Mittwoch, 23. Januar 2013

Das Geheimnis der Maurin - Lea Korte




Im Dezember 1491, unweit von Sevilla
Die Maurin Zahra as-Sulami ist mit ihrer Familie auf der Flucht nach Portugal, denn Andalusien ist mittlerweile völlig in christlicher Hand. Unterwegs wird die Reisegruppe von fremden Soldaten überfallen, und Zahras kleine Tochter wird entführt. Jaime, Zahras Geliebter und Vater von Chalida, setzt alles daran, das gemeinsame Kind zurück zu bekommen. Für ihn und Zahras Familie bedeutet dies das Ende der Reise, denn auch wenn Jaimes Bruder Gonzalo seine Hilfe zusichert, so unter der Bedingung, dass Zahra nach Granada zurückkehrt. Für Gonzalo war Zahra einst die Liebe seines Lebens, bevor sie sich für seinen Bruder entschied. Durch Jaimes Bitte um Hilfe kommen nun Erinnerungen und vielleicht auch Hoffnungen hoch.
Die Lebensbedingungen für die Mauren in dem mittlerweile katholischen Land werden immer schwieriger, die Forderungen der katholischen Könige und ihrer Inquisition immer härter. Nicht nur die Juden haben unter der religiösen Diktatur zu leiden, sondern inzwischen auch die maurische Bevölkerung. Die Machthaber ignorieren immer mehr die Kapitulationsvereinbarungen, und den Menschen wird Unmögliches zugemutet.

In Lea Kortes neuem Roman erfährt der Leser, wie es mit Zahra as-Sulami und ihren Lieben weitergeht. Zahra, „die Maurin“, die man im ersten Band bereits während der Zeit der Reconquista begleitet hat, wird vom Schicksal erneut auf eine harte Probe gestellt.
Sie leidet unter der christlichen Regierung; das Leben in Granada hat nichts mehr mit der toleranten und harmonischen Einheit unter der einst maurischen Herrschaft zu tun.
Eigentlich machen es die a-Sulamis richtig vor, denn in Zahras Haushalt leben Moslems, Juden und Christen in friedlichem Miteinander und gegenseitiger Akzeptanz. Diese ursprünglich bestehende Harmonie wird  mehr und mehr durch neue Maßnahmen der christlichen Eroberer zerstört.
Die Angst vor Spitzeln greift um sich. Denunziation ist an der Tagesordnung. Dazu kommt die fortwährende Sorge um ihre Kinder. Die ganze Situation führt dazu, dass Zahra und Jaime sich immer öfter zermürbende Debatten liefern, die häufig mit massiven Vorwürfen enden. Zahras Verhalten ist geprägt von ihrer Ohnmacht und der Sorge vor Identitätsverlust.
Sie versucht mit allen Mitteln, ihre Familie zusammenzuhalten und die muslimischen Bräuche und Traditionen weiterhin zu pflegen, was jedoch immer schwerer wird. Ihrem Geliebten Jaime gegenüber ist sie oft ungerecht, denn einerseits fehlt es an gegenseitigem Verständnis, auch ist Zahra ihr eigener Stolz im Weg. Es bildet sich eine schier unüberbrückbare Kluft zwischen den Liebenden, denn Jaime steht mittlerweile wieder im Dienst der Könige.
In diesen Jahren nach der Reconquista wird das Leben immer komplizierter. Brutale Übergriffe der kastilischen Soldaten schüren Wut und auch Hilflosigkeit, einerseits unter den Juden und ebenso bei der muslimischen Bevölkerung.
Die Protagonistin Zahra steht stellvertretend für ein verzweifeltes Volk. Ihr Verhalten ist oft extrem aber in Anbetracht der Situation durchaus verständlich.
Bestürzend ist die starke Realitätsnähe der Handlung. Die Autorin hat sich konsequent an den historischen Tatsachen orientiert. Zwischen den Zeilen wird das starke Anliegen für mehr Toleranz und Religionsfreiheit deutlich spürbar, denn die Diskrepanz zwischen den Religionen ist nicht auf die Vergangenheit beschränkt, sondern leider auch heutzutage noch ein brisantes Thema.

Auch mit diesem neuen Roman ist es Lea Korte wieder einmal gelungen, mich von der ersten Seite an völlig in den Bann der Geschichte zu ziehen und alles um mich herum für Stunden vergessen zu lassen. Die Eindrücke des Gelesenen wirken intensiv und lange nach. Es ist ein starker, beeindruckender Roman über ein trauriges Kapitel der spanischen Geschichte, der deutlich macht, wie sich Menschen verändern, wenn sie eingeengt und ungerecht behandelt werden.

Ein Nachwort mit Erläuterungen zu verschiedenen historischen Details, eine ausführliche Begriffserklärung, dazu der Stammbaum des Hauses Aragón-Kastilien, zwei Karten, die sehr anschaulich die Machtverschiebung ab 1492 zeigen und ein umfangreiches Personenregister runden dieses Buch perfekt ab.



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