Freitag, 31. März 2017

Die Nachtigall - Kristin Hannah



Der Roman schildert das Schicksal zweier Schwestern während der Zeit des zweiten Weltkriegs. Vianne und Isabelle sind Französinnen und müssen miterleben, wie ihr Heimatland immer mehr von den Deutschen eingenommen wird.
Die Mutter der Schwestern ist früh gestorben, und der Vater hat seine beiden Töchter abgeschoben, möchte nichts von ihnen Wissen. Isabelle und Vianne sind zwei gegensätzliche Charaktere, und so verschieden wie sie sind, so unterschiedlich gehen sie auch die Probleme ihrer Zeit an.
Viannes Mann wird irgendwo in Deutschland in einem Kriegsgefangenenlager festgehalten. So ist sie auf sich allein gestellt und setzt ihre ganzen Bemühungen ein, die schwere Zeit zusammen mit ihrer Tochter zu überleben. Sie ist kein mutiger Mensch, sondern sehnt sich einfach nur nach Frieden und wünscht sich, ihr Mann möge zurück kommen. So versucht sie, sich anzupassen und möglichst unauffällig zu bleiben. Aber je länger der Krieg andauert, umso öfter gerät sie in brisante Situationen und macht auch Fehler im Umgang mit den deutschen Besatzern. Aber sie wächst letztendlich über sich selbst hinaus und beweist eine Stärke, von der sie selbst nicht gewusst hatte, dass sie in ihr steckt.
Ihre jüngere Schwester Isabelle ist eine Rebellin. Als sie, auf der Flucht vor den Deutschen, Paris verlässt, um zu Vianne zu gelangen, lernt sie Gäeton kennen. Der junge Mann ist ein Kämpfer der Résistance. Ohne zu zögern schließt sich Isabell dieser Bewegung an. Später macht sie als die „Nachtigall“ von sich reden. Sie führt abgeschossene Piloten der Alliierten über die Pyrenäen in die Freiheit. Keiner weiß, wer sich hinter dem Namen verbirgt, aber die Deutschen setzen alles dran, die geheimnisvolle Nachtigall zu finden.

Als ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hielt und das Cover betrachtete, hatte ich noch eine völlig andere Vorstellung vom Inhalt. Der filigrane Zweig, auf dem die goldfarbene Nachtigall sitzt, deren Körper zugleich eine Ansicht von Paris im Sonnenuntergang zeigt, hat mich auf eine ganz andere Geschichte schließen lassen.
Erhalten habe ich das Buch überraschend, im Zuge einer Lovelybooks-Aktion, von der ich hier: http://klusiliest.blogspot.de/2016/08/uberraschungspost-von-lovelybooks-die.html berichtet habe.
Auch das ganze Beiwerk, die Goldplättchen im Paket, die goldene Feder als Lesezeichen, das alles deutete für mich eigentlich eher auf eine romantische Geschichte hin. Aber von Romantik ist im Roman ganz und gar nichts zu spüren. Zu hart und grausam ist die geschilderte Zeit, in der für die Liebe und für alles Schöne kein Platz war.
Anfangs hatte ich diverse Schwierigkeiten, in die Geschichte hinein zu kommen. Ungefähr das erste Drittel hat sich für mein Empfinden etwas gezogen. Aber dann passiert so viel, die Ereignisse überschlagen sich, und man möchte immer nur weiterlesen, wird völlig von der Handlung vereinnahmt. Die Charaktere der Schwestern haben mir beide sehr gut gefallen, obwohl (oder gerade weil) sie so unterschiedlich sind. Vianne ist eher zurückhaltend in ihrer Art. Sie versucht, ihre Tochter zu beschützen und schlägt sich durch, im täglichen Kampf um die notwendigsten Dinge zum Überleben. Ich konnte sie gut verstehen, und so wie ihr, ging es sicher vielen Frauen damals. Sie wagt nicht, aufzubegehren, als ein deutscher Hauptmann bei ihr einquartiert wird. Isabelle, die zu dieser Zeit gerade bei ihrer Schwester im Haus lebt, kann sich nicht damit abfinden und sucht ständig die Konfrontation. Ihr Benehmen macht Vianne Angst, denn sie befürchtet, ein falsches Wort könnte sie alle in Gefahr bringen.
Bei Isabelle wusste ich teilweise nicht, ob ich ihren ungeheuren Mut bewundern oder über ihre draufgängerische Art den Kopf schütteln sollte.
Zwar spielt auch die Liebe bei den Protagonisten eine Rolle, aber diese ist in Zeiten des Kriegs ungewiss. Besonders an Isabelles Beispiel zeigt sich das sehr deutlich. Gerade ihr Schicksal hat mich letztendlich tief berührt.
Über die Zeit des zweiten Weltkriegs aus dieser Perspektive hatte ich vorher noch nicht viel erfahren Die meisten Berichte, die ich vorher gelesen hatte, spielten direkt in Deutschland oder waren aus dem Blickwinkel von Menschen, die einer damals verfolgten Bevölkerungsgruppe angehörten. Das Ausmaß des Leidens und der Einschränkungen der Bevölkerung Frankreichs während des Kriegs war mir bisher nie so bewusst geworden.
Kristin Hannah hat in diesem Roman, der ihr eine Herzensangelegenheit war, wie sie selbst im Nachwort schreibt, all den Frauen ein literarisches Denkmal gesetzt, die sich damals für Frieden und Freiheit eingesetzt haben, jede auf ihre persönliche Art. Es gab sicher viele ähnliche Schicksale, denen dieser Roman ein Andenken setzt.

Ich kann nicht sagen, dass mir der Roman „gefallen“ hat, zu schrecklich sind die damaligen Ereignisse, die geschildert werden und die leider einen nur allzu realen Hintergrund haben. Aber die Geschichte hat mich beeindruckt, erschüttert und mitgerissen, und sie klingt immer noch nach.  

🌟🌟🌟🌟🌟


Montag, 27. März 2017

Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein - Thomas Frings


Klappentext:
Als Thomas Frings im Februar 2016 sein Amt als Pfarrer niederlegt, ins Kloster geht und diesen Schritt öffentlich erklärt, ist das Echo gewaltig. Nicht nur in den Medien, auch unter Amtsbrüdern und Gläubigen. Tausende Followers auf Facebook liken seinen Schritt. Sie spüren: Dort ist jemand, der nicht aus Trotz oder Angst, sondern aus tiefer Liebe zur Kirche eine solch schwere Entscheidung getroffen hat. Auch in seinem Buch redet Frings Klartext, benennt Missstände und gibt Einblick in sein Seelenleben als Pfarrer. Er kritisiert, zeigt aber auch neue Wege auf und liefert Erklärungen und Lösungsansätze. Für Thomas Frings ist klar: Kirche muss wieder mehr Kirche sein, wenn sie überleben will. Und: »Ich habe kein Problem. Ich bin voller Energie und liebe meine Kirche. Ich will nichts anderes sein als Priester. Aber so kann es nicht weitergehen.«
»Als ich schweren Herzens meine Gemeinde verlassen habe, da wurde ich auch mit dem Vorwurf konfrontiert, der Hirte verlasse seine Herde. Doch musste ich in dem Moment nicht selber darauf reagieren, sondern ein älterer Herr ergriff das Wort und sagte: Das kann man selbstverständlich so sehen. Wenn jedoch auf den alten Wegen immer weniger Schafe mitgehen und man immer weniger weiß, wohin es gehen soll, dann muss es vielleicht auch Hirten geben, die die Herde einmal verlassen um vorauszugehen und nach neuen Wegen suchen.« (Thomas Frings)
»Was ich aber nicht verloren habe, ist der Glaube daran, dass es ein christliches Programm für unsere Gesellschaft gibt, für das es sich zu leben lohnt.« (Thomas Frings)

Mein Eindruck:
Der Klappentext hat mich neugierig gemacht. Ein Pfarrer legt sein Amt nieder und verlässt seine Gemeinde, um ins Kloster zu gehen. Auch wenn ich nicht alles verstanden habe, da sich viele Begriffe speziell auf die katholische Kirche beziehen bzw. nur dort zu finden sind, so ist mir doch die Thematik auch aus meiner evangelischen Gemeinde bekannt, und letztendlich ist die angesprochene Problematik konfessionsübergreifend. Mit leeren Kirchen haben wohl die meisten christlichen Gemeinden zu kämpfen. Der Autor berichtet, zum Teil recht humorvoll, wenn auch immer mit einem leichten Anflug von Sarkasmus, aus seinem Alltag als Gemeindepfarrer. Was er da so alles erlebt hat, lässt einen häufig mit dem Kopf schütteln, zu seltsam, manchmal regelrecht kurios, sind teilweise die Wünsche seiner Schäfchen.
Man hat den Eindruck, so mancher verwechselt seine Kirche mit einem Service- und Dienstleistungsbetrieb. Insofern kann ich die Klagen durchaus verstehen, und bei vielen Erläuterungen hat mir der Autor aus dem Herzen gesprochen.
Allerdings bin ich mir nun, nach Beendigung der Lektüre, nicht unbedingt sicher, ob die Entscheidung, sich aus dem Amt des Pfarrers zurückzuziehen, wirklich Sinn macht. Thomas Frings liebt seine Kirche, wie er schreibt. Er hat auch den Glauben an ein christliches Programm für die Zukunft anscheinend nicht verloren, und doch wirken seine Ausführungen zum Teil mutlos. Einerseits kann ich seine Reaktion gut verstehen, und sein Entschluss ist sicher nicht spontan gefallen. Aber da ist ja auch noch die Krux mit dem fehlenden Nachwuchs. Wie soll es weitergehen, wenn auch die erfahrenen Pfarrer aufgeben? Wenn das Beispiel des Autors Schule macht, haben wir bald nicht nur schrumpfende Gemeinden, sondern irgendwann gar keine mehr. Wäre es nicht besser, die Energie, die nötig war, dieses Buch zu schreiben, für Verbesserungen in der Zukunft umzusetzen? Wie Herr Frings schreibt, scheint seine Gemeinde (zumindest ein verständiger Teil davon) durchaus gut auf Kritik oder Vorschläge reagiert zu haben. Wäre es nicht besser, gerade für diese Gemeindemitglieder weiterhin verfügbar zu sein?
So ganz bin ich nicht dahinter gekommen, ob der Autor seinen Rückzug nur als befristete Auszeit sieht, oder als endgültige Entscheidung. Ersteres könnte ich durchaus verstehen, denn dann wäre das eine gute Gelegenheit Kraft zu sammeln, um dann mit neuer Energie und mit frischen Ideen zurück zu kehren.
So ganz hat dieses Buch meine Erwartungen nicht erfüllt, denn die Kritik ist durchaus nachvollziehbar und absolut berechtigt, aber ich hätte mir etwas mehr Vorschläge für Lösungsansätze gewünscht.

Ein Ärgernis war für mich bei der Lektüre das teilweise recht oberflächliche Lektorat. Da gab es viele Halbsätze, andere Sätze wurden völlig sinnfrei durch einen Punkt getrennt, und manche Formulierung war so umständlich, dass ich sie oft mehrfach lesen musste, um den korrekten Sinn zu erfassen. Diese Fehler im Text machen das Lesen nicht gerade zu einer reinen Freude.  
👍👍👍

Freitag, 17. März 2017

Unsere Hälfte des Himmels - Clarissa Linden



Die Rahmenhandlung dieses Romans spielt im Jahr 1971. Lieselottes Leben gleicht einem alten, abgetragenen Kleidungsstück. Es ist langweilig und farblos geworden. Mit ihrem Ehemann hat sie eigentlich nichts gemeinsam. Sie und Eduard leben mehr oder weniger desinteressiert nebeneinander her. Manchmal fragt sich Lieselotte, wie es so kommen konnte und ob sie ihren Mann eigentlich einmal wirklich geliebt hat. Immer häufiger hört oder liest sie, dass andere Frauen für ihre Rechte auf die Straße gehen und demonstrieren. Sie selbst hat nicht den Mut dazu.
Als Lieselotte einen Anruf erhält, dass ihre Mutter einen schweren Unfall hatte und im Koma liegt, ist sie völlig aufgelöst und fährt am nächsten Tag mit der Bahn nach Frankfurt. Ihr Mann bleibt in Kassel zurück. Ihm scheint die ganze Angelegenheit gleichgültig zu sein.
In Frankfurt wohnt Lieselotte in der Wohnung ihrer Mutter Amelie. Dabei lernt sie sehr bald die Nachbarin kennen, Marga, eine junge Stundentin, die mit ihrem Kater „Cat Balou“ gleich nebenan wohnt und mit der sich Lieselotte schnell anfreundet. Bei Marga findet sie Verständnis, und sie hofft, von ihr mehr über Amelie zu erfahren. Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter war immer distanziert, und für Lieselotte ist es kaum vorstellbar, dass die stets so starke Amelie nun hilflos und ohne Bewusstsein im Krankenhaus liegt. Als Lieselotte ein altes Foto entdeckt, hofft sie, mehr über die Vergangenheit und über das Schicksal ihres Vaters zu erfahren, worüber ihre Mutter nie gesprochen hat. Ihre Recherchen, die sie mit Margas Hilfe unternimmt, führen sie 36 Jahre zurück, und die Erkenntnisse, die sie über diese Zeit gewinnt, versetzen sie in Erstaunen. Nie hätte sie hinter Amelies kühler Art diese Lebensfreude und Leidenschaft zur Fliegerei erwartet, von der sie nun erfährt.
In diesen Rückblicken ins Jahr 1935 lernt man eine völlig andere Amelie kennen, eine junge Frau mit Träumen und Lebensplänen. Sie und ihre beste Freundin Hanni möchten Pilotinnen werden, was zur damaligen Zeit, unter dem Naziregime, nicht gerade einfach zu erreichen war. Aber die Freundinnen haben feste Vorsätze, die sie sich von niemandem zerstören lassen wollen. Als Amelie sich in Hannas Fluglehrer verliebt, gerät die Freundschaft der beiden jungen Frauen in eine Krise, die alle Beteiligten auf eine Tragödie zusteuern lässt.

In die Rahmengeschichte, die in den frühen 70er Jahren spielt, konnte ich geistig sofort eintauchen. Die Atmosphäre und den Zeitgeist von damals hat die Autorin wunderbar treffend dargestellt. Ich selbst habe das Jahr 1971 als Teenager erlebt und mich beim Lesen direkt wieder in diese Zeit zurück versetzt gefühlt, so gut und farbig ist sie beschrieben. An die erwähnten Musikstücke habe ich noch lebhafte Erinnerungen, und auch die Themen rund um die Frauenbewegung haben mich damals bereits beschäftigt. Wie stark beschränkt die Rechte einer Ehefrau damals noch waren, das wusste ich jedoch bisher nicht und habe es erst jetzt durch diesen Roman erfahren. Lieselottes Wandlung im Verlauf der Geschichte hat mir sehr gefallen, denn die Protagonistin steht für viele Frauen ihrer Zeit. Es musste erst einiges geschehen, sie aus ihrem Alltagstrott zu reißen und wachzurütteln.

Richtig dramatisch wird es jedoch in der Vergangenheit. Hier hat die Autorin einige äußerst brisante Themen verarbeitet. Die Fliegerei in der Geschichte ist ein faszinierendes Thema, das hier im Roman vielschichtig und mit all seinen Problemen dargestellt ist. Weibliche Berufsflieger entsprachen so gar nicht dem nationalsozialistischen Idealen, sondern wurden wohl eher als Exoten angesehen. Das Regime sah für Frauen eher ein gemütliches Heim, Mann und Kinder vor.
So gesehen kann ich mir schon vorstellen, dass Hanna den Weg zu ihrem Lebenstraum nicht in dieser Männerdomäne alleine gehen wollte. Erschütternd ist jedoch die Art und Weise ihres Vorgehens und die Erkenntnis, wie schnell freundschaftliche Verbundenheit und Zuneigung in besitzergreifende Eifersucht und sogar in Hass umschlagen kann.
Eigentlich nicht neu für mich, aber doch immer wieder bestürzend ist die Tatsache, wie wenig die Menschen zur Hitlerzeit über ihr eigenes Leben bestimmen konnten, wie stark sie unter Beobachtung standen, nicht nur Angehörige von „Randgruppen“ der Gesellschaft, sondern ganz normale Bürger. Es war eine Zeit, in der es schon gefährlich war, jemanden zu kennen, der dem Regime ein Dorn im Auge war, in dem schon ein einziges Wort todbringend sein konnte.

Dies ist ein vielschichtiger Roman, denn er beleuchtet nicht nur zwei interessante Zeitabschnitte des 20. Jahrhunderts, sondern greift viele besondere Themen auf. Hier erfährt man über ein schwieriges Mutter-Tochter-Verhältnis, das von der Vergangenheit belastet ist, und man erlebt eine junge Frau, die hin und her gerissen ist, zwischen der besten Freundin, ihrem Zukunftstraum und der Liebe ihres Lebens und wie sie an dieser Zerrissenheit fast zerbricht.

Somit bietet dieser Roman nicht nur beste, hochwertige Unterhaltung, sondern daneben auch viel Gesprächsstoff und Themen, über die man noch lange nachdenkt. Da es bei beiden Handlungssträngen sehr stark um die Frauenbewegung geht, denn auch die mutigen Fliegerinnen aus den 20er und 30er Jahren sind bereits Vorreiter der Emanzipation gewesen, passt dieses Buch für mich besonders gut in den März, den Monat, in dem auch alljährlich der Weltfrauentag begangen wird.  

👍👍👍👍👍


Donnerstag, 16. März 2017

Neuzugänge in der ersten Märzhälfte


Wie gewohnt zeige ich euch zur Monatsmitte schon mal die Bücher, die bisher im März neu bei mir eingezogen sind.
Die oberen drei Bücher sind Rezensionsexemplare, mit denen ich gerechnet habe. Wie könnte es auch anders sein, sind es drei historische Romane. "Die Liebe in diesen Zeiten" spielt während des zweiten Weltkriegs in England. "Der grüne Palast" entführt den Leser nach Wien, zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Soviel ich bisher weiß, ist der Roman weitgehend in Brief-Form geschrieben. Ich bin gespannt. Bei "Weiße Rosen und die Titanic" ist eigentlich schon vom Titel her einigermaßen klar, worum es geht. 😉 
Die beiden Bücher unten links und in der Mitte habe ich vom Verlag überraschend zugesandt bekommen und kann noch gar nichts weiter dazu sagen. Es wird auch eine Weile dauern, bis ich dazu komme, die Bücher zu lesen, denn die angekündigten Rezensionsexemplare haben nun mal Vorrang. "Assassino" habe ich als Überraschungsbuch über die Facebook-Gruppe erhalten. 
Das war's auch schon für heute. Ich gehe dann mal wieder lesen. 😉

Mittwoch, 8. März 2017

Die Irak-Mission - Carola Wegerle


Klappentext:
Dieser spannende Roman führt Sie mitten in den Nahen Osten:
Im Nordirak explodiert ein Militärflugzeug und stürzt brennend in ein kurdisches Waisenlager. Hunderte Kinder sind schwer verletzt. Ibrahim, der einzige Arzt vor Ort, ist mit den vielen Verletzten hoffnungslos überfordert. Er bittet die junge Chirurgin Claire, ihm zu helfen. Obwohl sie das Trauma ihres ersten Auslandseinsatzes in einem Krisengebiet noch nicht verarbeitet hat, lässt sie sich darauf ein. Dabei gerät die Ärztin zwischen die Fronten eines politischen Ränkespiels.

Mein Eindruck:
Der Roman ist im Präsens geschrieben, und diese Schreibweise bringt mir eine Geschichte immer besonders nahe. Bildhaft und sehr authentisch schildert die Autorin die Ereignisse im Nordirak, wohin die Chirurgin Claire dem Hilferuf eines alten Freundes folgt. Als sie nach Ibrahims Anruf aufbricht, um ihn in Kirkuk bei der Versorgung der vielen verletzten Kinder zu unterstützen, weiß sie noch nicht, auf was sie sich da einlässt, denn ihre Mission ist einerseits wichtig, aber auch sehr gefährlich.
Drei Frauen begleiten sie, um mit ihr zu arbeiten. Doch bereits auf dem Weg nach Kirkuk ergeben sich ungeahnte Hindernisse und Gefahren.
Zur gleichen Zeit ist auch ein Mitarbeiter des BND unterwegs in den Irak. Robert hat eine besondere Mission zu erfüllen und spielt eine wichtige Rolle im Roman.
Und da ist dann noch Gulala, die ebenfalls einige Zeit in Deutschland lebte und seit dieser Zeit mit Ibrahim befreundet ist. Gulala ist eine sympathische, intelligente Frau, aber seit ihrer Heirat lebt sie weitgehend isoliert. Rizgar, ihr Mann, ist nicht an ihrer Meinung interessiert und sieht ihren Platz einzig und allein im Haus. So ist sie in erster Linie für ihre Söhne da und schreibt heimlich brisante Berichte, die jedoch nicht zur Veröffentlichung kommen, da im Nordirak ein absoluter Funkstopp herrscht, denn der Flugzeugabsturz soll unter allen Umständen vertuscht werden.

Die Autorin hat einen sehr fesselnden, eindringlichen Schreibstil. Kirkuk ist in der Handlung ein Brennpunkt, wo viele verschiedene Interessen aufeinanderprallen. Die Protagonisten arbeiten unter Lebensgefahr, sitzen quasi ständig wie auf einem Pulverfass, das jeden Moment explodieren kann. Dass sie trotzdem tun, was getan werden muss, setzt ungeheuer viel Mut und Idealismus voraus. Sehr plastisch wird die Lage beschrieben, indem man Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt der verschiedenen Charaktere erhält. Die Geschichte ist so packend dargestellt, dass sie mich bis in meine Träume verfolgte.
Sie bietet jede Menge Stoff zum Nachdenken. Man erfährt hier eine Welt der Männer, die getrieben sind von Ehre, Rache und Machthunger und dies alles mit Brutalität und Waffengewalt erzwingen wollen. Obwohl Frauen in diesem Gefüge nach außen hin wenig zu sagen haben, liegt doch bei ihnen, in ihrem Wunsch nach Frieden, die wahre Stärke, eine große, unerschütterliche Kraft, die alles vorantreibt und tatsächlich etwas bewirkt.

Diese weibliche Urkraft, die Carola Wegerle in ihrem Roman sehr deutlich zum Ausdruck bringt, ist für mich die schlüssige und wichtige Aussage der Geschichte. Aus diesem Grund ist meines Erachtens heute, am internationalen Frauentag, der perfekte Zeitpunkt, meine Rezension zu veröffentlichen.

👍👍👍👍👍


Dienstag, 7. März 2017

Das Gut in der Toskana - Margot S. Baumann


Die Familie di Rossi betreibt in Frankfurt ein Bestattungsunternehmen. Als die Nachricht eintrifft, dass der Großvater, der in der Toskana lebt, einen Schlaganfall erlitten hat, macht sich Enkeltochter Allegra auf die Reise, ihn zu besuchen und zu unterstützen.
Giovanni di Rossi lebt auf dem Landgut seines Freundes Lorenzo Ferretti, in der Nähe von Montalcino. Hier arbeitete er bis zu seiner Pensionierung als Gärtner. Als Allegra auf dem Landgut in der Toskana ankommt, erwartet sie ein eher frostiger Empfang. Statt sich zu freuen, gibt sich ihr Großvater sehr mürrisch. Außerdem wird Allegra ständig mit der Gegenwart von Lorenzos Neffen konfrontiert. Als dieser erfährt, dass Allegra im Betrieb ihrer Familie mitarbeitet, spricht er von ihr nur nach als „Die Totengräberin“. Der attraktive Massimo gibt sich der jungen Frau gegenüber arrogant und spöttisch, und die beiden geraten sich ständig in die Haare.
Die folgenden Ereignisse führen jedoch dazu, dass Allegra und Massimo an einem Strang ziehen müssen, und ihr Verhältnis ändert sich, denn gemeinsam sind sie einem Familiengeheimnis auf der Spur und wollen das damit verbundene Problem lösen. Dabei entdecken sie, dass nicht nur dieses Geheimnis sie verbindet, sondern dass eine starke Anziehungskraft zwischen ihnen besteht.

Ich liebe die Toskana, und so habe ich mich sehr neugierig auf diesen neuen Roman von Margot S. Baumann gestürzt. Die Autorin schreibt sehr lebendig und kurzweilig. Ihre Schilderungen ließen ein farbenfrohes Bild der toskanischen Landschaft vor meinen Augen entstehen, so dass mich beim Lesen schnell das totale Fernweh gepackt hat. Das beschriebene Landgut muss traumhaft sein,und man hegt den Wunsch, genau dort einmal Urlaub zu machen.
Allegra war mir von Anfang an sympathisch, und besonders die Art und Weise, wie sie sich mit ihrem kranken Großvater arrangiert, fand ich sehr schön und liebevoll. Massimo legt ein ziemliches Macho-Gehabe an den Tag, aber wenn man ihn näher kennenlernt und einiges über ihn und seine nahe Vergangenheit erfährt, kann man ihn in einigen Punkten verstehen. Er ist ein recht widersprüchlicher Charakter, und sein Ego hat schwer am Fehltritt seiner Verlobten zu knabbern. Er weiß nicht, ob er ihr diesen Vertrauensbruch verzeihen kann. Seit er Allegra kennt, vergleicht er sie ständig mit Carla und findet eine negative Eigenschaft nach der anderen, die seiner Meinung nach beide Frauen gemeinsam haben.
Die Schnelligkeit, mit der sich das Verhältnis zwischen Allegra und Massimo dann jedoch verändert, war für mich nicht so ganz glaubwürdig, denn beide haben innerhalb kürzester Zeit einen Gesinnungswandel um 180 Grad erfahren. Einerseits fand ich das Familiengeheimnis interessant, und ich habe mit Spannung verfolgt, wie die Protagonisten, die sich kurz vorher direkt feindlich gegenüber standen, plötzlich so gut zusammenarbeiteten. Auch gab es hier im Verlauf der Geschichte für mein Empfinden ein paar Zufälle zu viel.

Trotz meiner kritischen Anmerkungen habe ich den Roman aber sehr genossen, schon weil das Ambiente so wunderbar dargestellt ist. Die Autorin versteht es, zu fesseln, und so habe ich einige schöne und kurzweilige Lesestunden mit diesem Roman verbracht, denn die Geschichte ist fast wie ein Kurzurlaub im Kopf, man kann damit den Alltag ausblenden und wunderbar abschalten.

👍👍👍👍

Der Roman ist als eBook sowie auch als Taschenbuch erhältlich.