Montag, 19. Oktober 2009

Die Lebküchnerin - Sybille Schrödter



Kurzbeschreibung:

Nürnberg 1387 eine der blühendsten Städte des Mittelalters, doch ein unwirtlicher Ort für eine junge Adelige, die gerade dem Kloster entflohen ist. Ihr bleibt nur eines: Sie gibt sich als Schwester ihrer Freundin aus, der ehemaligen Klosterköchin Agnes, und zieht zusammen mit ihr ins Haus von Agnes Verlobtem, einem Bäcker. Das wiederum passt dem künftigen Schwiegervater gar nicht, bis Benedicta ihm aus seinen wirtschaftlichen Schwierigkeiten hilft. Ihr Geheimrezept für Lebkuchen, das sie einst im Kloster entwickelte, rettet die Bäckerei. Mit dem Erfolg ihrer köstlichen Benedicten-Lebkuchen macht sie sich jedoch auch Feinde. Und erkennt beinahe zu spät, dass einer es gut mit ihr meint ... Sybille Schrödter zeichnet lebendig und historisch fundiert ein farbenprächtiges Bild vom mittelalterlichen Nürnberg.

Meine Meinung: * * * *
Die junge Benedicta muss unfreiwillig ihr Leben im Kloster verbringen, wurde von ihrer habgierigen Stiefmutter dorthin verbannt. Zwar hat sie das Gelübde abgelegt, aber sie kann sich nicht an das strenge Klosterleben gewöhnen. Dann verliebt sie sich in den Neffen der Priorin, was in ihrer Situation untragbar ist. Ihr bleibt nur die Flucht aus dem Kloster, zusammen mit Julian und der Köchin Agnes, ihrer einzigen Vertrauten und Freundin. Benedicta reist unter fremdem Namen, mit nichts als ihrem selbst erfundenen Lebkuchenrezept im Gepäck. Die beiden jungen Frauen verschlägt es nach Nürnberg, wo sie im Haus des Verlobten von Agnes unterkommen. In der großen Stadt muss Benedicta darauf achten, dass sie unerkannt bleibt, denn ihre Stiefmutter gibt keine Ruhe, sie möchte die junge Frau aus dem Weg haben.

Frau Schrödter schreibt sehr temporeich und unkompliziert. Die Geschichte der ehemaligen Nonne ist mitreißend und spannend, denn ein Drama jagt das andere und läßt die junge Frau nicht zur Ruhe kommen. Sehr interessant fand ich die Entwicklung ihres Lebkuchenrezepts, denn man kann sich gut vorstellen, dass es sich vielleicht damals ähnlich abgespielt hat, wie in dieser Geschichte. Wie Benedicta aus der Not eine Tugend macht und, eigentlich durch fehlende Zutaten, zum perfekten Lebkuchenrezept kommt, wird äußerst schmackhaft geschildert. Die Handlungsorte und Situationen sind lebendig beschrieben, doch ich persönlich hätte mir etwas mehr Bezug zur wirklichen (Stadt-)Geschichte gewünscht. Viele Zufälle fand ich persönlich ziemlich unglaubwürdig. Auch kommen zu meinem Leidwesen die Charaktere oft etwas zu kurz und erscheinen manchmal oberflächlich, oft undurchschaubar. Benedicta hat auf mich fast kindlich naiv gewirkt, und sie macht einen etwas sprunghaften Eindruck. Trotz meiner Kritikpunkte hat mir der Roman insgesamt gefallen, das Lesen hat Spaß gemacht und war für mich äußerst unterhaltsam.

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