Donnerstag, 30. Juli 2015

Welche Medizin wollen wir? - Michael de Ridder



Klappentext:
Patientenwohl und Empathie statt Cash flow, Fallpauschale und Bettenpolitik

Die Medizin ist einem Wandel unterworfen. Das Wohl des Patienten ist aus dem Blickfeld geraten, stattdessen wird ärztliches Handeln mehr und mehr von ökonomischen Vorgaben geleitet. Auf der Strecke bleibt dabei vor allem die Zeit: Zeit für ein Gespräch, Zeit für Zuspruch in der Einsamkeit schwerer Krankheit, Zeit für die Erläuterung von Eingriffen, Zeit für die Bewältigung von Angst.
Michael de Ridders eindringliche Schilderungen – auch der Erlebnisse in Zusammenhang mit seiner eigenen Erkrankung – führen uns den eklatanten Mangel an Menschlichkeit im Patientenalltag vor Augen. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Arzt kann er den bedenklichen Zustand der Medizin und des Gesundheitssystems genau aufzeigen. Aber er weist auch den Weg in eine patientenfreundlichere Zukunft und macht deutlich, wie das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient wiederhergestellt werden kann.

Meine Meinung:
Arztpraxen, medizinische Einrichtungen und Kliniken müssen sich immer mehr an wirtschaftlichen Kriterien orientieren. Sie alle sind darauf angewiesen, dass sie Ertrag erbringen. Es mangelt häufig an Platz, und immer weniger Fachpersonal muss sich um immer mehr Patienten kümmern. Dabei bleibt jedoch oft der Mensch auf der Strecke.

Am eigenen Beispiel gibt Michael de Ridder Einblicke in die Entwicklungslaufbahn eines Arztes. Zwar werden Mediziner im Studium theoretisch umfassend und immer besser ausgebildet, aber die Praxis sieht dann doch meist ganz anders aus, und junge Ärzte müssen erst Erfahrungen sammeln, zwangsläufig am lebenden Objekt, also am Patienten. Auch das Fehlen von Zeit für den einzelnen Patienten ist ein kritischer Faktor.
Freimütig berichtet der Arzt und Autor von seinem Werdegang, den frühen Erfahrungen, die ihn geprägt haben, von seinen Selbstzweifeln, die ihn quälten.
Seine Ausführungen sind sehr selbstkritisch. Er hält mit seinem Standpunkt nicht hinter dem Berg und geht mit dem gesamten Medizinwesen und der Ärzteschaft ziemlich streng zu Gericht. Aber er kritisiert nicht nur, sondern er handelt. Er zeigt, was man tun kann, welche Veränderungen für eine menschenwürdige Medizin und Pflege nötig und welche Verbesserungen möglich sind.

Der langjährige Chefarzt plädiert in seinem informativen Buch für mehr Menschlichkeit und Empathie, und er gibt Empfehlungen und Anregungen, wie wir das Medizinwesen dahin gehend verändern können und müssen. Sein Schreibstil ist sachlich und für einen Laien manchmal fast etwas zu wissenschaftlich, dabei aber auch mit viel Einfühlungsvermögen. Insgesamt kann man auch als Nicht-Mediziner gut folgen, und die Botschaft, die der Autor vermitteln möchte, kommt auf jeden Fall klar zum Ausdruck.




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