Donnerstag, 13. September 2012

Die Botschaft der Baumfrau - Julia Butterfly Hill

Das zwölfte und letzte Buch, das ich für die 2. Chance-Challenge gelesen habe, ist der Erfahrungsbericht einer außergewöhnlichen Frau. Julia Butterfly Hill schildert ihre Erlebnisse, während der zwei Jahre, die sie auf einem  Baum lebte. Es handelt sich dabei um einen 1000 Jahre alten kalifornischen Mammutbaum, auch als „Redwood“ bezeichnet, den Umweltaktivisten besetzt hatten, um ihn und seine Umgebung vor dem Abholzen zu schützen. Ein Jahr zuvor wurde der kleine Ort Stafford, der am Fuß einer gerodeten Fläche steht, zum Teil unter einer Schlamm- und Geröll-Lawine begraben, und ein Teil der Einwohner wurde obdachlos. Für den Erdrutsch war die radikale Abholzung verantwortlich.
Im Dezember 1997 schloss sich Julia den Umweltschützern an und stieg auf den Baum, der von der Gruppe „Luna“ genannt wurde. Nachdem sie das Ausmaß und die Folgen des Kahlschlags erfahren hatte, schwor sich die damals 22-Jährige, die Erde erst wieder zu betreten, wenn sie alles getan hätte, der Zerstörung  Einhalt zu gebieten.
Julia verbrachte durchgehend 738 Tage auf dem Baum.
Während dieser Zeit musste sie nicht nur unter primitivsten Bedingungen leben und den Angriffen und der Zermürbungstaktik der Holzfirma Maxxam widerstehen, sondern auch den Naturgewalten trotzen. In großer Kälte, Hagel, Schnee und Sturm harrte sie auf dem Baum aus, und was sie alles erlebt hat und ertragen musste, ist unvorstellbar.
Aber ihr Einsatz, der zum Teil lebensgefährlich war, hat sich gelohnt. Sie hat erreicht, dass Luna nicht gefällt wurde und auch die Bäume der Umgebung gerettet werden konnten.
Julias Geschichte liest sich packend wie ein Krimi und ist zugleich tief beeindruckend. Sie wurde durch ihre Aktion in aller Welt als die „Baumfrau“ bekannt. Auch heute noch setzt sie sich aktiv für den Umweltschutz ein. Ihre Geschichte ist einzigartig und faszinierend. Sie zeigt, was ein einzelner Mensch, mit viel Zivilcourage, bewirken kann.
Im Buch enthalten sind viele Fotos, Zeichnungen und Gedichte der Autorin. Zugleich lernt man einiges über die biologischen Zusammenhänge und Auswirkungen, wenn der Mensch derart brutal in die Natur eingreift. Auch wenn die beschriebene Aktion schon 15 Jahre her ist, hat dieses Thema leider immer noch aktuelle Gültigkeit, denn auch in unserer Zeit werden uralte Wälder gerodet, wird täglich so viel Natur zerstört und ist unwiederbringlich verloren. 

Montag, 10. September 2012

Die Pestmagd - Brigitte Riebe



Köln, im Jahr 1540: Die erst kürzlich verwitwete Johanna Arnheim muss um ihre Existenz kämpfen. Sie würde gerne den Weinhandel ihres verstorbenen Mannes weiterführen, aber ihr Schwager, der Kürschnermeister Hennes, macht ihr das Leben schwer. Er hat um ihre Hand angehalten, um dadurch an das Erbe seines Bruders zu gelangen, und nach ihrer Ablehnung greift er nun zu unsauberen Methoden, um sein Ziel zu erreichen. Er setzt alles daran, das Haus zur Lilie in seinen Besitz zu bekommen und Johanna loszuwerden. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, ein falsches Gerücht über sie zu verbreiten, und ehe sie sich versieht, wird sie des Mordes am eigenen Ehemann angeklagt.
Zur gleichen Zeit wird Köln von einer Rattenplage heimgesucht, und bald finden sich die ersten Kranken, mit verdächtigen Anzeichen der Pest.
Vincent de Vries, erst kürzlich nach Köln gekommen, um dem Erzbischof Hermann von Wied als Leibarzt zu dienen, muss sich nun um dieses neue Problem in der Stadt kümmern, auch wenn die Obrigkeit die verheerende Krankheit am liebsten totschweigen würde.
Als er eines Tages überraschend Johanna begegnet, erkennt er in ihr seine Liebe aus früheren Tagen. Johanna ist bestürzt, ihn wieder zu treffen, denn er hat sie in der Vergangenheit schwer enttäuscht, und doch ist schnell die alte gegenseitige Anziehungskraft wieder da. Kurz darauf muss Vincent erfahren, dass Johanna verhaftet worden ist. In seinem verzweifelten Bemühen, ihr zu helfen und ihr Leben zu retten, fasst er einen gewagten Plan.

Die Atmosphäre, die Brigitte Riebes neuen Roman bestimmt, ist fast durchweg düster. Das Leben in der Stadt Köln ist geprägt von Angst vor Krankheit, denn nicht nur die Pest hält reiche Ernte, auch weitere Geißeln der Menschheit sind präsent. In diesem Umfeld ist es für den Arzt Vincent de Vries nicht leicht, seinen Beruf zufriedenstellend auszuüben. Vincent hat sich der Erforschung der Franzosenkrankheit verschrieben, aber sein Wissen über die Lustseuche ist noch lückenhaft. Auch über die Pest ist noch viel zu wenig bekannt, um wirkliche Heilerfolge zu erzielen. Nur Wenige können gerettet werden, wenn die Krankheit einen bestimmten Verlauf nimmt. Zudem scheint jemand ein Interesse daran zu haben, den Ursprung der Seuche den Protestanten Kölns zuzuschieben.
In diesen schwierigen Zeiten, wo die Menschen der Stadt von Angst und Zweifeln heimgesucht werden, trifft Vincent nun seine Jugendliebe wieder. Aber er stößt bei Johanna zuerst auf eine Mauer der Ablehnung, denn zu tief hat er sie damals enttäuscht. Johannas Reaktion ist nur allzu verständlich, und die Geheimnisse ihrer Vergangenheit machen sie besonders verletzlich. Aber dann gerät sie in eine Situation, wo sie Vincents Hilfe dringend braucht, um zu überleben. Vincent mutet ihr fast Unmenschliches zu, in der Hoffnung auf eine zweite  gemeinsame Chance. Als wäre die Situation der beiden nicht schon schwer genug, erhält Johanna dann auch noch anonyme Drohungen.

Der Roman hat eine starke Sogwirkung auf mich ausgeübt. Während des Lesens habe ich mich nur ungern von der Handlung gelöst, denn die Schilderung von Johannas Schicksal hatte mich von Anfang an gepackt, und ihre erneute Begegnung mit Vincent ist von starken Gefühlen geprägt. Aber dieser Roman ist viel mehr als eine historische Liebesgeschichte. Er zeigt die angespannte Atmosphäre in der Stadt Köln zur damaligen Zeit, nicht nur durch diverse Seuchen ausgelöst, sondern auch erschüttert von Uneinigkeiten in Glaubensfragen. Anhand der detaillierten Schilderungen der Szenerie kann man sich die Stimmung in der Stadt und das Grauen der Menschen, in Anbetracht der drohenden Gefahren, nur allzu gut vorstellen. Vor dieser Kulisse hat der Roman eine Vielzahl ausgeprägter und zum Teil recht eigenwilliger Charaktere zu bieten, die alle bis ins Detail ausgearbeitet sind. In der Beschreibung ihrer Protagonisten belässt es die Autorin nicht bei Äußerlichkeiten, sondern sie blickt ihnen in die Seele.
Mit einer fesselnden Handlung, die einen starken Spannungsbogen aufweist und mit viel historischem Wissen über das Köln des 16. Jahrhunderts angereichert ist, hat die Autorin ein lebhaftes und intensives Zeitbild geschaffen, das mir während der Lesestunden nicht nur packende Unterhaltung, sondern auch so manche kräftige Gänsehaut beschert hat. Ich gebe diesem Buch meine uneingeschränkte Leseempfehlung und die volle Punktzahl.


Vielen Dank an den Club Bertelsmann, dass ich diese Buch-Premiere bereits vorab lesen durfte.
Das Buch ist ab dem 12. September beim Club/Bertelsmann lieferbar.


Mittwoch, 5. September 2012

Lust, "Buchunär" zu werden? Dann klickt mal 'rein

Bei Plumblossoms Leseparadies gibt es ein tolles Gewinnspiel, mit super Chancen, die ähnlich gestaffelt sind, wie bei "Wer wird Millionär". Eine schöne Idee, finde ich!
Wenn ihr Buchunär werden möchtet, klickt hier: 
Bei der Gelegenheit gratuliere ich Plumblossom zu mittlerweile über 200 Lesern!

Montag, 3. September 2012

Mein Leben in 80 B - Anja Goerz



Eigentlich ist Ilse mit sich und der Welt zufrieden. Sie ist glücklich verheiratet, hat zwei halbwüchsige Kinder, ein gemütliches Haus im Grünen und einen flexiblen Nebenjob: sie veranstaltet Dessous-Partys. Als ihre beste Freundin Elissa sie einlädt, zu ihr nach Sylt zu kommen, um den vierzigsten Geburtstag mit ihr zu feiern, zögert sie zuerst mit einer Zusage, aber nachdem ihr Mann Toni ihr versichert, dass es durchaus auch einmal vier Tage ohne sie gehen wird, entschließt sie sich, die Einladung anzunehmen. Auf Sylt lernt Ilse den jungen, attraktiven Koch Oke kennen, der ihr nicht nur ein paar besondere Leckerbissen kredenzt, sondern ihr nebenbei auch noch den Kopf verdreht. Ilses heile Welt gerät ins Wanken, und der alte Spruch „Ilse Bilse, keiner will se, kam der Koch, nahm se doch“ erhält für sie eine ganz neue Bedeutung…

Meist wird dies ja eher den Männern zugeschrieben; über eine Frau in der Midlife-Crisis hört oder liest man nur selten. Auf den ersten Blick scheint Ilse auch gar nicht die Frau zu sein, die schnell den Kopf verliert. Nachdem aber ihre Freundin Elissa, selbst überzeugter Single, keinen Moment auslässt, ihr zu versichern, dass ihre Ehe nicht zufriedenstellend ist und sie sich doch etwas Abwechslung gönnen sollte, wird Ilse unsicher und kommt zu dem Schluss, dass ihr vielleicht wirklich der richtige Pfiff im Leben fehlt.
Elissas Verhalten konnte ich ehrlich gesagt weder nachvollziehen noch gutheißen.  Von einer besten Freundin würde ich etwas anderes erwarten, als ständige Kritik. Elissas krampfhafte Versuche, Ilse zu einem Seitensprung zu überreden und ihre Ehe madig zu machen, haben sie mir zusehends unsympathischer gemacht. Vielleicht ist ja Missgunst im Spiel, obwohl Elissa stets betont, dass sie sich in ihrem Leben absolut wohl fühlt. Aber vermutlich bringt es einfach ihr Beruf mit sich, mit Kritik nicht zu sparen und mit allem erst einmal unzufrieden zu sein.
Als Ilse dem Koch Oke begegnet, fühlt sie sich sichtlich geschmeichelt, denn sie merkt, dass er sich besonders um sie bemüht. Aber sie hat auch Skrupel, denn eigentlich liebt sie ihren Mann und möchte ihn nicht betrügen. Nach dem Motto „Alles, was ich denk’ und tu’, trau’ ich auch dem Anderen zu“, beginnt Ilse dann, ihren eigenen Mann zu verdächtigen, eine Geliebte zu haben. Es ist ein ziemliches Hin und Her, bis Ilse ihre „Frühlingsgefühle“ wieder in den Griff und den Kopf frei bekommt, wobei die Gefühle der Männer in ihrem Leben weniger „frühlingshaft“ wegkommen.
So richtig sympathisch waren mir die beiden Protagonistinnen nicht, denn statt Probleme wirklich zu lösen, wurden diese größtenteils erst einmal kräftig in Alkohol ertränkt bzw. es wurden überhaupt erst richtige Schwierigkeiten geschaffen.
Der Roman liest sich insgesamt flott und kurzweilig, aber wirklich Tiefgang darf man nicht erwarten, und das richtige „Sylt-Feeling“ ist leider auch nicht aufgekommen.
Am Ende des Buches gibt es allerdings dann noch ein besonderes Schmankerl.  Spitzenköche haben eine Auswahl interessanter Rezepte zur Verfügung gestellt, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Sicher werde ich mich demnächst am einen oder anderen Gericht versuchen.


Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an den Rowohlt Verlag

Samstag, 1. September 2012

August-Rückblick

Und schon wieder ist ein Monat vorbei. Der August war für mich ein sehr starker Lesemonat, eigentlich sogar der stärkste von 2012 überhaupt.
Ich habe insgesamt 10 Bücher gelesen, das waren 3928 Seiten. An diesem Quantum merkt man einerseits das "Sommerloch", denn im August standen kaum Termine an, und außerdem macht sich bemerkbar, dass es einige laue Abende gab, wo man schön lange draußen sitzen und schmökern konnte. Praktischerweise waren auch drei EBooks dabei, das ging dann auch noch, wenn es bereits dunkel war.

Und das waren meine August-Bücher:
 Die Reihenfolge im Regal sagt nichts darüber aus, wie mir die Bücher gefallen haben. Ich habe sie nacheinander "reingestellt", wie ich sie gelesen habe, und die EBooks sind in der ganz unteren Reihe.
Wie gewohnt verlinke ich euch in meiner Monats-Übersicht nochmal alle Rezensionen zu den Büchern.
Die Rezension zur Pestmagd folgt in den nächsten Tagen. Hier habe ich an einer Aktion von Zeilenreich teilgenommen und durfte den Roman schon vorab als Ebook lesen.
An den Sternebewertungen (durchweg gut bis sehr gut) könnt ihr sehen, dass der August nicht nur von der gelesenen Menge her erfolgreich war, sondern durchaus auch von der Qualität der Bücher. Für einen absoluten Spitzenreiter (bzw. drei Bücher für die Siegerehrung) konnte ich mich diesmal nicht entscheiden; es waren einfach zu viele gute Bücher dabei.

Nicole C. Vosseler: Das Herz der Feuerinsel *****
Sanna Seven Deers: Feuerblume *****
Sofie Cramer: Der Himmel über der Heide ****
Letizia Conte: Villa Monteverde *****
Susanna Kearsley: Rosehill *****
Martina Rauen: Die Seidenbaronin *****
Nicole Sowade: Miss Januar ****
Mila Roth: Von Flöhen und Mäusen *****
Antje Babendererde: Starlight Blues - In der Kälte der Nacht *****
Brigitte Riebe: Die Pestmagd *****

Auch ein paar Neuzugänge kann ich bei dieser Gelegenheit vermelden:
Aus dem Rowohlt Verlag "Das Lied des Todes" von Axel S. Meyer, "Das Haus in der Löwengasse" von Petra Schier und "Mein Leben in 80 B" von Anja Goerz. Letzteres lese ich gerade.
Die vierte Zeugin: Ein sehr interessantes Gemeinschaftsprojekt mehrerer Autoren, die zusammen einen historischen Roman geschrieben haben. Darauf bin ich schon besonders gespannt. Mehr dazu dann in der Rezi, wenn ich das Buch gelesen habe.

Devi, Die Rebellin mit den Sanften Augen von Christel Mouchard (Die wahre Geschichte der indischen Banditenkönigin Phoolan Devi)

Beatrix Potter: Peter Hase und seine Freunde (in neuer, wunderschöner Aufmachung)

und "Dornentöchter" von Josephine Pennicott. Dieses Buch hat mein Interesse schon durch die besondere Umschlaggestaltung geweckt.


Mein Teeregal hat nichts Neues zu bieten. Ich muss erst einmal meine Vorräte verarbeiten, damit Platz für neue Sorten im Herbst wird.

Die Duftlampe war auch in der letzten Zeit wenig aktiv. Am Balkon habe ich sie gleichzeitig als Windlicht benutzt und ein wenig ätherisches Zitronenöl verdunstet. Das hält die Mücken fern und duftet schön erfrischend.

Einen schönen September, mit tollen Büchern und einer guten Portion Wärme und Sonne
wünsche ich euch allen. Lasst es euch gut gehen.