Freitag, 15. März 2013

Herr der Fliegen - William Golding

Buchclub Mitglieder-Exklusivausgabe
Umschlaggestaltung: Klaus Dempel

Nach einem Flugzeugabsturz können sich die Überlebenden auf eine einsame Insel im Pazifik retten. Es handelt sich um eine Gruppe englischer Schuljungen zwischen sechs und zwölf Jahren. Da kein Erwachsener überlebt hat, sind die Kinder auf sich gestellt. Schnell stellt sich die Frage nach einem Anführer. In der Hoffnung auf Rettung stellt Ralph, einer der älteren Jungen, klare und vernünftige Regeln auf. Er fordert, dass sie zusammen Hütten bauen und ein Signalfeuer unterhalten sollen. Aber diese sinnvollen Maßnahmen werden nicht von allen Kindern akzeptiert. Es kommt zum Streit, keiner fühlt sich wirklich zuständig, und letztendlich schließen sich viele Ralphs Rivalen Jack an, der sie auf die Jagd führt, um Schweine zu erlegen, was er für die wichtigste Tätigkeit überhaupt hält.
Bald gerät das Zusammenleben außer Kontrolle, die gerade entstandene Ordnung wird zerstört, und das anschließend entstehende Chaos fordert sogar Menschenleben.

William Golding hat eine Extremsituation geschaffen und seine Protagonisten dabei beobachtet, was sie daraus machen. Das Zusammenleben der Kinder wirkt anfangs so harmlos, jeder von ihnen ist bemüht, das Beste aus der Situation zu machen und zu hoffen, dass irgendwann Rettung naht. Doch schon bald eskaliert die Lage, und viele der Jungen schließen sich Jack an, was gut zu der These passt: „Wer schreit hat Recht“, denn eindeutig hat Jack das größere und lautere Mundwerk. Die anfängliche Ordnung zerfällt und endet in einer tödlichen Massenhysterie.
Die Geschichte ist voller bildhafter Vergleiche und Parabeln und in ihrer Art brutal und schonungslos. Dass die Kinder so völlig undiszipliniert und hemmungslos handeln, ist sicher auch in gewisser Weise durch die Ängste jedes Einzelnen bedingt, die so mancher mit Aggressivität zu vertreiben versucht. Den eigentlichen Inhalt findet man zwischen den Zeilen.
Es ist ein sehr tiefgründiger, vielschichtiger Roman, über den sich schon Generationen von Schülern den Kopf zerbrochen haben. Das Buch regt zum Nachdenken an und ist geeignet dem Leser eine schlaflose Nacht zu bescheren.Die Handlung ist beklemmend und beeindruckend, wobei ich jedoch gewisse Zweifel habe, ob die Ordnung im realen Ernstfall tatsächlich so völlig zerstört würde, wie in dem Buch geschildert ist.

Allerdings muss ich mich der Kritik anschließen, die immer wieder laut wird. Einige Textstellen sind irritierend und wirken sprachlich seltsam, was jedoch wohl nicht im Sinn des Autors war, sondern anscheinend an der stellenweise nicht so gelungenen Übersetzung liegt. Das ist ein guter Grund, diesem Roman noch eine weitere Chance zu geben und ihn in der Originalsprache zu lesen, denn dann kommt sicher der Eindruck noch besser zur Geltung, den der Autor vermitteln wollte.

Meine 3-Sterne-Bewertung bezieht sich ausschließlich auf die deutsche Übersetzung


Mittwoch, 13. März 2013

Ostern mit Peter Hase - Beatrix Potter


Mit diesem bezaubernden Popup-Bilderbuch werden schon die ganz Kleinen ihre Freude haben. Zusammen mit Peter Hase machen sich die Betrachter an die Vorbereitungen fürs Osterfest. Klappbare Elemente im Buch ermöglichen ganz besondere Einblicke, beispielsweise in den Hasenbau, wo die Hasenkinder und ihre Mama gerade beim Basteln und Dekorieren sind.
Peter Hase geht einkaufen und trifft seine Freunde. Im Garten von Herrn Gregor stibitzt er ein paar Rüben. Jemina Pratschel-Watschel sucht ihre Kleinen. Wo haben sich die Entchen versteckt? Peter Hase findet nicht nur die Entenkinder, sondern auch so manches Osterei.
Es gibt viel zu entdecken in diesem schönen Buch. Durch Aufklappen verschiedener Bildteile und Ziehen an den Laschen finden die kleinen Betrachter so manche Überraschung und können dem Hasenkind Peter helfen, alle versteckten Eier einzusammeln.


Beim Umblättern entfaltet sich sogar eine Landschaft, mit vielen Bäumen, Sträuchern und Tieren. Ganz nebenbei wird auch schon das Zählen bis 10 geübt.
Auf den liebevollen und detaillierten Zeichnungen gibt es noch viel zu erkunden, und man kann das Buch immer wieder zur Hand nehmen und sich daran erfreuen. Beim Betrachten ergibt sich sicher so manches Gespräch mit den Kindern, denn viele Tiere und Pflanzen, die hier fein und detailliert gezeichnet sind, können sie auch bei einem Spaziergang sehen und wieder erkennen.
Auch als Basis für Suchspiele (beispielsweise „Ich sehe was, was du nicht siehst“) ist das Büchlein gut geeignet. Der Text der kleinen Geschichte ist eher kurz gehalten und überfordert daher nicht die Geduld der Jüngsten.
Nicht nur kleine Kinder lieben Peter Hase, sondern auch Bilderbuchsammler jeden Alters werden sich an dieser Neuerscheinung erfreuen. Das Buch ist das ideale Ostergeschenk für alle großen und kleinen Fans von Peter Hase. 

Vielen Dank an den Sauerländer Verlag für dieses schöne Rezensionsexemplar.

Dienstag, 12. März 2013

Challenge "Die dunklen Tage" - Endergebnis

Noch drei Tage, und die Challenge "Die dunklen Tage" geht zu Ende. Ich habe auf meiner Challenge-Seite laufend darüber berichtet, und hier nun das Endergebnis. Zu allen 10 Punkten habe ich mindestens ein Buch gelesen, bei einigen Aufgaben waren es mehr. Insgesamt habe ich für diese Challenge 16 geeignete Bücher geschafft. Es hat Spaß gemacht, und es ist immer wieder schön, eine Challenge erfolgreich abzuschließen.

15. September 2012 bis 15. März 2013

Mindestens 10 Bücher sollen in diesem Zeitraum gelesen werden und folgende Themen gibt es:
Ziel der Challege ist, innerhalb der dunklen Monate mit den gelesenen Büchern alle zehn Vorgaben mindestens einmal zu erfüllen, jederzeit aber auch mehrfach.

1. Ein herbstliches Cover
Es wird kühler, die Tage werden kürzer, da ist es Zeit etwas herbstliches zu lesen. Vielleicht viele Blätter auf dem Cover oder einfach nur Herbstfarben?

Ines Thorn: Frevlerhand
Charlotte Freise: Kaltes Herz

2. Ein Buch mit dem Thema Schatten 
Die Tage werden kürzer und die Schatten immer länger. Lasst uns prüfen, wie lang!
(egal ob Cover, Titel oder Inhalt)

Katryn Berlinger: Im Schatten der Olivenbäume


3. Ein schwarzes/sehr dunkles Cover 
Dunkel und trüb geht es weiter auf den Winter zu,
was passt da besser als ein tristes Buch mit schwarzem Cover?

J.J. Bidell: Im Schatten des Mondlichts - Das Erbe
Rebecca Michéle: Der Tod schreibt mit
Gabriella Wollenhaupt: Blutiger Sommer

4. Buch mit dem Thema Schnee
Und schon ist es Winter. Mummelt euch in die Decke ein und lest etwas, dass euch in eine verschneite Winterlandschaft entführt (egal ob Cover, Titel oder Inhalt)
Frostzauber
 

 5. Ein Buch mit Sternen
In den klaren Winternächten sind die Sterne am Himmel besonders gut zu sehen ...auf oder im Buch vielleicht auch? Auch hier ist es Egal ob auf dem Cover, im Titel oder inhaltlich.

Jando: Sternenreiter


6. Ein weihnachtliches Buch oder ein Märchenbuch
Der Lichtblick in den Wintermonaten ist eindeutig Weihnachten. Lest etwas weihnachtliches oder etwas märchenhaftes. (Cover, Titel oder Inhalt)

Petra Schier: Der himmlische Weihnachtshund
Petra Oelker: Drei Wünsche


7. Licht auf dem Cover 
Mit Beginn des neuen Jahres werden die Tage wieder länger und das Licht traut sich sicher auch irgendwann wieder heraus. Jetzt ist die Zeit um sich mit etwas Licht wieder auf Fröhlicheres einzustimmen.Das kann eine Laterne sein, oder die Sonne oder eine Lagerfeuer ... lasst eurer Fantasie freien Lauf!

Elke Becker: Ticket ins Glück
Isabel Beto: An den Ufern des goldenen Flusses
Beate Maly: Das Sündenbuch


8. Titel mit Bezug zum Licht 
Wenn wir schon das Licht anlocken wollen, dann sollten wir es auch beim Namen nennen ... und Wortspielereien gibt es da viele ;) 

Sophie Jordan: Firelight 2, Flammende Träne


9. Ein weißes/sehr helles Cover
Juhuu, es ist da! Das Licht strahlt wieder und damit wird es Zeit, ein Buch mit einem weißen oder sehr hellen Cover herauszusuchen, das sicher schon den ganzen Winter auf seinen Einsatz wartet.

Art Bechstein, Julia Grün: Was haben Schmetterlinge im Bauch...



10. Ein Frühlings- oder Sommerbuch
Zum Abschluß darf es dann noch etwas zur Aufmunterung sein. Lest ein Buch, dass den Frühling oder den Sommer zum Thema hat um nach dem Winter wieder richtig in Schwung zu kommen!
(egal ob Cover, Titel oder Inhalt)

In dieser ganz besonderen Nacht - Nicole C. Vosseler


Nach dem Tod ihrer Mutter zieht die 16-jährige Amber zu ihrem Vater nach San Francisco. Zu ihrer tiefen Trauer kommt die Wut, dass sie ihre gewohnte Umgebung und ihren Freundeskreis in Deutschland verlassen muss. Ted, ihren Vater, kennt sie nur von kurzen Besuchen. Obwohl er sich alle Mühe gibt, ein guter Vater zu sein und ihr mit viel Verständnis entgegenkommt, ihr aber gleichzeitig auch den nötigen Freiraum lässt, fällt es Amber schwer, ihm völlig zu vertrauen und sich in der neuen und fremden Umgebung einzugewöhnen.
Nur langsam findet sie neue Freunde. Auf der Flucht vor ein paar zwielichtigen Gestalten versteckt sie sich eines Tages in einem leer stehenden alten Haus. Dort begegnet sie einem ungewöhnlichen jungen Mann. Bei Nathaniel findet sie Verständnis für ihren Kummer und ihre Einsamkeit. Geistig und seelisch kommen sich die Beiden bald sehr nahe, aber selbst kleinsten Berührungen weicht Nathaniel aus. Als Amber den Grund erfährt, erkennt sie, dass es für sie und Nathaniel keine normale Freundschaft geben kann, denn ihr Geliebter hat in einer anderen Zeit gelebt und existiert nun als Geist. Obwohl er für Amber real und greifbar erscheint, ist nur seine Aura spürbar. Die Erkenntnis, dass sie nie zueinander kommen können, belastet beide sehr, aber es gibt eine einzige Nacht, in der alles anders ist und das Unmögliche wahr werden kann. Doch nach dieser Nacht müssen sie feststellen, dass der Preis für ihr Glück unmenschlich hoch ist.


Mit ihrem aktuellen Buch beschreitet Nicole C. Vosseler ganz neue Pfade, was das Genre betrifft; bisher kannte ich nur ihre historischen Romane.
Im Mittelpunkt dieses Romans steht die Geschichte von Amber und Nathaniel. Mag man dem Prolog glauben, nimmt sie einen tragischen Verlauf, denn gleich im ersten Absatz spricht Amber über ihren eigenen Tod. Mehr möchte ich zum Handlungsverlauf gar nicht sagen, denn darauf sollte sich jeder selbst einlassen.
Man lernt San Francisco durch Ambers Augen kennen und begleitet sie bei ihren ersten Streifzügen. Mir haben die lebendigen, brillanten Beschreibungen der verschiedenen Schauplätze sehr gefallen, und man spürt in jedem Satz den Enthusiasmus der Autorin für diese schöne und auch ein wenig geheimnisvolle Stadt. Die alten Gebäude, die sie beschreibt, sind die idealen Schauplätze für diesen Roman.
Bald findet Amber neue Freunde, die alle auf ihre Art etwas Besonderes darstellen und alle sehr intensiv und liebenswert charakterisiert sind. Mit Einfühlungsvermögen und Sympathie können sie Amber helfen, in ihrer neuen Heimat Fuß zu fassen, und auch bei ihrer Trauerbewältigung und Neuorientierung geben sie ihr Halt, denn Ted gegenüber kann sie sich noch nicht öffnen, obwohl sie deutlich spürt, dass ihr Vater sie liebt und sich um sie sorgt.
Als Amber in dem alten Haus Nathaniel kennen lernt, ist es um sie geschehen. Die starke Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit. Ihre tragisch-schöne Liebesgeschichte ist eingebettet in die bildreichen und ausdrucksstarken Beschreibungen San Franciscos. Die Autorin vermittelt sehr eindrucksvoll die Atmosphäre, Stimmungen und jede Menge Lokalkolorit. Zusammen ergibt alles ein vielschichtiges Potpourri, in das man nur allzu gerne eintauchen möchte. Ich liebe den Schreibstil und die Schilderungen der Autorin, die in ihrer Detailgenauigkeit einen umfassenden und lebendigen Eindruck der Schauplätze vermitteln.  Nicole C. Vosseler hat ein perfektes Gespür dafür, alles so zu beschreiben, dass sich der Leser einbezogen fühlt und fast den Eindruck hat, selbst mitten im Geschehen zu sein.
Hier ist ihr wieder ein phantastischer, packender Roman gelungen, der zum Mitfiebern, Mitfühlen und Weiterspinnen einlädt und deutliche Langzeitspuren im Gedächtnis hinterlässt.
Dabei ist er nicht nur für die jugendliche Zielgruppe interessant, sondern wird sicher auch ältere Leser in seinen Bann ziehen.


Freitag, 8. März 2013

Meine Suche nach der besten Pasta der Welt - Stefan Maiwald


Eine Abenteuerreise durch Italien

Klappentext:
Vom Bratkartoffel-Desaster ins Pasta-Paradies

Ein Mann, eine Mission: Der Journalist Stefan Maiwald hat sich in eine Italienerin verliebt und ist in den Süden gezogen. Lebt er jetzt im Schlaraffenland? Nein, denn in Italien sind es die Männer, die ihre Kochkünste beweisen müssen. Also begibt sich der kulinarische Analphabet auf eine mundgerechte Bildungsreise. Von Venedig über Bologna und Neapel bis nach Sizilien führt ihn seine Suche nach dem besten Teller Spaghetti. Und um am Ende selbst die strenge Schwiegermutter mit seinem Können zu beeindrucken, war ihm kein Weg zu weit:
6.500 Autokilometer
320 Teller Nudeln,
fünf rohe Seeigel,
zwei Päpste und
ein kaputter Außenspiegel.

Mein Eindruck:
Stefan Maiwald nimmt uns mit auf eine lange, kulinarische Reise. Beginnend  im Friaul, wo er mit seiner Familie lebt, „arbeitet“ er sich durch die Pastaspezialitäten italienischer Küchen, bis in den Süden, nach Sizilien und wieder zurück. Mit seinen Schilderungen und seinem trockenen Humor trifft er bei mir genau den richtigen Nerv. Ich habe mich im wahrsten Sinn des Wortes „köstlich“ amüsiert. Aber nicht nur das, ich habe auch viel dazu gelernt. Einerseits erfährt man jede Menge Neues über die wichtigsten Pastaproduzenten des Landes und lernt neue Lokalitäten und ihre (manchmal ein wenig exzentrischen) Inhaber kennen, die man am liebsten so schnell wie möglich besuchen möchte, um selbst in den Genuss der feinen Gerichte zu kommen. Daneben kann der Autor aber auch mit einem fundierten Wissen über die Geschichte der Nudel und andere historische Begebenheiten aufwarten.
Obwohl Stefan Maiwald gesteht, dass er auch nach dieser Reise noch nicht kochen kann (denn das hat er unterwegs auch nicht getan, sondern nur gegessen), fügt er am Ende seines Buches noch zwei Rezepte an, die beide sowohl lecker als auch unkompliziert klingen. Eines davon hat er sogar höchst persönlich kreiert. Nachdem ich mir beim Lesen so viel Appetit geholt habe, kann ich gar nicht anders, ich muss diese Nudelgerichte ausprobieren.
Das Buch hat mir nicht nur Appetit auf Pasta gemacht, sondern auch meine Neugierde auf die anderen Bücher des Autors geweckt, und ich lasse mich gerne von ihm wieder einmal mit auf eine literarische Reise nehmen, wenn es darum geht, Italien zu erkunden.