Donnerstag, 31. Januar 2013

An den Ufern des goldenen Flusses - Isabel Beto



Man schreibt das Jahr 1815.
Janna Sievers und ihr Verlobter Reinmar verlassen ihre Heimatstadt Hamburg, die noch unter den Nachwehen der französischen Besatzungszeit leidet. Sie sind auf der „Seuten Deern“ unterwegs nach Venezuela, wo Reinmar sich als Pferdezüchter niederlassen möchte. Kurz vor dem Ziel bricht ein schwerer Sturm aus, und die Seuten Deern gerät in Seenot. Bei dem Versuch, in einem Rettungsboot das Land zu erreichen, geht Janna über Bord und wird mutterseelenallein an der Küste angeschwemmt. Das schweigsame Halbblut Arturo rettet die junge Frau vor Plünderern. Mit seiner Hilfe möchte Janna nach Angostura kommen, in der Hoffnung, dass auch Reinmar den Schiffbruch überlebt hat und sie ihn dort wiederfindet. Während der Flussfahrt geschieht jedoch einiges, was ihre Pläne völlig über den Haufen wirft, und sie muss sich gezwungenermaßen auf eine längere Reise mit Arturo, den Orinoco entlang, einrichten.

Nach ihrem Schiffbruch findet Janna sich plötzlich in einer fremden Welt wieder, die sie bisher nur aus ihren Büchern kannte. Erst kürzlich saß sie noch auf der Seuten Deern beim weihnachtlichen Kapitäns-Dinner, und nun ist sie diesem Halb-Indio ausgeliefert, der ihr erst nach längerem Drängen verrät, dass sein Name Arturo ist. Der schweigsame Mann ist ihr nicht geheuer, und obwohl er sie gerettet hat, behandelt er sie nun ganz und gar nicht wie eine Dame. Doch je länger sie mit ihm auf dem Orinoco unterwegs ist, umso mehr beginnt sie, ihre Umgebung mit anderen Augen zu betrachten. Die starken Kontraste, die sie erfährt, verändern Janna. „Das Leben ist ein bunter Teller“, so meint sie, und ihrer sei besonders bunt geraten.

Die Autorin hat eine sehr schöne, ganz besondere Art, Menschen, Landschaften und Stimmungen zu beschreiben. Ihre Schilderungen sind von starker Leuchtkraft, so dass man den Eindruck hat, alles, worüber sie berichtet, deutlich vor sich zu sehen und sogar Geräusche und Gerüche wahrzunehmen. Auch ein wenig unterschwelliger Humor ist mit dabei.
Letzterer kommt hauptsächlich zum Vorschein, wenn Janna an ihre Großmutter in Hamburg denkt und ihr so manche trockene Bemerkung der alten Dame in den Sinn kommt.
Wechselnde Blickwinkel zum richtigen Zeitpunkt bringen immer wieder überraschende Momente zutage. Zwischendurch hat der Leser Gelegenheit, seine Informationen zur Handlung nicht nur aus Dialogen zu beziehen, sondern auch so manchen Blick in die Gedankenwelt der Protagonisten zu werfen. Besonders Janna konnte ich dadurch sehr gut verstehen und ihre Entscheidungen nachvollziehen. Alle wichtigen Personen sind sehr detailliert und lebendig charakterisiert, so dass man sie sich gut vorstellen kann.
Neuerdings wird für Bücher dieser Art das Genre „Love & Landscape“ verwendet, aber zugleich ist dies auch ein packender historischer Roman, in dem einige berühmte damalige Zeitgenossen nicht nur einen festen Platz, sondern auch zum Teil eine aktive Rolle gefunden haben. Man erfährt viel über Venezuelas Befreiungskampf unter Simon Bolivar . Während ihrer Reise auf dem Orinoco ins Landesinnere stößt Janna immer wieder auf Spuren ihres berühmten Landsmannes Alexander von Humboldt.
Die Autorin hat einen sehr gelungenen Roman geschaffen, bei dem die Kombination zwischen historischem Wissen, landschaftlicher Schönheit und einer zu Herzen gehenden Liebesgeschichte gut ausgewogen ist.



Kommentare:

  1. Schönes Fazit. Und das Buch sieht von der Aufmachung her auch wunderschön aus. Ich denke, ich packs mal auf meine Wunschliste. :)

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    1. das Cover hat mich auch gleich sehr angesprochen.
      LG
      Susanne

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  2. "Love and Landscape"??? Hm....ich sag jetzt nix mehr dazu....;)
    Ich muss noch das letzte Buch der Autorin lesen, aber ich liebe ja solche Art von Büchern und dieses hier kommt definitiv auf meine Wunschliste!
    Alles Liebe
    Martina

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    1. Den ersten "Beto" habe ich auch noch auf dem SuB, aber er liegt ganz weit oben ;-)

      Eigentlich sind alle L&L-Romane, die ich bisher gelesen habe, halt auch historische Romane. Das neue Genre soll vielleicht eine andere Zielgruppe ansprechen. Ich habe auch festgestellt, dass häufig danach gesucht wird, darum habe ich ein extra Label dafür eingesetzt.
      LG
      Susanne

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