Sonntag, 7. Mai 2017

Die fremde Königin - Rebecca Gablé

Es war mir eine Ehre, bei der Vorab-Leserunde zu diesem großartigen Roman dabei sein zu dürfen.


In „Die fremde Königin“ widmet sich Rebecca Gablé zum zweiten Mal der deutschen Geschichte zur Zeit Ottos I. Seit dem Ende des vorherigen Romans „Das Haupt der Welt“ sind zehn Jahre vergangen. Bei der „fremden Königin“, um die es in diesem zweiten Buch geht, handelt es sich um keine geringere als um Adelheid von Burgund,die später eine Ehe mit Otto I. eingeht.

Alles beginnt mit Adelheids Flucht aus der Gewalt des Markgrafen Berengar von Ivrea, der sie, nach dem Tod ihres Mannes Lothar von Italien, gefangen hielt, weil er beabsichtigte, die junge Witwe mit seinem Sohn Adalbert zu verheiraten.
Die Handlung des Romans dreht sich in erster Linie um die Entstehung dieser mächtigen Verbindung und um das Leben und Wirken des Königspaars und hält sich eng an die historischen Tatsachen. Die Leser begleiten Otto und Adelheid über einen Zeitraum von knapp elf Jahren, bis zu ihrem Italienzug und der Krönung zum Kaiserpaar. Es ist eine ereignisreiche Zeit bis dahin, denn Otto muss nicht nur die Grenzen seines Reichs gegen immer wiederkehrende Einfälle der Ungarn und slawischer Volksstämme schützen, sondern es kommt auch ständig zu Spannungen innerhalb der Familie, denn durch die Heirat mit Adelheid sieht Ottos ältester Sohn Liudolf sein Anrecht auf die Thronfolge gefährdet. Gefahr droht ihm in dieser Hinsicht auch durch Ottos Bruder Heinrich, der ständig intrigiert und einen viel zu starken Einfluss auf den König hat. Diese politischen Geschehnisse und Verwicklungen sowie Ottos Beschlüsse und Reaktionen darauf kann der Leser aus nächster Nähe mitverfolgen. Nicht nur im Roman, sondern auch von Historikern belegt, ist bei vielen Entscheidungen Ottos ein maßgeblicher Einfluss Adelheids anzunehmen. Sie ist eine starke, interessante Persönlichkeit und ging nicht umsonst als eine der mächtigsten Frauen in die deutsche Geschichte ein.

Aber wie man es von Frau Gablé gewohnt ist, hat auch ihr neuester Roman wieder einen fiktiven, ganz besonderen Helden. Diesmal ist es Gaidemar, der Bastard, der zu Ottos Panzerreitern gehört und ausgesandt wurde, um Adelheid bei ihrer Flucht vor Berengar zu helfen und sie in Sicherheit zu bringen. Von da an ist er der Vertraute der Königin und ihr treuester Gefolgsmann, nicht gerade zur Freude Ottos, dem der junge Mann ein Dorn im Auge zu sein scheint. Was dahinter steckt und dass diese Vorbehalte ihren Ursprung in familiären Verbindungen haben, erfährt man erst im Lauf der Geschichte ausführlicher. Gaidemar vereint alle Eigenschaften, die man sich von einem Helden der damaligen Zeit erwartet. Er ist bescheiden und tapfer, ein Raubein mit einem großen Herzen, kurz gesagt, ein Ritter ohne Furcht und Tadel. Er ist im Roman meine Sympathiefigur, und sein Schicksal ging mir stets besonders nahe.
Wie meist in den Romanen der Autorin, so sind die fiktiven Charaktere neben den historischen Persönlichkeiten in der Minderzahl. Die Kombination aus Realem und Erdachtem ist wieder bestens gelungen, und entstanden ist ein mitreißender Roman mit hohem Unterhaltungswert, zugleich aber auch mit einem großen Fundus an geschichtlichem Wissen. Wie die Teile eines großen Puzzles, so greifen auch hier wahre und erfundene Begebenheiten harmonisch ineinander und bilden ein perfektes Ganzes, und so kommt es nicht von ungefähr, dass Gaidemar mit den Großen der Geschichte auf Du und Du ist und sich sein Lebensweg mit den realen historischen Daten perfekt ergänzt.

Ich habe schon viele Romane von Rebecca Gablé gelesen, und ich liebe sie alle, denn von ihrem eindrucksvollen Schreibstil bin ich immer wieder fasziniert. Sie haucht den Charakteren Leben ein, und für trockene Geschichtsdaten schafft sie eine farbige Atmosphäre. Da gibt es bewegende Momente, aber auch der für die Autorin typische feine, hintergründige Humor kommt nicht zu kurz. Einfach nur von „Kopfkino“ zu sprechen, wäre bei Frau Gablés Romanen stark untertrieben, denn hier bekommt man einen wahren Monumentalfilm für die Phantasie geliefert und sitzt quasi in der vordersten Reihe.


Wie schon von früheren Romanen der Autorin gewohnt, findet man auch diesmal eine lange Personenliste im Buch. In einem ausführlichen Nachwort geht Frau Gablé noch auf ein paar Besonderheiten ein und informiert über Dichtung und Wahrheit. Jürgen Speh hat auch diesmal die ausdrucksvollen Illustrationen gezeichnet, die eine Bereicherung des Buchdesigns darstellen und mittlerweile einfach dazu gehören.

😍😍😍😍😍


Goethe und des Pudels Kern - Andreas Venzke


Das relativ schmale Büchlein ist in der Arena Bibliothek des Wissens erschienen und gehört zur Reihe "Lebendige Biographien". Hier werden berühmte Personen ihrer Zeit vorgestellt, in diesem Fall ist es Johann Wolfgang von Goethe.
Das Buch bietet einen relativ knapp gefassten Abriss zum Leben des großen Dichters. Das Besondere an den Büchern dieser Reihe ist, dass sie in der ersten Person geschrieben sind, was hier den Eindruck entstehen lässt, Goethe würde höchst persönlich über sein Leben erzählen. Humorvolle Illustrationen von Klaus Puth lockern das Geschriebene zusätzlich auf. Die Bücher dieser Reihe sind in erster Linie für Jugendliche gedacht, aber ich finde, auch als Erwachsener und "Einsteiger" kann man hier viel Neues über historische Persönlichkeiten erfahren. 
Die wichtigsten Ereignisse bekommt man hier auf jeden Fall geboten. Zwischen den Ich-Erzählungen, die eher im lockeren Plauderton geschrieben sind, finden sich immer wieder Abschnitte mit den historischen Eckdaten und Tatsachen zur Person, stets auch ergänzt durch Fotos von alten Gemälden, die in irgend einer Weise etwas mit dem Dichter, seinem Umfeld und seinen Werken zu tun haben. 
So hat man am Ende einen guten Überblick. Ein Glossar und eine Zeittafel runden das Wissen zu Goethe ab. Von der Geburt bis zum Tod findet man dort die wichtigsten Lebensdaten auf einen Blick.
Das Büchlein kann wirklich nur einen Überblick geben und nicht in die Tiefe gehen. Wer sich ausführlicher mit Goethe auseinandersetzen möchte, der wird sicher zu umfangreicheren Werken greifen, aber für einen ersten Eindruck sind diese knappen und kurzweiligen Biographien wirklich gut geeignet. Die lockere und amüsante Gestaltung wirkt sicher gerade auf ältere Kinder und Jugendliche besonders einladend, und wenn es dieses Büchlein schafft, einigen jungen Menschen den großen Dichter Goethe ein wenig näher zu bringen, dann hat es seine Aufgabe schon bestens erfüllt. Auch ich konnte hier noch so manches an Neuem zu Goethe und seiner Zeit erfahren, obwohl ich der eigentlichen Zielgruppe schon sehr lange entwachsen bin. Ich bin durch dieses Buch auf den Geschmack gekommen, denn mir gefällt die unkomplizierte Art der Wissensvermittlung, und sicher werde ich mir noch weitere dieser kleinen Biographien ansehen.

👍👍👍👍

Donnerstag, 4. Mai 2017

Die heimliche Heilerin und die Toten - Ellin Carsta



Zu Beginn dieses dritten Bandes um die heimliche Heilerin sind wieder sieben Jahre ins Land gegangen. Man schreibt inzwischen das Jahr 1402, und Madlen lebt mit ihrer Familie in Köln. Eines Abends erscheint ein Bote des Erzbischofs am Haus der Goldmanns, mit der Bitte, die „heimliche Heilerin“ soll zu einer Frau kommen, die kurz vor der Niederkunft steht. Als Madlen bei dem verlassenen Haus ankommt, wo sie die Frau in den Wehen vorfindet, hat sie gleich den Eindruck, dass hier etwas nicht stimmt. Ihre Ahnung bewahrheitet sich, als kurz nach der Geburt fremde Männer ins Haus eindringen und Madlen das neugeborene Mädchen aus den Armen reißen. Sie merkt schnell, dass auch das Leben der Mutter und ihr eigenes in Gefahr sind, und sie fragt sich, was der Erzbischof mit der ganzen Sache zu tun hat. Madlen versucht, der Wöchnerin zu helfen und gerät dabei in einen Strudel tragischer Ereignisse, die ihr ganzes Leben komplett auf den Kopf stellen.

Der erste Band um die heimliche Heilerin hat mir sehr gut gefallen. Band zwei war ebenfalls gut, kam aber nicht ganz an den ersten heran. Dieser dritte Teil jedoch ist wirklich das Tüpfelchen auf dem i. Madlens Schicksal ist so packend erzählt, dass man den Roman in einem Stück lesen möchte und kaum zu Atem kommt. Die Ereignisse im Leben der heimlichen Heilerin überstürzen sich, und auch wenn sie viel Leid erfährt, so bringt das Schicksal sie doch ihrem Lebenstraum näher. Sie muss wieder einmal fliehen und geht nach Italien, wo sich ihre Bestimmung erfüllt.

Die Charaktere, die einem im Lauf der Geschichte begegnen, sind allesamt glaubhaft und ausführlich dargestellt. Von allen drei Bänden ist dieser dritte der dünnste, was die Seitenzahl betrifft, dafür umfasst er aber von allen Bänden den größten Zeitraum, denn diesmal begleiten wir Madlen über sechs Jahre ihres Lebens. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen während dieser Zeit sind besonders vielfältig und verschiedenartig, was den Roman zu einem sehr kurzweiligen Leseerlebnis macht. Wenn ich das schlüssige und zufriedenstellende Ende dieses Romans betrachte, gehe ich davon aus, dass es bei dieser Trilogie bleiben wird. Ich kann mich natürlich auch irren und wäre ganz sicher nicht abgeneigt, auch weitere Bände über Madlen und ihre Familie zu lesen.  

👍👍👍👍👍


Mittwoch, 3. Mai 2017

Nur Mut, kleiner Drache! - Kristin Lückel (Autorin), Regine Altegoer (Illustratorin)


Hugo ist ein ganz normaler Drachenjunge...naja, fast! Sein Problem ist, dass er vor allen möglichen Dingen Angst hat. Beim Flugunterricht fürchtet er sich vor dem Abstürzen, er hat Angst vor der Dunkelheit, vor Gewitter, vor kaltem Wasser und auch vor Feuer, wobei letzteres für einen Drachen schon ungewöhnlich ist, so dass er auch beim Feuerwettspucken versagt. Die anderen Drachenkinder verspotten ihn, und das macht Hugo sehr traurig.
Alles wird anders, als Hugo eines Tages die kleine Fledermaus Freddy kennenlernt. Seinem neuen Freund kann er sein Herz ausschütten, und siehe da, geteiltes Leid ist halbes Leid, und so manche Gefahr wirkt plötzlich gar nicht mehr so bedrohlich. Hugo erfährt, dass er nicht der einzige ist, der sich vor etwas fürchtet, sondern dass jeder irgendwelche Ängste hat und dass dies ganz normal ist.


Der einfühlsame Text von Kristin Lückel und die liebevollen Bilder von Regine Altegoer haben hier zu einem wundervollen Bilderbuch zusammengefunden. Für Kinder ist es tröstlich, zu erfahren, dass sich auch Drachen vor so vielem fürchten. Auch erfahren sie durch diese Geschichte, wie wichtig und schön es ist, Freunde zu haben, mit denen man alles teilen kann, sogar seine Ängste. Viele Ereignisse verlieren für den kleinen Drachen Hugo ihre Schrecken, weil er sie nicht alleine erlebt, sondern mit seinem Freund besprechen kann. Hugo lernt, sich den vermeintlichen Gefahren zu stellen und erlebt, dass vieles gar nicht so bedrohlich ist, wenn man sich näher damit beschäftigt und darauf einlässt. Kleine Kinder können viel Tröstliches aus dieser Geschichte mitnehmen, und sie erfahren, dass keiner frei von Furcht ist und dass es immer auf die Betrachtungsweise ankommt, ob man vor einer Sache Angst hat oder nicht.
Ein wundervolles, warmherziges Bilderbuch, das jeder kleine Angsthasedrache in seiner Bücherkiste haben sollte.

😍😍😍😍😍

Montag, 1. Mai 2017

Das war mein Lesemonat April 2017


Sehr üppig ist der April nicht ausgefallen, was das Lesen angeht. Ich habe fünf Bücher gelesen, eines davon ein Bilderbuch, das seitenmäßig nicht sehr zu Buche schlägt. Der dickste Roman war "Die fremde Königin", und das ist auch mein Monats-Highlight. Rebecca Gablé schafft es einfach immer, mich von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Meine Rezension folgt im Lauf dieser Woche. Überhaupt bin ich mit meinen Rezensionen ziemlich im Verzug, so dass ich noch vier nachreichen muss, aber die Tendenz hat sich auch in den vergangenen Wochen fortgesetzt, dass es mir ständig an Lesezeit fehlte. Letztendlich sind es dann 1637 Seiten gewesen und damit der bisher schwächste Monat des Jahres. 
Aber was ich gelesen habe, war durchgehend gut bis sehr gut; es gab glücklicherweise keine Enttäuschung.


Meine Neuzugänge haben sich im April auch sehr im Rahmen gehalten. "Nur" 3 Bücher sind bei mir eingezogen, alle standen schon länger auf meiner Wunschliste. 
Die Bücher von Antoine Leiris und Eva Baronsky, links und in der Mitte, habe ich bei Tauschticket ergattert, "Turquoise" von Sabine Tetzner ist mir beim Einkaufen quasi ins Körbchen gehüpft. 😉

So, das war mein Lesemonat April, relativ "kurz und knackig" 😉
Ich wünsche euch einen schönen, sonnigen und lesereichen Mai mit vielen tollen Büchern.