einen perfekten Duft zu kreieren. Bei all der Arbeit, die sie in ihre Idee investiert, vergisst sie jedoch nicht die Menschen ihrer Umgebung. Neben ihrer Mentorin Elisabeth gibt es da noch die Mamsell Friederike, die Clara schon seit der Kindheit sehr zugetan ist und Amelie, ein Freudenmädchen, die ihr nach der Flucht aus dem Elternhaus sehr geholfen hat. Die Autorin richtet in ihren historischen Romanen das Augenmerk immer besonders auf die vom Schicksal Benachteiligten der Zeit, zu der die Handlung spielt. Ohne die soziale Absicherung, wie wir sie heutzutage kennen, hatten es gerade junge Frauen und Mädchen schwer, wenn sie den Rückhalt durch die Familie verloren, und kaum der Kindheit entwachsen, endeten sie nicht selten als Prostituierte.
Daneben erhält die Handlung auch eine mysteriöse Komponente, da einige der Charaktere nicht leicht zu durchschauen sind. Da gibt es zum Beispiel den geheimnisvollen Engländer, der sich in Hamburg niedergelassen hat und den eine melancholische Aura umgibt. Auch Clara selbst ist ein nachdenklicher, tiefgründiger Mensch, und es ist faszinierend, Einblick in ihre Gedanken und Gefühle zu erhalten. Bei aller feinsinnigen Betrachtungsweise bleibt die Handlung doch immer auf dem Boden der Tatsachen. Besonders gut gefällt mir, dass sich die Autorin auch diesmal wieder mehr auf das Leben und den Alltag der einfachen Leute konzentriert und dabei die historischen Gegebenheiten berücksichtigt und glaubhaft darstellt.
Brigitte Janson bezaubert ihre Leser wieder mit einer spannenden Handlung, einer guten Portion Romantik und viel historischer, Hamburger Atmosphäre.



Herzlichen Dank an den Ullstein Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars.

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen