Sonntag, 12. Juni 2011

Vom anderen Ende der Welt - Liv Winterberg


Plymouth, spätes 18. Jahrhundert: Die 19-jährige Mary Linley hat durch ihren Vater, den Biologen Francis Linley, eine umfassende Ausbildung zur Botanikerin genossen. Als bekannt wird, dass ihr Vater durch einen Schiffbruch bei Kap Hoorn ums Leben gekommen ist, hat Mary nur einen Wunsch, sie möchte sein Werk fortführen. Es drängt sie in die Ferne, sie möchte frei sein und ihrem persönlichen Ziel folgen, das ihr am Herzen liegt. Aber es ist für eine Frau unmöglich, an einer Forschungsreise teilzunehmen. Außerdem ist Marys Tante Henriette bestrebt, den Haushalt ihres verstorbenen Bruders aufzulösen und die Nichte so schnell wie möglich zu verheiraten, ob diese will oder nicht.
In ihrer Verzweiflung verkleidet sich Mary als Mann und heuert auf der Sailing Queen an, als sie erfährt, dass für die Expedition nach Tahiti ein Zeichner gesucht wird. Unter dem Decknamen Marc Middleton geht sie an Bord, um den Botaniker Carl Belham bei seiner Arbeit zu unterstützen. Eine lange Schiffsreise steht der jungen Frau bevor, während der sie die großen Strapazen und das raue Leben auf See kennen lernt und dabei immer wieder an ihre Grenzen stößt. Auch lebt sie fortwährend in der Angst, enttarnt zu werden. Ihre Verkleidung kann sie viele Monate lang aufrecht erhalten, bis sie kurz nach ihrer Ankunft auf Tahiti von den Ureinwohnern dort sofort als Frau erkannt wird. Nun steht sie an einem Wendepunkt. Wird Carl sie akzeptieren und als Assistentin bei sich behalten?

Bereits das wunderschöne Cover ist eine verlockende Einladung, Mary auf ihrer abenteuerlichen Reise um die halbe Welt zu begleiten. Der Einband ist matt gehalten und wie eine alte Weltkarte gestaltet. Darauf befinden sich in glänzendem Druck verschiedene exotische Tiere und Pflanzen. Auch die weitere Ausstattung ist perfekt. Es gibt im Anhang, neben einem Nachwort der Autorin, auch ein ausführliches Glossar und ein Porträt der Botanikerin Jeanne Baret, die für die fiktive Figur der Mary Linley als Vorbild diente. Auf der ebenfalls enthaltenen Weltkarte kann man die Reiseroute der „Sailing Queen“ gut verfolgen. Der Aufbau des Romans selbst erinnert ein wenig an ein Logbuch. Die kurzen Kapitel sind in der Überschrift mit Datum und der ungefähren Ortsangabe versehen.
Das raue Leben der Seeleute ist sehr lebendig und realistisch beschrieben. Zusätzlich sind dieGedankengänge der Protagonisten geschickt in die Handlung eingebaut, und die Leser erhalten dadurch einen guten Eindruck über die Gemütsverfassung von Mary und Carl, aber auch von dem Schiffsjungen Seth, der ebenfalls eine starke und sehr sympathische Rolle spielt.

Bei diesem Buch handelt es sich in erster Linie um einen spannenden, farbenprächtig erzählten Abenteuerroman. Die enthaltene Liebesgeschichte zwischen Mary und Carl steht dabei nicht im Mittelpunkt, ist aber wunderschön und sehr berührend erzählt.

Mein Gesamteindruck: Ein starkes, sehr intensiv und ausführlich recherchiertes und bestens gelungenes Debüt der Autorin. Ich freue mich schon auf weitere Werke von ihr.

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