Samstag, 2. Juli 2011

Im Land der Sümpfe - Ivonne Hübner

Bereits seit ihrer Kindheit waren sie einander versprochen, und sie lieben sich: Erik, Sohn des Töpfers Danilo und Fjäder, Tochter des Fischers Bogdan vom Oberuckersee. Das Leben im Kreis ihrer Familien und Freunde ist beschaulich, und der Hochzeitstermin des jungen Paares rückt näher. Dann macht sich die Nachricht vom Krieg breit und zerstört die Idylle. Markgraf Albrecht von Askanien hat sich zum Ziel gesetzt, die slawischen Völker zum Christentum zu bekehren und plant mit einer Gruppe sächsischer, dänischer und polnischer Fürsten einen Kreuzzug gegen die Wenden. Es kommt zum Krieg, und kurz nach ihrer spontan vorgezogenen Hochzeit werden Fjäder und Erik brutal getrennt. Für die beiden jungen Menschen und ihre Familien beginnt ein unvorstellbarer Leidensweg. Sie geraten in Gefangenschaft und versuchen, jeder für sich, zu überleben, immer auf der Suche nach dem geliebten Partner.

Anfangs braucht man etwas Geduld, um in die Handlung hinein zu finden, denn man wird schon im Prolog mit einer Vielzahl fremdartiger Namen und Begriffe konfrontiert. Auch ist es nicht ganz einfach, die politischen und kirchlichen Machenschaften zu durchblicken, über welche die Autorin sehr ausführlich berichtet. Aber die Mühe ist es Wert. Hat man sich erst einmal an den sachlichen, aber sehr schönen Schreibstil gewöhnt und mit den verschiedenen Personen vertraut gemacht, kann man die Geschichte uneingeschränkt genießen und mit großer Spannung verfolgen. Als sehr hilfreich habe ich gerade zu Beginn das Personenregister und die ausführliche Begriffserklärung im Anhang empfunden.
Die Liebesgeschichte von Erik und Fjäder ist nicht vorherrschend, denn sehr bald werden die beiden getrennt. Jahrelang müssen sie sich allein durchs Leben schlagen, fortwährend schwankend zwischen Hoffnung und Resignation, denn lange Zeit haben beide nicht die Möglichkeit, sich auf die Suche nach dem anderen geliebten Menschen zu machen. Den Hauptanteil des Romans nehmen die Lebens- und Leidenswege der Protagonisten ein, immer unterbrochen von Passagen, in denen es um reale geschichtliche Entwicklungen der beschriebenen Zeit geht und wo auch einige authentische historische Persönlichkeiten angesprochen werden.Fasziniert haben mich an diesem Roman die intensiven und ausführlichen Beschreibungen der früheren Lebensumstände, der Sitten und Gebräuche der Slawen, bevor sie durch diesen Kreuzzug mehr oder weniger heimatlos und ihres alten Glaubens beraubt wurden.

Die Tatsache, dass damalige „heidnische Beziehungen“ von den Christen nicht als Ehe anerkannt, sondern einfach ignoriert wurden und die Kinder der betroffenen Verbindungen als „in Sünde gezeugt“ galten, macht mich heute noch sprachlos. Es ist unfassbar, mit welcher Anmaßung die Christen über Recht und Unrecht entschieden und was sie mit ihren selbstherrlichen Bestimmungen den slawischen Völkern angetan haben.Das Ende ist großartig und hat mich sehr berührt. Trotzdem bleibt vieles ungesagt, es gibt noch jede Menge offene Fragen, was vielleicht auf eine Fortsetzung hoffen lässt.
Wer gerne historische, anspruchsvolle und gut recherchierte Romane liest und neugierig ist auf Teile der Geschichte, die uns heute fast unbekannt sind, obwohl sich dies alles ganz in unserer Nähe abgespielt hat, dem kann ich dieses Buch uneingeschränkt empfehlen.

Hier geht es zur Autorenseite, wo Ivonne Hübner noch viel Hintergrundwissen über die Slawen und jede Menge Begleitmaterial zusammengetragen hat:

Vielen Dank an Blogg-deinBuch und den Dryas-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Das Buch kann auch direkt beim Verlag bestellt werden: Dryas-Verlag/Uckermark

Hier gibt es eine Leseprobe: Im Land der Sümpfe

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