Samstag, 21. Mai 2011

Das Schokoladenmädchen - Katryn Berlinger


Als im Jahr 1896 ein deutscher Frachtdampfer auf dem Weg in die Heimat sinkt, ist Madeleine Gürtler eine der wenigen Überlebenden. Ein weiterer Geretteter, der wohlhabende Schweizer Konditor Urs Martieli, nimmt sich der mittellosen Waisen an und bietet ihr einen Ausbildungsplatz in seiner Hamburger Confiserie. Dort lernt die ehrgeizige junge Frau alles über das süße Handwerk. Mit ihrer Begabung, der Freude an den verführerischen Kreationen und ihrer Phantasie ist sie die perfekte Konditorin, und Martieli macht sie bald zur Leiterin seiner frisch errichteten Filiale in Riga. In ihrer neuen Heimat genießt sie die Erfolge ihrer selbst entworfenen Torten, das Leben und auch die Schwärmerei der Männer, die der jungen Schönheit zu Füßen liegen. Eines Tages kreuzt ein Ungarischer Graf ihren Weg, und es ist Liebe auf den ersten Blick…

Dieser Roman ist ein Angriff auf alle Geschmacksnerven. Die Herstellung der verschiedenen Leckereien wird so ausführlich beschrieben, dass man beim Lesen Appetit auf Torte oder Schokolade bekommt und am liebsten sofort selbst anfangen würde zu backen. Für alle, die nun Angst um ihre Figur bekommen, möchte ich mit einem Augenzwinkern einen Rat der Autorin zitieren, nämlich, beim Lesen das Buch so oft wie möglich mit beiden Händen zu halten, dann kann man gar nicht zu Naschwerk greifen. ;-)

Aber nicht nur die süßen Werke des Schokoladenmädchens sind ausführlich und geradezu plastisch beschrieben, auch das Leben in Riga, die Mode, die lettischen Bräuche, dies alles wird sehr ausführlich und doch kurzweilig geschildert. Sehr schön macht die Autorin Veränderungen deutlich, die sich zur Jahrhundertwende in allen Bereichen des Lebens vollzogen haben und die auch für die Menschen eine große Umstellung bedeuteten.

Der Roman spricht jedoch nicht nur die süße, leichte Seite des Lebens an, sondern befasst sich auch mit politischen und wirtschaftlichen Problemen, welche die Leute damals beschäftigt haben.

Madeleine ist eine selbstbewusste und ehrgeizige junge Frau, die in ihrer Art sehr gut in die damalige Welt passt. Sie hat in der Vergangenheit nicht nur süße Aromen geschmeckt, sondern auch erfahren, wie sich das bittere Elend anfühlt, wenn das Geld sauer verdient werden muss, damit die Familie nicht in Armut versinkt, wenn salzige Tränen der Trauer vergossen werden.

Auch wenn ich nicht alle Handlungen und Reaktionen der Protagonistin nachvollziehen konnte, so hatte ich durchaus großes Verständnis für sie. Wenn sie manchmal etwas schnippisch oder auch egoistisch reagierte, verstehe ich dies als Selbstschutz. In einer Welt, wo Frauen erst am Anfang der Emanzipation standen, hat sie einen Panzer um ihre Gefühle aufgebaut. Nur allzu menschlich und gut zu verstehen war für mich, wenn sie sich dann einfach ab und zu Entspannung und Trost in Form eines übrig gebliebenen Kuchenstückchens oder eines Gläschens Likör gegönnt hat.

„Das Schokoladenmädchen“ ist ein Roman zum genießen, der für mich zugleich aber auch lehrreich war, denn ich habe viel über eine mir bisher fremde Stadt und ihre Geschichte erfahren.

1 Kommentar:

  1. Dieses Buch hat mir auch sehr gut gefallen. Habe es vor Jahren gelesen. Wenn ich mich nicht irre, gibt es auch noch einen zweiten Band.

    LG

    Conny

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