Montag, 18. Juni 2012

Das Amulett der Wölfin - Marion Henneberg



Man schreibt das Jahr 1134. Edelfräulein Adolana wird unfreiwillig zur Zeugin eines mörderischen Plans. Als den Verschwörern bewusst wird, was die junge Frau mit angehört hat, muss sie um ihr Leben fürchten. Zwar kann sie den Mord nicht verhindern, aber der Anführer des Komplotts wird aufgrund ihres Wissens angeklagt. Unter dem Schutz des Junkers Berengar reist Adolana an den Halberstädter Hof. Sie ist fasziniert von dem jungen Mann mit den dunklen Augen, die ihm eine melancholische, geheimnisvolle Ausstrahlung verleihen, und Berengar scheint es mit ihr ähnlich zu ergehen. Zum Abschied schenkt er ihr ein Amulett mit der Darstellung eines Wolfs.
Als Hofdame gewinnt Adolana bald das Vertrauen von Gertrud, der Gattin Heinrichs des Stolzen und deren Mutter Richenza, der Kaiserin. Ein weiterer Mann taucht wieder in ihrem Leben auf. Waldemar, dem sie zur Frau versprochen war, verehrt sie und tut alles, um sie zu schützen.
Sechs Jahre später ist der Kaiser tot und sein Schwiegersohn, Heinrich der Stolze, ebenfalls. Die Machtverhältnisse haben sich geändert, und es gibt größere Spannungen zwischen Welfen und Staufern. Von den beiden Witwen erhält Adolana, als erste Hofdame, den Auftrag, eine wichtige, geheime Botschaft zu Welf VI. und seiner Frau Uta zu bringen. Unterwegs trifft sie Berengar wieder, der sie in der langen Zeit nicht vergessen hat, aber die beiden stehen auf unterschiedlichen Seiten, denn Berengar hat Friedrich II., dem Bruder des neuen Königs, den Treueeid geleistet.

„Das Amulett der Wölfin“ führt den Leser zeitlich etwas weiter zurück, als Marion Hennebergs erster Roman „Die Entscheidung der Magd“, aber man trifft gleich auf bekannte Namen. Heinrich der Löwe, der im angesprochenen Buch als Herzog den Wendenkreuzzug anführt, ist hier noch ein Kind.
Wenn ich nun vergleiche, hat mir ja schon das erwähnte Debüt der Autorin sehr gefallen, aber bei der vorliegenden Geschichte über Adolana und Berengar, habe ich festgestellt, dass noch gewaltige Steigerungen möglich waren. Der Schreibstil hat mich sogleich sehr intensiv auf das 12. Jahrhundert eingestimmt, und der historische Rahmen für die sympathischen Protagonisten ist hervorragend recherchiert. Wie die Autorin im Anhang verrät, hat sie die künstlerische Freiheit genutzt und einige Kleinigkeiten, für die Schlüssigkeit der Handlung, ein wenig angepasst, was aber der Authentizität des Geschehens keinen Abbruch tut. Auf 590 Seiten erwartet den Leser ein farbenprächtig ausgemaltes und packend erzähltes Mittelalter-Epos. Mit den verzwickten Verhältnissen und Machtkämpfen zwischen Welfen und Staufern  hatte ich mich vorher noch nicht ausführlich beschäftigt, aber im Verlauf der Handlung werden einem die geschichtlichen Daten ganz automatisch und unkompliziert nahe gebracht. Schön finde ich, dass es nicht nur eine chronologische Aufstellung der historischen Ereignisse im Anhang gibt, sondern dass man anhand eines Stammbaums die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Welfen und Staufern sehr gut nachvollziehen kann. Bei aller Begeisterung für die historischen Zusammenhänge möchte ich nicht versäumen, auf die facettenreich beschriebenen Charaktere des Romans einzugehen. Adolana und Berengar sind interessante Protagonisten, deren Beziehung sich nicht gerade einfach gestaltet, und ich habe beiden sofort große Sympathie entgegengebracht. Daneben spielen noch viele bemerkenswerte Personen eine Rolle, von denen man sicher anfangs einige falsch einschätzt. Dieser Roman hat bei mir ein sehr lebhaftes Kopfkino ausgelöst und mich intensiv in die Zeit der Ritter und Edelfrauen versetzt. 



Herzlichen Dank an Marion Henneberg und den Ullstein Verlag für die Überlassung des Rezensionsexemplars.

Kommentare:

  1. Schöne Rezi! Mir hat der Roman auch unheimlich gut gefallen.
    LG Isabel

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  2. Marion Henneberg18. Juni 2012 um 16:12

    Herzlichen Dank für diese supertolle Rezi, liebe Susanne! Es freut mich natürlich sehr, dass Dir meine beiden Romane gefallen und ich lasse Dir liebe Grüße da :-))

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