Sonntag, 21. November 2010

Im Schatten der Königin - Tanja Kinkel



8. September 1560: Die junge Amy Robsart wird tot am Ende einer Treppe aufgefunden, und ganz Europa spekuliert, ob es ein Unfall war, eventuell Selbstmord, oder ob gar ihr Ehemann Robert Dudley dahinter steckt. Dudley ist allgemein als Günstling der Königin bekannt, und die Gerüchteküche brodelt. Hat er vielleicht veranlasst, seine Ehefrau zu ermorden, um Elizabeth I. heiraten zu können?
Thomas Blount, ein enger Vertrauter Dudleys, macht sich auf die Suche nach der Wahrheit und reist zum Unfallort nach Oxfordshire, wo Amy zuletzt gelebt hat. Der Ich-Erzähler Blount handelt nicht ganz uneigennützig, denn auch seine Existenz steht auf dem Spiel und nicht nur das. Nach und nach kristallisiert sich heraus, dass er sich am Schicksal der jungen Verstorbenen nicht ganz unschuldig fühlt, denn er hat ein sehr persönliches Geheimnis. Nach seiner Ankunft im Landhaus Cumnor Place ereignen sich zudem mehrere merkwürdige Zwischenfälle, denen er zusätzlich auf den Grund gehen muss.
Die Gouvernante und enge Vertraute der Königin, Kat Ashley, tritt als zweite Ich-Erzählerin auf und ist ebenfalls bestrebt, so schnell wie möglich Gewissheit über den wahren Sachverhalt zu bekommen.

Man merkt beim Lesen deutlich, dass sich die Autorin sehr ausführlich mit Elizabeth I. und ihrer Zeit beschäftigt hat. Ihr Roman hat Substanz und einen sehr hohen Informationswert. Auch über das alltägliche Leben damals am Königshof lässt Frau Kinkel häufig interessante Bemerkungen einfließen. Daneben erfährt der Leser nicht nur viel über historische Details, sondern bekommt den Fall der Amy Robsart aus zwei ganz unterschiedlichen Sichtweisen Perspektiven präsentiert.
Der eigentliche Handlungszeitraum beschränkt sich nur auf die sieben Tage zwischen dem Tod der jungen Frau und ihrer Bestattung. Beide Erzähler schildern jedoch häufig Ereignisse aus der Vergangenheit, die das Gesamtbild abrunden und zurechtrücken.
Während Kat Ashley nicht ganz so oft und ausführlich zu Wort kommt (ihr sind lediglich diverse Zwischenspiele vorbehalten), machen die Kapitel um Tom Blount den größeren Teil des Romans aus. Blount ist nicht so ganz glücklich mit seiner Aufgabe, Licht in den Fall zu bringen. Er wird von Selbstzweifel gequält. Dies und die Erwähnung seiner kleinen Schwächen und Eitelkeiten lassen ihn sehr menschlich, ja manchmal fast rührend erscheinen. Trotz einiger Hindernisse und seiner Bedenken bleibt er hartnäckig in seinem Tun und lässt sich nicht beirren. Unerwartete Unterstützung findet er dabei in dem Schauspieler Frobisher, dem es mit der Zeit gelingt, Thomas’ Vertrauen zu erringen und wertvolle Beiträge zum Fall zu leisten.
Besonders genossen habe ich die intelligenten und gleichzeitig amüsanten Dialoge zwischen Thomas Blount und Lady Edith Odingsells. Das Geplänkel der beiden, die sich schon von Jugend an kennen, ist stellenweise köstlich zu verfolgen.

Tanja Kinkels Lösung für den Fall ist faszinierend und macht Sinn, auch wenn der wahre Sachverhalt auf ewig ein Geheimnis bleiben wird.
Für Liebhaber gut recherchierter historischer Romane ist „Im Schatten der Königin“ eine absolute Leseempfehlung. Die äußere Aufmachung ist sehr edel und hochwertig gestaltet, und der Inhalt wird durch ein informatives Nachwort sowie die Stammbäume der betroffenen Familien sehr schön ergänzt. Leider haben sich ein paar gravierende Druckfehler eingeschlichen, welche den Sinn und Ablauf der Geschichte verfälschen. Im Forum auf der Homepage der Autorin werden diese richtiggestellt, und ich hoffe, dass die folgenden Auflagen des Romans diesbezüglich korrigiert erscheinen. 

1 Kommentar:

  1. Deine Rezension macht mich sehr neugierig! Aber ich warte mal die nächste Auflage ab.;-)
    Von Tanja Kinkel habe ich schon sehr viel gelesen. Venuswurf hat mir bisher am besten gefallen. Aber alle ihre Bücher sind perfekt recherchiert!

    Liebe Grüße
    Nikola

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