Mittwoch, 26. August 2015

Wenn Amor nicht zuhört - Elke Becker


Laura, 26, ist eine Lehrerin mit hohen Idealen. Sie möchte den verwöhnten Kindern betuchter Familien das wahre Leben näherbringen. Darum bewirbt sie sich in einem Eliteinternat. Als sie eine Absage erhält, ist sie enttäuscht, wirft aber die Flinte nicht ins Korn, sondern nimmt eine Stelle als Erzieherin in New York an. Hier soll sie sich um Henry und Elise, die beiden Kinder der reichen Witwe Vera Sutton kümmern. Während des Flugs nach New York macht sie Bekanntschaft mit dem Stargeiger Adrian Anger. Der attraktive aber äußerst arrogante Mann sitzt zwangsläufig im Flugzeug neben ihr und zeigt sich von seiner allerschlechtesten Seite.
Missmutig stellt Laura fest, dass sich Adrians Apartment im gleichen Haus wie Vera Suttons Wohnsitz befindet und dass er zu allem Überfluss noch der Musiklehrer der beiden Halbwüchsigen ist, die sie von nun an betreut.
Lauras neuer Job ist eine wahre Herausforderung, denn besonders Elise macht es ihrer neuen Erzieherin nicht leicht. Laura muss sich gegen so manchen Streich der jungen Dame wappnen.
Dazu kommt, dass es ihr nicht gelingt, Adrian zu ignorieren. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege, und zu ihrer eigenen Verblüffung stellt Laura fest, dass er ihr nicht einerlei ist. Seine Musik berührt sie stärker als ihr lieb ist und zeigt ihr einen ganz anderen Adrian. Auch er findet mehr und mehr Gefallen an der deutschen Erzieherin, die seine Allüren nicht hinnimmt, sondern ihm durchaus Kontra gibt. Ihre energische Art imponiert dem Musiker. Aber dann schlägt sie ihm ein schier unmögliches Arrangement vor.

Elke Beckers aktueller Roman kommt leicht und locker daher und bietet dabei interessante Charaktere, tolle Schauplätze und eine kurzweilige Handlung, in der es nicht nur vor Spannung knistert, sondern wo auch ganz schön die Funken fliegen, wenn Laura und Adrian sich begegnen. Damit nicht genug, denn auch wenn die Handlung diesmal nicht so schicksalsschwer erscheint wie in manchen anderen Romanen der Autorin, so ist sie doch keineswegs oberflächlich. Laura hat es sich zur Aufgabe gemacht, reichen Kindern das wahre Leben nahe zu bringen, und dafür gibt sie vollen Einsatz. Im Umgang mit ihren Schützlingen findet sie genau das richtige Maß zwischen nötiger Konsequenz, Vorsicht, Einfühlungsvermögen und Humor. Aber mit ihrer offenen Art erobert sie nicht nur die Herzen der Kinder, sondern auch das des Geigers Adrian, der auf den ersten Blick so selbstgefällig wirkt. Zwischen ihm und Laura kommt es ständig zu Missverständnissen, die ihren Ursprung wiederum in der Voreingenommenheit beider Seiten haben. Obwohl die Handlung größtenteils heiter und leicht ist, hat sie doch auch ein Anliegen, denn sie vermittelt, dass der Schein oft trügt und dass man sich nicht von Vorurteilen leiten lassen soll, weil manches anders ist, als man anfangs meint.
Insofern unterhält der Roman nicht nur vorzüglich, sondern er gibt den Lesern auch Stoff zum Nachdenken. Die Leichtigkeit der Handlung in Kombination mit einigen wichtigen, interessanten Denkanstößen, gefällt mir sehr.



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