Sonntag, 20. März 2011

Die Vergolderin - Helga Glaesener



Anfang des 17. Jahrhunderts: Elisabeth Weißvogel muss mit ihrer Familie die Heimatstadt Osnabrück verlassen, weil der Vater des Betrugs überführt und verjagt wurde. Der kommende, strenge Winter, den die Weißvogels auf der Straße verbringen, ist schlimm, der Hunger zermürbend. Als der Vater Selbstmord begeht, verspricht Elisabeth ihrer totkranken Mutter, sich immer gut um die beiden Geschwister zu kümmern. Wenig später bleiben Elisabeth, Marga und Christian als Waisen zurück und versuchen, bei ihrem Großvater in Braunschweig Aufnahme zu finden. Bei dem grantigen, hartherzigen Alten arbeitet Elisabeth heimlich als Vergolderin.
Eines Tages wird Elisabeth fast das Opfer von Plünderern, als ihr unerwartet ein blinder Mann zur Hilfe kommt. Später begegnet sie Martin wieder, der als Junge auf rätselhafte Weise sein Augenlicht verloren hat. Er ist mittlerweile in der Fremde zu großem Reichtum gelangt und nun nach Braunschweig zurück gekommen, um seinen Halbbruder und die gemeinsame Mutter zu treffen. Er möchte herausfinden, was damals vorgefallen ist und bittet nun wiederum Elisabeth um ihre Unterstützung.
Unschuldig gerät sie zwischen die Fronten der beiden Brüder. Ohne es zu wollen, hat Martin mit seiner Bitte die junge Frau in Gefahr gebracht. Mit aller Kraft versucht Elisabeth, das gegebene Versprechen einzulösen und ihre Geschwister zu schützen. 
Ich lese zwar viel und auch nicht gerade langsam, aber 460 Seiten in zwei Tagen, das war für mich schon ein gewaltiges Tempo. Dies war nur zu schaffen, weil mich die Handlung absolut gefesselt hat. Es gibt keine Längen, und die Spannung baut sich von Kapitel zu Kapitel weiter auf, die beste Voraussetzung also für ein perfektes Lese-Wochenende.
Sehr schön und ausführlich ist die Beschreibung der Protagonisten.
Elisabeth wird als beherzte junge Frau dargestellt, der ihre Unabhängigkeit über alles geht. Sie verbirgt ihre wahren Gefühle gerne hinter einer couragierten Fassade. Nach außen wirkt sie kratzbürstig und manchmal fast herzlos, was in ihrer schweren Vergangenheit begründet ist. Ihr großer Wunsch wäre, mit dem Verzieren und Vergolden von Rahmen eigenes Geld für den Lebensunterhalt und für eine Lehrstelle des Bruders zu verdienen. Aber Frauen ist es von der Gilde nicht gestattet, ein Handwerk auszuüben.
Der feinsinnige, gutmütige, manchmal etwas zu leichtgläubige Martin möchte das Geheimnis lösen, worauf seine Erblindung zurückzuführen ist. Er kann sich absolut an nichts mehr erinnern, was damals bei seinem Weggang geschah.  Von dem spröden Auftreten Elisabeths lässt er sich nicht täuschen; er fühlt sich unwiderstehlich zu ihr hingezogen. Dankbarkeit und anfängliches Mitleid wandelt sich bald in Zuneigung, die aber allem Anschein nach nicht erwidert wird.
Auch alle wichtigen Nebenfiguren sind lebhaft und sehr ausgeprägt beschrieben, und man kann sie sich gut bildlich vorstellen. Faszinierende Einblicke in das Vergolder-Handwerk lassen auf ausführliche Recherchen der Autorin schließen.
Die Kapitel sind eher kurz gehalten, was dem Lesefluss aber keinen Abbruch tut. Im Gegenteil, die Spannung wird noch verstärkt, da das Ende eines jeden Kapitels ganz raffiniert angelegt ist, so dass man den Fortgang der Geschichte kaum erwarten kann.
Insgesamt gesehen ist „Die Vergolderin“ ein packender und absolut lesenswerter historischer Roman.
Sehr gut gefällt mir auch die äußere Aufmachung. Das Bild auf dem Einband ist perfekt gewählt und bildet, zusammen mit dem schön gestalteten Initial des Titels, eine optimale Einheit. Die Abbildung eines alten Stadtplans auf den inneren Buckdeckeln rundet die optische Gestaltung in gelungener Weise ab.

Kommentare:

  1. Hallo, komm mal gucken
    http://sternthaler75.blogspot.com/2011/03/blog-aktion-fur-japan.html

    Liebe Grüße, Petra

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  2. Hallo Klusi,

    ich habe dieses Buch vor kurzem auch erst gelesen und rezensiert und ich hoffe, es ist für dich okay, dass ich deine Rezension in meiner unter der Überschrift “Weitere Rezensionen zu vorgestelltem Buch” verlinkt habe? Falls nicht, melde dich einfach kurz bei mir und ich lösche dich auf der Stelle raus, ja? ;) Hier der Link:
    http://janine2610.blogspot.co.at/2015/09/rezension-die-vergolderin-helga.html

    Alles Liebe ♥,
    Janine

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