Montag, 10. Juli 2017

Die Schicksalswächterin - Gabriele Breuer


Österreich 1760: Sophie, die junge Gräfin von Waldbach, steckt gerade mitten in ihren Hochzeitsvorbereitungen, als sie an den Pocken erkrankt. Sie überlebt, aber die Blattern hinterlassen Narben, und ihr Bräutigam wendet sich von ihr ab. Es scheint für Sophie nur noch den Weg ins Kloster zu geben, aber dann kann ihr Onkel ihr am Wiener Hof eine Stellung vermitteln, wo sie eine Ausbildung als Erzieherin erhalten soll. 

Als sie jedoch erfährt, dass einige der ihr anvertrauten Kinder von ihren Eltern getrennt wurden, weil diese der Lehre Luthers anhängen, wandelt sich ihre anfängliche Freude über die neue Stelle schnell in Betroffenheit. Während die Eltern verfolgt und nach Siebenbürgen abgeschoben werden, hat die Kaiserin Maria Theresia für die Kinder verfügt, dass sie an ihrem Hof im katholischen Glauben erzogen werden sollen. Eines der Mädchen, die Sophie betreut, ist die Tochter des Reitlehrers Benno. Dieser ist seiner Tochter heimlich an den Hof gefolgt und will alles tun, um wieder bei seinem Kind zu sein. Er vertraut sich Sophie an, und die beiden planen eine riskante Aktion, um Caroline aus der Hofburg zu befreien.

Mit Sophie hat der Roman eine außergewöhnliche, starke Heldin. Hier hat man einmal eine Protagonistin, die nicht vom ersten Moment an durch Schönheit besticht, sondern sich durch Herzensgüte und großen Mut bewährt. Als sich ihr Verlobter von ihr abwendet, bricht für Sophie eine Welt zusammen, aber sie lässt sich nicht unterkriegen, sondern kämpft für ihr Glück, denn sie erkennt, dass es eine Gnade für sie ist, die Krankheit überlebt zu haben.
Und dann ist da noch Benno, der aus Liebe zu seiner Tochter alles wagt und sogar sein Leben aufs Spiel setzt. Die Handlung ist sehr realitätsgetreu und damit glaubhaft, war es doch unter der Herrschaft Maria Theresias wirklich so, dass die Kaiserin nur den katholischen Glauben anerkannte und diesen als den einzig wahren in Österreich zulassen wollte. Ich muss gestehen, dass ich mich bisher noch nicht allzu stark mit dem Leben Maria Theresias befasst hatte. So war mir auch nicht bekannt, mit welcher Intoleranz sie Andersgläubigen gegenüberstand. Ihr Bestreben, alle Protestanten aus ihrem Land zu vertreiben, grenzt an Fanatismus. Mehr über die damaligen Ereignisse und auch über die Meinungsverschiedenheiten mit ihrem Sohn und Thronfolger Joseph zu erfahren, fand ich sehr interessant und lehrreich.
Sowohl die fiktiven als auch die realen Charaktere sind allesamt sehr plastisch beschrieben und vermitteln ein farbiges Bild der damaligen Zeit,besonders am Wiener Hof.
Auch die Liebe spielt im Roman eine Rolle, aber die Handlung wirkt zu keiner Zeit rührselig oder gar kitschig. Sehr schön beschreibt die Autorin beispielsweise, wie Benno Sophie sieht, dass er zwar ihre Narben registriert, sie aber trotzdem als attraktive Frau wahrnimmt und dabei mehr auf die Schönheit ihres liebenswerten Wesens achtet.
Die Autorin hat hier einige Probleme angesprochen, die auch heute noch aktuell sind, denn auch in unserer Zeit werden noch Menschen wegen ihrer Religion verfolgt, und mag man den Medien glauben, steht die Unversehrtheit des Körpers beim Schönheitsideal an oberster Stelle. Diese Themen sind im Roman sehr glaubwürdig und feinfühlig dargestellt
Alles in allem hat „Die Schicksalswächterin“ sehr viel zu bieten: jede Menge Spannung, viel Wissenswertes über die Zeit Maria Theresias am Wiener Hof, ganz besondere Charaktere und eine Handlung, die fasziniert und berührt, ein wirklich großartiger Roman.

⭐⭐⭐⭐⭐

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