Donnerstag, 14. April 2011

Die Maschen der Frauen - Kate Jacobs


Rahmen für die Handlung ist Georgia Walkers Wollgeschäft. Die allein erziehende Mutter hat sich damit eine Existenz aufgebaut und ihre Lieblingsbeschäftigung zum Beruf gemacht. Neben dem Wollverkauf strickt sie auch Auftragsmodelle. Mit der Zeit entstehen Freundschaften im Laden, und mehrere Frauen treffen sich dort regelmäßig freitags zum Strickclub. Hier besprechen und begutachten sie ihre aktuellen Strickwerke und probieren Dakota Walkers neue Plätzchen und Kuchenkreationen, denn Georgias 12-jährige Tochter backt leidenschaftlich gerne und lässt sich für die Stricktreffen immer etwas Besonderes einfallen. Es sind ganz unterschiedliche Frauen, die sich bei Walker & Daughter zum Plaudern und Handarbeiten treffen, und nicht jede von ihnen beherrscht das Stricken.
Innerhalb kürzester Zeit ereignen sich zwei Dinge, die Georgias geregelten Alltag gewaltig durcheinander wirbeln. Dakotas Vater James, der seine Geliebte und die noch ungeborene Tochter vor 13 Jahren verlassen hat, steht plötzlich wieder vor der Türe, und ihre frühere Freundin, die inzwischen reiche und exzentrische Catherine kreuzt auf, um sich von Georgia ein Modellkleid stricken zu lassen. Beiden steht Georgia misstrauisch gegenüber, denn zu sehr wurde sie damals von ihnen enttäuscht.

Nicht nur passionierte Strickerinnen werden dieses Buch gerne lesen, denn das Thema Handarbeit bildet zwar eine ansprechende Atmosphäre, ist aber für die Geschichte nicht ausschlaggebend. Im Vordergrund stehen die Schicksale, die hier zueinander gefunden haben. Anfangs herrscht zwischen den sehr verschiedenen Frauen nicht immer eitel Sonnenschein, aber mit der Zeit lernen die Protagonisten, sich gegenseitig zu akzeptieren und Verständnis für die Probleme der anderen zu haben. Zu Beginn des Romans zog sich die Handlung etwas zäh dahin, wurde aber dann doch fesselnd und nahm an Tempo zu. Die Charaktere sind größtenteils sehr ausführlich beschrieben, und manche habe ich beim Lesen gleich ins Herz geschlossen. Andere wirkten auf mich etwas überspannt und blieben mir fremd.

Interessant an dem Buch finde ich, dass zwischen den Abschnitten immer wieder Erklärungen zum Fertigen eines Strickstücks eingefügt sind, die weniger dazu gedacht sind, nachgearbeitet zu werden, sondern einen direkten Vergleich mit der Handlung darstellen, denn auch in der Welt der Protagonisten gibt es einen roten Faden, müssen Maschen aufgenommen, Fehler behoben oder schwierige Stellen gemeistert werden, eben wie im richtigen Leben.
Ein wenig gestört hat mich zwischendurch die eigentlich typisch amerikanische Art der Problembewältigung, wo alles analysiert, therapiert und möglichst in der Öffentlichkeit bis ins Detail debattiert werden muss.

Das Ende ist ganz anders als vielleicht erwartet und lässt den Leser traurig und nachdenklich zurück. Inzwischen gibt es eine Fortsetzung mit dem Titel „Umgarnt“, wo man mit 5 Jahren Zeitabstand erfährt, wie es den einzelnen Romanfiguren weiter ergangen ist. Auch wenn mich dieses Buch nicht absolut begeistert hat, bin ich doch neugierig und werde wohl um den Folgeband nicht herum kommen. ;-)

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