Freitag, 5. August 2011

Der bessere Mensch - Georg Haderer

„Das Böse braucht kein Motiv“

Polizeimajor Schäfer ermittelt wieder. Ein ehemaliger Nationalrat wurde ermordet, und der Täter hat ganze Arbeit geleistet. Der Kopf des Opfers hat sich aufgelöst, denn er wurde mit Phosphorsäure übergossen. Eine weitere, kopflose Leiche und Spuren von Phosphorsäure bei einem Einbruch lassen den Eindruck entstehen, dass der Täter mit seinen Hinterlassenschaften ein Zeichen setzen wollte. Schäfer geht seinen neuen Fall mit frischer Tatkraft an, wenn er auch zuerst einmal ziemlich ratlos dasteht, denn an einem der Tatorte wurden Haare des Mörders gefunden, und die DNA-Spur führt zu einem Verbrechen in der Vergangenheit, zu einem Täter, der eigentlich schon seit 15 Jahren tot ist.

Als eine junge Türkin erstochen in der Wohnung ihrer Eltern gefunden wird, sieht Schäfer rot. Er lässt den verdächtigen Vater des Mädchens verhaften und geht dabei nicht gerade zartfühlend vor. Nach diesem Fall von Selbstjustiz schickt ihn sein Vorgesetzter nach Salzburg, damit sich die Wogen in der Öffentlichkeit etwas glätten können. Schäfer ist frustriert, weil ihm der Fall des Phosphorsäure-Mörders zu entgleiten droht, aber dann ergeben sich neue Anhaltspunkte, und Schäfer ist wieder mittendrin im Geschehen.

Da ich im Februar Georg Haderers „Ohnmachtspiele“ gelesen habe, war es am Anfang seines dritten Krimis, als würde ich alte Bekannte wieder treffen. Neben Schäfer sind auch der sympathische Kollege Bergmann und die forsche Polizistin Kovacs wieder mit von der Partie. Die aktuellen Fälle bearbeitet das Team, wie gewohnt, mit viel Scharfsinn und knochentrockenem Humor.
Dass der Polizeimajor noch immer, wegen seinem erst kürzlich überstandenen Burnout, in psychologischer Behandlung ist und mehr oder weniger regelmäßig Medikamente nimmt, veranlasst Bergmann zu der Bemerkung, Schäfer sei seit seiner Krankheit viel sensibler und menschlicher geworden. Schäfer jedoch zweifelt manchmal an sich, denn er muss zugeben, dass Objektivität und Toleranz nicht immer seine Stärke sind, wie sein kürzliches Vorgehen gegen den türkischen Verdächtigen gezeigt hat. Dass er dies vor sich selbst zugibt, macht ihn besonders glaubhaft. Schäfers konfliktreiches Innenleben und seine komplexen Gedankengänge werden offen gelegt und wirken manchmal fast philosophisch. Auch wenn er sich äußerlich nicht viel anmerken lässt, macht er sich doch seine Gedanken, inwieweit die Medikamente sich auf sein Seelenleben und seine Reaktionen auswirken.
„Der bessere Mensch“ ist ein facettenreicher, raffiniert angelegter Kriminalroman, der nicht nur pfiffige Polizeiarbeit zeigt, sondern auch in die Tiefe geht und klar aufzeigt, wie verschwommen und durchlässig oft die Grenze zwischen Gut und Böse ist.

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Vielen Dank an den Haymonverlag für die Überlassung des Leseexemplars.

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