Mittwoch, 5. März 2014

Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra


Kurzbeschreibung des Verlags:
Als Clay Jannon seinen Job als Webdesigner verliert, meldet er sich auf eine Stellenanzeige hin bei Mr. Penumbra, der in San Francisco eine alte, verstaubte Buchhandlung betreibt, die rund um die Uhr geöffnet ist. Clay übernimmt die Nachtschicht, und bald ist ihm klar, dass hier irgendetwas nicht stimmt: Die Kunden kaufen nichts, sondern leihen die Bücher nur aus, drei Stockwerke hohe Regale beherbergen riesige Folianten, die keine Texte beinhalten, sondern nur ellenlange Reihen aus Buchstaben. Nach und nach findet Clay heraus, dass Mr. Penumbra und seine Kunden einem uralten Geheimnis auf der Spur sind. Mit der Unterstützung seiner Freundin Kat und seines ältesten Kumpels Neel, sowie der Weisheit von Mr. Penumbra, macht sich Clay daran, dieses Geheimnis zu lüften. Ein Geheimnis, das bis in die Anfangszeiten des Buchdrucks zurückreicht.

Mein Eindruck:
Welcher Buchliebhaber würde sich nicht schon vom Design des Einbands verführen lassen! Das Bild auf der Vorderseite des Buches bietet einen ersten Eindruck davon, wie es in Mr. Penumbras Buchhandlung aussehen könnte. Der Ich-Erzähler beschreibt einen kleinen Raum, mit extrem hohen Regalen im hinteren Bereich: eine normale Buchhandlung - hochkant. Das Schild am Eingang „Durchgehend geöffnet“ weist schon auf etwas Außergewöhnliches hin. Und außergewöhnlich sind sie, sowohl die Buchhandlung als auch die Protagonisten dieses Romans. Man hat von Anfang an den Eindruck, in einer Welt voller liebenswerter Eigenbrötler gelandet zu sein. Alle Charaktere sind auf ihre Weise exzentrisch. Da gibt es die betagten, etwas verschroben wirkenden Kunden, die in Penumbras Buchhandlung kommen, um  die von Clay so genannten und geheimnisumwitterten „Ladenhüter“ auszuleihen. Andererseits sind da noch Clays Freunde, alle auf ihre Weise Nerds, die sich den modernen Medien und dem High Tech verschrieben haben und sich sehr engagiert ihren Jobs in der Computerbranche und im Internet-Business hingeben. Auf den ersten Blick zwei völlig verschiedene Welten, die der Autor jedoch in perfekter Weise in seiner Geschichte verschmelzen lässt. Robin Sloan schlägt in seinem Debütroman eine Brücke, zwischen uraltem Wissen, das in die Zeit der Anfänge des Buchdrucks zurückreicht und den aktuellen Kenntnissen unserer hoch technisierten Welt. Der Erzähler hält seine Leser ganz schön auf Trab. Er beschreibt einen Spagat zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Hier arbeiten moderne Technologien und alte Weisheiten nicht gegeneinander, sondern miteinander und füreinander. Es ist eine gesunde Grundhaltung, die dieser Roman vermittelt, denn was wären wir heute, hätte es nicht die Pioniere und Vorreiter früherer Jahrhunderte gegeben, die den Weg für den heutigen Wissensstand geebnet hätten. Das eine wäre ohne das andere nicht möglich, und die beste Einstellung ist, von jedem die Vorteile zu nutzen und alles als eine große Einheit anzusehen. Der Autor lässt die Menschen in seinem Roman aufeinander zugehen und zusammenarbeiten, mit gegenseitiger Hochachtung vor dem jeweiligen Wissen des Anderen. Mr. Penumbra, der Inhaber dieser besonderen Buchhandlung, ist ein liebenswerter Antiheld, nach beiden Seiten offen, sowohl den alten Wissenschaften verbunden als auch den neuen Medien gegenüber aufgeschlossen. In Clay findet er nicht nur einen neuen Verkäufer, sondern auch einen guten Freund und Helfer.
Der locker und optimistisch geschriebene Roman ist sehr schön zu lesen. Clay, der Ich-Erzähler, spricht die Leser direkt an, er zieht sie ins Vertrauen, was eine besondere Atmosphäre erzeugt, denn man hat dadurch das Gefühl, selbst Teil dieser Geschichte zu sein.

Ob und wie das große Rätsel gelöst werden kann, gebe ich natürlich hier nicht preis! Für mich war diese Geschichte etwas Besonderes, außergewöhnlich und originell, einerseits völlig in unserer modernen Welt spielend, die kaum noch Geheimnisse kennt, andererseits aber auch mit rätselhaften, hintergründigen Szenen, die dem Roman etwas Zauberhaftes und Bizarres verleihen.


Kommentare:

  1. Danke für die ausführliche Rezension, ich hatte das Buch jetzt auch schon mal im Auge. Ich glaube es landet jetzt auf meinem Wunschzettel und wird nach meinem Buchkaufverbot, welches ich mir selbst auferlegt habe, gekauft. ;)
    Ganz liebe Grüße
    Karin

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    1. Liebe Karin, demnach versuchst auch du, in der Fastenzeit deinen SuB in den Griff zu bekommen ;-) Dann sind wir ja Leidensgenossen. Ich wünsche dir viel Erfolg, dein selbst auferlegtes Verbot zu halten.
      Liebe Grüße
      Susanne

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    2. Dankeschön, liebe Susanne. Dann wünsch ich dir auch mal viel Glück und vor allem Standhaftigkeit. Ganz liebe Grüße, Karin

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  2. Also das ist die erste positive Rezi, die ich zu diesem Buch lesen, denn bei allen anderen habe ich gehört, dass es viel zu wenig um richtige Bücher geht und es extrem viel Google Werbung gibt.
    LG Martina

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    1. Liebe Martina, um "richtige" Bücher geht es in dem Roman wirklich nur am Rande, sondern hier um ganz besondere Bücher. Google-Werbung würde ich das im Roman nicht nennen, aber die Freundin des Ich-Erzählers arbeitet halt bei Google, und das ist ausschlaggebend, dass sich auch ein Teil der Handlung in dieser Kulisse abspielt. Aber es ist m.E. keine Verherrlichung von Google, wie manche kritisieren, sondern zeigt durchaus auch die Grenzen auf. Mehr kann ich aber nicht verraten ;-)
      Liebe Grüße
      Susanne

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  3. Also das ist eins der wenigen Bücher, die ich unbedingt! haben muss, ich liebe den Einband. Die Rezi klingt toll, macht noch mehr Lust darauf. Und ich krieg es auch!!! Freu mich schon sehr auf dieses Buch.

    LG!

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    1. Dann wünsche ich dir jetzt schon ganz viel Spaß mit dem Buch! Ich bin gespannt, wie es dir gefällt.
      LG
      Susanne

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