Dienstag, 5. April 2011

Die Spucke des Teufels - Ella Theiss




Klappentext:
Lisbeth, Wirtin des Gasthauses zum Ochsen, hat gerade ihren Mann beerdigt, da quartieren sich preußische Gardisten bei ihr ein. Der Lohn: ein Sack Kartoffeln, eine Frucht, deren Triebe giftig sind und die als ungenießbar gilt. Zudem ächtet der Pastor Kartoffeln als „Spucke des Teufels“, während dagegen Friedrich II., der König von Preußen, seinem Volk die nahrhafte Knolle schmackhaft machen will.
Lisbeth lernt, mit der Frucht umzugehen, doch mit anderem kann sie sich nicht abfinden: Major Kreutzer glaubt, die schöne Wirtin als sein Eigentum betrachten zu können, ein fünfjähriges Mädchen landet im Freudenhaus, seinem dreizehnjährigen Bruder droht als Deserteur die Hinrichtung und der fahrende Barbier Jost wird der Landesgrenzen verwiesen. Durch die Hilfe des Müllers Willem scheint sich alles zum Guten zu wenden, aber dann wird Lisbeth von ihrer Vergangenheit eingeholt…Mit Verve und sehr amüsant erzählt Ella Theiss von einer Frau des 18. Jahrhunderts, die über Leichen geht, um ein unabhängiges Leben führen zu können, und von den Bemühungen Friedrichs II., in Deutschland die Kartoffel heimisch zu machen.

Über die Autorin:
Ella Theiss ist das Pseudonym von Elke Achtner-Theiß. Sie hat Germanistik und Sozialwissenschaften studiert und arbeitet heute als freie Redakteurin und Fachjournalistin überwiegend zum Themenkreis Ernährung. Sie ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und lebt in der Nähe von Darmstadt. Die Spucke des Teufels ist ihr erster Roman.

Meine Meinung: * * * * *

Es ist das Jahr 1775 im November. In Lissabon bebt die Erde und zerstört weite Teile der Stadt. Die Katastrophe hat weit reichende Ausläufer. Auch in Hassum am Niederrhein sind Erdstöße spürbar.
In dieser Zeit wird die junge und schöne Lisbeth zur Witwe. Ihr brutaler Mann, der Ochsenwirt, stirbt an der Ruhr und hinterlässt ihr ein gut gehendes Gasthaus. Die junge Frau beschließt, dieses alleine weiterzuführen. Ganz auf sich gestellt, muss sie sich im täglichen Leben mit allen möglichen Widrigkeiten "herumschlagen", was teilweise wörtlich genommen werden kann. Preußische Soldaten beziehen bei ihr Quartier, und ganz besonders der unsympathische Major Kreuzer setzt der jungen Frau arg zu.
Im Zwiespalt zwischen der christlichen Lehre und altem Aberglauben verlässt sich Lisbeth bei ihren Problemen am liebsten auf den Rat der Verstorbenen, die ihr als hilfreiche Geister erscheinen, so zum Beispiel ihre alte Mutter, die heilige Irmgard von Aspel oder ein Indianer, der sie sogar in der richtigen Zubereitung der „Tartoffeln“ unterweist, wie die Erdknolle damals genannt wird.
Mit den Kartoffeln hat der Preußenkönig Friedrich II. seine liebe Not, will er sie doch im Niederrheingebiet heimisch machen. Allerdings beobachtet sowohl die Kirche als auch die Bevölkerung das neue Gemüse mit großem Misstrauen und sind gar nicht erbaut vom königlichen „Kartoffelbefehl“, bezeichnet doch der Pfarrer die unscheinbare Knolle sogar als „Spucke des Teufels“.
Zum direkten Handlungsverlauf möchte ich mich nicht weiter äußern, um der Geschichte nichts von ihrer Spannung zu nehmen. Es sei nur so viel gesagt, hier lohnt es sich, zwischen den Zeilen zu lesen, denn dort offenbart sich dem Leser so manche Überraschung.
Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen. Schon die Einbandgestaltung mit der Kartoffelpflanze finde ich sehr ansprechend. Es liest sich sehr kurzweilig, in einem Stück weg. Die Autorin schildert die Handlung aus wechselnden Blickwinkeln der Protagonisten. Interessant fand ich, dass zwischendurch mehrere Auszüge aus einem Tagebuch auftauchen, welche an unterschiedlichen Stellen und zu ganz verschiedenen Zeiten "entdeckt" wurden. Sie alle runden das Bild ab und stammen eindeutig aus der Feder des fahrenden Barbiers Jost. Der Umgangston, welcher zeitweilen recht derb ist, wirkt hier einfach stimmig und sehr authentisch. Die Leute reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Manche Szenen wirken grotesk und etwas makaber, aber alles passt zum Gesamtbild, das die Autorin, teilweise mit bissigem Humor, von der damaligen Zeit gezeichnet hat. Wie sie selbst im Nachwort ausführlich erklärt, kam es ihr nicht unbedingt auf die korrekte Wiedergabe historischer Ereignisse an, sondern sie hat ihre künstlerische Freiheit genutzt und einige Daten sowie Ereignisse zu ihrem Zweck verändert oder auch frei erfunden.
Aus ihrer eigenen Versuchsküche stammen auch die "alten" Rezepte, die zwischendurchauftauchen und die Speisen wiedergeben, welche Lisbeth ihren Gästen im Ochsen serviert. Sie machen den Roman zu einem ganz besonderen Schmankerl, deftig und delikat, wie ein gut gewürzter Kartoffeleintopf.

Mein herzlicher Dank für die Überlassung eines Rezensionsexemplars
geht an den Grafit-Verlag



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