Donnerstag, 4. Juni 2009

Die Safranprinzessin - Andrea Olsen



Kurzbeschreibung:

Ende des 19. Jahrhunderts reist Marciella Merelli, die Tochter eines reichen Hamburger Kaufmanns, in das Gewürzparadies Sansibar vor der ostafrikanischen Küste. Ihr Begleiter ist der Araber Hafis, der von dem Gedanken besessen ist, sie zu seiner Frau zu machen. Doch Marciella verliebt sich in einen englischen Offizier und gerät in die Wirren der Machtkämpfe um den Sultansthron.

Meine Meinung: * * * 
Leider muss ich schon beim Klappentext mit der Kritik beginnen, denn diese Kurzbeschreibung stimmt von vorne bis hinten nicht! Marciella Merelli ist nicht die Tochter eines Hamburger Kaufmanns, sondern ihr Vater ist Marchese in Venedig. Sie verliebt sich auch nicht, wie angegeben, in einen englischen Offizier, sondern in ihren Stiefcousin, der aus einer Hamburger Kaufmannsfamilie stammt. Ich frage mich wieder einmal, ob der Verfasser das Buch überhaupt gelesen hat. Wenigstens wurde bei dieser Ausgabe des Romans der Name der Protagonistin berichtigt.
Die Covergestaltung finde ich sehr gelungen und schön; sie macht sofort Lust, das Buch zu lesen.
Mit der Schreibweise hatte ich anfangs größere Probleme. Ich habe lange gebraucht, in die Geschichte hinein zu finden. Störend fand ich unter anderem, dass sich immer wieder Traum und Wirklichkeit übergangslos vermischen und man oft nicht weiß, ob eine Sache wirklich geschieht.
Marciellas Verhalten ist oft außergewöhnlich und schwierig nachzuvollziehen, was sicher auch daher rührt, dass sie vom eigenen Vater missbraucht wurde. Ein Aufenthalt in einem Wiener Internat trägt nicht gerade zur Harmonisierung ihres Seelenlebens bei, und auch die Personen in ihrem Umfeld sind nicht dazu angetan, für mehr Ausgeglichenheit zu sorgen. Zeitweise empfand ich die meisten als ziemlich überspannt.
Im Mittelteil plätschert die Handlung ohne größere Höhepunkte dahin. Nur den wunderschönen und interessanten Beschreibungen verschiedener Gewürze, ihrer Anwendungsmöglichkeiten und ihrem Stellenwert im Leben der Protagonisten verdanke ich es, dass ich durchgehalten und weitergelesen habe. Marciella verliebt sich in ihren Stiefcousin und wartet vergeblich darauf, dass er um ihre Hand anhält. Der Orientale Hafis, den sie bereits in Venedig kennengelernt hat, ist als Begleitung und Schutz mit ihr nach Hamburg gekommen. Er schmachtet sie an und verzehrt sich in unerfüllter Liebe zu ihr. Auch seine Rolle ist manchmal etwas zwiespältig und verwirrend geschildert. Bei ihm und bei Marciella wußte ich nie so recht, wie ich sie einschätzen sollte.
Als Marciella, nach einer herben Enttäuschung, zusammen mit Hafis aufbricht, um nach Sansibar zu reisen, wird die Handlung erst richtig spannend. Im letzten Drittel überschlagen sich die Ereignisse, und die faszinierenden, farbenprächtigen Beschreibungen von Land, Leben und Kultur der Insel haben mich größtenteils mit den vorhergehenden vierhundert Seiten versöhnt.

Gewünscht hätte ich mir bei diesem Roman eine Erklärung der vielen Fachbegriffe im Buch. Zwar sind sie alle schön säuberlich kursiv gedruckt, aber eine Erläuterung wird man vergeblich suchen. Es sind viele arabische Begriffe dabei, unter denen man sich absolut nichts vorstellen kann. Man kann nur raten, was gemeint ist, und der Lesefluss wird dadurch immer wieder unangenehm ausgebremst. Trotzdem empfehle ich den Roman, denn für alle, die ein Faible für Gewürze und Aromen haben, ist das Buch, trotz seiner Schwächen, ganz sicher ein Leckerbissen.

1 Kommentar:

  1. Von dem Buch war ich seinerzeit richtig enttäuscht, da der Klappentext etwas ganz anderes erwarten lies. Aber schön, dass Du Dich nicht davon hast abschrecken lassen und dass es Dir gefallen hat.

    LG
    Melli

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